Archiv der Kategorie: Reisen

Reise 2014 – Die Baustellen


Noch 157 Tage bis zur Abreise. Das ist ja noch massig Zeit, könnte man denken, aber tatsächlich haben wir noch einige Baustellen zu schliessen, bevor wir uns erneut auf (fast) Vierteljahresreise machen können.

Baustelle 1: Der Gefährt(e)

Wir arbeiten an einem partiell neuen, optimierten Ausbau, beziehungsweise, eigentlich ist der schon angefertigt, leider mussten wir nach einer Testsitzung im Gefährteninnern feststellen, dass wir vergessen haben mit einzubeziehen, dass es von Vorteil wäre, wenn sich die Türe trotz Ausbau weiterhin von innen öffnen liesse, gegen das Fallengefühl und so, Sie verstehen.

Berat, AlbanienGefährte neu

Ausserdem haben wir an der Dachverkleidung einige Schimmelstellen gefunden und müssen also das Dach innerlich gänzlich neu auskleiden. Weiter fehlt dem Gefährten hier und da etwas Gemütsschnickschnack und Wohlfühlschischi. Von äusserlichen Veränderung sehen wir, trotz kurzer entsprechender Gedankenstreifung, ab, gerade das unauffällige, weisse Antlitz eines Lieferwagens hat und auf der letzten Reise einige ausserordentliche Übernachtungsmöglichkeiten eröffnet.

Baustelle 2: Die Wohnung

Um unsere Reisekasse zu füttern würden wir gerne unsere Wohnung untervermieten. Wer also gerne einen Sommer in Bern verbringen möchte, melde sich! Wir bieten 3,5 von 4,5 Zimmern, einen riesigen Garten, direkt am Waldrand (Mit etwas Glück sieht man morgens Rehe im Garten äsen. Ehrenwort!), mit zwei Balkonen und einer Terrasse, 10 Busminuten vom Hauptbahnhof entfernt (in Stosszeiten fährt er alle 6 Minuten), eine Fussminute von der Aaare (Fluss) entfernt, die hier zahlreiche Bademöglichkeiten bietet und über einen Tunnel verfügt, der fünf Minuten Marschzeit mit 15 Minuten Schwimmzeit belohnt und für den Viele sogar längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Bei Interesse und ausgiebigerem Informationsbedürfnis schrieben Sie an: gminggmangg@gmail.com

Baustelle 3: Die Arbeit

Uns wurde zwar unbezahlter Urlaub zugesprochen, aber als Lehrer und Klassenverantwortliche tut man sich keinen Gefallen, wenn man der Vertretung gänzlich freie Hand und unter Umständen Themen bearbeiten lässt, die für später vorgesehen sind. Deswegen bereite ich den Unterricht für die 7 Wochen meiner Abwesenheit so gut als möglich vor. Ausserdem fallen auf Ende Schuljahr Gespräche, Zeugnisse und diverse Berichte an, die alle relativ viel Zeit beanspruchen.

Baustelle 4: Äm-Gesundheit

Äm war immer schon relativ oft und oftmals unter seltsamen Umständen und mir untypischen Symptomen kranke, aber seit Jahresbeginn hat diese Neigung zu schier unerträglicher Intensität zugenommen, ihr Immunsystem scheint derart geschwächt, dass sie jeden Infekt nimmt, der ihr so begegnet. Wir verzeichnen 1x unerklärlich hohe Entzündungswerte mit Fieber, 1x Mittelohrenentzündung, 1x Ringelröteln und 1x fiebriges Grippen in den letzten 5 (fünf!) Wochen. Wenn sie bis im Juli nicht nachhaltig gesünder wird, werden wir die Reise um mindestens zwei Jahre verschieben müssen.

Baustelle 5: Der Welpe

Bis in 157 Tagen möchten wir einen einigermassen erzogenen Hund herantrainiert haben. Ich denke, dass wir uns da auf bestem Wege befinden, die wichtigsten Kommandos kennt sie, die Charlotte, jetzt arbeiten wir noch an der unbändigen, überschwänglichen Freude, beziehungsweise den zahnlastigen Freudebekundungen, wenn Menschen (es spielt keine  Rolle wie bekannt oder fremd) ihr ihre Aufmerksamkeit widmen. Das Wort „Nein.“ Ist hier jedenfalls oft in Gebrauch, auch wenn sich der Welpe grösstenteils sehr bemüht, unter besonders strengem Blick vor lauter Beflissenheit gleich das ganze Repertoire potentiell erwünschten Verhaltens präsentiert und dabei zwischen Sitz, Platz und Pfote rotiert, bis wir Einhalt gebieten.

