Archiv der Kategorie: Erziehung

Dökterlen (Doktorspiele) in der KiTa


„Krippen erlauben den Kindern Doktorspiele so lautet der heutige Aufhänger der 20 Minuten, für garantiert gigantöses Kopfkino. „Vertrauensbruch“ schreit irgend ein CVPler, verweist auf die „sittliche Ordnung“ und zeigt damit eindrücklich auf, was passiert, wenn der richtige Zeitpunkt für ein aufklärendes Gespräch verpasst wurde. Auch wenn ich mich hier zu Interpretationen hinreissen lasse, denn das war im Artikel nicht ersichtlich, so gehe ich  doch davon aus, dass der Herr Büchler kindlichen Doktorspielen eine tragende sexualisierte Komponente zuweist, anders kann ich mir nicht erklären, wie er den Zusammenhang mit Zerfall von Sitte und Moral zu schaffen vermag. Das wiederum wäre sehr konsequent, sind es doch Parteigenossen der CVP und Konsorten, die Kinder gerne schon beim „Aufklären“ in ihre moralischen Schranken weisen, in denen Experimente keinen Platz und Modelle jenseits der gefühlten Norm keine Akzeptanz finden. Bezeichnend, dass Büchler von „Vertrauensbruch gegenüber den Eltern“, nicht aber, wie es für mich in logischer Konsequenz folgen müsste, von allfälliger Schädigung kindlichen Wohlbefindens spricht. Tatsächlich würde er hierfür wohl auch kaum Argumente finden, denn in keiner mir bekannten Kindertagessstätte wird mit dieser Thematik nicht reflektiert und behutsam umgegangen. Frau Rickli wiederum hat Angst, dass kleinere Kinder „die sich noch gar nicht dafür interessieren“ durch Ältere zu früh an ein Thema herangeführt werden, das ohnehin „nach Hause und nicht in die Kinderkrippe“ gehört. Und wieder beschleicht mich das Gefühl, dass hier kindliche Entdeckungsfreude mit erwachsener Sexualität verwechselt wird, würde doch sogar Frau Rickli ebenbürdig experimentelle Themen, wie Matschsuppen, Rangeleien und ganzheitlich, lustvolles Essen wohl kaum ebenso rigide nach Hause verweisen. Auch gehe ich nicht davon aus, dass irgendeine Krippe mit professionellem Konzept erlauben würde, dass ein Fünfjähriger mit einem uninteressierten Einjährigen dökterlet. Ich wiederhole mich: In keiner mir bekannten Kindertagessstätte wird mit dieser Thematik nicht reflektiert und behutsam umgegangen. Die KiTa, die meine Töchter besuchen, hat vor einiger Zeit einen Elternabend zum Thema veranstaltet, bei denen wir als Eltern aktiv Rahmenbedingungen und Regeln mitgestalten und Bedenken Ausdruck verschaffen konnten. Es war ein wichtiger, wertvoller Abend für mich, denn so sehr ich meinen Kinder jeden Raum für Erfahrungen und Experimente öffnen möchte, so sehr glaube ich auch, dass in heterogenen Gruppen wie Krippen zurückhaltende Begleitung wichtig ist. Als Mutter und Pädagogin sind mir folgende Punkte wichtig:

Es existieren Rückzugsorte, nicht so spezifisch als Dökterli-Ecken gekennzeichnete, wie der Artikel es glauben machen will, sondern kleine Erholungs-, Einsam- und Mehrsamkeitsoasen.

Die oben genannten Rückzugsorte sind so eingerichtet, dass stets Hör- und/oder partieller Sichtkontakt zu den ErzieherInnen besteht.

Geschlossene Türen sind tabu.

Es wird nur gedökterlet, wenn alle Parteien einverstanden sind.

Es darf kein Machtgefälle bestehen, nur gleichberechtigte und –starke (physisch, psychisch, entwicklungsmässig) Kinder dürfen sich in dieser Form zurückziehen.

Es wird nichts eingeführt.

Es werden keine Schmerzen zugefügt.

Erwachsene übernehmen nur dann eine aktive Rolle, wenn das Spiel (falls einer der oben genannten Punkte nicht erfüllt ist) abgebrochen werden muss und beteiligen sich niemals am Dökterlispiel.

„Neins“ sind in jeder Form und sofort zu befolgen.

Regeln wie diese setzten meines Erachtens schon 50% der Einwände ausser Kraft, die restlichen 50% bestehen aus Moralvorstellungen, die mir (und Allen seit dem Mittelalter) bekannt, aber nicht nachvollziehbar sind.

