Archiv der Kategorie: Reisen mit Kindern

Primošten – Ploče (Tage 5-6)


Diesen Bericht schreibe ich in einer Hängematte, gespannt zwischen zwei Olivenbäumen, mit Aussicht. Damit lässt sich ziemlich gut leben. Wie angekündigt, traten wir heute den semigeordneten Rückzug aus dem Strandtourismus an und fuhren gen Ploče. An sorgfältig mit steinen ummauerten Kleinäckern mit dazugehörigen, notdürftig gezimmerten Feldhäuschen vorbei, über sanftgeschwungene, felsige, niedrig begrünte Hügel, in denen scheinbar zufällig verstreut steingemauerte, malerische Höfe liegen, immer wieder unter begrünten Brücken hindurch, die für die heimischen Bären und Wölfe angelegt wurden. Wenn man bedenkt, wieviel Platz die Tiere hier haben, ist es wahrlich kein Wunder, dass es, wenn sich denn mal ein Bär in die Schweiz verirrt, zum Aufeinanderprallen mit der Zivilisation kommt. Sobald wir uns der Umgebung Ploče näherten, war mir wieder klar, weshalb mich diese Gegend auf unserer letzten Reise so nachhaltig beeindruckte. Die trotz zahlreicher niedriger Büsche uns Sträucher karg wirkenden, beeindruckend felsigen Hügelformationen, mit seinen unglaublich fruchtbaren, fluss- und kanaldurchzogenen Tälern. Von Nektarinenplantagen, von Pfirsichen, Pflaumen, Trauben, über Äpfel, Melonen, Tomaten, Oliven, diverse Kohlsorten bis zu Karotten, Auberginen, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch ist alles zu finden und frisch geerntet direkt an der Straße von Bauern und Gemüsehändlern zu kaufen, wo auch Öle, Eingemachtes und Honig angeboten wird. Dazwischen pittoreske Hügelstädchen und in den Tälern, je nach Fluss- und Kanalnähe, Bauern- und/oder Fischerdörfer. Wer hier am Wasser lebt, hat ein kleines Boot und legt wohl auch hie und da gewisse Wege auf dem Wasser zurück. Auch Güterzüge verkehren und in den größeren Kanälen sind durchaus auch Frachtschiffe auszumachen. Kurz: Ich bin verliebt.
Selbstredend, dass wir uns hier für ein, zwei Nächte einrichten wollten. Wer hier schon länger liest, wird sich unter Umständen an den Platz erinnern, den ich vor zwei Jahren als “große KiTa-Surfer-WG” bezeichnet habe. Genau den Platz wollten wir wieder aufsuchen, etwas unsicher, ob der Platz überhaupt noch existiert, ob er mittlerweil total überlaufen ist, oder den gleichen etwas verwildert rustikalen Charme von vor zwei Jahren behalten hat. Glücklicherweise blieb alles beim Alten. Der Platz liegt zwischen Meer und einem Flussarm mit Süßwasser, auf einem olivenbaumbesetzten Gelände. Er scheint nicht mehr so fest in Surferhand, aber der Cheffe spendierte uns, als er erfuhr, dass wir schon mal da waren, eine frisch geerntete Wassermelone aus eigenem Anbau. Ich wiederhole: er schenkte uns eine Gigantomelone! Mein Herz hat er.
Jetzt gammeln wir hier in den Tag, Pendeln zwischen Süßwasser und Kilometer weit flacher Lagune, in einem Paradies für Kinder und Vierbeiner. Wir sind sechs Tage unterwegs und es fühlt sich nach einer halben Ewigkeit an. Toll zu wissen, dass noch noch weitere gefühlte Ewigkeiten vor uns liegen.

Bemerknisse
Ich habe eine Melone getragen. Ich habe eine Melone zerteilt. Ich habe eine Melone gegessen.

Egal wie schnell wir fahren, Kroaten fahren schneller.

Es gilt daheim wie auf Reisen: Wenn die Kinder sich nicht mehr selber beschäftigen können, ist das Spiel erster Wahl So-tun-als-ob-Schlafen, dabe lege man sich in die obengenannte Hängematte, zwischen obengenannte Olivenbäume, während die Kinder anschaukeln und Schlaflieder summen.

