Durankulak (Bulgarien) – Bulgarien (Tage 21-22)


Es gibt nicht so viel Neues zu berichten, momentan, wir bewegen uns nun seit einer Woche an der bulgarischen Küste von nettem Ort zu nettem Ort fort, geniessen Meer und Wärme und damit genau das, was wir vor einer Woche noch so sehr herbeigesehnt haben.

Neu ist vielleicht, dass wir, wie geahnt, auch heuer nicht ohne Halt an Istanbul vorbei fahren können und ab Montag drei bis vier Tage in der Metropole weilen werden. Wahrscheinlich werden wir nicht all zu viel unternehmen, nur geliebte Ecken wieder aufsuchen, den Komfort eines eigenen Badezimmers geniessen, ausgiebig duschen, Fingernägel lackieren, bevorzugt haarlose Stellen rasieren, Augenbrauen trennen und sowas eben. Ausserdem werden wir während unseres fünften Aufenthalts in Istanbul rausfinden, wie es sich in der Stadt so bewegen lässt, wenn man neben Kindern auch noch einen Hund dabei hat.
Heute übernachten wir nochmal in Bulgarien, morgen wollen wir den Grenzübertritt wagen, in Edirne übernachten, übermorgen einen Kleinstplatz am Mittelmeer wieder aufsuchen und am Montag, wie gesagt, in Istanbul sein. Heuer gastieren wir übrigens mit AirB&B, was ich mit Spannung erwarte. Damit wissen wir für fast eine Woche ungefähr, wo wir jeweils schlafen werden und sind damit durchgeplant, wie kaum je auf Reisen.
Höhepunkt des heutigen Tages waren die unglaublich riesigen, in den Süden ziehenden Storchschwärme. Abertausende der beeindruckend grossen Vögel, die sich, die Thermik nutzend unvergleichlich elegant aneinander uns miteinander, in Wellenbewegungen, manchmal In Wirbeln, bewegen, ohne sich zu berühren. Ein krasses Naturspektakel, das offenmundig staunen und in allerpositivstem Sinne im Vergleich ganz klein fühlen lässt. (Da kein von mir gemachtes Foto dem Schauspiel auch nur entfernt gerecht wird, lasse ich die Bebilderung bleiben.)

Bemerknisse
Ich vermag nicht zu ergründen, wie die Bulgaren mit ihren Schildern zurecht kommen. Für mich sind die Verkehrsschilder eher schwierig zu lesen, und das liegt noch nicht mal an der Schrift, sondern daran, dass nie genau ersichtlich ist, auf welche Strassen sie sich beziehen. So können Wegweiser die aktuelle Kreuzung meinen, oder die Kreuzung danach oder die Kreuzung danach oder sie reiben dir auf die Nase, welche Abzweigung du soeben verpasst hast.

Es erstaunt mich überhaupt nicht mehr, dass der Reiseführer (Lonley Planet) von Bulgariens Strassen als den mit gefährlichsten Europas spricht, hier fährt jeder wie er kann. Und damit meine ich “so schnell, wie er kann”. Es wird immer und überall überholt. Von links, von rechts, über ausgezogene Linien, bei Gegenverkehr, übers Trottoir, als Anhängsel hinter dem Krankenwagen…IMMER! Man kann sich zu keinem Zeitpunkt auch nur entfernt darauf verlassen, dass irgendjemand sich an Verkehrsregeln hält und das Warten auf freiwilligen Einlass beim Einspuren kann getrost vergessen und direkt mit dreistem Eindrängeln begonnen werden.

Herr G. findet gut, dass ich blogge, weil er beim Durchlesen das Programm der folgenden Tage erfährt.

Ich kann seit heute den Gasherd selber bedienen. Ich würde es positiv als Lernfortschritt formulieren, Herr G. nennt es Beweis für seine Kochknechtschaft.

