Archiv der Kategorie: Reisen mit Kindern

Neapolis – Stoupa – Elaja – Ioannina (Tage 56-57)


Was wir in den letzten Tagen gemacht haben, war nett, entspannend, es waren Strandferien. Das Problem, das ich mit Strandferien habe, ist, dass sie mich relativ rasch langweilen. Deswegen reise ich lieber, als dass ich urlaube. Deswegen reise ich individuell, statt pauschal. Wenn ich reise, will ich fremde Kulturen sehen, Neues entdecken, Unerwartetes erfahren und genau das fehlt mir in Griechenland, trotz seiner unbestritten unvergleichlichen Schönheit. Wohl fanden wir durchaus auch Schaurigschönes, wie dieses rostene, gestrandet verlassene Schiff, oder Faszinierendes, wie die Tropfsteinhöhlen, die wir im Boot befahren konnten, wir fanden einsame Strände, lauschige Standplätze und gutes Essen und wir genossen alles im vollen Zügen. Der penepolessche Finger Mani ist beispielsweise vollumfänglich für einen Urlaub zu empfehlen, er ist eine rauhe, bergige Schönheit, umgeben von kleinen Steinbuchten mit klarstem, türkisblauem Wasser, die Geburtstätte des griechischen Kampfes gegen die Osmanen, besiedelt in Form kleiner, konzentrierter Dörfer aus dichtstehenden Steinhäusern, allenthalben sind Burgen oder ihre Ruinen zu sehen, die von der Verteidigung gegen Piraten zeugen und überhaupt ist die Gegend wunderbar anschaulicher Zeitzeuge früherer Wirklichkeiten. Der Penepoles an sich ist unheimlich vielfältig in seinen landschaftlichen und historischen Angeboten und unbedingt für einen mehrwöchigen Urlaub zu empfehlen und, Dank der am Möglichkeit einer Verschiffung nach Patras, liegt er nicht all zu fern. Aber sehen Sie sich einfach selber einige Gründe an, die für eine Reise hierhin sprechen:

Einleitend habe ich es ja schon erwähnt: ich habe genug gestrandet, ich will mehr sehen. Heute fuhren wir nach Ioannina, morgen werden wir nach Albanien fahren, wo wir hoffentlich wieder mehr reisen und weniger urlauben. Das Land kennen wir ja schon etwas von unserer Reise vor zwei Jahren, als es uns erst gar nicht so gefallen hatte und uns im zweiten Anlauf doch noch zu fesseln vermochte. Ich bin gespannt auf Veränderungen und Wiedersehen.

Bemerknisse
Die linienpositiven Tage in der Türkei sind vorbei, Griechenland frittiert uns sein Gemüse und Herr G. muss aufgrund allseitiger Fetaaversion jeweils die doppelte Käsemenge essen, denn den griechischen Salat ohne Feta zu servieren, fällt den Griechen ziemlich schwer, oder das griechische Hirn hat schlicht keinen Ort um die Bitte, den Salat fettafrei zu servieren, zu speichern. Ich werde trotzdem fetter, Herr G. wird feta. (Muaha.)

Griechische Strassen sind hervorragend beschildert, eine Wohltat nach den Erfahrungen in Bulgarien. Der Ausbau der Straßen scheint allerdings hier viel Zeit in Anspruch zu nehmen und nach wie vor gilt es, die “die Straße endet hier”- Schilder ernst zu nehmen und die Umleitung zu befahren, denn wenn die Schilder sagen, dass die Straße endet, endet die Straße wirklich. Unmittelbar. Gerne auch direkt im Abgrund.

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Astros – Foutia – Neapolis (Tage 54-55)


