Archiv der Kategorie: Antwort

Die Kinder in Afrika


Frau Angelone von Die Angelones stellte auf Facebook die Frage nach der Sinnhaftigkeit althergebrachter pädagogischer Floskeln wie (Zitat Rita Angelone) „Ihr müsst so etwas von froh und dankbar sein, weil in Afrika wären Kinder noch so froh, sie hätten all das, was ihr habt?“ Sie fragt weiter „Sagt ihr manchmal solche Sachen? Kapieren die Kinder, was man damit überhaupt sagen will?“ Nach dem ich erfolglos versuchte meine Antwort in überschaubare Zeilen zu quetschen, beschloss ich das Thema kurzerhand hierher zu exportieren.

Das Ziel dieses Ausspruchs ist wohl, dem Kind den Wert eines gedeckten Tisches zu vermitteln, ein Ansinnen, das ich durchaus nachvollziehen kann. Dass ich „die armen Kinder in Afrika“ für keine so guten Vermittler des wertschätzenden Umgangs mit Nahrungsmitteln halte, hat mehrere Gründe:

  • Nicht personifizierte, afrikanische, hungernde Kinder sind für die meisten unserer Kinder, insbesondere die, die sich noch mitten in der egozentrischen Phase befinden, wohl kaum fassbar. Alleine das Gefühl wirklichen Hungers, das wohl auch wir Erwachsene noch nie erlabt haben, ist ausserhalb ihrer (und unserer) Vorstellungskraft.
  • Wenn Kinder ihren Teller über jedes Sättigungsgefühl hinaus doch noch leer essen, tragen sie nicht das Geringste zur Verbesserung der Situation hungernder Kinder bei.
  • Wertschätzung und Dankbarkeit sind Gefühle, Gefühle lassen sich nicht vorschreiben, Kinder lernen dabei allerhöchstens situationsspezifisch so zu handeln, wie wir es von ihnen erwarten.
  • Der letzte Punkt ist Ausdruck des grossen Zwiespalts, in dem ich gegenüber dem Wort Dankbarkeit allgemein befinde. Meine Frage ist: Wie dankbar müssen wir für erfüllte Menschenrechte sein? Wie dankbar müssen wir sein, genügen zu Essen zu haben? Wie selbstverständlich sollten erfüllte Menschenrechte sein? Verlangen wir auch derartige Dankbarkeit von unseren Kindern, weil sie nicht für ihr Überleben schuften müssen? Und Angesichts der Tatsache unseres Überflusses: Müssen wir dankbar sein, zu viel zu Essen zu haben? Ist diese ungerechte Verteilung tatsächlich ein Grund dankbar zu sein? Dankbarkeit, in dem man sich auf andere, schlechter situierte Menschen bezieht, mutet mir zu überheblich an. Immer. Aber ich plädiere mit Nachdruck für die Wertschätzung unserer komfortablen Situation und ich möchte, dass meine Kinder unsere Nahrung in ihrer Fülle zu schätzen wissen und ihr den Wert zugestehen, den sie hat.

Wie also, kann ich meinen Kindern beibringen, dass Nahrung in rohem wie zubereitetem Zustand wertvoll ist und einen wertschätzenden Umgang verdient, ohne auf Vergleiche mit den hungernden Kindern Afrikas zurückzugreifen?

Ich auch hier in erster Linie davon aus, dass wir als Eltern einen Grossteil der erzieherischen Arbeit, ganz passiv, darin leisten, Vorbilder zu sein. Wir versuchen möglichst wenige Nahrungsmittel verfallen zu lassen, achten darauf qualitativ hochwertige, nachhaltig angebaute Produkte zu kaufen, beziehen beispielsweise unser Fleisch fast ausschliesslich vom elterlichen Demeter-Hof eines Freundes und versuchen Reste weiter zu verwerten. Auch in den ganz konkreten Essensituationen, können wir als Eltern Vorbilder sein. Indem wir uns beim Essen nicht überschätzen, vorsichtshalber in kleinen, dafür mehreren Portionen essen und selber keine Reste auf dem Teller lassen. Kinder müssen lernen sich und ihr Hunger- und Sättigungsgefühl korrekt einzuschätzen. Ich gehe davon aus, dass das nicht geschieht, wenn ich sie sich heillos überessen lasse, weil ich zwingend einen leeren Teller sehen will. Lieber sollen sie lernen, sich kleine Portionen zu schöpfen und dafür nach jeder zu entscheiden, ob nun genug gegessen wurde, oder nicht. Das ist ein Prozess, der unweigerlich die eine oder andere Fehleinschätzung nach sich zieht, sich aber immer mehr perfektioniert.

