Archiv der Kategorie: Reisen mit Kindern

Kolašin (Montenegro) – Plav (Montenegro) (Tag 10)


Wir lernen ja nun jeweils, für mindestens einige Stunden, recht gut aus unseren Fehlern. Für heute nahmen wir uns ungefähr 40 Kilometer vor, mit dem Ziel, hier einen der wenigen offiziellen Campingplätze, direkt am See bei Plav anzufahren und uns dort über die Grenzsituation zum und den Kosovo zu informieren. Was wir nicht wussten ist, dass die 40 Kilometer raus ins Niemandsland, über einen Pass führen, aber frisch betankt, gut essbestückt und ausgeruht fuhr sich die Strecke im Nu. Auf engen, durchlöcherten Strassen, auf denen ich mir keine Kreuzung mit einem grösseren Fahrzeug hätte vorstellen mögen, serpentinten wir uns gen Pass, wurden allenthalben bestaunt und freundlich gegrüsst und oben angekommen zum Schnaps eingeladen, den wir zum Wohle aller dankend ablehnten. Nach wie vor mutet die Landschaft in den Bergen Montenegros so Schweizerisch an, dass selbst Heidi, gekidnappt und hier ausgesetzt, sich sofort heimisch gefühlt hätte. Die Häuser sind meist hübsche quadratische Bauten mit pyramidenförmigem Ziegeldach, haben grosszügigen Umschwung und wirken so warm und einladend, wie die Menschen, die wir hier antreffen. Im Talboden, umgeben von Bergen, finden wir problemlos zum See und dem Platz, der seinem Namen, Lakeview, alle Ehre macht. Zusammen mit zwei 70 jährigen Italienern und deutschen Motorradfahrern, teilen wir uns die grosszügige Wiese, haben die Gelegenheit Hund und Kinder eine Runde toben zu lassen und recherchieren unsere morgige Route.

Bemerknisse
Keine montenegrische oder bosnische Hochzeit ohne Hupkonvois und Flaggenschwung.

Trotz in Reiseführern allenthalben betonter Kriminalitätsstatistik, ist von Misstrauen im Hinterland des Balkans wenig zu merken. Wo an der Küste gleich bei Platzankunft alle Papiere eingesammelt und bis zur Abreise behalten werden, kümmert sich hier niemand um Vorzahlung oder Registrierung, ehe nicht abgereist wird.

Wenn jemand die Kunst des Highheelstragens beherrscht, dann wohl die Bewohnerinnen des Balkans, die scheinbar mühelos perfekt gestylt über die Felder zur Bushaltestelle rennen.

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Sarajevo (Bosnien und Hezegowina) – Kolašin (Montenegro) (Tag 9)


Stünden wir jetzt nicht neben einem Waldcafé, mitten in der Natur, direkt am Fluss, auf einem Plätzchen inklusive Jungkätzchen, hätten wir den Kindern die Reiserei heute gründlich verdorben, soviel sei vorausgeschickt. Alles begann damit, dass wir die Idee hatten, heute in Serbien übernachten zu wollen. Nicht weil uns Bosnien nicht gefällt, ganz im Gegenteil, aber uns sehnt nach Meer und Wärme, es zieht uns Richtung Meer. Hier droht das Wetter ständig zu kippen, es ist oft unsommerlich kalt und die badebegeisterte Brut bricht bei jeder Kloake, in wilden Plantschvorfreudenjubel aus, den wir wieder mit Verneinungen abschmettern.
Wir verliessen also Sarajevo, bis zur Grenze nach Serbien waren es gut 180 Kilometer, eine zu bewältigende Tagesroute also. Durch Sarajevos Hügel nadelkurvten wir immer höher in die Berge, bis wir eine hochplateauartig anmutende Gegend erreichten. Weite gelbe, steinummauerte Felder, vereinzelte Tannen, Kuh-, Pferde- und Schafherden und ein weiter Blick übers Land und seine einfachen, aber meist liebevoll gepflegten Höfe, liessen uns an die Prärie in früheren Jahren denken. Bergab kurvten wir wieder durch Tannenwälder und passierten unten einen weiteren, ellenlangen Stausee, um schliesslich schon vor der serbischen Grenze zu stehen. Man zwar schüttelte etwas den Kopf ob unseren Campingabsichten, liess uns aber ohne Weiteres passieren.
Die erste serbisch Stadt hatte wenig zu bieten, ausser lieblosen Plattenbauten, schmutzige Strassen und vielen Strassenhunden. Wir verliessen den Ort deswegen auch rasch wieder und hofften auf eine nette ÜBernachtungsmöglichkeit am Weg. Wir fuhren also, entschieden uns gegen diesen und jenen vermüllten Parkplatz, merkten, wie sich die Fahrt zu sehr in die Länge zog, vermochten uns doch nicht für einen Platz zu entscheiden und standen plötzlich schon wieder vor der nächsten, der serbisch-montenegrischen Grenze. Die Kinder quengeleten, der Hund unruhte, wir brummten stetig schlechter gelaunt vor uns hin, während die Landschaft immer mehr nach Schweiz aussah. Tatsächlich hätte man sich, wären die andersartigen Häuser und die offensichtlichen Mülldeponien mitten in schönster Natur nicht gewesen, ebensogut irgendwo im Jura oder dem Emmental wähnen können. Kurz vor der absoluten Unmutseskalation entdeckten wir ein Waldcafé direkt am Bach, der Rest ist in der Einleitung nachzulesen. Gerade noch so gut gegangen, hauptsächlich Dank der verwaisten Jungkatze, von den Kindern Susi genannt.

