Archiv der Kategorie: Elternsein

Gminggmanggs und die Götebürger – Teil 1


Die Anreise

Für die Kinder wird im Mai ein sehr reisereiches Lebensjahr zu Ende gehen, unsere Reise und den Abstecher nach München eingerechnet, haben Äm und Y ihr zweites, beziehungsweise viertes, Lebensjahr in 13 verschiedenen Ländern verbracht, eine Tatsache, die sie allerdings weit weniger beeindruckt als mich. Die beiden nehmen was auch immer kommen mag, solange Herr G. oder ich in umklammerbarer Nähe sind.

Bis auf Kanada habe ich noch nie ein nördlicheres Land als Deutschland besucht. Als also meine Schwester beschloss, sich für ein Auslandsemester nach Göteborg auszuquartieren, war klar, dass ich sie besuchen werde. Am allerliebsten wäre mir selbstredend eine Reise per Gefährt(en) auf dem Landweg gewesen, aber dieser Plan scheiterte an zeitlichen Gegebenheiten, an den schlecht harmonierenden Schulferien von Herrn G. und mir und an der Tatsache, dass ich nach wie vor keinen Führerschein habe. (Hier sei angemerkt: Ich befinde mich in diesem Prozess an einem unerwartet fortgeschrittenen Punkt, aber mehr dazu an anderer Stelle.) So machte ich mich, die Kinder und deren Oma (OmaG) im Schlepptau, also auf, per Flugzeug die Götebürger heimzusuchen.

Die Anreise, zwei relativ kurze Flüge mit längerem Aufenthalt in Kopenhagen, wo ich die Kinder als Springpferdchen über Kofferhürden jagte, war derart kurzweilig, dass wir gefühlt urplötzlich und etwas perplex in strömendem Regen und bissigen Seitenwind mitten auf dem Göteborger Flugplatz standen und den Eingang ins Gebäude erst in hoffnungslos irreversibler Zerzaustheit fanden. Glücklicherweise ist das Flughafengebäude nicht sehr weitläufig und so fanden wir rasch den Weg zur Gepäckausgabehalle und sogar zum richtigen Förderband. Koffer um Tasche ward von ihren rechtmässigen Besitzern in Empfang genommen, die Wartenden wurden weniger, bis nur noch wir andächtig um das leise quietschende, unablässig drehende Band standen und mit, zwar mikroskopisch kleiner, aber doch noch bestehenden Hoffnung der Gepäckstücke harrten, die da kommen sollten. Schliesslich tuckerte meine Tasche an, hernach OmaGs handtaschengrosses Gepäckstück und danach ein roter Kleinkoffer, der es offensichtlich niemandem angetan hat.

Die Tasche der Kinder aber kam nicht. Mit viel Geduld und gutem Willen schauten wir dem roten, verschmähten Kleinstkoffer bei sieben weiteren Runden zu, danach begab ich mich zum Schalter der Vermissten. Der Kindertaschenverbleib sei unklar, meinte der junge Verantwortliche, worauf ich, winderzerzaust, mit irrem Blick (Bindehautentzündung) und betonter Verzweiflung zu einer flammenden Erklärung der Dringlichkeit der Tasche ansetzte. Sichtlich verängstigt versicherte er mir, dass das Stück so bald als angekommen nachgeliefert werde und erkundigte sich, ob mit Notfallübernachtungsmaterial ausgeholfen werden könne. Es wurde ihm auch nicht wohler, als ich statt nach Windeln in einer zwischenzeitlichen Wortverwechslung nach Damenbinden verlangte. Der Rest der Anreise verlief zwischenfallsfrei und die Schweden empfingen uns mit ähnlich offenen Armen, wie die Schweizer uns unter Tränen verabschiedet hatten.

Bemerknisse

  • Für spannende Momente beim Warten auf den Flugzeugstart können Sie sorgen, in dem Sie mit ihrem quengelnden Kind durch die Gänge schreiten und hie und da die Intention absitzen zu wollen antäuschen – entgleitende Gesichtszüge bei den bereits Sitzenden sind garantiert.
  • Kleinkinder, die ihren einschlafenden Eltern über den Kopf streichen und Melodien summen sind niedlich, Kleinkinder, die ebendies bei wildfremden Nebenpassagieren tun, wirken eher befremdlich.
  • Je anzuger, desto rollkofferer.
  • Hunderte Von Flugzeugsitzplätzen, Sie erwischen zwar Fenster, aber über dem Flügel.
Prävolal - Warten.