Eine weitere Möglichkeit Kinder den Wert unserer Nahrungsmittel näher zu bringen, sehe ich darin, sie in die diversen Herstellungsprozesse einzubeziehen oder, wenn diese Möglichkeit besteht, eigenes Gemüse und eigene Früchte zu ziehen, die Gewächse von der Saat an in ihrem Wachstum zu beobachten und schlussendlich zu ernten.

Ja, ich will auch, dass meine Kinder unser Essen und unsere Nahrungsmittel wertschätzen und einen sorgsamen Umgang pflegen. Ich möchte das ganz unabhängig von afrikanischen Kindern.

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Selbstrede zum 50. Geburtstag


Vor einigen Tagen führte folgende Suchanfrage einen Verzweifelten auf mein Blog: „Selbstrede zum 50. Geburtstag, wie schreiben?“, der Ärmste wurde auf meinem Blog ganz gewiss nicht fündig, aber ich mag Leser, ganz besonders meine und deswegen, lieber verzweifelnd Suchender, eine Rede, extra für dich:

„MitMesseranGlasschlag-Pling – Räusper – Liebe Freunde und Verwandte, herzlich Willkommen all jenen die als Begleitung mitgenommen wurden und ein Hallo an die, die ich eigentlich nicht einladen wollte, weil sie beispielsweise unangenehm riechen und auch sonst eher unumgänglich sind, die ich aber einladen musste, weil mir das mein vermaledeiter Anstand so vorschreibt, ich freue mich, dass ihr, und damit meine ich naheliegenderweise die Erstbegrüssten, die Zweiteren sind mir eher egal und die Letzteren, ach, ihr wisst schon, alle so zahlreich hierher gepilgert seid. Ich hoffe doch sehr, dass ihr eine kurzweilige wie vergnügliche Anfahrt hattet und euch, dank den 100 liebevoll und dekorativ drapierten, Danke an dich, liebe Annemarie, wegweisenden Ballons ohne Umwege an diesen wundervollen Ort, das Schützenhaus Zufallswil, gefunden habt, das schon so vielen historische Begebenheiten ein Dach bot, wie damals als Hansjörg Leuenberger, er ruhe in Frieden, kantonaler Tontaubenschützenmeister wurde und, ganz am Rande, das künstlerische Potential des Tontaubenschiessens wird ja gemeinhin ungemein verkannt, wie ich finde, aber ich schweife ab. Ich bin ja nun ein halbes Jahrhundert alt, wie ihr wisst. Das klingt unglaublich alt, dabei ist 50 doch gar kein Alter! Das heisst, genau genommen ist es ebenso ein Alter wie beispielsweise 9, oder 73 und zu biblischen Zeiten gar 250 und die Jahre dazwischen, ach, was ich sagen wollte ist: Mit 50 steht mir die Welt noch offen, oder? Ich meine, ich könnte noch in die Politik gehen, da wäre ich geradezu jung, also als Bundesrat, meine ich, und, ganz nebenbei, ich habe gehört Herr Burkhalter habe einen ungemein angenehmen Händedruck und ich mag gut dosierte, wohltemperierte Händedrücker… Händedrucker… Händedrucks aber lassen wir das. Zurück darauf, worauf ich eigentlich hinauswollte: Mit 50 könnte ich immer noch musizierend berühmt werden, rein hypothetisch meine ich, wenn ich tatsächlich ein Instrument beherrschen würde, also mit Ausnahme der Eierharfe, ha ha, kleiner Scherz am Rande, oder ein Buch schreiben, einen Krimi, einen Ornithologenkrimi… Ist euch schon aufgefallen, dass Protagonisten viel zu selten Ornithologen sind? Aber ich schweife ab. Oder meine Biografie! Ich hätte da Anekdoten… Wie damals, weisst du noch Hannes, als wir in Spanien total be… Wie jetzt, unangebracht? Darf ich nicht? Nein? Nein. – Räusper - Jedenfalls, wenn man es genau betrachtet, wäre eine Biografie eher unsinnig, ich meine, so auf halbem Weg. Auf weitere 50, oder? Auf weitere 50! Geniesst den Abend, Geschenke bitte auf den Tisch mit der karierten Tischdecke, da hinten bei Rolf. Rolf könntest du bitte schnell winken? Danke. Bedient euch am Buffet, es hat Apérosnacks und später Salate, bitte lasst doch die Schöpflöffel in den jeweiligen Salaten und mischt da nicht rum. Ich meine, es ist ja nicht so, dass mich alle Mischungen stören würden, zum Beispiel finde ich es gar nicht schlimm, den Randensalatlöffel in den Currysalat zu legen, oder umgekehrt, wohingegen ich es relativ unschön fände, an meinem Tomaten-Mozzarella-Salat Spuren des Cervelatsalates zu entdecken. Brrr. Schon rein farblich. Aber ich kann ja schlecht alle tolerablen Kombinationen deklarieren, deshalb gilt: Strickte Salatlöffeltrennung! Guten Appetit. Ah, und ach, ich wäre froh, wenn ihr die Zahnstocher dort in die Holzkiste neben dem Kamin werfen könntet!“