Bemerknisse
Balkantunnels sind dunkel, eng und laut und wer sowas regelmässig durchfahrt, kann sich jedes künstliche Rebirthing-Erlebnis ersparen.

Wenn Montenegrer hingebungsvoll und exakt ihre Ortsschilder mit bunten bilden oder Todesanzeigen bekleben, kann für Tourists Orientierung etwa schwierig werden.

Achtung-Kuh-Schilder werden von den Kindern gern als Achtung-Kühe-haben-hier-eckige-Euter-Schilder erkannt.

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Buna bei Mostar (Bosnien in Herzegowina) – Sarajevo (Bosnien in Herzegowina) (Tag 8)


Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Gaga und seiner Mutter. Letztere beschenkte die Kinder zum Abschied mit riesen Tafeln kroatischer Schokolade. “Einfach alles geradeaus fahren, ihr könnt Sarajevo nicht verfehlen! Und esst Cevapi, nirgends auf der Welt gibt es bessere Cetvapi!”, gab uns Gaga mit auf den Weg und so fuhren wir, gespannt auf das Kommende, Richtung Sarajevo, los. Tatsächlich scheint Bosnien und Herzegowina nicht all zu viele grosse Strassen zu führen und die Route Mostar-Sarajevo muss eine der Hauptverkehrsachsen sein. Obwohl die Zeichen des vergangenen Krieges, ausgebombte Ruinen, schusslöcherdurchsiebte Wohnhäuser und notdürftig gemauerte Granatenlöcher nach wie vor omnipräsent sind, sehen die Häuser liebvoll gepflegt, gehegt und vorallem bunt belebt aus, was mir, ohne die Gründe konkret in Worte fassen zu können, ein Gefühl gelebter Hoffnung vermittelt. Die Strecke Mostar-Sarajevo ist landschaftlich hauptsächlich von ellenlangen Stauseen und steil abfallenden, bewaldeten Felsen geprägt. Allenthalben wird in winzigen, mal mehr, mal weniger improvisierten Buden, direkt an der Strasse, frisch gebratener Fisch aus eigenem Fang oder kleinen, privaten Fischfarmen angeboten. Dann ist wieder über weite Strecken, bis auf eindrucksvolle Brückenbauten, keine Siedlungen zu entdeckten und man wähnt sich an, etwas anders begrünten, Fjorden Norwegens. Einige Kilometer vor Sarajevo führt die Strasse in die, nun etwas sanfteren Hügel hinauf, wo die Fischbuden nahtlos von Lamm-am-Spiess-Buden abgelöst werden. Wir planten etwas ausserhalb von Sarajevo einen Campingplatz anzufahren und die Stadt von da aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzufahren. Seit uns allerdings Gagas Mutter mitgeteilt hat, dass Hunde in Mostars Bussen nicht erwünscht sind, hegten wir leise Zweifel an unserem Vorhaben. Charlotte ist ein Junghund und noch kann sie nicht bedenkenlos an einem fremden Ort länger alleine zurückgelassen werden. Am Platz wurden unsere Befürchtungen zwar bestätigt, aber man sagte uns, dass es gar kein Problem sei, mit Gefährten in Sarajevo einzufahren. Ein richtiges Problem war es tatsächlich nicht. Also abgesehen von ellenlangen Staus in Vorstadtsarajevo, mit seinen monströsen Plattenbauten und dem Mangel an Parkgelegenheiten im Stadzentrum. (Mit viel Müh fanden wir doch noch was.) Trotzdem hat es mir die Stadt von der ersten Sekunde an angetan. Das (old Sarajevo) Zentrum an sich ist war zwar nett anzusehen, gut restauriert und die niedrigen Bauten und Restaurants, in denen man auf kleinen Stühlen und Bänken in Bodennähe diniert, zeigt seinen osmanischen Einschlag in aller Deutlichkeit und der modernere Zentrumsteil, mit seinen, etwas höheren Bauten, scheint alles zu bieten, was es zur Zerstreuung in Grossstadtlaune bedarf, als viel anziehender aber, empfand ich die Quartiere, die sich rund ums Zentrum, mit verwinkelten Gassen, Treppen und imposanten Moscheen in die Hügel schmiegen. Zu gerne hätte ich irgendeinen der Hügel erklommen, wäre auf gut Glück losgelaufen, Stadtentdecken zu Fuss, eben. Leider forderte der zweite Stadttag in Folge seinen Tribut bei Kindern und Hund und so entschieden wir uns, nach dem kleinen, aber feinen Einblick in eine ziemlich faszinierende Stadt, zurück zum Platz zu fahren und Kindern und Hund den verdienten Auslauf zu gewähren. Aber ich werde wiederkommen, soviel steht fest, für ein kinderfreises Wochenende, vielleicht.

