Offener Frustbrief @BERNMOBIL


Sehr verehrte Kundenkontaktverantwortliche von Bernmobil, ich verstehe, dass es nicht für alle Chauffeure/eusen immer leicht ist, zu erkennen, ob die sich nahe der Haltestellen befindlichen Personen auf eins Ihrer Transportmittel warten, oder nicht. Und doch gibt es einige Merkmale und Verhaltensweisen, die den einen oder anderen Hinweis auf die Absichten der sich in Haltestelleradius befindenden Personen liefern könnten. Ich möchte hier zwei Beispiele zur Veranschaulichung liefern:

Beispiel 1

Situation: Ein Mann in hautenger Joggingkleidung, die etwas zu viel von seinen körperlichen Voraussetzungen preisgibt, worauf ich hier aber nicht näher eingehen möchte, auch wenn ich mich gerne über die scheinbaren Gegensätze Ästhetik und Sportbekleidung auslassen würde, aber die Tatsache, dass mir Federers Turnschuhe nicht gefallen, tut hier wirklich nichts zur Sache, der Mann mit kaschierten exhibitionistischen Zügen joggt  also in recht ansehlichem Tempo auf die Haltestelle zu, als er sieht, dass der Busfahrer anzuhalten gedenkt, winkt er ihn freundlich weiter.

Analyse: Der joggende, schlechtgekleidete Mann bedeutet dem Busfahrer eindeutig, dass er nicht einzusteigen gedenkt, weiter zu fahren, ohne den Mann mitzunehmen, ist hier eine adäquate Reaktion, zumal jegliches andere Tun in diesem Falle gewaltvolle Nötigung zur Mitfahrt bedürfte und hernach als Entführung ausgelegt werden könnte.

Beispiel 2

Situation: Eine junge Frau mit Kleinkind im Buggy wartet an der Bushaltestelle, als der Chauffeur den Bus anhält (Danke hierfür.) drückt sie den Türöffnungsknopf und versucht wiederholt vergeblich durch die Mitteltür einzusteigen, leider vergeblich, denn erstens befinden sich im Bus sehr viele Menschen mit sehr wenig Wille ein wenig zusammenzurücken und zweitens fehlt es der jungen Frau ganz offensichtlich sich per Amokfahren gewaltvoll Platz zu verschaffen. Sie gibt auf, stellt aber mit erstaunter Erleichterung fest, dass beim vordersten der drei Eingänge durchaus Platz für den, doch relativ handlichen, Buggy ist. Die Tür ist noch offen, sie schafft es gerade so ein Rad einzufahren, als sich die Türe schliesst. Sie zieht den Buggy wieder aus dem Bus und drückt erneut auf den Knopf, die Tür öffnet sich, wieder schafft sie es, ein Rad in den Bus zu schieben, bevor sich die Tür erneut schliesst. Wieder zieht sie den Buggy ganz raus, um ihr Kind nicht in der Tür einzuklemmen, erneut bedient sie den Türöffnungsknopf. Diesmal vergeblich, denn die Tür bleibt verschlossen. Der Buschauffer zuckt mit den Schultern und fährt von dannen.

Analyse: Wenn eine Person wiederholte Versuche unternimmt in den Bus zu gelangen, darf bedenkenlos davon ausgegangen werden, dass sie dies nicht aus Ulk und schierer Freude am Knöpfedrücken tut, sondern, dass sie Ihre Dienste, für die sie regelmässig einiges bezahlt, tatsächlich nutzen möchte. Beispielsweise um, wie im geschilderten Falle, einen Termin beim Kinderarzt rechtzeitig wahrzunehmen.

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie den Sonnenschein von Fahrer, der am 14.02.13 um 12:03 die Haltestelle der Äusseren Enge (Linie 21) bediente, die beiden Beispiele unterbreiten und ihn instruieren würden, damit auch er künftig nonverbal geäusserte Mitfahrwünsche, wie Knopfdrücken oder Einsteigeversuche, als solche erkennt und künftig möglichst wenige Kundinnen mit Kleinkindern, Frustration und Gewaltphantasien mehr in der Kälte stehen lässt.

Ihre Frau Gminggmangg

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15 Kommentare

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15 Antworten zu “Offener Frustbrief @BERNMOBIL

  1. Da muss ich nicht mal du sein um gefrustet zu sein!!!!

  2. Zieh in Oltens Agglo, da brüllen dir die Chauffeure auch noch ein munteres “Grüessech wou!!” zu, wenn du bei der hintersten Tür des Gefährts einsteigst!! :-)

    (Und sie warten regelmässig geduldig, bis ich angekeucht komme und machen schon mal die Tür für mich auf).

    Provinz hat Vorteile!