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Die “Top10-Tricks” im Umgang mit Kleinst- und Kleinkind


Die geschätzte Frau Bauchherzklopfen fragte mich vor Tagen nach Tips im Umgang mit Kleinst- und Kleinkind: “lass mal die top10-tricks springen!”. Beflissen und um Wohlgefallen bemüht wie ich bin habe ich niedergeschrieben was verlangt. Sie Angaben sind ohne Gewähr und ihre Reihenfolge ist zufällig und impliziert keine Wirksamkeitshierarchischebotschaft.

Beschäftigung für Kind 1

Man suche mit Kind 1 eine Aktivität, die es selbständig verrichten kann und nach Möglichkeit unverhältnismässig zeitintensiv ist.

Beispiel 1: Lassen Sie das Kind Exkremente sortieren.

Beispiel 2: Reichen Sie dem Kind die Zwischenmahlzeiten niemals mehr einfach am Tisch und in netten Tellerchen, nein, verteilen sie, mit Vorteil kleinkrämiges wie Sultaninen, grosszügig in der Wohnung und lassen Sie Ihr Kind das Essen selber ersammeln.

Einbezug von Kind 1 in zu verrichtende Tätigkeiten 

Man lasse Kind 1 in die Tätigkeiten des Alltags Einfluss nehmen und beteilige es daran. Tun Sie dies sorgfältig, denn wenn Sie damit Erfolg haben, können Sie das Windelwechseln, Putzen und Kaffeekochen bald Kind 1 überlassen.

Ungestörte Tagesschläfchen des kleineren Kindes

Man sorge für eine gleichbleibend beruhigende Geräuschkulisse für Babykindes ruhigen und ausgiebigen Schlaf. Dabei gibt es drei Herangehensweisen:

Verhindern des Geschwisterlärms: Beschäftigen sie das Geschwisterkind (siehe oben)

Übertönen des Geschwisterlärms: Es eignen sich Musik, Staubsauger oder der Baulärm von draussen, aber Sie können die Gelegenheit auch für ausgiebiges lautes Verzweiflungsheulen nutzen.

Provozieren gleichmässigen Geschwisterlärms: Wenn Sies harmonisch mögen: Singen sie mit ihm. Wenn Sie gar nicht mehr mögen: Nutzen Sie seine Trotzphase, es wird gewiss nicht schwer sein durch ausgesprochene Verbote oder auch nur Andeutungen dauerhaft gleichbleibendes Gebrüll zu provozieren.

Zeitintensive Beschäftigung für Kind 2

Man hänge Kind 2 an die Brust und einfach nicht mehr ab. Mit etwas Training und Disziplin werden Sie bestimmt bald einhändig Handeln können oder Sie trainieren zusätzlich einen ihrer Füsse. Falls nicht: Stellen Sie sich nicht so an.

Drogen

Selbstreden keine ungesetzlichen Substanzen, wo denken sie hin?! Reden Sie sich Ihre Droge ein. Ich verspreche, dass Ihnen das im Zusammenspiel von Hormonen, Stilldemenz und gehörigem Schlafmangel nicht schwer fallen wird. Irgendwann wird der Punkt der totalen Übernächtigung kommen, Sie werden anders wahrnehmen, die Realitäten werden sich verschieben, es wird der Punkt kommen an dem sie rosa sehen, bestimmt.

Raus aus dem Haus

Man nutze jede Gelegenheit ausser Haus zu kommen. Es gilt dabei sinnvolle Kindertransportmöglichkeiten zu finden.