 

 

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Aheloi (Bulgarien) – Kavarna (Bulgarien) – Darankulak (Bulgarien) (Tage 18-20)


Nach einer ruhigen Nacht brechen wir auf, weiter Richtung Bulgariens nördliche Schwarzmeerküste. Auf der Strecke zwischen Burgas und Varna wird mir rasch klar, wieso Reiseführer für Individualreisende diesen Teil der bulgarischen Schwarzmeerküste relativ kurz abhandeln: Zugehotelbunkerte Küstenabschnitte und Dörfer, die in Tat und Wahrheit nichts als gigantische Ansammlungen von Hotels und Touristenbespassungszentren sind. Nach einem Blick auf die Karte, entdecken wir, anscheinend etwas abseits, das ominöse Dreieck, das für Campingplatz steht und beschliessen da hin zu fahren, weil wir uns und den Kindern momentan nur kürzere Fahrten zumuten wollen. Der Weg zum Ziel führt durch die üblichen, auf Touristen angelegte Käffer, die aber ziemlich allesamt wohl bessere Zeiten hinter sich haben. Allenthalben Spuren des Zerfalls, verlassene Häuser, unfertige Bauten, aber, in dem Zusammenhang eher erstaunlich, auch neue, hoffnungsvoll überdimensionierte Bauprojekte im Dienste des Tourismus.
An Varna selber imponiert mir vorallem der Hafen mit seinen gigantischen Frachtschiffen, Hafenkränen und Containern. Auch wenn dieser Streckenteil ansonsten wenig gefällt, von der angekündigten Gefahr, in Bulgarien überfallen oder ausgeraubt zu werden, war, seit unserer Ankunft in diesem Land, nie auch nur ein Hauch wahrzunehmen.
Nach Varna scheint es vorerst nicht unverbauter zu werden, obwohl wir uns besagtem Platz “etwas ausserhalb” nähern. Statt mitten in der Natur, landen wir an einem der seltsamsten Orte, die ich je besucht habe, mitten in der Posttouristenerfolgstristesse, in einem Dorf, das wohl nie eins war, bis man beschlossen hat, hier ein Ferienressort zu bauen, dass es unnötig werden lässt, den Ort für irgendwas zu verlassen. Neben Hotels aller Preisklassen, Appartements, Bungalows aller Couleur und einem Campingplatz, sind hier zig Restaurants, Supermärkte, unter anderem ein Golf-, Tennis- und Pferdesportplatz, sowie Vergnügungsparks, und was man im Urlaub sonst noch so zwingend vermissen müsste, zu finden. Das Auffälligste aber, sind auch hier die Spuren der misserfolgsbedingten Vernachlässigung, hier und da scheinen Betreiber verzweifelt ihre Angebote am leben erhalten zu wollen und es sind auch einige Gäste hier, aber insgesamt wähnt man sich in einer Geisterstadt, allerdings ohne den im letzten Bericht beschrieben Naturimrückeroberungsfeldzugcharme.
Wir fahren also doch noch weiter, wir wollen hier raus. Unser nächstes, potentielles Ziel liegt in der Nähe von Kavarna. Wir verlassen die Hauptstrasse, die etwas mehr im Landesinnern verläuft, und befahren die meersnaheste Strasse, unheimlich ausgedehnten Sonnenblumenfeldern und Windmühlenwäldern entlang, während wir immer mehr finden, was wir gesucht haben. Weite, menschen- und gebäudeleere Küstenabschnitte, sandige, steil, aber nicht hoch abfallende Ufer und erstaunlich helltürkises Meer. Etwas weiter gegen Kavarna fallen uns immer wieder grosse, rostige Tanks auf den Wiesen auf und wir rätseln eine ganze Weile, was das sein könnte, bis wir die Bohrtürme und Ölpumpen sehen. Im Dämmerungslicht wohnt dem Ganzen eine ganz eigene Ästhetik inne, die ich leider nicht einfangen kann, weil mein Apparat zwischenzeitlich den Geist aufgibt. Ähnlich wie letzte Nacht, finden wir, wieder auf einem Gelände, das wohl einst einem grösseren Komplex zugehörig war, einen kleinen, familienbetriebenen Platz, den wir kurzerhand für zwei Nächte belegen. Für sieben Euro die Nacht haben wir saubere Toiletten, warme (!!!) Duschen, Schatten, WLAN, Hängemattenbäume, und einen unglaublich bemuschelten, unglaublich langen, so wenig bevölkerten Strand, dass wir selbst den Hund ungehindert laufen lassen können. Reiselebensqualitäten!
Ins Gespräch mit unseren Gastgebern kommen wir leider nicht über die üblichen Floskeln hinaus, dafür beherrschen wir zuwenig gemeinsame Sprache, aber abgesehen davon, dass der Hauspascha ganztags trinkend und stündlich lallender vor dem Haus rumsitzt, ist man um unser Wohl besorgt und serviert uns Melonen vom eigenen Feld. Die Bulgaren und der Alkohol scheinen allerdings ihr ganz eigene Geschichte zu haben. Nach Eindunkeln sind mehr schwankende, denn gerade gehende Gestalten, der Gastgeber unseres letzten Platzes wollte, dass wir das Übernachtungsgeld seiner Mutter geben, weil er es sonst vertrinke, im Gespräch mit den Bulgaren des letzten Platzes fiel, wann immer ein Schwankender vorbei lief, die Redewendung “er hatte wohl heute Zahltag” und in Reiseführern wird aufgrund vermehrt vorkommender Trunkenheit am Steuer vor den bulgarischen Verkehrsteilnehmern gewarnt. Ich vermag nicht zu sagen, ob das alles zusammenhangslose Zufälle sind, oder ob Alkoholismus hier tatsächlich ein vermehrt auftretendes Problem ist. An der nächsten konstanten Internetquelle möchte ich mich über die Thematik informieren.
Die Nacht wird, trotz ab und zu rumlallendem Hauspascha ruhig und den nächsten Tag verbringen wir zwischen kleiner Gartenoase und Strand, ganz im Erholmodus.
Ähnlich schöne Strände suchend, fahren wir am nächsten Tag einige Kilometer weiter in den Norden, bis nach Darankulak, und werden zwar strandbezogen fündig, dafür hat unser Übernachtungsplatz nicht ansatzweise das oasenhafte Ambiente, das unser letzter Platz geboten hat.