    Aber ich wünsche dir und deinem Frust dennoch, dass Bernmobil angemessen reagiert!

  3. hatten wir vorgestern hier im Münchner Nahverkehr: Bus fährt an die Kreuzung, ich lasse Buggy los und winke ihm bedeutsam zu, Busfahrer nickt scheinbar, ich schiebe Buggy und Knirps durch etwa 20cm frischgefallenen Schnee und Schneewind und Matsch auf die andere Straßenseite, haltender Bus wartet, ich freue mich, wir weiter durch den Matsch, tippen auf den Türknopf und der Bus… schließt die Tür und lässt uns da stehen.

    Da half mir nur der Knirps, der darauf sagte, “ach macht nix, Mama. Ich wollte heute sowieso mal den ganzen Weg laufen.”

    • Kleiner Sarkast!
      Kinder sind die besseren Menschen. Manchal. Wenn sie nicht gerade 30minütige Trotzanfälle, die jede schauspielerische Leistung in the Exorzist in den Schatten stellen, hinlegen.

  4. Hui mou du, da hätts bi mir auso o ghäscheret.
    Läck das geit grad gar nid so öppis.

  5. Ellen

    Immerhin erscheint das Einsteigewünschvermittlungsverfahren bei den Eidgenossen etwas flexibler gehandhabt zu werden als im gefühlten Zentrum des Universums (namentlich eine kleine, etwas überambitionierte Insel, die irgendwo zwischen Frankreich und den USA rumschwimmt). Dort hat man sich nämlich (egal bei welchen Wetter) in Reih und Glied in der Reihenfolge des Eintreffen neben (!) dem Bushäuschen aufzustellen und mit einer bestimmten Handbewegung, die nur Einheimische nach langem Studium annähernd beherrschen, den Bus heranzuwinken. Handbewegung nicht royal genug? Keine Chance. Handbewegung zu winkig? Vergessen Sie es. Schreien und mit beiden Armen wild wedeln? Nope, der Kutscher wird eher noch Gas geben und eine Pfütze anvisieren.

    Sie können sich vorstellen, dass ich sehr oft länger an der Haltestelle stand, als zwingend notwendig. Einmal bat ich in meiner Verzweiflung um die Winkdienste einer älteren Ureinwohnerin, die ob meiner tragischen Geschichte “Oh, dear…” seufzte und dem herannahenden Busfahrer mit dem Gehstock drohte – der direkt die Flucht ergriff. Stellte sich raus: es war ihr Enkel, der sie schon lang nicht mehr besucht hatte.

    Geholfen hat dann die erneute Lektüre von Harry Potter (die Stelle mit dem Fahrenden Ritter) – man muss so tun, als ob es der eigentliche Winkakt ein Versehen sein könnte. Dann halten sie an.

    • Eine sehr schöne Begebenheitsschilderung und wahrscheinlich müsste ich an einem derartigen Ort definitiv und konsequent aufs Fahrrad umsteigen.

      • Ellen

        Sie werden es kaum glauben: das tat ich. Nur wurde es vier Wochen nach Anschaffung aus dem Garten geklaut. Vermutlich ein sehr verzweifelter ÖPNV-Nutzer, es war nämlich an einen Baum gekettet.

  6. Ein netter Erklärungsansatz von S. aus B.: “Diie einzigi plousibli Erklärig für ds Verhaute vom Bösschauffeur gsehni da drin, dass sie wahrschiinlech i dr Usbiudig wäge Sparmassnachme hei müesse Ungerrichtszyt chürze u somit ds Erchenne vom Mitfahrwiue vo am Strasserand stehende Lüt nume no ire Vorläsig glehrt wärde u ke Praxisungerricht drzue überchöme…”

    (Die einzige plausible Erklärung für das Verhalten des Buschauffeurs sehe ich darin, dass wahrscheinlich in der Ausbildung wegen Sparmassnahmen die Unterrichtszeit kürzen mussten und somit das Erkennen von Mitfahrwillen von am Strassenrand stehenden Personen nur noch in den Vorlesungen gelehrt werden und sie keinen Praxisunterricht mehr dazu bekommen.)

  7. Andrea Mordasini, Bern

    Läck Gminggmangg, da hast Du ja wieder eine „tolle“ Erfahrung machen müssen :(. Als zweifache, nicht autofahrende, dafür aber regelmässige ÖV-Benützerin ist mir solches Chauffeur-Benehmen leider auch bekannt – auf den Linien9 und 20… Auf die Antwort von Bernmobil auf Deine Beschwerde bin ich echt gespannt „wie ne Pfyleboge“ ;). Auch ich habe ein paar Nerv-Müsterli, abgesehen vom nervigen 10 gefühlten Sekunden langen auf den Knopf drücken beim stehenden Tram, das dann doch einfach so abfährt… Warum nicht einfach gleich losfahren, als noch provokativ stehen bleiben?!