Nach dem wir die Tage auf dem Platz bei Astros damit zugebracht haben, uns wieder in ahnsehnliche Formen zu bringen, den Gefährten zu säubern und Wäsche zu waschen, fahren wir am Morgen sauberen Gefühls in Richtung Lakonien, einem der penepolesschen Finger, die wir auf der letzten Reise ausgelassen haben. Bereits nach wenigen Kilometern wird uns wieder klar, weswegen wir den Penepoles schon damals so mochten: Neben grandios blauem Meer und pittoresken Dörfern, sind auch massive, einsame Berge zu entdecken. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass heute der erste Tag dieser Reise ist, an dem ich micht tatsächlich hinters Steuer setze, einfach weil mir immer sehr gute Gründe einfielen, es nicht zu tun. Dass ich fotografieren muss, beispielsweise, denn Herr G. fotografiert, nun, manchmal etwas verzögert. Jedenfalls fahre ich also erstmals den Gefährten länger als 10 Kilometer und erst noch eine Klitztekleinstbergstrasse hoch und durch enge, griechische Dörfer. Ich habe mich grundlos geziert, gilt es anzufügen, der Gefährte ist trotz seiner Länge nicht wesentlich schwieriger zu händeln als ein normaler Personenwagen. Allerdings sehe ich zugegebenermassen ungleich weniger von der Landschaft, als ich mir das aus Beifahrertagen gewohnt bin. Den Vorgelagerten Koloss von Monemvassia, den wir erblicken, kaum haben wir wieder Küste erreicht, nehme ich aber trotzdem wahr. Ein zwei-, ja, dreigeteiltes Städtchen auf Festland, Inselboden und Inselhöhe, wunderschön anzusehen, auf einem braunen Koloss mit heller Grashaube, umgeben von tiefblauem, zum Land hin in hellem Türkis ausfransendem Wasser. An einem der zahlreichen wenig besuchten Strände in der Nähe halten wir, um uns im klaren Wasser abzukühlen. Nach kurzer Zeit werden wir auf Schweizerdeutsch begrüsst, kommen ins Gespräch und werden eingeladen, den Gefährten für eine Nacht vors Haus der beiden Schweizer zu stellen. Das ist insofern bemerkenswert, als wir uns auf unserer Reise, allenthalben gelebte Gastfreundschaft erfahrend, die Frage gestellt haben, ob das in der Schweiz ebenso wäre und begründete Zweifel hegten. Susanne und Roger, so heissen die beiden, zeigten uns jedenfalls, dass es spontane Gastfreundschaft auch als Schweizer kennt. Die beiden Zürcher (Zwischen 45 und 60) sind begeisterte Surfer, kennen die Gegend seit 15 Jahren und fahren jährlich hierher, in ein Haus Familienangehöriger, das in wunderbarer Lage, mitten in einem kleinen Dorf, in beachtlicher Höhe liegt. Die Aussicht ist atemberaubend, das Haus schön renoviert und so in Stand gehalten, dass nichts von seinem griechischen Charme verloren ging. Nach einem kleinen Usoexkurs verbrachten wir eine ruhige, schlafreiche Nacht.
So ruhig wie für uns, war die Nacht für unsere Gastgeber nicht, denn diese, insbesondere Susanne, machten sich Sorgen, ob unsere Kinder bei dem Lärm tatsächlich schlafen können. Natürlich erkundigen wir uns nach den nächtlichen Lärmquellen, die wir, bis auf den Hahn, der um 3 Uhr, von der im Traum aufquietschenden Äm geweckt wurde und den Schrei wohl mit geflügelinternem Weckdienstaufruf verwechselt hat, nicht wahrgenommen haben. Als Susanne uns schliesslich miauende Katzen, bellende, entfernte Nachbarhunde, Füchse und Raschelnde Olivenbäume nennt, kichern wir in uns hinein. Wahrlich, in den Wochen unterwegs haben wir weit Lauteres erfolgreich mit Schnarchen übertönt.
Die beiden Zürcher führen uns, auf der anderen Seite des Berges, nahe Neapolis, zu ihrem Lieblingsstrand, der sich kilometerweit und minimal bemenscht der Küste entlang zieht. Die Kinder baden ausgiebig, Äm legt den Trotzanfall ihres Lebens in den Sand und der Hund hält sich grundsätzlich bis Bauchhöhe im Wasser auf. Als die Sonne uns zu heiss wird, begeben wir uns in der grössten Hitze in den Schatten und fahren danach etwas weiter, zu einem der wohl schönsten Strände, die ich je gesehen habe. Direkt neben einer nicht minder wunderschönen Lagune, in der wir sogar einen Flamingo entdecken, liegt der Kiesel-Sandstrand mit einer Wasserfarbe, die ich bisher nur von Südseebildern kenne, unter der Wasseroberfläche die versunkene Stadt, die wir mit Taucherbrille ausgerüstet sogar noch ausmachen können. In den Felsen, die sich alle zehn bis zwanzig Meter wie Landzungen ins Wasser ziehen, sind noch ausgeschnittene Hock- und Liegegräber auszumachen und überhaupt gibt es hier für alle Beteiligten viel zu entdecken. Hier verbringen wir auch den Rest des Tages, bevor wir uns zum Abendessen nochmal mit den Zürchern und den anderen Mitgliedern der eingefleischten Gemeinschaft, zum ¨besten Essen Griechenlands¨ treffen. In netter Gesellschaft sitzen wir am Tisch bis lange nach dem Zeitpunkt, an dem die Kinder auf unseren Beinen eingedöst sind.

Bemerknisse
Was für das zurückhaltungs- und überhöflichkeitsgewohnte Schweizer Ohr klingt, als würden gerade handfeste und lautstarke Streitgespräche geführt, deren Ausgang durchaus auch Verletzte und Tote nach sich ziehen könnten, sind wahrscheinlich nur ganz normale Gespräche unter Griechen.

Griechen grillen ähnlich ausgiebig wie die Türken:

Campende Türken mögen ihren Grill. Campende Türken mögen ihren Grill mittags und abends. Der Grill von campenden Türken kann echt viel Rauch. Der Grill von campenden Türken kann Rauch für 16 Fussballfelder. Campende Türken grillen aber neben ihren Zelten. Die Zelte von campenden Türken sind Dampfabzüge. In Zelten von campenden Türken passt Rauch für 16 Fussballfelder.

Allerdings grillen Griechen lieber vor fremden Zelten.

Die Griechen mögen Kinder, aber Hunde mögen so noch lieber. Die Aufmerksamkeit, die die Kinder in der Türkei auf sich gezogen haben, wird jetzt dem Hund zuteil.

 

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Tasucu – irgendwo zwischen Alanya auf Antalya – Kemer – Köygeniz (Tage 45-47)