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9. Dezember – Gesetze aus der Kinderstube 1-24


Vor einiger Zeit habe ich eine Liste von Gesetzmässigkeiten und Erkenntnissen angefertigt und eine Fortsetzung angekündigt, hier ist sie, ab Punkt 12:

Unser Leben wird von Gesetzmäßigkeiten bestimmt, denen wir mehr oder weniger unterworfen sind. Sie beeinflussen die Wirkung unseres Handelns, unser Handeln wenn es erst eine Intention ist. Praktisch, wenn die Wirkung einer Handlung einigermaßen berechenbar ist, wie beispielsweise der Umstand, dass mir völliglich klar ist, dass ich meine Tasse frischgebrühten Kaffee mit Vorteil nicht ins Leere, sondern klüger auf stabiler Unterlage platziere, da die Schwerkraft meinen Kreislauf umgehend am der Inkorporation der Krönung der Getränkeschöpfung hindern und damit relativ viele Menschen potentiell gefährden würde. Ich kann damit, dass ich um diese Gesetzmäßigkeiten weiß, Unglück(lichen) vorbeugen. Als Frischlingsmutter wäre mir lieb gewesen, ich hätte bereits um die zahlreichen Gesetzmässigkeiten im Leben mit Kindern gewusst, aber niemand hat mich vorgewarnt, oder mir gar das entsprechende Gesetzesbuch in die Hände gedrückt.

  1. Sie können die Frühstücksbrotscheibe Ihres Kindes nicht zu seiner Zufriedenheit (nicht) durchschneiden.
  2. Die Kinder können noch so Vertieft in irgendwelche Kindereien sein, sobald sie die Klotür hinter sich schliessen*, steht die Brut mit Harndrang, fehlenden Gliedmassen und anderen unaufschiebbaren Dringlichkeiten vor der Tür. (Der Schweizerische Ausdruck „I ga anes schtius Örtli“ („Ich gehe an ein stilles Örtchen(Klo).“) wurde von einem Kinderlosen erfunden.)
  3. Sie werden keine Ersatzkleidung brauchen, wenn sie tatsächlich welche einpacken. Und umgekehrt. Vor allem umgekehrt.
  4. Welche Kleidung auch immer Sie ihrem Kind zum Anziehen rauslegen, es ist die falsche.
  5. Winterkleidung wird nur einmal freiwillig angezogen: Im Hochsommer.
  6. Ihre Kinder mögen Ihre Lieblingsspeise so lange nicht, bis Sie zusätzlich ein Kindermenu und von Ihrer Leibspeise bewusst wenig kochen.
  7. Es gibt Spielzeuge, die immer vernachlässigt in der Ecke liegen. Es sei denn, sie versuchen das Verschmähte in den Keller auszuquartieren.
  8. Je länger und intensiver ein Ausgehabend geplant**, desto schwerer Kindes spontane Krankheit.
  9. Wo nachts Weinentzapfungsgeräuschen ausreichen, um die Kinder aus dem Tiefschlaf zu holen, können mittags, begleitet von Blasorchestern, dieselben Weinflaschen an der Schlafzimmerwand zerdeppern und hätten damit keinen Erfolg.
  10. Je unerreichbarer ein Klo, desto stärker Kindes Harndrang.
  11. Am tiefsten, längsten und durchsten schläft das Kind, wenn Sie nicht da sind.
  12. Babyfeuchttücher reinigen alles.
  13. Kinder verlieren alles und finden nichts wieder, ausser das letzte, gut versteckte Stück Schokolade.
  14. Der gesunde Organismus kann jeden eingetretenen Gegenstand auseitern, auch Legosteine.
  15. Das Jahr lässt sich in zwei Perioden unterteilen: die Winterkleideranziehdramenperiode und die SonnencremeeinschmierundSandausRitzenduschperiode, der Übergang ist fliessend und findet statt, wenn die Abläufe so konsolidiert sind, dass noch ein Leben daneben stattzufinden begänne.
  16. Legospielen ist lustiger ohne Kinder.
  17. Eigentlich sollten nur Kinderärzte Kinder kriegen.
  18. Knackende Gelenke und Kinderhaben sind inkompatibel.
  19. Die positiven Auswirkungen elterlicher Fremdsprachekenntnisse auf den Familienalltag werden unterschätzt. (Nein, die Rede ist hier nicht von Bilingualität, im Gegenteil, die Rede ist von elterlichen Konversationsmöglichkeiten jenseits kindlichen Verständnisses.)
  20. Den Begriff „Implosion“ versteht nur, wer je neben einem eben erst unter erschwerten Bedingungen eingeschläferten Kind Niesbedürfnisse verspürte.
  21. Je trotzaltriger die Kinder, desto schöner einsame Haushaltstätigkeiten.
  22. Ein drei Sekunden unbeaufsichtigtes Kind mit Farbe, hat die Wirkungskraft eines drei Stunden arbeitenden Malers.
  23. Kraftaufbau und Ausdauertraining sind auch mit Kindern möglich. Im linken Arm. (Oder dem Rechten, je nach Lateralität und Geschick mit der freien Hand.)
  24. Pro Kind und Jahr dürfen an elterlichen Geburtstagen mindestens 6 Monate Zusatzalter angerechnet werden.

tbc…

*den Laptop aufklappen, sich mit frisch gebrühtem Kaffee aufs Sofa setzen

**je näher das Abreisedatum, je alleinerziehender, je kränker man selber

Adventsbloggen im Jahre 2012
9. Dezember

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6. Dezember – Kleinkind mit Zepter