Bemerknisse
Kennen Sie die ganzen Schlachtschock-Bilder von einschlägigen Seiten? Die sind hier Werbung für Lamm am Spiess.

In Bosnien gilt: Überholen geht immer. Grundsätzlich.

Überhaupt gilt, was schon vor zwei Jahren (Reise 2012) in Sizilien gegolten hat: Wo ein Auto Platz hat, haben auch zwei Autos nebeneinander Platz. Wo zwei Autos nebeneinander Platz haben, haben auch drei Autos nebeneinander Platz. Usw.

Die Angst vor Hunden ist omnipräsent, kein Wunder, denn den Monstern, denen ich hier, zum Glück getrennt durch private Zäune, hier bisher begegnet bin, möchte ich nicht unbewaffnet gegenübertreten.

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Ploče (Kroatien) – Buna bei Mostar (Bosnien und Herzegowina) (Tag 7)


“Nur etwas mehr als eine Stunde Fahrt,” versprach uns Frau Fankhauser (GPS), “dann seid ihr in Mostar!” Und wir glaubten ihr. Unaufgeregt verabschiedeten wir uns von Wunderschön-Ploče und fuhren zügig gen Bosnien. Frau Fankhauser mag ja Abkürzungen, wir mögen die auch, weil sie uns meist über kleinere Strassen mitten durch die Pampa irgendwie doch zum Ziel führen. So folgten wir den Anweisungen Frau Fankhausers auch heute, stets etwas abseits der Hauptstrassen, zu einem kleinen kroatisch-bosnischen Grenzüberrgang. Man nahm unsere Dokumente an, prüfte jedes einzelne eingehendst, notierte unsere Daten auf ein grosses, weisses Blatt Papier (!), sorgfältig, sehr sorgfältig und sehr genau und sehr eingehend. Sehr. Dabei würdigte man uns keines Blickes. Nach der Überprüfung werden wir auf kroatisch oder bosnisch instruiert, was nun zu tun sei. Wir betonen unsere mangelnden Kroatisch-Bosnischkenntnisse in diversen Sprachen, man weicht auf Gebärden aus und verbalisiert parallel in Englisch-Deutsch-Mix. Mit weit ausholenden Bewegungen bedeutet man uns in einem Halbkreis zurück zu fahren. “Nur local People hier!” Wir verlangen unsere Paipere zurück, etwas irritiert ob der Tatsache, dass für den Halbkreis auf bosnischem Land tatsächlich all unsere Papiere studiert und kommentiert werden müssten, taten aber, wie uns geheissen. An der offiziellen Grenze schwante uns schliesslich, weswegen eine Grenze touristenfrei gehalten wird. Stau ohne Ende, mitten in erbarmungsloser Sonne. Zu diesem Zeitpunkt war die geplante Fahrtdauer schon weit überschritten. Glücklicherweise zeigte sich die Brut gnädig und nahm Hitze und Rumstehen, zumindest nach ausgiebiger Verpflegung, mit Humor. Am Grenzposten wollte niemand unsere Papiere sehen. NIEMAND! Leicht angedeppert folgten wir, sobald wir in der Nähe von Mostar waren, irgendwelchen Campingschildern auf einen Platz, auf dem eine ungefähr 70 jährige Bosnierin nur darauf gewartet zu haben schien, uns und die Kinder voller Willkommensfreude an die Brust zu drücken. Eine Frau, mit der beeindruckenden Gabe, trotz der Tatsache, dass sie keine der Sprachen spricht, die wir auch verstehen, jedes Anliegen so zu vergesten und verlauten, dass es ohnehin verstanden wird. Jedenfalls würde uns ziemlich schnell klar, dass Mostar zwar von Platz aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, aber im Bus keine Hunde erlaubt sind. Kein Problem für die Zeltplatzpatronin, die rief kurzer Hand ihren Sohn, Gaga, an, der uns eine