Archiv der Kategorie: Reisen mit Kindern

Glück und Kitsch auf Reisen mit Kindern


Christina von der Reisemeisterei hat dazu aufgerufen, zu schildern, warum die Reiserei unsereins glücklich macht. Ich möchte diese Thematik unter dem Aspekt des Reisens mit Kindern betrachten und habe mich deswegen erstmals an einer Blogparade (Fragen Sie mich nun bitte nicht, was denn das genau sei und wieso das Ding so heisst.) mitgemacht.

Vorangehend möchte ich festhalten, dass es hier und heute um Glücksempfindungen beim Reisen mit Kindern geht, ich werde im Folgenden also sämtliche Negatvitäten (die allerdings tatsächlich in der Unterzahl sind) ausblenden, ich werde nicht erwähnen, dass es durchaus manchmal nervt, wenn man nicht erst um 22 Uhr entscheiden kann, wo genächtigt wird, oder dass man Gebiete bereits bei niedrigem Gefahrenpotential umfährt, oder all zu lange Märsche ausfallen, oder dass es tatsächlich eher mühsam ist mit einem Kleinkind die Notaufnahme eines Landes zu besuchen, dessen Sprache man nur gebrochen versteht, ja, psst jetzt, denn ich blende mit Freuden Leidiges aus und präsentiere Ihnen dafür

Glück und Kitsch auf Reisen mit Kindern:

Vor einiger Zeit stellte MamaArbeitet auf ihrem Blog die Frage, ob es möglich sei, als Eltern noch dieses Gefühl absoluter Freiheit und Unbeschwertheit zu empfinden. Die alltäglichen Verpflichtungen, Sorgen um Kindeswohl, die Koordination zweifacher Berufstätigkeit, KiTa und Kindergarten, ja, der Alltag schlaucht und manchmal fehlt die Luft zum Atmen und selbst wenn man sich etwas Raum freizuschaufeln vermochte, warten die aufgeschobenen Verpflichtungen bereits mit Füssen scharrend Tür auf Einlass und rufen sich in all zu kurzen Abständen mit lautem Ungeduldspochen lebhaft in Erinnerung. Vielleicht bin ich einfach mit schlechten Verdrängungsmechanismen ausgestattet, aber das Gefühl Frei- und Unbeschwertheit habe ich tatsächlich seit den Kindern nicht mehr in früher bekannter Intensität und Absolutheit verspürt. Dachte ich im ersten Moment. Bis mir unsere Vierteljahresreise einfiel und ich erkannte, dass wir, BESONDERS mit Kindern, nicht nur aus den naheliegendsten Gründen, um und unbekannte Landschaften und fremde Kulturen zu sehen, reisen, sondern auch für die vielen vermissten Momente perfektionierten Glücks, kompletter Freiheit und absoluter Unbeschwertheit, entstanden durch das Zurückgeworfensein auf uns, als Grundfamilie, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die Verpflichtungslosigkeit, das Wissen, dass wir alles Wichtige dabei hatten, dass jeder zurückgelegte Weg der Richtige war, weil wir tatsächlich nichts verpassen konnten, weil es nichts zu verpassen gab, weil das wirklich Wichtige unserer Reise WIR waren und die Erkenntnis, dass wir damit irgendwie überall daheim, vielleicht manchmal daheimer als in den Wirren des zurückgebliebenen Alltags waren. Hinzu, aber zweitrangig, kommen selbstredend all die hauptsächlich kulturellen Eindrücke, die wir so ohne Kinder niemals erlebt hätten, die zig liebevollen Gesten, die Momente, die unsere Kinder, personifizierte Türöffner, alleine dadurch auslösten, dass sie Kinder sind. Kinder knüpfen Kontakte im Zeitraffer, wo wir als Erwachsenen bei meist freundlichen, aber förmlichen Begegnungen geblieben wären, wurden die Kindern, wo immer wir waren, mit einer Herzlichkeit und Freude empfangen, die ich kinderlos noch nie erlebt hatte. Wir wurden beschenkt, bekocht und umsorgt und erlebten so, obwohl wir zu Gunsten der Kinderlaune einige der gängigen kulturellen Höhepunkte (beispielsweise einige Städte) ausgelassen hatten, vielleicht manchmal gar mehr, sicher aber andere kulturelle Authentizität, in kleinem, persönlichen, landesalltäglichen Rahmen.