Nach dem wir in Tasucu zwar schon einiges vom türkischen Mittelmeertourismus bemerkt haben, wenn auch noch in milden Formen, hauptsächlich auf türkische Besuche zugeschneidert, machen wir uns auf, Richtung den beiden Hochburgen Alanya und Antalya. Ich bin ein wenig gespannt, schliesslich muss es doch einen Grund geben, weswegen es die Touristenströme dahin zieht. Bis eine halbe Stunde vor Alanya gefällt mir die Gegend dann auch ziemlich gut. Wir fahren durch Bananengebiet, von dem ich nicht wusste, dass es in der Türkei in dem Masse existiert. Riesige Bananenplantagen säumen Strasse und Küste, scheinen die kleinen Dörfer regelrecht zu verschlucken, ja, manchmal ist die Moschee das einzige Gebäude, das die Existenz eines Dorfes, mitten im Bananenpalmenfeld, verrät. Alle paar Kilometer stehen Stände, an denen die frisch geernteten Bananen in Reinform oder verarbeitet gekauft werden können. Etwa eine halbe Stunde vor Alanya künden breiter und rissfreier werdende Strassen, erste Hotelkomplexe und unschöne Zersiedelung an, was uns auf nächster Strecke erwarten wird. Ich fasse zusammen: Resort an Resort, Bunkerbau an Bunkerbau, viel Verkehr, Ampeln, seltsame Basäre, durch Zersiedelung und Überbauung verunstaltete Landschaft, Grosse Irritation und viel Unverständnis. Da fliegen sie also alle hin, die Pauschlareisenden, und machen Ferien in einer Türkei, die so gar nichts mit dem Rest des Landes gemeinsam zu haben scheint. Wahrscheinlich muss ich das nicht verstehen. Irgendwo zwischen Alanya und Antalya können wir nicht mehr. Fahrmüde und schlecht gelaunt fahren wir eine kleine Pension an, die uns unser Reiseführer empfiehlt. Wir werden nett empfangen, der Garten ist wunderbar, verfügt über Meerblick und solange man den zugemenschten Strand nicht all zu genau ansieht, lässt es sich gut eine Nacht verbringen. Unser Ziel für morgen steht jedenfalls fest: Wir wollen hier raus.
Am nächsten Morgen fahren wir zügig los, schliesslich haben wir einen Plan. Um zu beschreiben was wir bis eine halbe Stunde nach Antalya noch so sehen, reicht es, den vorangehenden Abschnitt nochmal zu lesen. Antalya soll zwar eine nette Altstadt haben, aber die lassen wir aus. Wir sind, nun, ich gebe zu, hauptsächlich ich bin, unheimlich schlecht gelaunt. Ich fürchte, dass die ganze türkische Mittelmeerküste so aussieht und hadere. Mit allem und allen. Und ich fluche an jeder Ampel. Es hat hier unheimlich viele unheimlich ausdauernd rot stehende Ampeln. Ich weiss nun zumindest, dass mir die Türkei durchaus nicht überall gefällt. Als nach der oben erwähnten halben Stunde wieder unverbaute Meerstreifen, Berge und Natur zu sehen ist, schöpft zumindest Herr G. lautstark Hoffnug, ich erwarte hinter jeder Biegung weitere Hotelkomplexe. Blind folgen wir Frau Fankhauser zu einem Platz, den der Reiseführer abgeschieden und “in freier Natur” nennt. Als wir wider Erwarten genau das finden, kann ich noch weniger fassen, was wir gerade durchfahren haben und dass da tatsächlich Menschen in aufwändig begrünten Poolbetonschaften plantschen, während sie in einer halben Stunde problemlos die ganze echte, unverbaute und betonfreie Schönheit präsentiert bekämen. Das hat der Platz, Sundance Camp, wirklich zu bieten, mit seinen uralten Bäumen, zugewachsenen Nischen, dem rauhen Steinstrand, dem Flussarm und dem weitläufigen Gelände ist der Platz,der mutmasslich von Alternativen und Hängengebliebenen liebevoll und mit Rücksicht auf die Natur geführt wird, durchaus nicht nur im Antalyavergleich ein Paradies. Wir essen zu Mittag und verbringen den Tagesrest mit im Wasser. Noch am Abend beschliessen wir uns möglichst bald nach Griechenland zu verschiffen, wir wollen genügend Zeit für die Rückreise.
Am nächsten Morgen brechen wir etwas gemächlicher auf, nichtsahnend, dass wir aufgrund einer Fehlplanung einen Fahrtag bewältigen werden, wie wir sie eigentlich explizit vermeiden wollen. Aber damit will ich Sie heute auch gar nicht langweilen. Landschaftlich zeigt sich der Tag jedenfalls divers und streckenweise sehr schön. Nur Ölüdeniz gilt es wohl in den Monaten Dezember bis März zu meiden, da findet man zwar nicht den Pauschaltourismus der Gegenden von Antalya und Alanya, aber viele Leute hat es allweil. So viele, dass wir unseren Fahrtag spontan nochmal verlängern und bis an den See bei Köygeniz fahren, wo wir einen botanisch reizvollen, ruhigen Platz finden, dessen Besitzer wohl auch schon fürstlicher von den Einnahmen der Besucher gelebt haben, wie ich aus der heruntergekommenen Anlage schliesse, die einst wohl einen intakten Tennisplatz und einen Streichelzoo beinhaltete. Ersterer existiert noch und kann auch benutzt werden, Hürdenläufer und Slalomprofis spielen da bestimmt gerne um die Wucherritzen rum. Der “Streichelzoo” ist ein Ort des Grauens, tote und lebendige Tiere, bestialisch stinkend auf engem Raum. Ich werde den Reiseführer unsers Vertrauens auf diese Tatsachen aufmerksam machen und nahe legen, den Platz aus dem Verzeichnis zu nehmen.

Bemerknisse
Fast schon erheiternd sind die Hotelanlagen, die da neben anderen Hotelkomplexen dicht an dicht an mehrspuriger Strasse vor sich hin existieren, und ironisch anmutende Namen wie “Lonley Island”, Silent Beach Resort” und “Blue Sea Club” tragen.

Für die im Rohbau stehenden weiteren Komplexgiganten hätte ich bereits weitere Namensideen gesammelt, also wenn hier ein Verantwortlicher mitliest, für gelungen hielte ich beispielsweise: “Sea O Two”, “Idiot! Why don’t you go to the Black Sea?” und “Catastropical Island”.

Kommt es auf türkischen Autobahnen zu kurzfristigen Staus, ertragen die gestauten Menschen das mit Ruhe und Gelassenheit. Man flaniert zwischen denAutos einher,hält hie und da ein Schwätzchen, verteilt Zigaretten und wenn auch noch Musiker unter den Wartenden sind, ist sogar für musikalische Unterhaltung gesorgt.