    Beispiel 1): Ich, hochschwanger mit dem ersten Kind, waffenscheinpflichtiger „Trommel“ und zwei schweren Einkaufstaschen, „seckle“ wie ein Walross Richtung Tram – der Buschauffeur sieht mich, ich renne ihm schliesslich entgegen und versuche noch zu winken. Item, völlig aus der Puste endlich beim Tram, schliessen sich die Türen. Leider gelingt es mir nicht, mit einem Fuss die Türe zu blockieren. Das Tram fährt ab, ich bleibe schnaufend, wütig und fluchend wie bestellt und nicht abgeholt am Bärenplatz stehen. Ein Wunder, haben nicht gleich die Wehen eingesetzt *gggrrr*!

    Beispiel 2): Ich, mit zwei Kindern, davon eines im Kinderwagen, das andere und viel Gepäck an der Hand, versuchen einzusteigen. Es bleibt leider – wie bei Dir – beim Verusch :(. Zuerst wird das Vorderrad des Kiwas eingeklemmt – mir bleibt nichts anderes übrig, als den Wagen zurückzuziehen. Da schliesst die Türe – ich hetze mit Kind, Kegel und ganzem Bagage zur vorderen, die – wie könnte es auch anders sein – ebenfalls schliesst. Der Bus fährt ab und davon. Zurück bleibt erneut eine wütige und motzende Nicht-Mitfahrerin. Ich sage Dir, Gminggmangg, die meisten Fluchwörter kennen meine beiden Kinder aus dem Strassenverkehr *schäm* ;).

    Beispiel 3): Mit den zwei Kindern wollen wir in Ittigen in den Bus. Der Grosse geht voran. Er steht zwischen der Türe als sich diese unvermittelt schliesst und meinen „Gieu“ einklemmt. Dieser erschrickt, stürzt und tut sich weh. Der Busfahrer, dem dies und meine „lieben“ Worte ganz bestimmt nicht entgangen sind, tut nichts dergleichen, kein Nachfragen, kein Sorry, nichts :(. Im Gegenteil, er steigt aus, gönnt sich beim Kiosk eine Kleinigkeit. Nichts gegen sein „Znüni“, aber doch nicht so :(. Ein anderes Mal klemmte es mich beim Einsteigen ein, trotz anderen Fahrgästen, die draussen wie drinnen! unablässlich! auf den TürÖFFNERKNOPF drückten! Hei, diese Knöpfe sind doch nicht bloss Dekoration! Auf das Motzen eines anderen Fahrgastes, er/sie solle doch bitte gefälligst die Leute richtig einsteigen lassen, kam die lapidare Antwort: „Da chani nüt mache, dasch haut äso!“ Wie hätte er/sie wohl reagiert, wenn eine gehbehinderte bzw. altersschwache Person gestürzt wäre und sich dabei verletzt hätte (Oberschenkelhalsbruch zum Beispiel)?

    Aufgrund dessen, habe ich Bernmobil ein anständig, aber sehr bestimmt verfasstes Schreiben per Mail zugestellt. Die Antwort kam prompt, per Telefon. Also kundendienstmässig sind sie top :)! Die Türen täten sich – bis auf die vordere – stets automatisch schliessen. Gehbehinderten und/oder Betagten würde empfohlen, die vordere Türe zu benützen. Diese können vom Fahrer manuell geöffnet und geschlossen werden. Finde ich ja toll, aber mich nimmt nur wunder, wie dort eine betagte Person mit Rollator ein- bzw aussteigen soll…

    Wie dem auch sei, die allermeisten Bus- und Tramfahrer sind zum grossen Glück verständnis- und rücksichtsvoll, geben sich wirklich Mühe und senken auch die Busse für erleichtertes Zu- und Aussteigen ab. Ich habe auch vollstes Verständnis und Respekt für diese Berufsleute und ihren bestimmt nicht immer einfachen Job. Aber leider gibt es noch andere, die fahren wie „gesengte Schweine“ und bremsen, dass man schier nach vorne fliegt (schon nur deshalb lasse ich meine Kinder nach Möglichkeit sitzen, doch dies ist ein anderes Thema ;))…

    Bei allem Verständnis für das Einhalten von Zeitplänen: WAS SIND SCHON EIN PAAR VERLORENE SEKUNDEN GEGEN EIN PAAR GEWONNENE SYMPATHIEN?

    In diesem Sinne, allen eine gute Fahrt und sorry für den Roman ;)!

  8. mammasusanna

    Immerhin habt ihr in Bern ein Unternehmen mit solch chicem Namen, da können wir Bieler mit dem: vb-tpb einpacken….

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