Warten

Baustelle 6: Die Ukraine

Ich möchte nach Odessa fahren und das ziemlich unbedingt, aber die Lage in der Ukraine ist momentan nicht nur entspannt, besonders in den Städten und mit kleinen Kindern möchte ich mich dann doch nicht in all zu konfliktgeladene Gebiete begeben. Ich wünsche mir also Entspannung für die Ukraine und, wenn wir schon dabei sind, auch gleich für den Rest der Welt. Danke.

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20. Dezember – Oh, kommet, ihr Untermieterscharen!


Ich zähle jetzt schon die Stunden und Tage bis zu unsere Abreise, auch wenn wir noch eine ellenlange Liste an Vorbereitungspunkten abzuarbeiten haben. Einen wichtigen Punkt konnten wir diese Woche streichen, als auch (Einer der Punkte war ja, ich denke ich habe es schon ein-, zwei-, drei-, x-mal erwähnt, mein Führerschein. Ha!) der Gefährte seine Prüfungen bestand. Entgegen unserer Erwartungen, um ehrlich zu sein, denn seit der letzten Revision in der Werkstatt sind wir schon wieder über 1000 Kilometer gefahren (Siehe Normandieausflug) und der Gefährte hat nun doch auch schon 15 Jahre auf den Achsen und viele Kilometer unter den Rädern. Wir waren dann auch etwas überfordert, als der Experte uns einfach ohne Weiteres durchwinkte. Der Gefährte war wohl ein echter Glücksgriff, für uns als Autounkenner um so verwunderlicher, wenn ich mich schon nur an die Szene bei der Begutachtung vor dem Kauf erinnere… Von einem Bekannten erhielten wir damals den Rat, für eine gute Einschätzung des Autozustandes auch unters Auto zu liegen. Das taten wir dann, Herr G. und ich, wir krochen unter den Gefährten und lagen dann da so rum, betreten schweigend, weil alles was wir laienäugig rumliegend sahen, ein Auto von unten war. Unschlagbare Situationskomik, versichere ich ihnen, und der Seriosität zuliebe mussten wir unter dem Auto bleiben, bis die tränen unterdrückten Lachens versiegt und wir dem Verkäufer wieder halbwegs ernst zu nehmen gegenübertreten konnten. Jedenfalls haben wir einen Glücksgriff getan und wurden, trotz Unerfahrenheit, vom Autoverkäufer nicht all zu sehr übers Ohr gehauen. Der Countdoun läuft und die To-Do-Liste schrumpft. Nächster Punkt: Wohnung untervermieten. Wer will? Wir bieten Waldnähe, einen grossen, lieblichen Garten, eine Terrasse, zwei Balkone, vier Zimmer, Aaarennähe und einen kurzen Weg ins Zentrum Berns. Melden Sie sich in Scharen! Danke.

Runterzählerstand (das Einfügen eines dynamischen Zählers hat jetzt gerade nicht funktioniert, ebensowenig wie meine Geduld): 206 Tage In der Seitenleiste rechts, ganz oben ersichtlich. —>

Adventsbloggen im Jahre 2012:
20. Dezember

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15. Dezember – Frau G. im Glück


Schon lange spielte ich mit dem Gedanken meine Kamera (Nikon D80) zu verkaufen und mir dafür ein Modell zu kaufen, das etwas handlicher ist. Gerade auf Reisen nervte ich mich dann und wann über Schwere und Umfang der Nikon und die nächste Reise steht doch schon in 210 Tagen und ungefähr 18 Stunden an. Ich habe mir also heute, gemeinsam mit Herrn G., mein erstes Weihnachtsgeschenk gemacht und bin dabei, relativ unerwartet, auf eine Digitalkamera umgestiegen. Neu nenne ich eine (occasion) Olympus E-M5 mein Eigentum und ich gehe stark davon aus, dass wir uns sehr mögen werden, jedenfalls lassen die wenigen Spielereien, für die ich heute Nachmittag ums Haus Zeit fand, darauf schliessen.