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Klenovica – Primošten (Tag 4)


Ich wurde gefragt, weshalb wir uns momentan so beeilen, bei der Masse Zeit, die wir haben. Die Antwort ist einfach: Es ist Hochsaison an Kroatiens Adria, ich habe keine Lust auf sterile, überfüllte Campingplätze und Strände voller gebratener Touristen. Kroatien ist ein wunderschönes, abwechslungsreiches Land, von dem ich gerne mehr sehen würde, aber lieber in der Nachsaison, zum Reisende hin, falls wir unsere Pläne bis dahin nicht schon wieder geändert haben.
Nach einer etwas umgebungsgeräuschvolleren Nacht (deutsche Jugendliche auf Klassenfahrt), wurde ich als erste wach. Der Himmel zeigte sich dunkel und wolkenverhangen, aber äußerst stimmungsvoll. Ich schnappte mir Hund und Bikini und begab mich ans Meer, joggte eine Runde um die Insel, warf mich an geeigneter Stelle in die Fluten und versuchte auch das Charlotten-Vieh zum Schwimmen zu bewegen. Die plantscht aber lieber nur und gibt den Boden unter den Füßen meist nur für richtig tolle Bälle und Stöckchen her. Soviel sei verraten: Ich weiß nun, dass sie auch kommt, wenn man sie in den höchsten Tönen ruft, will dann aber nicht weiterschwimmen sondern auf den Arm genommen werden. Bei 22 bekrallten Hundekilos ergibt das ungefähr drei Schluck Meerwasser und ziemlich viele Kratzspuren.
Zurück beim Gefährten wurden auch die andern langsam wach. Der Weg zur Morgentoilette führte jeweils an einem Rotkreuz-Lager vorbei, dessen Teilnehmer, kroatische Menschen zwischen 50 und 60, unsere Kinder nicht ohne Wegzerrung vorbeilaufen lassen konnten, was dazu führte, dass die Kinder sehr oft wahnsinnig dringend aufs Klo mussten. Ich entnahm der Zusammenstellung der Teilnehmenden und ihren Plakaten, Ausrüstung und der Festlaune, dass irgendein Jubiläum gefeiert wurde. Beeindruckende Menschen, wenn man bedenkt, welche Rolle sie als Pflegende, Versorgende und Helfer vor noch nicht so langer Zeit im Krieg ausgefüllt haben mussten.
Trotz nettem Platz brachen wir wieder auf, es zog uns, aus oben genannten Gründen, weiter.
Ich wollte nach Ploče, in die Gegend Kroatiens, in die mich schon vor zwei Jahren verliebt hatte, aber ohne Zwischenübernachtung war dies nicht für alle Beteiligten auf angenehme Weise zu bewältigen. Also übernachteten wir in der Nähe von Primošten, auf einem der überteuerten, überfüllten Plätzen, nur um am nächsten Tag zu sehen, dass einige hundert Meter weiter, jemand privat seinen ziemlich attraktiven Garten nachtweise vermietet. Zumindest wissen wir nun wieder sehr genau, weswegen wir uns eben jetzt noch etwas beeilen.

Bemerknisse
Auch wenn sie die Gabe wunderbaer Haarflechtereien haben: Nie-je-mals, dürfen Sie diese an ihren Kindern ausleben, wenn Sie sich gerade mit gutbekinderten Deutschen, Niederländern, Slowenen und Polen auf einem All zu vollen Platz befinden. Es reicht schon ein mittelprächtiger eingeflochtener Zopf, dass allenthalben Eltern ihre Brut mit dem Auftrag nicht unfrisiert zurückzukommen und verfilztem Schweisshaar, samt Bürste und Haargummis vor Ihren Gefährten schicken. Der zerzauste Mob steht dann vor ihren Schiebetoren und brüllt nach Zöpfen, während Sie drinnen fluchen und Ihr Kind losschicken, dass ungefiltert wiedergibt, was sie soeben gesagt haben, was wiederum heißt, dass Ihre Kindern fortan großräumig gemieden werden.