Der Mittwoch ist der Tag der Arbeitswoche, den ich komplett mit den Kindern verbringe. Heute Morgen, Y war im Kindergarten, leierte ich Äm an der Bushaltestelle die Liste der zu erledigen Dinge vor, sie nickte verständig jeden Punkt ab und wartete mit Anstand auf meinen Redeflussschluss. „Muss ich nicht machen, will ich nicht. Will ich besser hier warten.“ Es folgten Minuten erbitterter Verhandlung und Konsens in Form einer massiv gekürzten To-Do-Liste und der Abmachung, dass Äm die erste Stunde (mehr hatten wir leider nicht dafür zur Verfügung) im Stadtinnern die Befehlshabe übernimmt. Es ist an dieser Stelle vielleicht festzuhalten, dass das Kind in einer Intensität auf die ganzen Nikolaus- und Weihnachtsgeschichten anspricht, die mir eigentlich relativ fremd ist und so vermochte ich auch nicht realistisch abzuschätzen, was es bedeutet, einer weihnachtswütigen Zweijährigen im Stadtinnern für eine Stunde  gänzlich das Ruder zu überlassen. Falls Sie dereinst ähnliche Vorhaben hegen sollten, hier ein kurzer Abriss dessen, was Sie erwarten könnte:

  • Um aus dem Bus auszusteigen erst das ganze Fahrzeug durchqueren, um den Busfahrer zu fragen, wo der Nikolaus sei.
  • Am Fussgängerstreifen vier Grünphasen abwarten, in der Hoffnung ein Bagger fahre vorbei, dann aber doch loslaufen, weil auf der anderen Seite der Strasse ein bärtiger Obdachloser sitzt.
  • Den bärtigen Bettelnden fragen, ob er der Samichlous (Nikolaus) sei, auf sein bedauerndes Verneinen fragen ob er wisse wo der Samichlous (Nikolaus) sei.
  • Fragen ob im Pappbecher, der vor dem Bärtigen am Boden steht, Geld sei und wieso.
  • Mutters Manteltascheninhalt (einige Münzen, Lippenbalsam und Quittungen) in den Pappbecher geben.
  • Den Plan fassen eine Schoggimiuch (Schokoladenmilch) trinken zu gehen.
  • Auf dem Weg in jedem Schaufenster und wenn möglich im Ladeninnern die „Weihnachtsbälle“ (Christbaumkugeln) ansehen, der Bewunderung durch sehr laute Ausrufe Ausdruck verleihen.
  • Den nächsten Bärtigen fragen, ob er der Samichlous (Nikolaus) sei, sein Verneinen mit „Sone Mischt!“ („So ein Mist!“) quittieren.
  • Beim Schoggimilchdealer die Rolltreppe rauf, runter, rauf, runter, rauf, runter, rauf, runter und rauf fahren.
  • Von der Schoggimiuch (Schokoladenmilch) nur einige Schlucke trinken, den Rest für Y einpacken wollen.
  • Beim Verlassen des Schoggimiuchdealers die Rolltreppe runter, rauf, runter, rauf und runter fahren.
  • Weitere „Weihnachtsbälle“ betrachten und manigfaltige Begeisterungsschreie ausstossen.
  • Im Kaufhaus 5 Minuten lang mit der Verzeichnistafel spielen.
  • Das Mittagessen einkaufen, Erbsen, Karotten und Ofenkartoffeln.
  • Den Laden danach wieder verlassen, aber nur einige Meter, bis zur nächsten Werbeklapptafel laufen, sich darin verstecken, 10 Minuten darin verbringen und bärtige Vorbeigehende fragen, ob sie der Nikolaus seien.
  • Feststellen, dass der Nikolaus wohl nicht hier wohnt.
  • Die Endlichkeit der Kleinkinderdiktatur problemlos akzeptieren.

Werbeversteck     Verzeichnisspiel     Weihnachtsbälle

Ich werde dieses Unterfangen bestimmt wiederholen, vielleicht ausserhalb der Weihnachtszeit, gerne auch länger, gerne auch mit Y, denn zweifellos ist eine andre Sicht auf Allzubekannes garantiert.

Niklausen Sie schön!