Herr G. arbeitet sich mit zwei Gasherdplatten gen vollwertige Mahlzeit und kocht in Schichten, die Pfanne mit den bereits gekochten Erbsen stellt er auf die Erde. Frau G. gelangt mit den Kindern, nach einem Ausflug zum nahegelegenen Pferdestall, zurück zum Ort des Geschehens. Äm, blitzschnell, hebt den Erbsenpfannendeckel und bricht umgehend in lautes Jaulen aus. Frau G. nimmt im ersten Moment an, sie hätte sich verbrannt, packt das Kind und rennt mit ihr zum nächsten Freiluftwasserhahn, wo sich gerade die türkische Frauschaft zum Schwatz eingefunden hat. Noch auf dem Weg dorthin merkt sie, dass Äm sich nicht ernsthaft verletzt haben kann, sondern wohl mittlerweile hauptsächlich schreit, weil sie von der Erbsenpfanne weggetragen wurde. Trotzdem beschliesst sie Kindes Hand vorsichtshalber unter den Wasserhahn zu halten, zumal Äm Wasser mag und dabei meist augenblicklich zufrieden wird. Allerdings hat sie nicht mit der Horde händeverwerfender, aufgeregter Frauen in Sorge gerechnet, die in aller Liebe und Fürsorge die heulende Äm weiter in ihr Elend hineinstürzen. Mit ungeschickt gewählten Worten wie “Pfanne” und “warm” versucht Frau G. die Lage unter Kontrolle zu bringen, als der erste männliche Besorgte, mit einem Sack Eis erscheint und Äm vorsorglich überall zu kühlen beginnt. Äm legt derweil an Schreiintensität zu. Ein weiterer Besorgte kommt mit Salbe angerannt, etwas ratlos suchen wir nach einer möglichen zu bestreichenden Stelle, aber bis auf einige rote Hautflecken, deren Farbe von der kürzlichen Behandlung mit Eis herrühren sind keine verdächtigen Stellen auszumachen und wir bestreichen sicherheitshalber und auf Anraten aller Umstehenden die Handinnenflächen. Äm schreit weiter, denn Salbe ist ihr ein Graus. Frau G. versucht weiterhin die richtigen Worte zu finden, um die Umstehenden zu beruhigen. Glücklicherweise hat nun auch Herr G. den Ernst der Lage erfasst, packt geistesgegenwärtig die Erbsenpfanne, galoppiert mitten in die aufgeregte Menschentraube und schreit sinnesgemäss “Pfanne gar nicht heiss!”, worauf Frau G. die Pfanne berührt und theaterreife Erleichtung spielt. Die Menschenmenge beruhigt sich etwas. Sämtliche Anwesenden verlangen danach, die Pfanne des Anstosses ebenfalls zu berühren, um sich persönlich zu überzeugen. Reihum wird ehrfürchtig die Hand zur Pfanne ausgestreckt und erleichtert genickt, als ein schweissüberströmter Greis keuchend den Kreis durchbricht und sich mit winkendem Autoschlüssel in die Mitte stellt. “Ich habe ihn gefunden! Wo ist das Kind mit dem gebrochenen Arm?”

(Gülpinar, Südtürkei)