Um verlorene Dreijährige wiederzufinden, verlasse man sich auf seinen Hörsinn. Dreijährige verfügen über einen ganz individuellen Warn-, Sing- und Brunftruf, der grundsätzlich irgendwas mit Exkrementen beinhaltet. Variationen des unverwechselbaren, ämsche Rufs: “Gaaagiii Gaaagiii Gaaagiii…” (Ambulanz-Stil, Warnruf), “Gagigaagi Gaaagiii, Gagigaagi Gaaagiii, Gagigaagi, Gagigaagi, Gagigaagi Gaaagiii!” (In Geburtstagsliedmelodie vorzutragen, Singruf) und “Gagililili, gagilili? Gagiiiiliiiliii!” (bezirzend, mit feiner, hoher Stimme, Brunftruf).

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Wir haben fertig.


Und es bleibt eigentlich nichts zu sagen, bis auf all die Dinge, die ich schon vor zwei Jahren sagte. Fügen Sie hie und da noch etwas Junghundtrubel ein und fertig ist mein heutiger Blogeintrag.

Es ist geplant, gepackt und geputzt. Tatsächlich habe ich es schlussendlich doch noch geschafft, mich für, oder, was noch einiges diffiziler, gegen Garderobenbestandteile zu entscheiden und nein, lieber Herr G., weder habe ich Kleider von mir in die Kisten der Kinder geschmuggelt, noch werde ich mir morgen noch x weitere Stücke per Zwiebelprinzip erschummeln. Trotz Unmengen von Material, sieht der Gefährte wider Erwarten nicht all zu vollgestopft aus, ja, bleibt Platz für Chaos, massig Andenken, mehr Kleider und Luft zum Atmen (je nach Hundes Flatulenzfrequenz.)

Morgen gegen Mittag früh werden wir starten. Für die erste Etappe haben wir uns wenig vorgenommen, werden die Grenze noch nicht überfahren, sondern bei Ypsilönchens Patentante, die momentan im Engadin weilt, eine erste Übernachtung einlegen. Routenmässig ist geplant auf dem Hinweg, der leider ziemlich in die Touristenhauptsaison fällt, Italien, Slowenien und Kroatien relativ schnell (kinderabhänigig) zu bewältigen (Letzterem wollen wir auf dem Rückweg gerechter werden) und es dann ab Albanien gemächlicher zu halten.

Ich habe vor regelmässig (1-2 x wöchentlich) zu bloggen, aber das wird wohl sehr von, Land, Internetempfang und Zeit abhängig sein. Fotos werden wohl einfachheitshalber, so lange unterwegs, nur iPhone-Qualität haben. Wie schon vor gut zwei vier Jahren, auf unserer Kurzreise nach Istanbul unter dem Titel „Bemerknisse zweineinhalb Reisender“, möchte ich Erkenntnisse und Bemerktes jeweils, nach einem eher Ortsbezogenen Kurzbericht, stichwortartig festhalten (Kategorie Bermerknisse, rechte Spalte). Selbstredend, dass wir bereits vor Abfahrt, rund um den Akt des Planens und Packes zu gewissen Einsichten gelangt sind, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.

Bemerknisse Kleinstrudelreisender I (als Kleinst-Rudel-Reisende, nicht Kleinstrudel-Reisende zu lesen)

  1. Beim Putzen beachten Sie die Regeln unter „Haushalten mit Frau Gminggmangg“ und oder angeln Sie eine ebenso fähige wie willige Mutter wie Frau Gminggmangg sie hat.

  2. Vermieten Sie ihre Wohnung NICHT zwischen und erben, erbeuten, erschummelngewinnen Sie stattdessen vorgängig eine grössere Summe Geld, die eine Zwischenvermietung erst gar nicht nötig macht.

  3. Wer asketisch packt gewinnt… Platz, also Leere, also Nichts und heult nachher rum, weil er nichts anzuziehen hat. Jawoll.

  4. Wer mit Kleinkindern verreist, lernt möglichst schnell und gut koordiniert zu packen.

  5. Erdenken Sie sich erst detailgenau den potentiellen Inhalt einer Kiste (Nicht laut aussprechen, Sie wollen die Brut ja nicht auf Spielideen mit genau diesen Gegenständen bringen.)