 
Adventsbloggen im Jahre 2012
6. Dezember

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3. Dezember – Schulwahlqual


Bevor ich Kinder hatte, war ich ganz und gar überzeugt davon, dass meine Kinder die staatliche Schule besuchen werden. Ich war (und bin) überzeugt von der Wichtigkeit milieudurchmischter Klassen und die Selektion, die bereits im Nachdenken über Möglichkeiten zur Privatbeschulung beginnt und erst recht geschieht, wenn es um tatsächlich dafür verfügbare finanzielle Mittel geht, war mir zuwider. Wie elitär der Gedanke schien, die staatliche Beschulung als ungenügend für die eigenen Kinder zu befinden, wie egoistisch damit die natürliche Durchmischung zu torpedieren und damit genau so für die Entstehung der verschrieenen, schlecht durchmischten „Problemschulen“ verantwortlich zu sein, wie die Wegziehenden, desinteressierten Vermieter, Lehrer und Politiker.
Dann kam Ypsilönchen und mir war klar, dass ich nach 5-6 Monaten Mutterschaftsurlaub wieder arbeiten will und auch Herr G. sah sich nicht in der Rolle des Hausmanns. Es galt also, einen geeigneten KiTaplatz zu finden. Alles was uns von der Stadt damals angeboten wurde, hat nicht unseren Erwartungen entsprochen, das Anwesenheitssoll mit 40% zu hoch, die Gruppe zu gross, das Konzept veraltet und das Kind landete, trotz weiterem Weg, in einer privaten Institution. Weil uns alle anderen Möglichkeiten als ungenügend für unser Kind erschien. Weil wir es bezahlen konnten. Y blieb nur ein Jahr in dieser KiTa, einerseits weil sie doch etwas ungünstiger gelegen war, anderseits weil die KiTaleitung in uns sehr fernen politischen Gefilden tätig war. (Ja, es mutet seltsam an, wenn sich die Betreiberin einer privaten KiTa, angrenzend an eine Stadt in der das Kind quasi vor Geburt angemeldet werden muss, um einen Platz zu erhalten, gegen die Mehrschaffung von subventionierten Plätzen ausspricht.) Heute besuchen beide Kinder eine perfekt gelegene KiTa, mit einer kleinen, liebevoll geführten Gruppe, in Wald- und Wiesennähe.

Hierzulande werden Kinder mit 4-5 Jahren in den obligatorischen Kindergarten (Vorschule) eingeschult, der zwei Jahre dauert und Kinder auf den Schulalltag vorbereiten soll. Um zu bestimmen welche Kinder wann eingeschult werden, wir ein Stichdatum festgelegt, das im Sinne der Harmonisierung momentan kantonal vereinheitlicht wird. Stichdatum der heue eingeschulten Kindergartenkinder war der 31. Mai, Ypsilönchens Geburtstag der 21. Mai. Y würde somit eines der jüngsten, wenn nicht das jüngste Kindergartenkind ihrer Klasse sein. Umstände, die uns darüber nachdenken liessen, Y ein Jahr warten zu lassen. (Entsprechende Gesuche werden, bei so jungen Kindern, in der Regel gutgeheissen.) Wir informierten uns über den Kindergarten, voraussichtliche Lehrpersonen und Mitschüler (viele aus dem Quartier, einige aus der KiTa) und zusammen mit Y, die schon seit zwei Jahren davon spricht, endlich in den Kindergarten gehen zu wollen, beschlossen wir, Y regulär einschulen zu lassen. Eine gute Entscheidung, so scheint es momentan, Ypsilönchen liebt den Kindergarten, kann den Weg mit Gleichaltrigen aus dem Quartier zurücklegen und an ihrem KiTatag wird sie zusammen mit den beiden anderen Kindern, die ebenfalls den Kindergarten besuchen, von Praktikantinnen der KiTa zum Kindergarten begleitet und nach Schulschluss wieder in die KiTa geholt.