Bemerknisse
Hier scheint jeder sein eigenes Melonenfeld zu haben. Ein Traum.

Mit den Wörtern Merci und Schinken käme man hier als Schweizer freundlich, etwas fleischlastig, aber satt durch den Tag, ohne einer Fremdsprache mächtig zu sein.

Egal wie viel Fläche zur Verfügung steht, der Hund schüttelt sich neben mir aus.

Am anderen Ende anderer Leinen sind ausnahmslos Touristen und Städter zu finden.

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Sozopol (Bulgarien) – Ahtopol (Bulgarien) – Aheloi (Bulgarien) (Tage 16-17)


Nach gründlicher Verabschiedung von allen Platznachbarn und den Besitzern, machen wir uns auf, den Küstenort Bulgariens aufzusuchen, der am nahesten zur türkischen Grenze liegt. Auf demWeg dahin finden wir, nach dem wir die Touristenkäffer hinter uns gelassen haben, endlich ein wenig davon, was wir uns von der Schwarzmeerküste erhofften: Natur, einsame Kleinklippen und Strände, die nicht unter einem Meer akribisch geordneter Sonnenschirme und Liegestühle verschwinden. Trotz grosser Verlockung wagen wir es nicht, einer der unzähligen Strassen, die hinunter zu versteckteren Buchten führen, tatsächlich zu befahren, dafür schien der Gefährte ungeeignet. Eingeschüchtert, ob den Hinweisen aus Reiseführern und offiziellen Quellen, die davor warnen, Autos mit ausländischen Kennzeichen unbeaufsichtigt an der Strasse stehen zu lassen, wagen wir uns nicht, den Gefährten abzustellen und einen der Strände zu erwandern, finden aber unterwegs, durch kleine, verschlafene Dörfer, die zwar wohl noch einige Touristen für sich abzweigen, aber, sehr zu ihrem ästhetischen Vorteil, mehr auf Ursprünglichkeit und private Zimmervermietung setzten und auf die grossen Urlaubsressorts der Städte rund um Burgas verzichten. Als wir so unsers Weges fahren, finden wir schlussendlich einen semioffiziellen Campingplatz, der Wald und Wiese auf einer Anhöhe, direkt am Meer bietet. Wir fahren hinein, werden vom Besitzer freundlich begrüsst und während er konsequent Bulgarisch spricht, versuche ich mich durch Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch und Deutsch, rede schliesslich der einfachheithalber Berndeutsch, finde irgendeinen Konsens mit ihm und winke Gefährten samt Inhalt zwischen die Bäume. Wir sind durchaus nicht die einzigen hier, die Stimmung ist aber wahnsinnig entspannt, freundlich und ruhig. Hier trifft sich die alternative Szene Sofias, wie wir später erfahren. Neben Sofiern treffen wir auch ein deutsches Paar, dass uns von wunderbaren Stränden in Rumäniennähe erzählt, wir ändern mal wieder unsere Pläne und beschliessen Bulgarien doch noch nicht am nächsten Tag zu verlassen, sondern noch etwas Richtung Norden zu fahren.