Rund um uns wurden die Grills auf die Strasse geschoben und mit grossem Bimborium und noch mehr Rauch angefeuert, erste Biere und Wein gereicht, Spiesse aller Gattung und Farben zubereitet und hernach auf die perfekte Glut gewartet. Mit der Dämmerung verbreiteten sich die allerköstlichsten Düfte nach gegrilltem Gemüse und Fleisch, Tische wurden auf den Strassen zusammengeschoben, Stühle eingesammelt, hie und da ein Feuer entfacht. Schliesslich versammelte man sich sitzend oder stehend um die Tische, und ass, trank, vorallem aber plauderte, mal hier mal da, Kinder rannten oder kurvten auf Fahrrädern von Tisch zu Tisch, bekamen hier eine Mund voll zu Essen, da ein liebevolles Tätscheln und dort Luftküsschen zugeschickt. Irgendwann begann jemand zu singen, es folgte der Auftritt einer spontan zusammengefundenen Band und gemeinschaftliches Tanzen und Singen alter, äusserst sentimentaler griechischer Lieder. Kurz: wir fanden uns urplötzlich in einem griechischen Kleinstdorf in Festlaune wieder. Y fand nach kurzer Zeit kleinmädchen- und zauberhaften griechischen Anschluss, mit dem sie bis Mitternacht durch die Gegend flanierte, Äm schlief irgendwann ein, Herr G. und ich wurden zu Gesprächsrunden geladen, abgefüllt, gemästet, zum Tanz genötigt und ab und zu an eine grosse, weiche griechische Brust gepresst.

(Alexandropuli, Griechenland)

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Haben Sie keine Angst vor der albanischen Polizei, auch wenn Sie mit Blaulicht verfolgt und rausgewunken werden, wenn sich Ihnen drei grimmige Polizisten nähern und barschen Tones Anweisungen bellen, vielleicht wird auch bei Ihnen nur die Fahrertür geöffnet, ein Blick auf schlafende Kinder geworfen, das Standlich angemacht und möglichst leise, fast liebevoll, die Tür wieder geschlossen.

(Himara, Albanien)

Drei von vielen möglichen Zitaten aus den Reiseberichte unserer Vierteljahresreise durch Osteuropa, die eigentlich als Ganzes, insbesondere das Fazit, und irgendwie samt negativen Aspekten, ein Zeugnis davon ist, dass das Reisen mit K(leink)indern sich lohnt, ja, eben glücklich macht. Schlussendlich spricht es wohl für sich, dass wir in 119 Tagen unsere nächste Vierteljahresreise antreten werden.

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Reise 2014 – Die Baustellen


Noch 157 Tage bis zur Abreise. Das ist ja noch massig Zeit, könnte man denken, aber tatsächlich haben wir noch einige Baustellen zu schliessen, bevor wir uns erneut auf (fast) Vierteljahresreise machen können.

Baustelle 1: Der Gefährt(e)

Wir arbeiten an einem partiell neuen, optimierten Ausbau, beziehungsweise, eigentlich ist der schon angefertigt, leider mussten wir nach einer Testsitzung im Gefährteninnern feststellen, dass wir vergessen haben mit einzubeziehen, dass es von Vorteil wäre, wenn sich die Türe trotz Ausbau weiterhin von innen öffnen liesse, gegen das Fallengefühl und so, Sie verstehen.

Berat, AlbanienGefährte neu

Ausserdem haben wir an der Dachverkleidung einige Schimmelstellen gefunden und müssen also das Dach innerlich gänzlich neu auskleiden. Weiter fehlt dem Gefährten hier und da etwas Gemütsschnickschnack und Wohlfühlschischi. Von äusserlichen Veränderung sehen wir, trotz kurzer entsprechender Gedankenstreifung, ab, gerade das unauffällige, weisse Antlitz eines Lieferwagens hat und auf der letzten Reise einige ausserordentliche Übernachtungsmöglichkeiten eröffnet.

Baustelle 2: Die Wohnung

Um unsere Reisekasse zu füttern würden wir gerne unsere Wohnung untervermieten. Wer also gerne einen Sommer in Bern verbringen möchte, melde sich! Wir bieten 3,5 von 4,5 Zimmern, einen riesigen Garten, direkt am Waldrand (Mit etwas Glück sieht man morgens Rehe im Garten äsen. Ehrenwort!), mit zwei Balkonen und einer Terrasse, 10 Busminuten vom Hauptbahnhof entfernt (in Stosszeiten fährt er alle 6 Minuten), eine Fussminute von der Aaare (Fluss) entfernt, die hier zahlreiche Bademöglichkeiten bietet und über einen Tunnel verfügt, der fünf Minuten Marschzeit mit 15 Minuten Schwimmzeit belohnt und für den Viele sogar längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Bei Interesse und ausgiebigerem Informationsbedürfnis schrieben Sie an: gminggmangg@gmail.com