Der nächste grosse Wechsel steht uns in 1,5 Jahren bevor, wenn Y offiziell in die 1. Klasse übertritt. Lange hat Herr G., ehemaliger Steinerschüler, in vorangehenden Diskussionen die Rolle übernommen, für alternative Beschulung in der Steinerschule zu plädieren, während ich mit der ganzen Anthroposophie gar nichts am Hut hatte und die Vorstellung schrecklich fand, dereinst an gefilzten Elternabenden eurhythmisch unsere Befindlichkeit vortanzen zu müssen. (Polemik? Wo?) Ich ging zwar davon aus, dass der Besuch in einer staatlichen Schule nicht für alle Kinder vorteilhaft ist, sprach mich aber stets dafür aus, unsere Kinder zumindest versuchsweise regulär zur Schule zu schicken und nach Bedarf bei Unstimmigkeit zu reagieren. Nicht, weil für mich private Beschulung nur letztes Mittel war, sondern weil mich keines der nahen Angebote als Option befriedigte. Die Montessorischule kann nur bis zum 6. Schuljahr besucht werden, die Waldorfschule war mir zu, nun, das habe ich schon ausgeführt, die Musische Schule war zu unfassbar, irgendeine religiöse Institution kam nicht in Frage und so blieb die staatliche Schule, wenn auch weit von meinen Vorstellungen eines Ideals entfernt, vorerst erste Wahl. Nach der Geburt von Ypsilönchen und vor der Geburt von Äm wechselte ich meine Arbeitsstelle Richtung Wohnortnähe, nahm ein Pensum als Intergrationslehrkraft an, begleitete regelbeschulte Kinder (3.-6. Klasse) mit Anspruch auf heilpädagogische Unterstützung stundenweise in ihren Klassen und erhielt damit erstmals seit meiner eigenen Schulzeit wieder eingehenderen Einblick in den Alltag der staatlichen Grundschule. Zu Schuljahresbeginn wurde den Schülern der diversen Klassen, wie so üblich, verschiedene, relativ inhaltslose Kennenlernspiele auf- und Steckbriefe vorgelegt, aber auch die zukunftsgerichtete Frage nach Wünschen fürs nächste Schuljahr gestellt. In Erwartung fantasievoller Naturkunde- und Geschichtsthemenvorschlägen, abenteuerlicher Schulreiseideen und Turnstundenvorschlägen, befremdeten mich die tatsächlich ausformulierten Wünsche der Schüler massiv: Anstatt Piratengeschichten wünschten sie sich Selbstverbesserung in Rechtschreibung. Anstatt eine Schulreise zum Abenteuerspielplatz wünschten sie sich bessere Mathematiknoten. Anstatt mehr Mannschaftsspiele im Sport wünschten sie sich den sekundarschulübertrittbegünstigendes Zeugnis fürs übernächste Schuljahr. Es mag an meinem heilpädagogisch plüschflauschigen Hintergrund liegen, aber die Leistungsbezogenheit neunjähriger Staatsschüler/innen erschreckte mich in diesem Moment enorm und erstmals kam der Gedanke auf, dass ich dies meinen eigenen Kindern nicht zumuten möchte. Der Eindruck, dass der Leistungsdruck in der Staatsschule ungemein früh und intensiv beginnt, hat mich auch nach zwei Jahren der Integrationsarbeit nicht verlassen und war kein unwesentlicher Grund für meine Kündigung und Rückkehr zum Unterrichten an der Sonderschule. Seither wälze ich Ideen, Schulformen und Institutionskonzepte und bin imgrunde und bezüglich der Optionen am gleichen Ort, wie vor meinem neuerlichen Ausflug in die Staatsschulwelt, mit dem Unterschied, dass ich, sofern irgendwie möglich, eine alternative Beschulungsform für meine Kinder bevorzugen würde. Allerdings komme ich langsam unter Entscheidungsdruck, denn schlussendlich bin ich die, die Alternativen zur Staats- oder Steinerschule suchen muss, für Herrn Gs Präferenzen sind klar. Ich setze mich also mit der Antroposophie und ihrem konkreten Einfluss auf den Unterricht an der Steinerschule auseinander und habe mich zu Gesprächen mit Seinerpädagogen verabredet. Das Allerletzte was ich möchte, ist mich (samt Kindern) wieder (siehe hier: (Nicht) Glauben und (Nicht) Glauben 2) in ein spirituell dogmatisches Umfeld begeben. Wobei ich anderseits weiss, wie sehr Y (bei Äm vermag ich es noch nicht zu sagen) wohl die musische Gewichtung im Unterricht entsprechen würde und mit derartigen Gedankengängen sofort die Frage auftaucht, ob ich einem Kind Zugänge verwehren soll, nur weil ich, nachhaltig von meiner Kindheit geprägt, sofort mit Widerstand reagiere, wenn mir jemand mit Spiritualität oder Religion kommt. Positiv beeindrucken mich jedoch die vielen klugen, gänzlich anthroposophiedogmenfreien ehemaligen Steinerschüler um mich herum, die überzeugt davon sind, ihre Kinder dereinst auch in der Waldorfschule einschulen zu wollen und ich tröste mich mit dem Gedanken, zumindest ausgiebig darüber bloggen zu können. Sie sehen, ich bin hin und her gerissen und lasse das an Ihnen aus. Und das letzte Wort ist hier noch lange nicht getanzt.

Adventbloggen im Jahre 2012:
3. Dezember

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Über die Korrelation von TVAbstinenz und erleichtertem Kinderschuhkauf


Kleiderkaufen ist nur per Bestellung ein Unterfangen, das nicht ebensogut für die Folter eingesetzt werden könnte. In meinem Falle besonders grausam: Hosen, denn ich habe 4/4 Beinfülle verteilt auf ¾ Beinlänge. Wo ich mich beim Einkauf in überhitzten Umkleidekabine von Hose zu Hose quetsche und schlussendlich nach dem sechsten Paar, körperlich und seelisch am Ende, aufgebe, weil nahtloses Hosenanprobieren ist Hochleistungssport, das kann ich allen, die Sie mit 4/4 Beinlänge durchs Leben wandelt, versichern. Oberbekleidung und auch sonst praktisch alles ausser Unterwäsche probiere ich gar nicht mehr an, denn diesen Kleidungsstücken sieht man ja wohl an, ob sie passen, jedenfalls gehe ich jeweils genau davon aus, bis ich daheim, beim Eintragen, über die Ärmel meines neuerworbenen Pullovers stolpere oder sonst aus allen Nähten platze.

NOCH SCHLIMMER ist es, wenn ich Schuhe kaufen sollte. Nicht nur, dass ich relativ hohe Ansprüche an Optik und Gewicht (ich mag keine leichten Schuhe) meines Schuhwerks habe, die Ausdehnungen meines Fusses sind auch noch äusserst unkonform (Kinderlänge, Männerbreite). Sie sehen: Ich leide.