Neue Liebe

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Bloggen im Jahre 2012
15. Dezember

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Ich führe – Ein Drama in fünf Akten


Ich habe es vor 12 Jahren schon angekündigt und seit gestern darf ich hochoffiziell ganz alleine Autofahren. Das war der letzte Schritt ins Erwachsensein, oder zumindest das temporäre Gefühl des Erwachsenseins. Nicht nur dieser letzte Test, nein, das ganze Unterfangen war eine Prüfung für mich oder ein Drama in fünf Akten, das ich hier für Sie, falls Sie auch noch unbescheint sind und sich gerne darauf vorbereiten würden, in Stichworten zusammengefasst habe:

 

Der erste Akt – Der Nothelferkurs

Protagonisten: Hochschwangere Frau G., Schwester des Herrn G., Jugendlicher 1, Jugendlicher 2, Jugendlicher 3, Jugendlicher 4, Jugendlicher 5, Jugendlicher 6, Jugendlicher 7 ein narzisstisch veranlagter Kursleiter und eine Beatmungspuppe namens Gertrud

Handlung: Viel Situationskomik, nur zwei die darüber lachen, einige langatmige Ausschweifungen, und alle beatmen Gertrud, nur Frau G. nicht.

Leseprobe: (…) „Und damit alles hygienisch bleibt, desinfizieren sie Gertruds Mund und Nase nach Beatmung mit diesen Tüchern.“ „Das sind Babypotücher!“ „Ja, damit desinfizieren Sie Gertruds Mund und Nase:“ „Das sind Babypofeuchttücher mit Mandelöl!“ „Genau, damit desinfizieren Sie Gertruds Mund und Nase.“ (…)

 

Der zweite Akt – Die theoretische Prüfung:

Protagonisten: Frau G., Jugendliche 1, Jugendliche 2, Jugendlicher 1, Jugendlicher 2, Jugendlicher 3, Jugendlicher 4, Jugendlicher 5, Jugendlicher 6, Jugendlicher 7, aufgeregter Mittzwanziger, Mittelalterlicher mit Mittelungsbedürfnis, Prüferin mit Feierabendbedürfnis

Handlung: 1/6 der Anwesenden scheidet aufgrund fehlender Papiere aus, Frau G. demonstriert dem aufgeregten Mittzwanziger einige Beruhigungsatmungsübungen, der beginnt zu hyperventilieren beginnt, alle reissen Nothelferkurswitze und die Prüferin mahnt energisch zu Ruhe, der mitteilsame Mittelealterliche bekundet Mühe beim iPadhandling und Frau G. besteht die Prüfung knapp.

Leseprobe: (…) Mittelalterlicher (MA): „Prüfungen regen mich fühürchterlich auf.“ Frau G.: „…“ MA: „Wirklich, ich bin so nervös.“ Frau G.: „…“ MA: „SO NERVÖS!“ Frau G.: „Das wird schon.“ MA: „Was soll ich nur tun?“ Frau G.: „Tief in den Bauch atmen.“ MA: „Schnaaufschnaaufschnaaufschnaauf.“ Frau G.: „Atmen Sie nicht so schnell, ganz ruhig und lang ausatmen!“ MA: „Doch, das hilft, ich merks schon! Schnaufschnaufschnaufschnauf.“ Frau G.: „NICHT SO SCHNELL!“ MA: „Schnaufschnaufschnaufhechelhechelumkipp.“ Jugendlicher 4: „ICH beatme den nicht! Erster, Bode gchrützt*!“ (…)

 

Der dritte Akt – Der Verkehrskundeunterricht

Protagonisten: Frau G., Kursleiter 1, Kursleiter 2, Hellraumprojektor, Jugendliche, Jugendlicher 1, Jugendlicher 2, Jugendlicher 3, Jugendlicher 4, Jugendlicher 5, Jugendlicher 6, Jugendlicher 7, Jugendlicher 8

Handlung: Viel Testosteron, viele künstliche Goldkettchen, viel ebenso künstlicher Akzent in Jugendsprache, versucht autoritärer Kursleiter (1), ein Kursleiter (2) mit Verbrüderungsansinnen, veraltete Lehrfilme und ein greiser Hellraumprojektor in heiterem, interaktivem Wechselspiel.