Baustelle 3: Die Arbeit

Uns wurde zwar unbezahlter Urlaub zugesprochen, aber als Lehrer und Klassenverantwortliche tut man sich keinen Gefallen, wenn man der Vertretung gänzlich freie Hand und unter Umständen Themen bearbeiten lässt, die für später vorgesehen sind. Deswegen bereite ich den Unterricht für die 7 Wochen meiner Abwesenheit so gut als möglich vor. Ausserdem fallen auf Ende Schuljahr Gespräche, Zeugnisse und diverse Berichte an, die alle relativ viel Zeit beanspruchen.

Baustelle 4: Äm-Gesundheit

Äm war immer schon relativ oft und oftmals unter seltsamen Umständen und mir untypischen Symptomen kranke, aber seit Jahresbeginn hat diese Neigung zu schier unerträglicher Intensität zugenommen, ihr Immunsystem scheint derart geschwächt, dass sie jeden Infekt nimmt, der ihr so begegnet. Wir verzeichnen 1x unerklärlich hohe Entzündungswerte mit Fieber, 1x Mittelohrenentzündung, 1x Ringelröteln und 1x fiebriges Grippen in den letzten 5 (fünf!) Wochen. Wenn sie bis im Juli nicht nachhaltig gesünder wird, werden wir die Reise um mindestens zwei Jahre verschieben müssen.

Baustelle 5: Der Welpe

Bis in 157 Tagen möchten wir einen einigermassen erzogenen Hund herantrainiert haben. Ich denke, dass wir uns da auf bestem Wege befinden, die wichtigsten Kommandos kennt sie, die Charlotte, jetzt arbeiten wir noch an der unbändigen, überschwänglichen Freude, beziehungsweise den zahnlastigen Freudebekundungen, wenn Menschen (es spielt keine  Rolle wie bekannt oder fremd) ihr ihre Aufmerksamkeit widmen. Das Wort „Nein.“ Ist hier jedenfalls oft in Gebrauch, auch wenn sich der Welpe grösstenteils sehr bemüht, unter besonders strengem Blick vor lauter Beflissenheit gleich das ganze Repertoire potentiell erwünschten Verhaltens präsentiert und dabei zwischen Sitz, Platz und Pfote rotiert, bis wir Einhalt gebieten.

Warten

Baustelle 6: Die Ukraine

Ich möchte nach Odessa fahren und das ziemlich unbedingt, aber die Lage in der Ukraine ist momentan nicht nur entspannt, besonders in den Städten und mit kleinen Kindern möchte ich mich dann doch nicht in all zu konfliktgeladene Gebiete begeben. Ich wünsche mir also Entspannung für die Ukraine und, wenn wir schon dabei sind, auch gleich für den Rest der Welt. Danke.

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Wieder München


Die Tage über Silvester und Neujahr verbrachten wir erneut bei „unseren Deutschen“, ohne viel Programm, bei gutem Essen, Hunderatschlägen und grossen Plänen. Von München selber haben wir heuer, bis auf einen kurzen Abstecher in die Innenstadt, zu einem kleinen, feinen Bloggertreffen, bisschen Feld, Wald und Ammersee, nicht viel gesehen.

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Bemerknisse gab es trotzdem:

Würden Sätze wie „Ich krieg einen Leberkässemmel!“ in der Schweiz zur Verkäuferin gesagt, kriegte man höchstens Krieg.

Die Deutschen fahren schnell, besonders auf der Autobahn und besonders für Fahranfänger wie mich, aber die wirklichen Raser auf deutschen Autobahnen fahren mit Schweizer Autonummer.

Wer öffentlich genug von seinen Süsssenfvorlieben berichtet, muss nicht nach München reisen, um den Vorrat aufzustocken, sondern er hielt zu Weihnachten von hier und da derart viel Senf, dass die Menge nur mit „Lebensvorrat“ umschrieben werden kann.