NOCH SCHLIMMER ist es, mit Kindern Schuhe zu kaufen, denn dafür muss die Brut mitgenommen werden, Schuhwerk muss ganz genau passen, so sagten schon unsere Ahnen: „Beim Schuh darf nicht gespart werden, weder an Geld noch an Zeit Perfektion zu finden.“ Nun gut, das war frei erfunden, gute Schuhe sind finde ich wichtig. Einfach so. Jedenfalls müssen die Kinder beim Schuhkauf mitkommen. Für den Anstrengungsgrad spielt hierbei kaum eine Rolle, ob der Nachwuchs aus Unlust jedes Anprobieren verweigert, oder, zwar  probierlustig, nur Pinkglitzerbilliglatschen an seinen Fuss lässt. Beides resultiert in derselben Situation: Stark nervenreduzierte Erziehungsberechtigte, randlierender Nachwuchs, verwüstete Schuhregale und VerkäuferInnen in Schweiss- und Tränennässe. Womit wir zu dem Punkt kommen, auf den ich eigentlich hinaus wollte: In der ganzen Forschungen und Diskussionen rund um das TV-Konsumverhalten von Kleinkindern wird ein Aspekt, der massiv gegen den regelmässigen Konsum spricht, sträflich vernachlässigt: Der Schuhkauf. Man suche eines dieser Gigantoschuhgeschäfte mit Kinderecke samt Kinderfernseher, locke sein Kind in die entsprechende Ecke und die sekundenschnelle, wundersame Verwandlung von Trotzzwerg zur zwar offenmundigen, starrenden, herrlich stummen und vor allem willenlosen Marionette, die jeden Schuh widerstandslos anprobiert, mit einigen gezielten taktilen Impulsen, wenn nötig auch geführt, einige Probeschritte ungern vor, aber problemlos wieder zurück marschiert und ganz gewiss keine Anstalten macht nach Einhornsujets und Sohlen mit Stroboeffekten zu verlangen. Schuhkauf ohne Drama, Dank TV Abstinenz.

Sollten Sie sich nun fragen, wie man als Eltern nach dem Schuhkauf auch noch glimpflich und mit gebührend flächendeckendem Nervenkostüm aus den Schuhgeschäften findet,  empfehle ich für das Kaufintermezzo die Zeit kurz vor Ladenschluss zu wählen, oder vorangehend genügend Proviant, optimalerweise mit berauschender Wirkung, einzupacken und der Dinge zu harren, oder Sie nutzen die Wartezeit und bereiten sich auf Situation vor, in der Sie sich in Bälde befinden werden, wenn Sie als Besuch eine Wohnung mit Fernseher betreten und die Kinder lauthals nach Schuhproben schreien.

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Elternsprichworte, Teil 2


Teil 2
  • Das Kind ist, was es isst, in gänzlich unübertragenem Sinne.
  • Es ist nicht alles ein Tannenzapfen was Boden liegt und braun ist.
  • Wer zuletzt lacht, ist das Kind.
  • Auf teuren, feinstbeschichteten Pfannen spielt man kochen.
  • Besser ein Ende ohne Weinen, als ein Ende mit Weinen.
  • Wer Kinder in ihr Bettchen trägt, fällt selbst hinein.
  • Einem geschenkten, liebevoll und aufwändig selbstgestrickten Gaul schaut Kind nicht ins Maul, es mag eh nur das nette Geschenkpapier.
  • Im Weinen liegt Wahrheit (und nachher die Taubheit).
  • Beiß nicht in die Hand, die dich füttert, denn der Alten Liebe rostet nicht.
  • Rügen haben lange, elterliche Beine.
  • Der Glaube kann Berge versetzen, aber kein Kind zum Schlafen bringen.
  • Wer zuletzt lacht, ist das Kind.
  • Aller guten Dinge sind drei (Minuten Ruhe).
  • Auch ein blindes (taubes, schlafendes, vertieft spielendes) Kind findet mal das Süssigkeitenversteck.
  • Kind muss Ruf nicht ruinieren // um sich nicht mehr zu genieren // Nachbars Garten zu markieren.
  • Kleider machen Leute machen Kinder machen Löcher in die Kleider.
  • Die Zeit (und Zugsalbe) heilt alle Wunden durch eingetretene Legosteine
  • Im Eisregenschauer trägt Kind am liebsten Pantoffeln.
  • Besser den Schlaf an Kindes Hand (oder seien wir ehrlich, unter Kindes Körper), als taub und wach.
  • In der Not frisst der Teufel Fliegen, aber kein Gemüse.
  • Liebe misst sich an der Häufigkeit aufgeputzten Mageninhalts, Liebe geht durch den Magen.
  • Wer zuletzt lacht, ist das Kind.
  • Auf teuren, feinstbeschichteten Pfannen spielt man kochen.
  • Besser ein Ende ohne Weinen, als ein Ende mit Weinen.
  • Besser eine Ente mit Zecken, als Zecken ohne Ende.
  • Des einen Kleid ist des anderen Malunterlage.
  • Wer A(rschloch) sagt, wird auch B(itch) sagen.
  • Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Teil 1