Leseprobe: (…) Kursleiter: „Sie wissen alle weshalb dieser Kurs wichtig ist, oder?“ Jugendlicher 3: „Ja, weil mit ohne kannst du nicht zur Prüfung.“ Kursleiter: „Ja, aber hauptsächlich verlangt man den Kurs, weil der Kurs euch helfen soll interne und externe Risiken besser einzuschätzen.“ Jugendlicher 3: „Ich weiss was, ich weiss was! Drogen! Und Selbstbewusstseinserweiternde Substanzien!“ (…)

 

Der vierte Akt – Die Fahrstunden

Protagonisten: Frau G., Fahrlehrer, Frau Gs Mutter, Verkehrsteilnehmer aller Gattungen

Handlung: Multiasking, Multitasking, Multifailing, Multibremsing, Multimotorabwürging, Multihuping und Multifluching, alles drin.

Leseprobe: (…)“Was mir bisher nie so richtig bewusst war, ist wie seltsam sich die ungeübten, unterforderten Beifahrer benehmen, die verkrampfte Haltung, die gellenden Schreie, das Krallen ins Sitzpolster und geflüsterte Stossgebete. Ehrlich, alle meine bisanhinen Beifahrer sind grundsätzlich liebe und geschätzte Menschen, aber ich hoffe sehr, dass sie diese derart irritierenden Verhaltensweisen, die doch schon vermehrt brenzlige Situationen provoziert haben, beizeiten ablegen oder dafür Zeitfenster jenseits meiner Fahrstunden finden.“(…)

 

Der fünfte Akt – Die praktische Prüfung

Protagonisten: Frau G., der Prüfer

Handlung: Frau G. bereitet sich minutiös auf die Konversationssituation im Prüfungsauto vor, geplantes Thema ist der Führerscheinerwerbungsgrund, die geplante Reise, Frau G. ist sehr aufgeregt, der Prüfer nicht, aber er findet Reisen doof, Frau G. und der Prüfer schweigen, Frau G. besteht und ist so erleichtert, dass sie, statt die zur Gratulation ausgestreckte Prüferhand zu schütteln, die Autoschlüssel darin parkiert.

Leseprobe: (…) Prüfer: „Sie haben frei?“ Frau G.: „Ja.“ (Denkt: „Sonst wäre ich ja wohl kaum hier. Ich muss jetzt aufs vorbereitete Thema kommen, wie komme ich jetzt zum Thema Reisen? Um Himmelswillen bin ich nervös!) Prüfer: „Wieso?“ Frau G.: „Weil ich am Mittwoch nie arbeite.“ (Denkt: „Sehr intelligent, gna. Reisen, das Thema Reisen! Und Himmelarsch bin ich nervös!) Prüfer: „Was arbeiten Sie denn an den anderen Tagen?“ Frau G.: „Ich bin Heilpädagogin. Und Sie?“ (Denkt: „Autsch. Gna. Autsch. Reisen! Nervös!“) (…)

Ende.

 

 

*       Sagt man hierzulande um die zwingende Gültigkeit des Gesagten zu unterstreichen, wer ebenfalls um die angestrebte Position kämpft kann jetzt höchstens noch sagen „Zweiter, Bode gchrützt!“ und der/die Unglückliche, der/die als Letzte/r Bode chrützt, vierliert, bzw. müsste in dem Falle beatmen. Ein Usus der ungefähr so viel Sinn ergibt wie: „Ich habe immer einmal mehr Recht als du.“

 

 

 

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Schweiz – Normandie – Schweiz, ein Kurzurlaub