Ich will mir nicht vorstellen, wie viele Reisen ich für das Geld machen könnte, dass die Deutschen an Silvester für ihre Feuerwerke ausgeben. Sicher ist, dass man sich in München die Feuerwerkexzesse unter keinen Umständen nehmen lässt, auch wenn Nebel und Rauch so dicht werden, dass die Feuerwerke nur noch akustisch zu erahnen sind.

 München 2012 

(Und wie und wieso wir von unserem Ausflug mit Zuwachs zurück kamen, erfahren Sie demnächst auch…)

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20. Dezember – Oh, kommet, ihr Untermieterscharen!


Ich zähle jetzt schon die Stunden und Tage bis zu unsere Abreise, auch wenn wir noch eine ellenlange Liste an Vorbereitungspunkten abzuarbeiten haben. Einen wichtigen Punkt konnten wir diese Woche streichen, als auch (Einer der Punkte war ja, ich denke ich habe es schon ein-, zwei-, drei-, x-mal erwähnt, mein Führerschein. Ha!) der Gefährte seine Prüfungen bestand. Entgegen unserer Erwartungen, um ehrlich zu sein, denn seit der letzten Revision in der Werkstatt sind wir schon wieder über 1000 Kilometer gefahren (Siehe Normandieausflug) und der Gefährte hat nun doch auch schon 15 Jahre auf den Achsen und viele Kilometer unter den Rädern. Wir waren dann auch etwas überfordert, als der Experte uns einfach ohne Weiteres durchwinkte. Der Gefährte war wohl ein echter Glücksgriff, für uns als Autounkenner um so verwunderlicher, wenn ich mich schon nur an die Szene bei der Begutachtung vor dem Kauf erinnere… Von einem Bekannten erhielten wir damals den Rat, für eine gute Einschätzung des Autozustandes auch unters Auto zu liegen. Das taten wir dann, Herr G. und ich, wir krochen unter den Gefährten und lagen dann da so rum, betreten schweigend, weil alles was wir laienäugig rumliegend sahen, ein Auto von unten war. Unschlagbare Situationskomik, versichere ich ihnen, und der Seriosität zuliebe mussten wir unter dem Auto bleiben, bis die tränen unterdrückten Lachens versiegt und wir dem Verkäufer wieder halbwegs ernst zu nehmen gegenübertreten konnten. Jedenfalls haben wir einen Glücksgriff getan und wurden, trotz Unerfahrenheit, vom Autoverkäufer nicht all zu sehr übers Ohr gehauen. Der Countdoun läuft und die To-Do-Liste schrumpft. Nächster Punkt: Wohnung untervermieten. Wer will? Wir bieten Waldnähe, einen grossen, lieblichen Garten, eine Terrasse, zwei Balkone, vier Zimmer, Aaarennähe und einen kurzen Weg ins Zentrum Berns. Melden Sie sich in Scharen! Danke.

Runterzählerstand (das Einfügen eines dynamischen Zählers hat jetzt gerade nicht funktioniert, ebensowenig wie meine Geduld): 206 Tage In der Seitenleiste rechts, ganz oben ersichtlich. —>

Adventsbloggen im Jahre 2012:
20. Dezember

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Schweiz – Normandie – Schweiz, ein Kurzurlaub