Stunde später mit seinem Auto abholte und und nach Mostar fuhr. Es entwickelte sich ein spannendes Gespräch rund um den Balkankrieg und seine diversen Konfliktherde. Ganz offen erzählte uns Gaga vom damals, als sein Vater zum Kämpfen abgeholt wurde und davon wie es war, in Angst vor Bomben und Granaten zu leben. Er erzählte uns von dem Tag, als sie wieder mal im Bunker sassen, zu Mittag assen, während Detonationen in der Nähe ihnen die Suppe von den Löffeln schüttete und sein Onkel ohne nachzudenken aufsprang, vor den Bunker rannte und rief: “Lasst mich in Ruhe essen!” Damals, so Gaga, sei ihm die Sinnlosigkeit dieses Krieges so richtig bewusst geworden. Mit dreizehn Jahren floh er nach Kroatien, wurde mal hier, mal dahin transportiert, ohne zu wissen, wohin man ihn wieder brachte. Er erzählte von den vier Jahren in der Fremde und davon, wie er heim kam und in dem Haus, in dem er aufgewachsen war, fremde Menschen lebten. Er erzählte von Mängeln, von Kämpfen und von Leid und er erzählte vom unerschütterlichen bosnischen Humor, den sie auch in Kriegszeiten, leicht angeschwärzt, nicht verloren hatten. “Weisst du, wenn wieder jemand in die Heimat fuhr, um nach den Häusern zu sehen, wurde er bei der Wiederkehr immer gefragt “Wie geht es meinem Haus?” und die Antwort war immer: “Du hast jetzt ein Cabrilolet, wie du es magst!” So war das. Ein geflügeltes Wort wie: Wenn Spinat schmeckt, ist der Hase ein Bär.” Gaga erzählte uns das lachend, er und seine Familie hatten Glück gehabt. Sie haben ihr Land zurückbekommen.
Der Gard der Zerstörung, den Mostar erlitten hat, wird mit Drestens Zustand nach dem zweiten Weltkrieg verglichen, die Stadt wurde hart umkämpft. Soweit ich das verstanden habe, kämpften erst Kroaten und bosnische Muslimen gegen Serben, später die bosnischen Muslime gegen die Kroaten. Letzteres war wohl schlussendlich der Grund für die Flucht der Familie Gaga. Noch immer ist Mostars Geschichte an jeder Ecke zu sehen, Ruinen, Einschusslöcher, aber auch die alle ungefähr gleich alten Dächer sind stumme, aber eindrückliche Zeitzeugen. Die Häuser rund um Mostars eindrückliche Steinbrücke mit ihrem glattgelaufenen Pflaster wurden nach altem Vorbild restauriert. Mostar scheint hier hauptsächlich vom Tourismus zu leben, jedenfalls kommen Menschen in Scharen und es gibt Jugendliche, die sich etwas dazu verdienen, in dem sie Toristen Geld für einen Sprung von der Mostarbrücke abknöpfen. Beeindruckend ist sie, die Stadt, die gegografischen Gegebenheiten, in die Sie eingebettet ist, der Fluss und die in den Himmel ragenden Minarette vor kargen Bergen. Vor den Bergen, die Gaga vor 20 Jahren so fürchten musste, weil die Angreifer alte Pneus mit Sprengstoff füllten und sie bergab rollen liessen, wie uns Gaga auf der Rückfahrt am Abend erzählte. Zurück in Buna, wo der Campingplatz am gleichnamigen Fluss liegt, reichte es, die Kinder, im Licht der letzten Sonnenstrahlen, noch rasch in die 12*C kalte Buna zu tunken.

Bemerknisse
In Reiseführern wird sorgfältig darauf hingewiesen, dass sich zwingend an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten sei. Leider sind diese nur schwer zu finden und wenn denn da mal ein Schild ist, lesen die Bosnier sie eindeutig anders.