Nach drei Tagen bei brütender Hitze auf der Wiese eines Thurgauer Bauern, stand fest, dass uns unser Kurzurlaub gen Normandie verschlagen soll. Da die Schweiz und die französische Atlantikküste aber doch einige Kilometer trenne, war klar, dass wir das Stück nicht an einem Tag durchfahren, sondern lieber gemütlicher tuckern und dafür ein bis zwei Nächte Zwischenlager aufschlagen wollen. Nach Verabschiedung von „unseren Deutschen“ mit denen wir wieder mal höchst erquickliche Stunden verbracht haben, fuhren wir in strömendem Regen Richtung schweiz-französischer Grenze. Über die Grenze kamen wir allerdings vorerst noch nicht, denn obwohl der Gefährte sich grundsätzlich endlich wieder bester Gesundheit erfreut, fegte das garstige Wetter kurzerhand einen Scheibenwischer weg und kostete uns mit Garagensuche und Reparatur einige Zeit. Trotzdem schafften wir danach noch einige Kilometer. Unsere erste gemeinsame Nacht im Gefährten verbrachten wir, in Frankreich, ungefähr 100 Kilometer von der Schweizergrenze entfernt, abseits der Hauptrouten, wieder auf dem wunderschön gelegenen Land eines Bauern: Vor uns die Aussicht auf umliegende Wälder und Felder, die sich nur in ihrer unbebauten Weite erheblich von der Schweizer Landschaft unterschieden, hinter uns eine Weide voller, wie der Bauer meinte, liebenden und liebenswerter Esel, Pferde, Hochlandrinder, einem Ziegenbock und einem, dem betont einzigen, etwas verrückten Lama, das auf den bezaubernden Namen Chocolat fou hört. Die Kinder waren selbstredend bis Sonnenuntergang beschäftigt, liessen sich auch durch gelegentliche Schauer und einem ausdauernden Regenbogen nicht ablenken und fanden hernach sehr schnell in den Schlaf.

Früh am nächsten Tag brachen wir auf, die Kinder zeigten sich vorerst herrlich fahrfreudig und wider Erwarten schafften wir es bereits am zweiten Reisetag an die Küste der Normandie. Auf den letzten Metern bekundete Äm allerdings grossen Unmut und weigerte sich lauthals, auch nur drei Meter weiter fahren zu wollen und so stellten wir uns auf den erstschlechtesten Campingplatz und bezahlten zu viel für zu viele Nachbarn und zu wenig Natur. Besonders Y genoss das Campingplatzleben trotzdem und kurvte auf ihrem Fahrrad völlig unabhängig durchs Gelände. Der angrenzende Strand war, um nicht ungerecht zu werden, auch nicht zu verschmähen, auch wenn das Wetter keine ausgiebigen Baderunden zuliess.

In den darauffolgenden Tagen erkundeten wir hauptsächlich die Küstenabschnitte der Normandie. Eine grüne und doch karge, baumlose und windgezeichnete Landschaft mit weiten, nicht all zu bevölkerte Strände, teilweise umgeben von schroffen, steil abfallenden Felswänden, gezeichnet von den Ebbe, Flut und vergangenen Zeiten: Die Erinnerungen, Denkmäler, Mahnmale die an die Invasion und darauffolgende Befreiung durch die Alliierten 1944 erinnern sind allgegenwärtig, der Tourismus ist fast gänzlich auf diese Thematik ausgelegt. Mich hat das völlig überrumpelt, ja,  erschlagen. Denn obwohl ich selbstredend um die geschichtsträchtige Rolle der Normandie weiss und auch aufklärende, informative Tafeln an den strategisch wichtigen Punkten erwartet habe, empfand ich die Flut an touristisch präsentabel aufgearbeiteten Erinnerungen an diese Ereignisse als störend. Die Überresten des künstlichen Hafens bei Omaha Beach störten mich nicht, sie fügen sich in die Landschaft ein, sie haben diese Zeit und Gezeiten getrotzt und harren aus, erinnern stumm und doch ungleich eindrücklicher, als die künstlichen Panzer, Plakate und Museen die alle paar Schritte am Wegesrand stehen. Ich kam nicht dafür. Ich kam für das Land, gänzlich losgelöst von aller Zeit und ihrer Geschehnisse, ich für das Fleckchen Erde, für seine Schönheit, die da war, bevor Hitler kam und trotz ihm seither anhält. Wir haben diskutiert, Herr G. und ich, ob unsereins, so unbehelligt, so unbeteiligt und unbetroffen so über die Erinnerungskultur urteilen darf und nein, wir kamen zu keinem Schluss, denn das Erinnern ist wichtig und nötig, natürlich, ebenso vermögen wir die Bedeutung, die dieser Ort für Hinterbliebene nach wie vor haben mag, kaum zu ermessen, ja, es mag vermessen von uns sein, Natur zu verlangen, wo Menschen für Befreiung gestorben sind, aber die Diskussion, und ein eventueller Schluss daraus, tun, so oberflächlich es klingen mag, nichts zu meinen Gefühlen: Ich fühlte mich gestört.