Nach drei Tagen bei brütender Hitze auf der Wiese eines Thurgauer Bauern, stand fest, dass uns unser Kurzurlaub gen Normandie verschlagen soll. Da die Schweiz und die französische Atlantikküste aber doch einige Kilometer trenne, war klar, dass wir das Stück nicht an einem Tag durchfahren, sondern lieber gemütlicher tuckern und dafür ein bis zwei Nächte Zwischenlager aufschlagen wollen. Nach Verabschiedung von „unseren Deutschen“ mit denen wir wieder mal höchst erquickliche Stunden verbracht haben, fuhren wir in strömendem Regen Richtung schweiz-französischer Grenze. Über die Grenze kamen wir allerdings vorerst noch nicht, denn obwohl der Gefährte sich grundsätzlich endlich wieder bester Gesundheit erfreut, fegte das garstige Wetter kurzerhand einen Scheibenwischer weg und kostete uns mit Garagensuche und Reparatur einige Zeit. Trotzdem schafften wir danach noch einige Kilometer. Unsere erste gemeinsame Nacht im Gefährten verbrachten wir, in Frankreich, ungefähr 100 Kilometer von der Schweizergrenze entfernt, abseits der Hauptrouten, wieder auf dem wunderschön gelegenen Land eines Bauern: Vor uns die Aussicht auf umliegende Wälder und Felder, die sich nur in ihrer unbebauten Weite erheblich von der Schweizer Landschaft unterschieden, hinter uns eine Weide voller, wie der Bauer meinte, liebenden und liebenswerter Esel, Pferde, Hochlandrinder, einem Ziegenbock und einem, dem betont einzigen, etwas verrückten Lama, das auf den bezaubernden Namen Chocolat fou hört. Die Kinder waren selbstredend bis Sonnenuntergang beschäftigt, liessen sich auch durch gelegentliche Schauer und einem ausdauernden Regenbogen nicht ablenken und fanden hernach sehr schnell in den Schlaf.

Früh am nächsten Tag brachen wir auf, die Kinder zeigten sich vorerst herrlich fahrfreudig und wider Erwarten schafften wir es bereits am zweiten Reisetag an die Küste der Normandie. Auf den letzten Metern bekundete Äm allerdings grossen Unmut und weigerte sich lauthals, auch nur drei Meter weiter fahren zu wollen und so stellten wir uns auf den erstschlechtesten Campingplatz und bezahlten zu viel für zu viele Nachbarn und zu wenig Natur. Besonders Y genoss das Campingplatzleben trotzdem und kurvte auf ihrem Fahrrad völlig unabhängig durchs Gelände. Der angrenzende Strand war, um nicht ungerecht zu werden, auch nicht zu verschmähen, auch wenn das Wetter keine ausgiebigen Baderunden zuliess.

In den darauffolgenden Tagen erkundeten wir hauptsächlich die Küstenabschnitte der Normandie. Eine grüne und doch karge, baumlose und windgezeichnete Landschaft mit weiten, nicht all zu bevölkerte Strände, teilweise umgeben von schroffen, steil abfallenden Felswänden, gezeichnet von den Ebbe, Flut und vergangenen Zeiten: Die Erinnerungen, Denkmäler, Mahnmale die an die Invasion und darauffolgende Befreiung durch die Alliierten 1944 erinnern sind allgegenwärtig, der Tourismus ist fast gänzlich auf diese Thematik ausgelegt. Mich hat das völlig überrumpelt, ja,  erschlagen. Denn obwohl ich selbstredend um die geschichtsträchtige Rolle der Normandie weiss und auch aufklärende, informative Tafeln an den strategisch wichtigen Punkten erwartet habe, empfand ich die Flut an touristisch präsentabel aufgearbeiteten Erinnerungen an diese Ereignisse als störend. Die Überresten des künstlichen Hafens bei Omaha Beach störten mich nicht, sie fügen sich in die Landschaft ein, sie haben diese Zeit und Gezeiten getrotzt und harren aus, erinnern stumm und doch ungleich eindrücklicher, als die künstlichen Panzer, Plakate und Museen die alle paar Schritte am Wegesrand stehen. Ich kam nicht dafür. Ich kam für das Land, gänzlich losgelöst von aller Zeit und ihrer Geschehnisse, ich für das Fleckchen Erde, für seine Schönheit, die da war, bevor Hitler kam und trotz ihm seither anhält. Wir haben diskutiert, Herr G. und ich, ob unsereins, so unbehelligt, so unbeteiligt und unbetroffen so über die Erinnerungskultur urteilen darf und nein, wir kamen zu keinem Schluss, denn das Erinnern ist wichtig und nötig, natürlich, ebenso vermögen wir die Bedeutung, die dieser Ort für Hinterbliebene nach wie vor haben mag, kaum zu ermessen, ja, es mag vermessen von uns sein, Natur zu verlangen, wo Menschen für Befreiung gestorben sind, aber die Diskussion, und ein eventueller Schluss daraus, tun, so oberflächlich es klingen mag, nichts zu meinen Gefühlen: Ich fühlte mich gestört.