Prävolal – Warten.

Perivolal - "Über den Wolken" der allzeit penetrante Zwangsohrwurm

Perivolal – “Über den Wolken” der allzeit penetrante Zwangsohrwurm

Teil 2

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Osterleierei


Und weil ich das gerade allenthalben so beliebte Tagebuchbloggen nicht beherrsche, beschränke ich mich aufs Ostertageshöhepunktebloggen:

  • Masslose Völlerei
  • Hemmungslose Gammelei
  • Gottlose Wetterverflucherei
  • Masslose Völlerei
  • Endlose Nestersucherei
  • Grenzenlose Jubelei bei Finderei
  • Masslose Völlerei
  • Hemmungslose Gammelei
  • Masslose Völlerei
  • Hoffnungslose Kinderzubettbringerei bei Zeitumstellungsignoriererei
  • Rigrorose Müdmacherei durch Blödelei
  • Problemlose Kinderzubettbringerei
  • Hemmungslose Gammlei

Ostern Sie auch morgen froh und wohl!

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Gesetze aus der Kinderstube 1-11


Unser Leben wird von Gesetzmäßigkeiten bestimmt, denen wir mehr oder weniger unterworfen sind. Sie beeinflussen die Wirkung unseres Handelns, unser Handeln wenn es erst eine Intention ist. Praktisch, wenn die Wirkung einer Handlung einigermaßen berechenbar ist, wie beispielsweise der Umstand, dass mir völliglich klar ist, dass ich meine Tasse frischgebrühten Kaffee mit Vorteil nicht ins Leere, sondern klüger auf stabiler Unterlage platziere, da die Schwerkraft meinen Kreislauf umgehend am der Inkorporation der Krönung der Getränkeschöpfung hindern und damit relativ viele Menschen potentiell gefährden würde. Ich kann damit, dass ich um diese Gesetzmäßigkeiten weiß, Unglück(lichen) vorbeugen. Als Frischlingsmutter wäre mir lieb gewesen, ich hätte bereits um die zahlreichen Gesetzmässigkeiten im Leben mit Kindern gewusst, aber niemand hat mich vorgewarnt, oder mir gar das entsprechende Gesetzesbuch in die Hände gedrückt.

  1. Sie können die Frühstücksbrotscheibe Ihres Kindes nicht zu seiner Zufriedenheit (nicht) durchschneiden.
  2. Die Kinder können noch so Vertieft in irgendwelche Kindereien sein, sobald sie die Klotür hinter sich schliessen*, steht die Brut mit Harndrang, fehlenden Gliedmassen und anderen unaufschiebbaren Dringlichkeiten vor der Tür.
  3. Sie werden keine Ersatzkleidung brauchen, wenn sie tatsächlich welche einpacken. Und umgekehrt. Vor allem umgekehrt.
  4. Welche Kleidung auch immer Sie ihrem Kind zum Anziehen rauslegen, es ist die falsche.
  5. Winterkleidung wird nur einmal freiwillig angezogen: Im Hochsommer.
  6. Ihre Kinder mögen Ihre Lieblingsspeise so lange nicht, bis Sie zusätzlich ein Kindermenu und von ihrer Leibspeise bewusst wenig kochen.
  7. Es gibt Spielzeuge, die immer vernachlässigt in der Ecke liegen. Es sei denn, sie versuchen das Verschmähte in den Keller auszuquartieren.
  8. Je länger und intensiver ein Ausgehabend geplant**, desto schwerer Kindes spontane Krankheit.
  9. Wo nachts Weinentzapfungsgeräuschen ausreichen, um die Kinder aus dem Tiefschlaf zu holen, mittags, begleitet von Blasorchestern, dieselben Weinflaschen an der Schlafzimmerwand zerdeppern und hätten damit keinen Erfolg.
  10. Je unerreichbarer ein Klo, desto stärker Kindes Harndrang.
  11. Am tiefsten, längsten und durchsten schläft das Kind, wenn Sie nicht da sind.

 

 

 

Fortsetzung folgt…

 

 

*den Laptop aufklappen, sich mit frisch gebrühtem Kaffee aufs Sofa setzen

**je näher das Abreisedatum, je alleinerziehender, je kränker man selber

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Besser oder (n)ich(t).