  • Kinder die schreien, schlafen nicht.
  • Der Apfel (und andere Lebensmittel) fällt sehr weit vom Kinderstammtisch, drum sollst du den Boden nicht vor dem Abend wischen.
  • Der Kaugummi fällt nicht weit vom Haar.
  • Es ist schon Kleister vom Himmel gefallen.
  • Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis das Kind ihn trägt.
  • Für jede Tupperdose gibt es keinen passenden Deckel mehr.
  • Ein Furz zur richtigen Zeit, hat noch keinem geschadet und rettet ganze Tage im Hause von Kindern in der analen Phase.
  • Was du heut nicht willst besorgen, das halte vor dem Kind verborgen.
  • Sirup ist dicker und klebriger als Wasser.
  • Appetit holt man sich woanders, gegessen wird dort auch lieber.
  • Auch Rom kann von einer Horde Zweijähriger in einem Tag dem Erdboden gleichgemacht werden.
  • Aus Schaden wird man klüger, aber das Kind kennt alle Wege nach Rom.
  • Undicht daneben ist auch vorbei am Schlaf. (Altes Windelsprichwort)
  • Wer zuletzt schläft, schläft am wenigsten.
  • Das frühe Kind steckt den Wurm in den Tag.
  • Gelegenheit macht Scherben, farbige Wände, Überschwemmungen, Brände und Löcher.
  • Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, auch nicht mit Besteck, Geschirr und anderen Gegenständen mit Durchschlagskraft.
  • Morgenstund hat Mundgeruch, verlangt JETZT SOFORT ihre Milch und spricht viel zu viel.

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(Nicht)Glauben


Eigentlich wollte ich einen Artikel über Erziehung und Religion und meine (unseren) diesbezüglichen Ideale schrieben, die das Leben mit unseren Kindern beeinflussen, aber jeder Versuch (und es gab etliche Versuche) endete unweigerlich und unfreiwillig in autobiografischen Ausschweifungen. Ich habe nicht geplant, derart persönlich zu werden, aber ich kann das Wie und Warum meiner (nicht)religionserzieherischen Praxis nicht von den Erfahrungen in meiner Kindheit trennen.

Die Menschen die meine Kindheit prägten, hatten eine gemeinsame, sehr konkrete und eindeutige Weltanschauung, die bereits über mehrere Generationen gelebt und weitergegeben wurde. Seit frühester Kindheit war mir unmissverständlich klar, was und an wen zu glauben sei. Es gab eine einzige Wahrheit, die jeder anderen Weltanschauung ihre Berechtigung entzog und natürlich glaubte ich, was mir täglich von meinen Eltern und Nahestehenden erzählt und vorgelebt wurde. Ich kann mich an viele schöne Momente erinnern, an gemeinsames Singen, an fesselnde Geschichten, an ein Zusammengehörigkeitsgefühl und an diesen grossen Dritten, Namens Gott/Jesus, den ich wenn mir nachts zu dunkel war, schützend in meiner Nähe wähnte. Einprägsamer und vor allem nachhaltiger aber, war die unsägliche Angst, den Ansprüchen dieses Gottes nicht zu genügen, die Befürchtung die Sünde, um deren Vergebung ich gebetet habe, nicht genug zu bereuen und damit keine Vergebung zu erlangen, die Angst beim Beten um Vergebung eine Sünde vergessen zu haben, die Angst in einem schwachen Moment eine der Todsünden zu begehen, die Angst vor dem letzten Beten um Vergebung und damit in Sünde zu sterben und damit in der Hölle zu landen und vor allem die Angst bei der Rückkehr Jesu (laut Theorie wird er am jüngsten Tag auferstehen und alle die an ihn glauben und gottgefällig leben mit ins Paradies nehmen), als einziges Familienmitglied zurückgelassen zu werden. Ich kann nicht zählen, wie oft ich nachts erwachte und fürchtete, der Moment sei jetzt gekommen, in dem ich allein zurückgelassen wurde. Ich schlich jeweils in die Zimmer der anderen, um festzustellen, dass sie alle noch da sind, was mich hätte erleichtern können, mir aber hauptsächlich bestätigte, dass ich zu wenig glaubte, zu schlecht war. Denn der wahre Gläubige muss nicht an seiner Errettung zweifeln, er ist sich seines Heils gewiss. Ich aber hatte sie nie, die vielgelobte Heilsgewissheit, dafür um so mehr Angst, nicht zu genügen.