 

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Köygeniz (Türkei) – Bodrum (Türkei) – Kos (Griechenland) – Paralion Astro (Griechenland) (Tage 50 – 53)


Nachdem der letzte Bericht gemeinsam mit dem iPad vorerst das Zeitliche gesegnet hat, ignoriere ich die berichterstatterische Lücke vorerst und widme diesen Artikel dem, was nach dem unerwarteten Ableben meines Schreibassistenten geschah. (Vielleicht gelingt es mir ja daheim, mit Hilfe meines Heimlaptops das Pädchen iederzubeleben.) Diesen Artikel schreibe ich mit einer totgeglaubten externen Tastatur auf meinem iPhone, die ich in einer Verzweiflungstat aus der Spielkist

 

Aber dazu folgt hoffentlich später mehr.Am Morgen machen wir uns, von frühen Hähnen mit offensichtlichem psychischem Störungen geweckt, ungewohnt zeitig auf, Ziel ist das 60 Kilometer entfernte Marmaris. Marmaris ist eine kleinere Stadt mit einem Fährhafen, der, soviel wir wissen, unter and

 

rem Rhodos bedient. Von Rhodos möchten wir weiter nach Piräus. wir wissen, dass es nicht einfach ist, so spontan Tickets für die Überfahrt zu buchen, denn besonders in der Hochsaison, sind die Fähren gut besetzt und im Vergleich zu einem normalen Personenwagen braucht der Gefährte doch ganz schön viel Platz. Die Option einer vorgebuchten Fähre haben wir allerdings bewusst weggelassen, weil wir weder wussten wann, von wo und ob wir überhaupt nach Griechenland übersetzen wollen. Jedenfalls fahren wir die Strecke nach Marmaris zwischenfallsfrei und staunen über das schön gelegene Städtchen, umgeben von tiefblauem Meer. Bei der Einfahrt in den Hafen sind wir guter Dinge, er sieht gross und frequentiert aus und der Torwärter agiert, nach dem er unser Ansinnen angehört hat, motiviert und prompt, informiert einen Kollegen, der uns Sekunden später abholt und zum richtigen Schalter bringt, und scheint es zu einem persönlichen Anliegen zu machen, dass wir heute noch einen Platz auf dem Schiff erhalten.  Aber der Gefährte ist 20 cm zu hoch, jedenfalls seit 2014, davor war er auch nicht tiefer, die Schiffe waren auch dieselben, nur die Regeln wurden anders. Man rät uns nach Bodrum zu fahren, wo die Schiffe zwar nicht anders aussehen, aber die Richtlinien gnädiger sind. 2,5 Stunden Fahrt, nachdem wir schon eine Stunde Fahrt hinter uns haben, sind uns nicht so recht willkommen, aber die Tatsache, dass die Chancen am gleichen´ Tag eine Fähre zu bekommen, wie wir ein Ticket erstehen, nicht all zu gross sind, lässt uns trotzdem fahren. Die Kinder geben sich gnaden- und geduldvoll und machen gut gelaunt mit. In Bodrum erhalten wir schliesslich tatsächlich ein Ticket für 200 Euro (…) und suchen uns einen Schlafplatz. Leider scheint Bodrum mit Marmaris´ Gemütlichkeit nicht viel gemein zu haben und wir stellen uns für diese eine Nacht auf den einzigen Platz, direkt neben Hotels und lauten Strandbars. Nur für eine Nacht, denken wir und staunen über die vielen fix stehenden Wohnwagen, unfähig zu begreifen, wie man sich den Ort hier für mehrfaches Urlauben aussuchen kann. Unsere Nachbaren sind allerdings allesamt sehr freundlich und sympathisch, wieder werden wir in kürzester Zeit wärmstens empfangen und mit dem Nötigsten versorgt. Im Gespräch merken wir schliesslich beschämt, wie wenig die Menschen hier, mit den lauten, platzeinnehmenden Touristen in den Strandbars zu tun haben: Sie sind die, die den konsumwütigen Urlaubern gegenüber stehen, Einheimische, die hier zentrumsnah billige Wohngelegenheiten fanden, um im Dienste des Tourismus für wenig Lohn zu arbeiten. Sie leben hier nicht vorübergehend, wie ich von Mehmet, der hier mit zwei halbwüchsigen Söhnen lebt, beiläufig erfahre, als er mir von der Katze erzählt, die vor drei Jahren vor seinem Wohnwagen auftauchte und nie wieder ging. Die Nacht wir kurz und laut, um 8 Uhr müssen wir am Hafen sein, die Kinder erwachen aufgekratzt und voller Vorfreude. Problemlos bringen wir den Gefährten zum Hafen und aufs Boot. Dabei erkennen wir, wieso uns die 45 minütige Fahrt so teuer kommt: Neben dem Gefährten hat kein Auto mehr Platz, obwohl hier sonst vier  Autos transportiert werden. Nach einer wunderbaren Überfahrt empfängt uns Kos eher unfreundlich, ich und die Kinder werden rasch eingeschleust und quasi unkontrolliert  und so über die Grenze gewunken, dass uns nicht Zeit bleibt, Geld uns wichtige Gerätschaften sinnvoll zu verteilen. Herr G. mit Hund und Gefährt wird zurückbehalten. Auf Anfrage wird uns mitgeteilt, dass dies für weitere 2-3 Stunden so bleibe, weil nur eine, für Gepäckkontrolle verantwortliche Person zur Verfügung stehe. Ich stehe also da. Mit zwei kleinen Kindern, ohne Geld, das ist nämlich im Gefährten, in brütender Hitze, an praller Sonne und koche vor mich hin. Bereits nach 5 Minuten habe ich eindeutig meinen Siedepunkt erreicht. Allerdings nicht aufgrund der Hitze, sondern weil ich die Gepäckkontrolle unterbeschäftigt rumstehen sehe. mit beiden Kindern an der Hand marschiere ich kurzentschlossen in Gegenrichtung durch die Grenzkontrolle und bekunde meinen Unmut. Vorerst werden mir allerseits gebundene Hände demonstriert, worauf ich endgültig explodiere und einen Aufstand mache, der die Beteiligten derart zu erschrecken scheint, dass wir plötzlich innerhalb von fünf Minuten vollständig versammelt auf offiziell griechischem Boden stehen. Nächster Programmpunkt ist die Ticketbeschaffung für die Fähre nach Piräus. Für fast 400 Euro (gemessen an den Fährfahrtminten für 200 ein Schnäppchen) finden wir was wir suchen, inklusive eigene Kabine mit Dusche und Klo. Nur der Hund soll auf Hundedeck, im Käfig bleiben. Den Rest des Tages verbringen wir auf Inselerkundung und damit einen Schlafplatz zu finden. Letzteres finden wir vor einer kleinen Taverne, direkt am Meer, samt Internetquelle (zwar schwach, aber da).Am nächsten Morgen erkunden wir Kos Stadt. Wir haben Zeit, denn unser Schiff fährt erst am Abend um 19:30 Uhr. Kos ist eine sehr kleine, von Touristen überlaufene Insel, Rhodos hätte uns wohl als Zwischenstation besser gefallen, aber Kos Stadt ist ganz nett, klein, verwinkelt, gepflegt und hat sogar ein Minarett, wie die Kinder begeistert feststellen. Den Nachmittag verbringen wir am Strand und damit, Herrn G. zu erden, der sich vor Angst, den Gefährten wieder rückwärts ins Schiff einparken zu müssen, etwas einpinkelt. Aber es gelingt uns alles völlig entspannt und sogar der Hund findet, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase und mit einem benutzten Badetuch von mir in der Hundebox zur Ruhe. Am nächsten Morgen zeigt sich das Tier dafür eher nervös. Charlotte kann nämlich auf Deck nicht pinkeln. Das brave Tier tut sowas nur auf Gras, Sand und ähnlich fassvermögenden Böden. Nicht schwer zu erahnen, dass sie sich doch noch erleichterte. Beim Aussteigen. Auf dem Teppichboden. Vor den entsetzten Augen einer Schifffahrtbegleiterin, die kurz schnappatmete und uns dann derart ausgiebig beschimpfte, dass ich von Entschuldigungen nahtlos in weitere Aufstände überging. Ich denke, die Angestellten der griechischen Häfen und Schifffahrtsgesellschaften werden mir demnächst den Transport verweigern. An Land fuhren wir den peleponesischen Finger an, den wir zu befahren beabsichtigen und fanden ziemlich schnell einen Platz und die erfreuliche Erkenntnis, dass nun die Nachsaison beginnt.