Erprobt und für gut befunden: Kind 1 zu Fuss/ im Buggy, Kind 2 im Tragetuch

Ungeeignet ist: Kind 1 zu Fuss/ auf Buggyboard und Kind 2 im Wagen, denn Kind 1 wird sich wahlweise weigern zu gehen und aufs Buggyboard zu stehen, versucht in der Folge aufs Buggyboard zu sitzen, klemmt sich Füsse oder Hände ein, will zu Kind 2 in den Wagen klettern, getragen werden oder hat allerlei andere fantasievolle Transportideen.

Noch ungeeigneter ist: Kind 1 in der Rückentrage, Kind 2 im Tragetuch, weil unmöglich, ich schreibe aus Erfahrung.

1-zu-2-Betreuungssituationen vermeiden

Man sorge dafür, dass nie als Einzelperson für die Bespassung, Beliebung und Durchfütterung gesorgt werden muss.

Möglichkeit 1: Sorgen Sie für eine allgegenwärtige Oma, diese Option birgt allerdings die Gefahr von Toten durch per Tröpfcheninfektion multiplizierte Gluckenhormone und daraus resultierende Überdosis.

Möglichkeit 2 (nur für Wohlbetuchte): Stellen Sie ein Ganztageskindermädchen zum Putzen, Windelwechsel und Trotzanfallbetreuung zur Unterstützung ein, hier scheitern die meisten unweigerlich an der Finanzierung.

Möglichkeit 3: Doppelte Arbeitslosigkeit, zugegebenermassen keine gute Lösung, die hier mit grosser Wahrscheinlichkeit zur Scheidung oder Schlimmerem führen würde.

Möglichkeit 4: Suchen Sie sich eine kinderliebe Affäre für Zeiten der Abwesenheit Ihres Mannes/Ihrer Frau.

Jede Schlafgelegenheit nutzen

Ob unterwegs oder daheim: Man ergreife jede Möglichkeit zu schlafen. Kind 1 ist im Kinderwagen eingeschlafen, während Kind 2 schon lange im Tragtuch selig schlummert? Legen Sie sich hin, wo immer Sie sind. Tragen Sie für diesen Anlass stets ein aufblasbares Schild, oder ein entsprechendes Visitenkärtchen bei sich, das allfällig beunruhigten Passanten Ihre Situation schildert: „Lieber allfällig beunruhigter Passant, seien Sies nicht, die Kinder schlafen weil sie müde sind und ich weil ich muss. Wer mich, oder schlimmer, die Kinder weckt ist des Todes und/oder muss sie nun für die Dauer meines Schlafes beschäftigen.“

Vernachlässigung Genügsamkeit

Man nehme haushälterische und körperhygienische Pflichten nicht mehr ganz so ernst. Wollmäuse unterm Sofa, Spinnweben in jeder Ecke, Wäscheberge die mit Abwaschalpen konkurrieren, Haarpracht an unmöglichen (Körper) Orten, Rastas und strenge Körpergerüche? Alles nicht so schlimm, Sie sind dafür lieb und haben andere innere Werte. Ausserdem bringen diese Umstände die Möglichkeit eines gemeinschaftlichen geruchsbedingten Komas, also Schlaf.

Realistisch, nachsichtig und humorig bleiben

Das ist was schlussendlich bleibt: Frau kann sich weder zwei-, noch dreiteilen, gerade in der ersten Zeit wird es Momente geben, die stressig bis schlicht, äh, scheisse sind, aber Sie müssen nicht alles können, es muss nicht alles perfekt sein, erkennen und geniessen sie einfach die Momente absoluter Harmonie, die auch abends beim Zähneputzen mit Kind 1, während Kind 2 zufrieden daneben zappelt, zu finden sind, in ihrer Vollkommenheit. Oder, und dass dürfen Sie durchaus, führen Sie liebevolle Geschwistermomente, beispielsweise sekundenlanges Händchenhalten, auf ihre liebevolle Erziehung zurück und tun Sie, obwohl Sie in diesem Moment Zeit für Haushalt und ähnliche Unsinnigkeiten hätten, in diesem Moment nichts anderes, als grenzdebil im Kreis lächeln.

Für Fragen zu diesem oder anderen Themen wenden Sie sich weiterhin vertraulich an gminggmangg@gmail.com .