  6. Planen Sie den genauen Weg der Einsammlung der diversen für die Kiste geplanten Gegenstände (leise),

  7. rufen Sie wahlweise „Oh, da, Pferdekot!“ (für Y), „Oh, da, eine schmackhaft aussehende Schnecke!“ (für Äm) oder ähnlich Frappantes und zweigen sie aufgeregt in eine Richtung

  8. rennen Sie in die andere Richtung los,

  9. sammeln Sie alle benötigten Utensilien ein,

  10. werfen Sie sie in eine Kiste und

  11. VERSCHLIESSEN SIE DIE KISTE! Fest! Mit Kindersicherung!

  12. Oder Sie benützen die erstbeste Kiste als Kinderbehältnis und befreien die Kinder erst wieder, wenn sämtliche anderen Kisten gepackt und verschlossen sind.

  13. Oder Sie ignorieren obigen Ratschlag und packen dafür mehrmals.

 

Besonderen Dank gilt Familie Q., die unsere Gemächer hegt, pflegt und belebt!

Bis zur nächsten WLAN-Quelle…

 

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Achtung, fertig, warten.


Eigentlich sind wir gar nicht mehr hier. Eigentlich stehen wir schon irgendwo in Osteuropa. Eigentlich ist dies der erste Reisebericht.

Tatsächlich liege ich seit Tagen mit Bauchmerzen aus der Hölle danieder, die keinen ersichtlichen Grund haben. Laut den Ärzten bin ich nämlich kerngesund. Wir warten jetzt also, bis meine Befindlichkeit davon auch Kenntnis hat und brechen danach auf. Richtig lustig ist das alles nicht, nicht nur weil der Runterzähler (Countdown in der rechten Seitenleiste) hämisch „Los!“ ruft, sondern auch, weil wir den Gefährten schon ziemlich fixfertig beladen und die Wohnung aufgeräumt und geputzt haben.

Passt.

Passt.

Das klingt eigentlich gut, wir könnten also jederzeit losfahren. Leider heisst es aber auch, dass alle wichtigen Dinge schon sorgsam verstaut auf Abreise warten, während wir hier dasselbe tun, nur eben ohne all die wichtigen Dinge. Für die Tage bis zur Abreise gilt:

  • Es werden keine Mahlzeiten gekocht, deren Zubereitung „des guten Messers“ bedarf.
  • Gute Gerichte schmecken auch ohne Gewürze.
  • Keiner begibt sich in eine Situation, die das Auftragen von Sonnencreme oder Aufsetzen von Sonnenhüten erfordert.
  • Niemand zieht sich zu verarztende Verletzungen zu, zeigt Ausschlag oder fiebert in messbedürftigem Masse.
  • Wäscheverschleiss, Staubemission und Abfall werden auf einem Minimum gehalten oder Anderen untergejubelt.
  • Überhaupt wird weder irgendwas umgeräumt, irgendein Buch aus dem Regal genommen, irgend eine Kiste verschoben oder mit was anderem gespielt, was danach wieder aufgeräumt werden müsste.
  • Optimalerweise spielen die Kinder nachts nackt im Garten (keine Sonne), ernähren sich von rohem Gartengemüse, pinkeln wo der Hund grad pinkelt und verschlafen den Tag in unangezogenen Betten und Decken. Es ist ja nicht für lange.

Und ernsthaft: Es zeichnet sich Besserung ab, wir rechnen damit, spätestens am frühen Samstag Morgen, mit 5 Tagen Verspätung, endlich abreisen zu können. Bis dahin bleiben wir eben hier, was bei den angekündigten Temperaturen und der vorhandenen Grünfläche nun auch nicht wirklich als Folter bezeichnet werden kann.

Nicht Folter

Nicht Folter

 

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Reise 2014 – Die Baustellen II.


Seit meinem letzten Baustellenartikel hat sich einiges getan und ich halte fest:

Baustelle 1: Der Gefährte

Wir arbeiten an einem partiell neuen, optimierten Ausbau, beziehungsweise, eigentlich ist der schon angefertigt, leider mussten wir nach einer Testsitzung im Gefährteninnern feststellen, dass wir vergessen haben mit einzubeziehen, dass es von Vorteil wäre, wenn sich die Türe trotz Ausbau weiterhin von innen öffnen liesse, gegen das Fallengefühl und so, Sie verstehen.