Bemerknisse aus Antalya:

Die Bunkerresorts, die hier Schulter an Schulter an der Strasse, die sie vom Meer trennt stehen, tragen ironisch anmutende Namen wie “lonley island”, “silent beach” und “blue ocean”.

Falls ich mal nach Namen für ein Hotel in diesen Gefielden gefragt werden sollte, habe ich schon einige auf Lager: “catastropical island”, “stranger sweaty smell” und “sea O two”.

Erste Bemerknisse aus Griechenland:

Ein publikumswirksame Sitzstreich, mit Papa-heulenden Kindern im frequentierten Ausgangsbereich des Grenzübergangsgebäudes, macht müde Wächter munter und hurtig.

Nach fast einem Monat in einem Land, dass zwar sehr modern ist und einen oft relativ moderat anmutenden Islam zu leben scheint, aber viele Frauen sich doch eher zurueckhaltend und scheu zeigen, tut es gut, in Griechenland von lauten, platzeinnehmenden Frauen begruesst zu werden.

Sie merken, dass sie soeben die Grenze von der Türkei nach Griechenland überschritten haben, wenn alles plötzlich länger dauert.

Dass mir gestern zum dritten mal in meinem Leben mitten auf den Kopf geschissen wurde, spricht irgendwie nicht fuer mein Karma.

Man kann viele nett gemeine Speisen dezent zum Verschwinden bringen, wenn man einen Hund hat. bei einem Hund mit sensiblem Mlichproduktmagen ist der durchfallkotaufsammelungewillte Besitzer aber ehger vorsichtig, was Feta in rohen Mengen anbelangt. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hatte Feta im Portemonnaie. (Und Sie ahnen ja nicht, was man sich nach einem Tag mit minimalistischer Ernaehrung und einigen Schlucken Bier hernach so ueberlegen kann. “Entschuldigung, kann ich hier mit Feta bezahlen?”, “Entschuldigung, nehmen Sie hier auch Feta?”) 