Ich habe in den letzten Tagen auf einige Artikel  und Twitterdiskussionen gelesen, in denen es mehr oder weniger explizit darum ging, wie sehr wir Eltern uns für unsere Kinder aufopfern oder, um es nicht ganz so drastisch zu formulieren, zumindest zurücknehmen.

Ich will für meine Kinder das Beste.

Ich will für mich das Beste.

Und manchmal, mit etwas Glück, ist das sogar dasselbe.

Bereits vor Kindes Geburt stellt sich die unsausweichliche Frage, ob wir als Eltern unser Leben fortan um das des Kindes herum planen, oder ob wir das Kind so gut als möglich in unser Leben einbetten. Selbstredend ist das Schwarzweissmalerei, selbstredend bedarf es Kompromisse, die Grundhaltung aber bleibt und beeinflusst unser Handeln in diese, oder die andere Richtung.

Eventuell ist es auch eine Frage der Lebensaufgabe, eine Frage der Erfüllung (als absoluter Begriff), die mir das Muttersein allein, bei aller Liebe zu meinen Kindern, einfach nicht bieten kann. Die Mutterwerdung hat mich wohl irgendwie zufriedener gemacht, ich hänge zumindest mehr am Leben und nichts vermag mit der Wichtigkeit meiner Kinder zu konkurrieren, aber ich brauche mehr. Ich brauche die Arbeit, ich brauche Reisen und ich brauche es, mich nicht zu langweilen. Diese, für mich essentiellen Bedürfnisse, kann und will ich mir trotz Kindern erfüllen, auch wenn das unter Umständen Kompromisse bedarf und damit im besten Falle gar neue Welten eröffnet. So wären wir wohl ohne Kinder weiterhin mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln verreist, wohingegen wir jetzt, den Kinder zuliebe, einen sicheren Reisehafen (den Gefährten) angeschafft und zu schätzen gelernt haben. Ob die Kinder von der Reiserei profitieren lässt sich schwerlich feststellen, fest steht allerdings, dass wir als reisbedürftige Erwachsene profitieren und mit der Möglichkeit unsere Passion auszuleben erheblich an Lebensqualität und -zufriedenheit gewinnen, was wiederum zweifellos Auswirkung auf das kindliche Wohlbefinden hat.

Nein, altruistisch bin ich nicht, auch nicht in meiner Rolle als Mutter.

Ich habe meine Kinder nicht nur gestillt, weil ich es als das Beste erachtete, sondern auch weil ich, das Kind an der Brust, die Hände frei hatte, um den Laptop zu bedienen.

Ich habe meine Kinder nicht nur getragen, wie ich es als des Beste erachtete, sondern auch weil ich, das Kind am Rücken, die Hände frei hatte, um den Laptop zu bedienen.

Ich begleite meine Kinder nicht nur in den Schlaf, weil ich es als das Beste erachte, sondern auch, weil ich dabei im Dunkeln sitzen und auf dem iPad Nachrichten lesen kann.

Kinder sind oft ziemlich witzig, klug und niedlich, aber fast ebenso oft sind sie kleine Nervenfeilen, zu laut oder einfach langweilig. Wenn Journelle hier beschreibt, warum sie nicht mit ihren Kindern spielt, kann ich das problemlos nachvollziehen. Auch ich finde die meisten Spiele meiner Kinder gelinde gesagt langweilig und ich versuche nach Möglichkeiten, mir aus den Spielsituationen Gefälliges zu ziehen, wie beispielsweise einige Liege- und Dösminuten, beim Schlafengehenspielen, oder das Kreieren eigener zwanghafter Bauten, mit dem Versuch die Hilfe der kleinen Baubanausen sich auf das Suchen benötigter Teile zu beschränken. Nun gut Letzteres ist dann eher Parallelspiel mit Kindern.

Ich mag meinen arbeitsfreien Tage, den Alltag mit den Kindern, Ärfelistunden (Kuschelstunden)auf dem Sofa, die erstaunlich tiefsinnigen Gespräche mit einer Fastvierjährigen, gemeinsames Entdecken, Erleben, ja, gemeinsam mit den Kindern macht mir manchmal sogar das Haushalten Spass, nur dieses Kinderspiel, damit können sie mir gestohlen bleiben.

Wahrlich, altruistisch bin ich nicht, auch nicht in meiner Rolle als Mutter.