Ausserdem haben wir an der Dachverkleidung einige Schimmelstellen gefunden und müssen also das Dach innerlich gänzlich neu auskleiden. Weiter fehlt dem Gefährten hier und da etwas Gemütsschnickschnack und Wohlfühlschischi. Von äusserlichen Veränderung sehen wir, trotz kurzer entsprechender Gedankenstreifung, ab, gerade das unauffällige, weisse Antlitz eines Lieferwagens hat und auf der letzten Reise einige ausserordentliche Übernachtungsmöglichkeiten eröffnet.

Das Dach ist schimmelfrei und sieht sauberer und professioneller aus als je, auch lässt sich mittlerweil die Tür wieder von innen öffnen, echter Luxus eben. Es fehlen nur noch Kleinigkeiten, wie Dachverschönerungsleisten, Bettlakenspannhilfen, ein Teppich für den Fahrerbereich und etwas Elektrik. Ausserdem spielen wir mit dem Gedanken, uns eine Dachbox anzuschaffen, denn immerhin müssen wir zwar heuer keine Windeln und Kinderwagen mehr auf Reise nehmen, dafür zwei Fahrräder und Hundefutter.

Baustelle 2: Die Wohnung

Um unsere Reisekasse zu füttern würden wir gerne unsere Wohnung untervermieten. Wer also gerne einen Sommer in Bern verbringen möchte, melde sich! Wir bieten 3,5 von 4,5 Zimmern, einen riesigen Garten, direkt am Waldrand (Mit etwas Glück sieht man morgens Rehe im Garten äsen. Ehrenwort!), mit zwei Balkonen und einer Terrasse, 10 Busminuten vom Hauptbahnhof entfernt (in Stosszeiten fährt er alle 6 Minuten), eine Fussminute von der Aaare (Fluss) entfernt, die hier zahlreiche Bademöglichkeiten bietet und über einen Tunnel verfügt, der fünf Minuten Marschzeit mit 15 Minuten Schwimmzeit belohnt und für den Viele sogar längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Bei Interesse und ausgiebigerem Informationsbedürfnis schrieben Sie an: gminggmangg@gmail.com

Diesen Punkt können wir guten Gewissens als erledigt betrachten. Der Zufall wollte es, dass Freunde von uns, deren Wohnung in diesem Zeitraum umgebaut wird, gerne unser Haus beleben und den Garten beackern würden. Das ist zwar finanziell wenig lohnenswert, dafür ist unser Aufwand auch deutlich kleiner und wir wissen unsere Gemächer gut versorgt.

Baustelle 3: Die Arbeit

Uns wurde zwar unbezahlter Urlaub zugesprochen, aber als Lehrer und Klassenverantwortliche tut man sich keinen Gefallen, wenn man der Vertretung gänzlich freie Hand und unter Umständen Themen bearbeiten lässt, die für später vorgesehen sind. Deswegen bereite ich den Unterricht für die 7 Wochen meiner Abwesenheit so gut als möglich vor. Ausserdem fallen auf Ende Schuljahr Gespräche, Zeugnisse und diverse Berichte an, die alle relativ viel Zeit beanspruchen.

Hier ist wohl noch die grösste Baustelle zu finden. Es steht, wie immer Ende Schuljahr, noch unglaublich viel Arbeit an, die ich erst jetzt oder noch später angehen kann, weil die konkreten Rahmenbedingungen für nächstes Schuljahr noch nicht bekannt sind und eine sinnvolle Vorbereitung verunmöglichen. Das ist nichts Besonderes, aber in Anbetracht aller anderen Auftragspunkte relativ nervenaufreibend. Dazu kommen der alljährliche Horror rund um die Koordination unserer Arbeitspläne, der KiTaplätze und des Kindergartens. Gerade gestern wurden die bereits gemachten Pläne nochmal kurz aufgemischt, weil man im Kindergarten beschlossen hat, die Nachmittagsstunden mal eben spontan von Dienstag auf Donnerstag zu verschieben.