 

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Hattusha – Ortahisar (Kappadokien) – Tasucu (Tage 42-44)


Relativ zeitig verlassen wir Ömürs Vorgarten, wir wollen heute ein gutes Stück Weg zurück legen. Bis nach Kappadokien wollen wir kommen und ahnen, dass die Einsamkeit auf den Stellplätzen damit ein Ende finden wird. Nicht nur Kappadokien verspricht sehr touristisch zu werden, auch was danach folgen wird, die türkische Mittelmeerküste, die Region zwischen Adana, Alanya und Antalya, ist nicht gerade für ihre Menschenleere bekannt. Wir sind gewappnet. Glauben wir.
Um nach Kappadokien zu gelangen durchqueren wir ein türkisches Landesinnern, wie ich mir das vorgestellt habe: Kleine Dörfer, weite, karge Landschaft, der Kargheit trotzende Olivenbäume, Ziegen- und Schafherden, gelangweilt an Strassenrändern stehende Esel, winkende Einheimische und, auch wenn die meisten Hirten mit Smartphones unterwegs sind, ein wenig Zeitreise in die Vergangenheit. Kurz vor Kappadokien wird die öde Schönheit etwas unspektakulärer, so also wolle man sicher gehen, dass mit der Einfahrt in Kappadokien jedem Besucher klar wird, weswegen die Gegend hier so anziehend wirkt. An spektakulärem mangelt es Kappadokien wahrlich nicht, das wird uns schon bei der Anfahrt klar, ebensowenig mangelt es an Menschen, die das ebenso sehen. Wir fahren den allenthalben empfohlenen Platz, etwas Abseits des Geschehens an und sind etwas erstaunt, wie erstaunlich wenig belegt er ist. Die Lage ist grandios, absolut unverbauter Blick über einige kleine Schluchten in den bekannten Formationen aus Tuff.
Von Platz aus mache ich, allein und mit Gassirunde verbunden, eine kleine Erkundungstour durch die nahen Schluchten, die Orientierungssinne ebenso zu schlucken scheinen, wie sämtliche Aussengeräusche. Zurückgeworfen auf meine eigenen Atemgeräusche, und die des Hundes, wird das Tufflabyrinth, mit all seinen Nischen und Höhlen, erstaunlich schnell zur psychischen Herausforderung. Jedenfalls für mich. Meine innere Comiczeichnerin mit Hang zur Dramatik malt farbenfrohe Zeichnungen meines darbenden Alter Ego. Charlotte rennt auf meinen Befehl, mich zurückzuführen erfreut los und bringt mir ein Stöckchen, das von Nahem betrachtet eher der Rippenbogen eines Huftieres ist. Ich lege ihn auf einen der Bäume, was den Hund dazu veranlasst, mir genervte Blicke zu zuwerfen. Plötzlich überkommt mich der Gedanke, dass ich im Hundevieh zumindest etwas Essbares dabei hätte und tätschle ihr versöhnlich den Kopf. Vielleicht hätte ich ihr den Knochen doch füttern sollen? Wir irren hin und her, der Hund ist überhaupt keine Hilfe, der will nur spielen und sucht Knochen. Als ich schliesslich einen Aufstieg finde und sogar den Gefährten in der Ferne sehe, kichere ich leicht hysterisch vor mich hin. Ein Heimkommen scheint möglich, auch wenn noch etwa drei Canyons vor uns liegen. Von nun an gehe ich systematisch vor: Runter, links, erste Möglichkeit rechts, hoch usw. Dieses Prinzip bringt uns so weit, dass nur noch ein Canyon zwischen uns und dem Gefährten liegt. Ich produziere gerade irgendeinen peinlichen Jubellaut, als ich hinter uns ein Bellen höre und drei gigantische Kangals auf uns zu rennen sehe. Erinnern sie sich an meine Hundeangst? So leicht angepanikt hundeängstigt es sich famos, sage ich Ihnen. Ich überlege irgendjemanden zu rufen, aber es ist niemand in Sicht. Ich überlege auf einen Baum zu klettern, aber hier wachsen nur kniehohe Reben. Ich sehe meine einzige Überlebenschance, und das meine ich durchaus wortwörtlich, denn meine Innere Comiczeichnerin hat schon weiter, sehr rotlastige Bilder angefertigt, darin, den Bestien Charlotte und einige Belohnungsleckerchen zum Frass vorzuwerfen und den geordneten Rückzug anzutreten. Ich überlass meinen Hund also seinem Schicksal, geh langsam und so breitbeinig und breitarmig als möglich zum nächsten Canyon und stürze mich ausser Sichtweite. Danach marschiere ich im Tal strammen Schrittes von dannen. Ich höre bis auf meine eigenen Schritte und die Schnappatmung nichts, klettere aber, als ich dem nächsten Olivenbaum begegne, sicherheitshalber mal hoch. Tatsächlich höre ich einige Minuten später hündisches Traben und überlege, wie hoch so ein Kangal springen kann und wie ich das mit Charotte meinen Kindern erkläre. Um die Tuffrundung biegt allerdings Charlotte. Ziemlich fröhlich, sei gesagt, als hätte sie gerade eine nette Spielstunde hinter sich. Genau so motiviert trabt sie nun zum Platz, ich hinterher. Ein netter Spaziergang in Kappadokien eben.

Jenseits der Dramatik seien folgenden Kappadokienbemerknisse festgehalten:

Kappadokien ist sehr touristisch, besonders wenn man von der Schwarzmeerküste kommt.
Kappadokien ist atemberaubend schön und divers.

Wer Heissluftballonfahren ganz doll mag, so sehr, dass er eigentlich gar nichts anderes sehen möchte, als andere Heissluftballone beim Fliegen, der sollte in Kappadokien mit dem Heissluftballon fliegen. (Unglaubliche Bilder, deren Präsentation hier an meiner Faulheit liegt, den Apparat zu zücken, als ich die umvorstellbar vielen Heissluftballone beim gleichzeitigen Start erblickte.)

Wenn Sie auch gerne Höhlen sehen, aber die grosse Tourostenmasse meiden möchten, besuchen sie die Zelve-Höhlen, auch wenn diese noch weniger restauriert und wohl noch nicht gänzlich freigelegt sind. Dafür können Sie auch mal ganz alleine in einer Höhle bleiben, gänzlich ohne anzustehen.