Im Landesinnern zeigte sich die Normandie weniger Geschichtsversunken und bot neben Calvados und Cidre wunderschöne steingemauerte und efeuüberwachsene Häuser und himmlische Anwesen, in einer schier unglaublichen Dichte. Etwas weiter nordwestlich, an der Küste, erhofften wir uns schliesslich eine Pause von den Kriegsrinnerungen und fanden dafür multiplizierte Toristenmasse, minimierte Strandschönheit, die Lust uns langsam gen Heimweg zu machen und den Anstoss zu erneutem Überdenken unserer Reiseroute für die Vierteljahresreise 2014.

Die Rückreise gingen wir gemächlich an und planten mindestens drei Etappen, also zwei Zwischennächte. Tatsächlich gestaltete sich die erste Strecke so ruhig wie geplant, die Kinder froh, wir Erwachsenen ebenso, landeten wir, ziemlich spät, auf einem Stellplatz an der Saône, voller alteingesessenen Dauersteher, die uns mit offenen Armen empfingen.

Am nächsten Tag fanden wir uns urplötzlich am Doubs wieder und damit fast schon in heimischen Gefilden. Bereits am Mittag fanden wir ein nettes Plätzchen und verbrachten mit den entspanntesten, schönsten Nachmittag unseres Kurzurlaubes am Doubs, beim Baden und Planschen. Neben uns zeltete ein älteres russisches Paar mit einem Wellensittich, den sie liebevoll „mein Baby“ nannten. Es war ihre erste Nacht in Frankreich, das Zelt haben sie extra dafür besorgt und während wir beim Aufbau halfen, versorgten sie die Kinder mit Obst und Süssigkeiten und machten gefühlte 2000 Gemeinschaftsfotos von Äm, Y und dem Sittich. Früh am nächsten Morgen wurden wir nicht nur durch gleissend helle Blitze, sondern auch durch die mindestens ebenso helle Aufregung unserer Nachbarn geweckt, die in den frühen Morgenstunden einen Fisch gefangen hatten und sich nun mit dem fang in Fotopose warfen. Die Kinder stürzten sich vom Bett direkt in Regenkleidung, bekundeten angemessen ihre Bewunderung und posierten mindestens ebenso stolz, mit Fisch und Wellensittich. Nach inniger Verabschiedung brauchten wir für den Rest der Heimreise kaum zwei Stunden.

Grundsätzlich hat es wohl kaum eine Rolle gespielt, wo wir in unserem Kurzurlaub hingefahren sind, was bleibt ist die Freude am gemeinsamen Unterwegssein, aufgewärmte Erinnerungen an unsere letzte Reise und belebte Vorfreude auf unsere nächste Reise und das Gefühl jeden Ort zum Daheim werden lassen zu können.

Bemerknisse

  • Die Frau Fankhauer unserer Reise (GPS-Gerät) haben wir damals nur ausgeliehen, deswegen haben wir uns eine eigene Ausgabe besorgt und im Sinne der Diversität und Individualität Frau Schüpbach getauft. Erfolglos, denn unsere GPS-Gerät-Namensspeicherkapazität scheint mit einem Namen ausgeschöft. Wir nennen unser Gerät also weiterhin Frau Fankhauser.
  • Frankreich ist teuer, eine Vierteljahresreise durch dieses Land könnten wir uns kaum leisten.
  • Die Masse an Niederländern in der Normandie, liessen uns zwischenzeitlich mutmassen, ob uns Frau Fankhauser zu weit nordöstlich geleitet hat.
  • Niederländer scheinen allesamt drei Köpfe grösser und drei Kilo leichter als wir und grundsätzlich mit dem (keinem) Kälteempfinden zweijähriger Kinder ausgestattet zu sein.
  • Wer an seinem Leben hängt, sollte in der Normandie nicht nach gutem Wein fragen, sondern einfach wortlos Cidre und Calvados kaufen.

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