Wahrscheinlich hätten unsere Kinder einige trennungsschmerzgeplagte Minuten weniger durchlebt, wenn ich sie nie die Eingewöhnungszeit in die KiTa mitgemacht hätten. Wahrscheinlich hätten unsere Kinder genau so sehr, von einem Sommer daheim profitiert, hätten ihre kinderfreundschaftlichen Beziehungen intensiver pflegen können, als auf einer Vierteljahresreise*. Wahrscheinlich würden sich meine Kinder noch mehr über das Spiel mit mir freuen, wenn ich einen blasenschwachen Welpen mimend, angeleint, auf allen Vieren von Ecke zu Ecke krabbeln würde.

Wahrscheinlich gäbe es pädagogisch wertvollere Wege, ein Kind zu erziehen, aber kein für mich authentischerer.

*Es existieren neue, konkrete Pläne. Bald mehr, hier.

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Erziehungsaufgaben und angere Schissdräck


IIch kann nicht ausschliessen, dass ich das Folgende oder Ähnliches schon mal geschrieben habe, denn es handelt sich hierbei um ein äusserst wichtiges Thema. Nein, ich spreche nicht von Wassermelonen oder süssem Senf, ich spreche von Sprache, von unserer Sprache, von meiner Sprache. Ich beherrsche genau eine Sprache. Und wenn ich beherrsche sage, meine ich das auch und nicht die bedauerlich brüchigen Brocken Französisch, Spanisch oder Italienisch, auch nicht Englisch, oder gar Deutsch. Ich spreche von Berndeutsch, der einzigen Sprache die ich WIRKLICH beherrsche, wenn auch nur gesprochen. Wenn ich meine Kinder also schon nicht bilingue aufwachsen lassen kann und sie fatalerweise auch noch für keine Frühsprache angemeldet habe, so nehme ich zumindest meine Aufgabe als Vermittlerin des berndeutschen Dialekts wahr. Ich bringe meinen Kindern berndeutsche Flüche bei, lehre sie berndeutsch Namen zu verhunzen, unterbinde unzulässige s in mehrzählernen Nomen und trimme sie rigoros darauf, berndeutsche Zahlwörter anzugleichen.

Berndeutsche Konversationsversion: 
Y: „Maaamaa! Da usse schtöh zwöi Manne mit zwöi Täsche, i gloub dr eint isch dr Tom.“
Ich: „Zwe Manne mit zwo Täsche, heissts, u ja, dr Tömu het gseit är bringi Gipfeli.“
Y: „Juhu! Chani uftue? Chani d Gpfelis hole?“
Ich: „Gipfeli! U ja, chasch ne entgäge ga, dr Tömu muess när nämlech witer.“
… Türknallen … (einige Minuten) … Türknallen …
Y: „ Mir si aui Gipfelis wo üs dr Tömu vorhär bracht het abegheit, itz isch aus vou Brösmelis. Scheisse!“
Ich: „Ypsilöndli! Das seit me nid! Bi üüs seit me Gipfeli, Brösmeli u Schiissi oder Schissdräck!“
 
Deutsche Konversationsversion:
Y: „Maaamaa! Da draussen stehen zwöi Manne (zwei Männer) mit zwöi Täsche (zwei Taschen), ich glaube der eine ist Tom.“
Ich: „Zwe Manne (zwei Männer) mit zwo Täsche (zwei Taschen)! Und ja, Tömu hat gesagt, dass er Gipfeli (Croissants) bringe.“
Y: „Juhu! Kann ich öffnen? Kann ich die Gipfelis (Croissants) holen gehen?“
Ich: „Gipfeli (Croissants)! Und ja, du kannst ihnen entgegen gehen, Tömu muss nachher nämlich weiter.“
… Türknallen … (einige Minuten) … Türknallen …
Y: „Maaamaaa! Mir sind alle Gipfelis (Croissants), die uns Tömu vorher gebracht hat, runtergefallen, jetzt ist alles voller Brösmelis (Krümel). Scheisse!
Ich: „Ypsilönchen! Das sagt man nicht! Bei uns sagt man Gipfeli, Brösmeli u Schiissi oder Schissdräck!“
 

Ich gebe zu: Berndeutschismen im Deutschen sind auch nicht eben schön, ich weine innerlich, ja manchmal auch ein bisschen äusserlich, jeweils sehr laut, wenn vom Einten (Einen) oder Anderen die gesprochen oder gar geschrieben wird, aber noch garstiger hören sich Deutschismen im Berndeutschen an, ehrlich, ich will das nicht. Alles gesagt. Fertig.

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Eingeordnet unter Elternsein, Erziehung, Neulich, Ypsilönchen