Kappadokien ist auch mit kleineren Kindern empfehlenswert. In Kombination mit den Höhlen und Felsen Zelves wandern auch Laufmuffel eine gute Stunde am Stück.

Den Rest betrachten Sie lieber auf den unzureichenden Fotos.

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Sinop – Hattusha (Tag 41)


Wir haben uns für heute viel vorgenommen, beispielsweise so um halb 10 los zu fahren. Dann haben uns die Platzdeutschen noch eingehend verabschiedet und uns massig wertvolle Tipps auf den Weg gegeben. Der Mann hat hier nicht nur 20 Jahre gelebt, sondern auch als Guide gearbeitet, kompetente Beratung also. Jedenfalls fuhren wir um 11 Uhr los.
Wir fahren von Sinop auf relativ schlechter Strasse direkt in die Berge und brauchen relativ lange um einige Kilometer zurückzulegen. Dafür ist die Strecke wunderschön, knapp 900 Höhenmeter machen wir in kurzer Zeit und gelangen von der fruchtbaren Gegend rund ums Schwarze Meer, direkt in alpin anmutendes Mittelhochgebirge. Die Landschaft ist geprägt von dunkeln Nadelbäumen, kargen, gelben Wiesen und atemberaubenden Ausblicken. Zu Bergfüssen liegen kleine, in positiven Sinne verlebte Dörfer und erinnern, von Zeit und Lage gezeichnet, an vergangene, archaischere Tage. Woran die Häuser und Höfe der Gegend ebenfalls erinnern, ist an die Zeit, als es die Schnellstrasse noch nicht gab und jeder, der diese Strecke befahren wollte, hier durch kam. Verwitterte Picknickschilder, verwaiste Tankstellen und stillgelegte Restaurants zeugen von früherem Zusatzverdienst an Durchreisenden.
Nach den luftigen Höhen pasieren wir einige unspektakuläre, aber weite Täler um zwischen Merzifon und Osmancik relativ plötzlich in eine andere Welt einzutauchen. Wir fahren durch weite Reisfelder in hellem Grün, umgeben von riesigen, dunkelgrauen Felsen in den bizarrsten Formen und Formationen und hübschen kleine Dörfern, die sich in Ton in Ton in schützenden Winkeln halten, während ihr Moscheen die farbenfrohsten sind, die ich bisher in der Türkei gesehen haben. Wahrlich eine Landschaft, die tiefen Eindruck hinterlässt.
Danach wird die Gegend, nach einer erneuten Berg und Talfahrt, wieder etwas unspektakulärer und vor allem karger. Hier finden wir wieder die langezogenen, gelbbraunen Felder, steinmauerumgeben, von Olivenbäumen gespickt, mit riesigen Schaf-, Ziegen- und Kuhherden, samt ihren Hirten und gigantischen Hütehunden.
Nach einem relativ langen, aber wunderbaren Fahrtag, den selbst die Kinder quengelfrei bewältigt haben, fahren wir in Hattusha ein, biegen zum erstbesten Hotel mit becamparem Hof ab und finden einen weiten, gut begrünten Garten vor, den wir als einzige in Anspruch nehmen. Das war früher anders, meint der Besitzer, vor den Unruhen war hier um diese Jahreszeit alles voll. Jetzt herrscht Flaute und Leere in den Kassen. Kaum eingerichtet, werden wir schon vom Nachbarn, aus dem gegenüberliegenden Haus an den Zaun gerufen. Einzutreten wagt er nicht, die Hunde angst… Er heisst Ömür, hat gerade in seinem Garten gerabeitet, und überreicht uns einen Korb voll von seinem Gemüse. Ein Willkommensgeschenk sei es, sagt er lachend und klopft mit seiner rechten Hand auf sein Herz, ein Zeichen der Verbundenheit. Ich danke gerührt, und packe den Schatz in unsere Gemüsekiste. Gurken, Tomaten, Auberginen, Zucchini, irgendeine grüne Peperoniart, kleine scharfe Peroncini und frische Minze. Ömür will uns zeigen, wo das Gemüse herkommt und führt uns in seinen wunderschönen, liebevoll gepflegten Garten. Hier zieht er nicht nur frisches Gemüse, sondern trocknet auch Geerntetes für den Winter. Er überreicht uns eine Handvoll getrockneter Tomaten, gegen deren Geschmackintensität die teuren getrockneten Tomaten, die wir in der Schweiz zu kaufen kriegen, nur fader Abklatsch sind. Ömür hat den grünen Daumen, soviel steht fest.

Bemerknisse

Sollte uns auf dieser Reise je eine spontane Hungersnot ereilen, würden wir von den Vorräten in den Kindersitzenritzen noch mindestens eine Woche überleben.

Äm nennt Charlotte liebevoll “meine Praktikantin”, die Konsequenz mit der das Kind tituliert, schafft relativ grenzwertige Konversationen. (Ausführungen sind hier wohl nicht nötig, ich traue Ihrer vorstellungskraft einiges zu.)

Ein GPS-Update kann unter Umständen rekativ wichtig sein. Jedenfalls führte Frau Fankhauser uns heute gern jenseits der befsetigten Strassen durch Nirgendwo und unbeirrbar in Sackgassen, wie beispielsweise diese geradewegs in den See führende Strasse.