Im Landesinnern zeigte sich die Normandie weniger Geschichtsversunken und bot neben Calvados und Cidre wunderschöne steingemauerte und efeuüberwachsene Häuser und himmlische Anwesen, in einer schier unglaublichen Dichte. Etwas weiter nordwestlich, an der Küste, erhofften wir uns schliesslich eine Pause von den Kriegsrinnerungen und fanden dafür multiplizierte Toristenmasse, minimierte Strandschönheit, die Lust uns langsam gen Heimweg zu machen und den Anstoss zu erneutem Überdenken unserer Reiseroute für die Vierteljahresreise 2014.

Die Rückreise gingen wir gemächlich an und planten mindestens drei Etappen, also zwei Zwischennächte. Tatsächlich gestaltete sich die erste Strecke so ruhig wie geplant, die Kinder froh, wir Erwachsenen ebenso, landeten wir, ziemlich spät, auf einem Stellplatz an der Saône, voller alteingesessenen Dauersteher, die uns mit offenen Armen empfingen.

Am nächsten Tag fanden wir uns urplötzlich am Doubs wieder und damit fast schon in heimischen Gefilden. Bereits am Mittag fanden wir ein nettes Plätzchen und verbrachten mit den entspanntesten, schönsten Nachmittag unseres Kurzurlaubes am Doubs, beim Baden und Planschen. Neben uns zeltete ein älteres russisches Paar mit einem Wellensittich, den sie liebevoll „mein Baby“ nannten. Es war ihre erste Nacht in Frankreich, das Zelt haben sie extra dafür besorgt und während wir beim Aufbau halfen, versorgten sie die Kinder mit Obst und Süssigkeiten und machten gefühlte 2000 Gemeinschaftsfotos von Äm, Y und dem Sittich. Früh am nächsten Morgen wurden wir nicht nur durch gleissend helle Blitze, sondern auch durch die mindestens ebenso helle Aufregung unserer Nachbarn geweckt, die in den frühen Morgenstunden einen Fisch gefangen hatten und sich nun mit dem fang in Fotopose warfen. Die Kinder stürzten sich vom Bett direkt in Regenkleidung, bekundeten angemessen ihre Bewunderung und posierten mindestens ebenso stolz, mit Fisch und Wellensittich. Nach inniger Verabschiedung brauchten wir für den Rest der Heimreise kaum zwei Stunden.

Grundsätzlich hat es wohl kaum eine Rolle gespielt, wo wir in unserem Kurzurlaub hingefahren sind, was bleibt ist die Freude am gemeinsamen Unterwegssein, aufgewärmte Erinnerungen an unsere letzte Reise und belebte Vorfreude auf unsere nächste Reise und das Gefühl jeden Ort zum Daheim werden lassen zu können.

Bemerknisse

  • Die Frau Fankhauer unserer Reise (GPS-Gerät) haben wir damals nur ausgeliehen, deswegen haben wir uns eine eigene Ausgabe besorgt und im Sinne der Diversität und Individualität Frau Schüpbach getauft. Erfolglos, denn unsere GPS-Gerät-Namensspeicherkapazität scheint mit einem Namen ausgeschöft. Wir nennen unser Gerät also weiterhin Frau Fankhauser.
  • Frankreich ist teuer, eine Vierteljahresreise durch dieses Land könnten wir uns kaum leisten.
  • Die Masse an Niederländern in der Normandie, liessen uns zwischenzeitlich mutmassen, ob uns Frau Fankhauser zu weit nordöstlich geleitet hat.
  • Niederländer scheinen allesamt drei Köpfe grösser und drei Kilo leichter als wir und grundsätzlich mit dem (keinem) Kälteempfinden zweijähriger Kinder ausgestattet zu sein.
  • Wer an seinem Leben hängt, sollte in der Normandie nicht nach gutem Wein fragen, sondern einfach wortlos Cidre und Calvados kaufen.

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