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Strassenhunde und unser Köter sind hauptsächlich an einem Merkmal zu unterscheiden: Wenn man einen Stein vom Boden aufhebt, rennende einen mit eingekniffenem Schwanz von dannen, der andere springt vorfreudig auf und ab und erwartet gepflegtes Apportierspiel.

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Primošten – Ploče (Tage 5-6)


Diesen Bericht schreibe ich in einer Hängematte, gespannt zwischen zwei Olivenbäumen, mit Aussicht. Damit lässt sich ziemlich gut leben. Wie angekündigt, traten wir heute den semigeordneten Rückzug aus dem Strandtourismus an und fuhren gen Ploče. An sorgfältig mit steinen ummauerten Kleinäckern mit dazugehörigen, notdürftig gezimmerten Feldhäuschen vorbei, über sanftgeschwungene, felsige, niedrig begrünte Hügel, in denen scheinbar zufällig verstreut steingemauerte, malerische Höfe liegen, immer wieder unter begrünten Brücken hindurch, die für die heimischen Bären und Wölfe angelegt wurden. Wenn man bedenkt, wieviel Platz die Tiere hier haben, ist es wahrlich kein Wunder, dass es, wenn sich denn mal ein Bär in die Schweiz verirrt, zum Aufeinanderprallen mit der Zivilisation kommt. Sobald wir uns der Umgebung Ploče näherten, war mir wieder klar, weshalb mich diese Gegend auf unserer letzten Reise so nachhaltig beeindruckte. Die trotz zahlreicher niedriger Büsche uns Sträucher karg wirkenden, beeindruckend felsigen Hügelformationen, mit seinen unglaublich fruchtbaren, fluss- und kanaldurchzogenen Tälern. Von Nektarinenplantagen, von Pfirsichen, Pflaumen, Trauben, über Äpfel, Melonen, Tomaten, Oliven, diverse Kohlsorten bis zu Karotten, Auberginen, Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch ist alles zu finden und frisch geerntet direkt an der Straße von Bauern und Gemüsehändlern zu kaufen, wo auch Öle, Eingemachtes und Honig angeboten wird. Dazwischen pittoreske Hügelstädchen und in den Tälern, je nach Fluss- und Kanalnähe, Bauern- und/oder Fischerdörfer. Wer hier am Wasser lebt, hat ein kleines Boot und legt wohl auch hie und da gewisse Wege auf dem Wasser zurück. Auch Güterzüge verkehren und in den größeren Kanälen sind durchaus auch Frachtschiffe auszumachen. Kurz: Ich bin verliebt.
Selbstredend, dass wir uns hier für ein, zwei Nächte einrichten wollten. Wer hier schon länger liest, wird sich unter Umständen an den Platz erinnern, den ich vor zwei Jahren als “große KiTa-Surfer-WG” bezeichnet habe. Genau den Platz wollten wir wieder aufsuchen, etwas unsicher, ob der Platz überhaupt noch existiert, ob er mittlerweil total überlaufen ist, oder den gleichen etwas verwildert rustikalen Charme von vor zwei Jahren behalten hat. Glücklicherweise blieb alles beim Alten. Der Platz liegt zwischen Meer und einem Flussarm mit Süßwasser, auf einem olivenbaumbesetzten Gelände. Er scheint nicht mehr so fest in Surferhand, aber der Cheffe spendierte uns, als er erfuhr, dass wir schon mal da waren, eine frisch geerntete Wassermelone aus eigenem Anbau. Ich wiederhole: er schenkte uns eine Gigantomelone! Mein Herz hat er.
Jetzt gammeln wir hier in den Tag, Pendeln zwischen Süßwasser und Kilometer weit flacher Lagune, in einem Paradies für Kinder und Vierbeiner. Wir sind sechs Tage unterwegs und es fühlt sich nach einer halben Ewigkeit an. Toll zu wissen, dass noch noch weitere gefühlte Ewigkeiten vor uns liegen.

Bemerknisse
Ich habe eine Melone getragen. Ich habe eine Melone zerteilt. Ich habe eine Melone gegessen.

Egal wie schnell wir fahren, Kroaten fahren schneller.

Es gilt daheim wie auf Reisen: Wenn die Kinder sich nicht mehr selber beschäftigen können, ist das Spiel erster Wahl So-tun-als-ob-Schlafen, dabe lege man sich in die obengenannte Hängematte, zwischen obengenannte Olivenbäume, während die Kinder anschaukeln und Schlaflieder summen.

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