Als ich schliesslich damit begann, Bücher zu lesen, wurden mir neue Welten eröffnet. Ich las mich quer durchs Zeitgeschehen, durch Kulturen, Religionen und Ideologien und mir wurde klar, dass andere Menschen andere Dinge glauben und davon ebenso überzeugt sind, wie mein Umfeld von seinem Weltbild. Es kamen Fragen, auf die es keine Antwort gab, lange vorhandene Zweifel manifestierten sich und wuchsen zum Wissen heran, dass ich das, was mir stets als DIE Wahrheit unterbreitet wurde, nicht mehr einfach als gegeben hinnehmen konnte. Das abwertende Menschenbild, die untergeordnete Rolle der Frau, der Umgang mit dem Thema Homosexualität, die menschlichen Missstände innerhalb der religiösen Gemeinde… Auf die konkreten Auslöser einzugehen, würde jeden Rahmen sprengen, deswegen sei einfach gesagt: Es folgte ein langer, intensiver Ablösungsprozess, innerlich wie äusserlich, denn nein, ich wurde nie aktiv dazu genötigt zu glauben oder den religiösen Veranstaltungen beizuwohnen, aber es existierten bis zu diesem Moment schlicht keine anderen Optionen und so distanzierte ich mich nicht nur von einer Ideologie, sondern auch von einem Grossteil meines sozialen Umfelds.

Mir ist bewusst, dass das Geschilderte für jemanden, der nicht einem solchen Umfeld entstammt, kaum nachvollziehbar ist, aber wahrscheinlich geht es hier und heute auch gar nicht darum, sondern nur darum aufzuzeigen, weshalb ich das, was für andere wohl selbstverständlich ist, ausformuliere und betone:

Meine Kinder sollen angstfrei, offen Blickes und selbstbestimmt wählen können, woran sie (nicht) glauben wollen.

Es stellt also die Frage, wie ich das Leben mit meinen Kindern in einer klar christlich geprägten Gesellschaft gestalte. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in der Annahme, dass die Vorbildfunktion der Eltern eine essentielle Rolle spielt, bin ich auf folgende Punkte gekommen:

Ich versuche, im Rahmen meiner Fehlbar- und Möglichkeiten die Prinzipien der Gleichberechtigung, Achtsamkeit, Toleranz und Respekt vorzuleben und in Situationen in denen ich Gegenteiliges sehe, klar Stellung zu beziehen.

Ich dränge meine (nicht)religiösen und (nicht)spirituellen Ansichten nicht auf und erkläre nur, wenn ich danach gefragt werde, dann dafür altersentsprechend ausführlich und klar, in der Hoffnung, die Kinder mögen sich ich ihre Gedanken selber machen und zu für sie stimmigen Schlüssen kommen.

Fragen in Bezug auf die diversen (nicht)religiösen und (nicht)spirituellen Strömungen beantworte ich wenn möglich und so wertfrei als möglich. Es gibt mehr als nur eine Möglichkeit der Weltanschauung und jede Option (auch und gerade unser Lebensentwurf) darf und muss hinterfragt werden.

Christliche Feste und Feiertage begehen wir ohne religiösen Kontext, erklären ihn aber nach Bedarf und nehmen uns die Bräuche und Brauchteile, die wir gerne weitergeben würden.

 

Was bleibt, ist die Frage, wie ich damit umgehen soll, kann, muss, wenn meine Kinder sich für eine, explizite religiöse Weltvorstellung zu interessieren beginnt. Keine einfache Frage, wie ich finde, denn so sehr ich möchte, dass meine Kinder selbstbestimmt ihre Schlüsse ziehen können, so klar ist auch, dass ich sie nicht nicht beeinflussen kann und will. Tatsächlich gibt es Erfahrungen, von denen ich meine Kinder zu schützen gedenke, wenn ich das Gefühl habe, dass ihr Wohl ansonsten gefährdet wäre. Solange ich mit meinen Kindern noch nicht theoretisch über einen Glaubensansatz sprechen und ihn gegebenenfalls relativieren kann, werde ich mein Kind, selbst wenn es das wollte, nicht mit Freunden an religiösen Veranstaltungen teilnehmen lassen, bei denen ich davon ausgehen kann, dass meinem Kind eine Ideologie, im schlimmsten Fall mit ganz konkreten Konsequenzenandrohung bei Nichtglaube („So wie du jetzt lebst, kommst du nicht in den Himmel, aber wenn du mit Beten um Vergebung und Glauben beginnst…“), als die alleinige Wahrheit präsentiert wird. Ja, das ist absolute Bevormundung und keine Selbstbestimmung. Aber ich lasse meine Kinder auch nicht alleine über verkehrsreiche Strassen gehen, wenn ich nicht davon ausgehen kann, dass sie die Gefahr eines nahenden Autos nicht erkennen oder korrekt einschätzen können.

Und irgendwann bleibt ohnehin nur noch zu hoffen, dass unsere Kinder auch ohne uns wohlbehalten auf die andere Strassenseite kommen.

***

Ich habe nicht ausgesprochen, noch längstens nicht, aber das hier ist ein Anfang, ein erstes Kratzen an der Oberfläche, inwiefern ich in diesem Rahmen hier noch auf die Thematik eingehen werde, ist allerdings noch unklar.
Mir ist absolut bewusst, dass andere Personen, in exakt gleicher Situation und gleichem Umfeld, sehr viel mehr Positives hätten aus der Glauben, wie er in diesem Falle praktiziert wurde, ziehen können.

 

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