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Von Suchanfragen III


Ich habe meine Suchanfragen sträflich vernachlässigt. Fatal, sind die doch dringend als Hilferufe zu verstehen und umgehen zu beantworten. Von besonderer Dringlichkeit erschienen mit folgende drei Beispiele (Ich verspreche aber dereinst auch noch auf wichtige Themen wie „Prokrastination im Kindergarten“, „nackt Unterwassertherapie“ und „Streberhilfe“ einzugehen):

„Berndeutsch Durcheinander“

Davon ist ein erschreckend hoher Bevölkerungsanteil geborener BernerInnen betroffen. Symptome sind u.a. Ignoranz der drei verschiedenen Geschlechter wenn es um Zahlwörter geht. Jawohl, dir dörfet die cheibe Zahlwörter tatsächlech agliiche, auso: Ei Maa, ei, Frou, eis Ching oder zwe Manne, zwo Froue, zwöi Ching usw. Merci.

„Pinguine Geschenke“

Falls es hierbei um die Frage nach dem geeigneten Geschenk für Pinguine geht: Ich empfehle Bio-Fischstäbchen vom Reformhaus, ein Jahresabo bei der Gelateria Ihres Vertrauens oder Coldpacks für warme Tage. Falls es darum geht, ob ein Pinguin das geeignete Geschenk für den Schwiegervater ist: Nach eingehender Überlegung: Nein.

„Pathologisches Schneeschaufeln“

Die Prognosen für Betroffene dieses Krankheitsbildes sind ernüchternd bis schlecht. Zwar zeichnen sich während den Sommermonaten in Bezug auf Verhaltensauffälligkeiten die an Fremdaggressionen grenzen (Lärmbelästigung) jeweils Besserungstendenzen ab, oftmals versinken die Betroffenen aber in eine tiefe Lethargie, ziehen sich zurück und halten den von Fachkundigen so genannten Sommerschlaf, der nur von heimlichem Eistruhenwandkratzen in tranceähnlichem Zustand unterbrochen wird. Bereist bei den kleinsten herbstlichen Anzeichen geben sich betroffene euphorisch bis manisch dem Putzen und Polieren der Schneeschaufelutensilien hin, verfolgen Kaltwetterfronten, berechnen den potentiellen Erstschneefall, finden kaum zur Ruhe und zeigen exzessives Übungsverhalten (Sandkästen der Umgebung sollten für den Betroffenen grossräumig abgesperrt, zugedeckt und überwacht werden, da er in dieser Phase nicht selten zu unkontrollierten Umgrabungen und Kleptomanie bezüglich annähernd schneeimitationstauglichen Materialien neigt.) Für die Veranschaulichung der Akutphase eignet sich schliesslich folgendes Fallbeispiel (und dazugehörige Ode).

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Lieber Türen knallen als Hüte tragen


Ypsilönchen hat sich gestern, nach einer Auseinandersetzung rund um die Wahl zwischen Sonnenhuttragen und draussen Blumen ertränken und hutlos drinnen vandalieren, lauthals schimpfend ins Schlafzimmer begeben und die Tür geräuschvoll hinter sich geschlossen. Das Kind ist 14 Monate alt. 14 Monate! Wo wird das enden? Ich bin mit der Tatsache bewusst, dass Ypislönchen die Tür aufgrund mangelnder Körperhöhe und damit verbundener Klinkenunerreichbarkeit noch nicht anders als geräuschvoll schliessen kann, aber die Tatsache, dass sie ihr Unverständnis für meine Bekleidungswünsche schon so deutlich zu unterstreichen vermag, hat mich etwas erstaunt. Nicht, dass ich hitzige geführte Kleinkriege in Bezug auf ihre Kleiderwahl nicht gewöhnt wäre, ich führe und gewinne sie ja schon seit Ypsilönchengeburt mit dem Ypsilönchenpapa und seit einiger Zeit auch mit Ypsilönchen selber. Zum Beispiel wenn sie bei 35 Grad beschliesst, dass ein wollener Winterpyjama genau die richtige Bekleidung wäre, mich auffordert ihn ihr anzuziehen, ich mich weigere und sie in ausgiebige Toberei verfällt. Aber das tut ja eigentlich alles nichts zur Ich-verziehe-mich-in-ein-anders-Zimmer-und-schliesse-die-Türe-um-meiner-Mutter-Unflätigkeiten-nicht-weiter-ertragen-zu-müssen-Sache, die ich eben wirklich erst in ein paar Monaten erwartet hätte. Es ist allerdings festzuhalten, dass Ypsilönchen sich, wenn sie denn wirklich so intelligent ist wie sie tut, mit diesem Ausdruck innigsten Protests noch wartet bis sie die Türe auch wieder selber öffnen kann.

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