Baustelle 4: Äm-Gesundheit

Äm war immer schon relativ oft und oftmals unter seltsamen Umständen und mir untypischen Symptomen kranke, aber seit Jahresbeginn hat diese Neigung zu schier unerträglicher Intensität zugenommen, ihr Immunsystem scheint derart geschwächt, dass sie jeden Infekt nimmt, der ihr so begegnet. Wir verzeichnen 1x unerklärlich hohe Entzündungswerte mit Fieber, 1x Mittelohrenentzündung, 1x Ringelröteln und 1x fiebriges Grippen in den letzten 5 (fünf!) Wochen. Wenn sie bis im Juli nicht nachhaltig gesünder wird, werden wir die Reise um mindestens zwei Jahre verschieben müssen.

Äm ist deutlich seltener krank, nicht zu vergleichen mit der Zeit dich ich obenstehend beschrieb. Sie hat regelmässig was an den Ohren, aber wir werden unsere Kinderärztin bitten, uns dafür flächendeckend für die Reise zu versorgen, in der Hoffnung, nichts davon je zu brauchen.

Baustelle 5: Der Welpe

Bis in 157 Tagen möchten wir einen einigermassen erzogenen Hund herantrainiert haben. Ich denke, dass wir uns da auf bestem Wege befinden, die wichtigsten Kommandos kennt sie, die Charlotte, jetzt arbeiten wir noch an der unbändigen, überschwänglichen Freude, beziehungsweise den zahnlastigen Freudebekundungen, wenn Menschen (es spielt keine Rolle wie bekannt oder fremd) ihr ihre Aufmerksamkeit widmen. Das Wort „Nein.“ Ist hier jedenfalls oft in Gebrauch, auch wenn sich der Welpe grösstenteils sehr bemüht, unter besonders strengem Blick vor lauter Beflissenheit gleich das ganze Repertoire potentiell erwünschten Verhaltens präsentiert und dabei zwischen Sitz, Platz und Pfote rotiert, bis wir Einhalt gebieten.

Der Welpe ist kein Welpe mehr, sondern teenagert lustig vor sich hin. Grössenmässig sollte Charlotte mittlerweile einigermassen ausgewachsen sein, jedenfalls behauptet das unser Tierarzt, jedenfalls ist sie nach wie vor relativ klein, bzw. hat nicht die Grösse, die wir uns bei der bewussten Wahl einer Labrador-Bernersennenkreuzung gewünscht haben. Wahrscheinlich muss das aber so, den optisch passt sie so bestens zu uns Vorgartenzwergen. Nach wie vor Thema ist die übermässige Freude und Neugierde beim Zusammentreffen Fremden und Bekannten, die meist in spontanen Pipipfützen resultieren, in denen sie sich zum krönenden Abschluss auch noch suhlt. Ansonsten ist sie stubenrein und meist gehorcht sie aufs Wort und kommt, platzt, sitzt, wartet, sucht, springt, isst, pinkelt, gräbt, schwimmt, leinenläuft und rennt auf unser Kommando und auch bei Ablenkung.

Baustelle 6: Die Ukraine

Ich möchte nach Odessa fahren und das ziemlich unbedingt, aber die Lage in der Ukraine ist momentan nicht nur entspannt, besonders in den Städten und mit kleinen Kindern möchte ich mich dann doch nicht in all zu konfliktgeladene Gebiete begeben. Ich wünsche mir also Entspannung für die Ukraine und, wenn wir schon dabei sind, auch gleich für den Rest der Welt. Danke.

Diese Baustelle ist nunmehr eine Ruine, denn die Ukraine haben wir, nach dem ich immer mal wieder noch etwas Hoffnung hatte, als Reiseziel vorerst verabschiedet. Unsere momentane, ungefähre Routenplanung verläuft über Italien, Slowenien, Kroatien, Mazedonien, eventuell Kosovo, Rumänien, Bulgarien, dem Schwarzen Meer entlang in die Türkei, da ins Landesinnere, nach Griechenland, per Fähre nach Italien, danach zurück in die Schweiz. Bleibt zu hoffen, dass die Türken Herrn Erdogan einigermassen friedlich ab- und  zu Gunsten von sozialem Verständnis, Aufgeschlossenheit und Menschenrechten ersetzen und wir das Land, das mir seit unseren diversen Reisen so sehr am Herzen liegt, wie geplant besuchen können.

 

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