 

 

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Aydincik – Abana – Sinop (Tage 39 – 40)


Am nächsten Tag wachen wir ziemlich früh auf. Wir stehen so direkt in der Sonne, dass der Gefährte zum Backofen wird und an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Im Reiseführer lesen wir, dass wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit bei Inebolu sichern sollten, weil da die einzigen Optionen vor Sinop liegen. Cide, das letzte grössere Dorf vor Inebolu, scheint, zumindest an de Küste, mit seiner zugepflasterten Promenade, der Strasse direkt dahinter und den anschliessenden, Appartementblocks, eher öd und lieblos. Weil wir Geld brauchen, fahren wir ins Zentrum der Stadt, das nicht direkt am Meer, sondern gut zwei Kilometer im Landesinnern liegt. Hier steppt dann doch der Bär und wir finden buntes Treiben und Leben. Das Finden eines funktionierenden Geldautomaten ähnelt einer Lotterie, und das nicht nur für mich, mit ausländischer Karte, nein, auch die Einheimischen sind ganz offensichtlich oft nicht erfolgreich beim Geldabheben, nehmen das aber meist gelassener als ich. Nach Cide wird die Strasse kurz und schottrig, bereits nach wenigen Kurven treffen wir auf den Schweizer der schon auf einem unsere Schlafplätze stand und die Besitzer des Platzes nachhaltig beeindruckt hat. Der Mann ist zu Fuss unterwegs, mit einem Fahrradanhänger, jetzt seit fünf Monaten von insgesamt sechs Jahren. Er wird bis nach Indien gehen und von da aus weiter, tut dies, neben auf der Hand liegenden Reisefreudegründen, auch um auf Kindesmissbrauch aufmerksam zu machen und würde hie und da gerne ein wenig gesponsert. Fortan denken wir bei jedem Anstieg, den der Gefährte nur in tiefen Gängen bewältigt, an den Mann zurück und an die Tatsache, dass er die Strecke geht. Gefälle hat die Strasse zu Hauf, ebenso wie Kurven, Verengungen, Schlaglöcher und Schotter, dafür ist die Landschaft eine der schönsten Küstenabschnitte, die ich je gesehen habe. Übernachtungsplätze hat es hier allerdings wirklich keine, wir hätten nicht mal die Gelegenheit für eine Nacht neben der Strasse zu parken, andere Strassen gibt es, bis auf einige Feldwege gen Ufer, nicht und wirklichen Zugang zum Meer findet man nur manchmal in den vereinzelten Dörfern, die wir durchfahren. Die Küste fällt felsig und Steil ins Meer ab, ist aber ansonsten gut begrünt, streckenweise mit Laubbäumen, dann wieder eher nadelbaumlastig. Die Dörfer befinden sich meist rund um Fluss- oder Bacheinmündungen ins Schwarze Meer, verfügen auch bei minimer Grösse über mindestens eine, eher zwei Moscheen und bestehen aus einfach betonierten Bauten, den schon früher erwähnten windschiefen Holzhäusern, hier sind noch sehr viele davon, einige gut erhalten, zu finden, und backsteinernen Häusern, mit ihren ungemein schönen Holzrahmenfenstern und -Türen. Auch hier sind die Männer, wenn nicht bei der Arbeit, in den Teestuben zu sehen, die Frauen, in farbenfroher, leichter aber weiter Kleidung bekopftucht miteinander redend, oder auch bei der Arbeit. Hier werden grosse Körbe voller Heu, Holz oder Früchte auf dem Rücken der Strasse entlang getragen, Kühe, Esel und Schafe getrieben, Haselnüsse geerntet und in den Dörfer die Ernte verkauft. Nach Inebolu werden die Strassen wieder breiter, die Dörfer wieder grösser und charmloser und die Landschaft wieder etwas ebener. Als wir das sehen bereuen wir, uns nicht einfach für eine Nacht an eine der Flusseinmündungen gestellt zu haben, fahren aber trotzdem weiter, bis nach Abana, wo wir den erstbesten Platz, direkt am Hafen nehmen und den Rest des Tages mit Bootsbeschau, Eisessen und Stranden verbringen. Trotz Kleinstadtnähe und Wochenende ist der Ellenlange Strand aus abgewetzten Kieseln praktisch leer. Es wird eine ruhige Nacht.
Am nächsten Morgen stehen wir wieder mitten in der Sonne, brechen wieder früh auf und haben eineinhalb Stunden später bereits Sinop, unser Zwischenstopp, bevor wir die Schwarzmeerküste verlassen und ins Landesinnere reisen, erreicht. Wir verbringen einen unspektakulären Badetag an nach wie vor erstaunlich (Hochsaison, Sonntag) menschenleerem Strand.

Bemerknisse

Wir haben seit 20 Jahren in der Türkei lebende Deutsche nach dem Mülltrennungssystem gefragt, weil wir immer ein kleinwenig schlechtes Gewissen haben, wenn wir alles in einen Beutel schmeissen. Seine Antwort: “Alles was in eine kleine Tüte passt, kommt in die rechte Tonne, alles was nicht in kleine Tüten passt in die linke Tonne und was du nicht zuordnen kannst, verteilst du am Strand.” Gemessen an Gesehenem hat er recht. So macht das wohl auch der halbe Balkan.

Über kurz oder lang werden wir ein weiters Eregli passieren. Wir haben Angst. (Siehe vorletzter Artikel, Eregli, Krankenhaus und Co.)

Man bekommt hier Çay wenn man aufs Essen wartet, man bekommt Çay wenn man auf Wäsche wartet, man bekommt Çay wenn man auf den Mann wartet, wenn man auf das gewaschene Auto wartet, wenn man auf gekürzte Hosen wartet und seltsamerweise warte ich hier plötzlich irgendwie lieber.

Campende Türken mögen ihren Grill. Campende Türken mögen ihren Grill mittags und abends. Der Grill von campenden Türken kann echt viel Rauch. Der Grill von campenden Türken kann Rauch für 16 Fussballfelder. Campende Türken grillen aber neben ihren Zelten. Die Zelte von campenden Türken sind Dampfabzüge. In Zelten von campenden Türken passt Rauch für 16 Fussballfelder.

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