Nach einer ruhigen Nacht brechen wir auf und fahren das wunderbare Teilstück der Bulgarischen Küste, vorbei an kleinen Buchten, in denen sich Zerzauste Störche sonnen, durch grüne Wälder, an kleinen Verkaufsständen, die frischen Fisch aus den Flüssen des Waldes versprechen, zurück nach Burgas. Bereits kurz nach Burgas sind wir schon wieder fahrmüde und als wir nach einer fischzucht- und sumpfdurchzogenen Gegend einen kleinen, privaten Stellplatz, auf dem Gelände eines ehemalig grösseren Platzes sehen, halten wir an. Ich mag Gebäude und Plätze, die von erfolgreicheren Zeiten erzählen, während die Natur sie langsam zurückerobert. Ich mag, wie sie sich aus jeder Fuge hervorkämpft, Türen zuwächst und Wände spaltet. Und die Kinder nutzten den Platz zum gefahrlosen Fahrradfahren.

Bemerknisse
Das Kinderzubettbringsytsem auf bulgarischen Campingplätzen funktioniert nach dem Prinzip “10 kleine Bulgaren”: Nach und nach fallen die Kleinen irgendwo um und schlafen ein, die wachgebliebene Restmeute erzählt den betroffenen Eltern, wo das gefallene Kind zu finden ist, es wird aufgepflückt und ins Bett verfrachtet. Pech haben nur, die Eltern der Durchhaltewilligsten, die müssen ihr Kind mangels Ortungsboten suchen.

Auf engen Strassen gilt: Augen zu und durch, wer nachgibt verliert, die andern werden ihr Auto bestimmt unsanft von der Strasse, in den Schotter lenken, um Platz zu machen. (Wir sind die andern. Immer.)

Früchte sind hier überall zu bekommen, alle paar Meter steht ein Lastwagen voller Melonen am Strassenrand und man zahlt sehr wenig für gutes Obst. Man kann sich aber auch einfach auf einem besonders gut gelegenen Stellplatz einrichten und die Früchte einfach von den bäumen pflücken, unter denen man gerade hängt.

Es haben sehr viele Tschechen in sehr kleinen Zelten Platz.

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Sapareva Banya (Bulgarien) – Sozopol, nähe Burgas (Bulgarien) (Tage 14-15)


Das Meer ruft. Heute machen wir uns auf, die Bulgarische Schwarzmeerküste aufzusuchen. Das ist zwar ein ordentliches Stück Weg, aber, da grösstenteils über Autobahnen, gut zu bewältigen. Der Nachteil vom Autobahnfahren ist allerdings, dass wir dabei nicht wirklich viel vom Land sehen. Das erste Wegstück führt uns aus der bulgarischen Pampa Richtung Sofia, über Strassen in ziemlich grenzwertigem Zustand, durch etwas grau und trostlos anmutende Kleindörfer. Niedrige einstöckige und vor allem renovierungsbedürftige Bauten, Schotterpisten jenseits der schlaglöcherdurchzogenen Hauptstrassen, Strassenhunde, aber auch offensichtlich gut gehegte Gärten mit grosszügigem Gemüseanbau prägt hier das Dorfbild. Die Pflege der Gärten scheint ausschliesslich buckligen Greisinen mit Kopftuch und knorrigem Stock zu unterliegen. Schulferienbedingt unterbeschäftigte Kinder ziehen in Gruppen um die Häuser und die Männer sitzen palavernd auf Mauern und Bänken. Insgesamt scheint dies hier eine der ärmeren Gegenden Bulgariens zu sein, vielleicht mit hoher Arbeitslosenquote, wobei ich nicht beurteilen kann, ob die Menschen hier deswegen, oder im Zusammenhang mit den Schulferien fast alle im Dorf zu sein scheinen. Vielleicht ist es auch das graue Wetter, das der ganzen Szene heute einen tristen Abstrich gibt und bei freundlicherem Wetter würde ich hier von buntem Dorfleben schreiben. Ich weiss es nicht. Ausserhalb der Dörfer sind immer wieder ärmliche Siedlungen aus Wohnwagen und wellblechbedeckten Baracken zu entdecken, deren Bewohner ich Angehörigen der Roma zuordnen würde. Wie eigentlich überall, scheinen sie auch hier zu denen zu gehören, die am häufigsten von Armut betroffen sind. Je weiter wir gen Sofia gelangen, desto grösser werden die Häuser, Autos und desto besser werden die Strassen. Sofia selber umfahren wir und folgen von da an der Autobahn, an unheimlich weiten, gelben Sonnenblumenfeldern und Wiesen vorbei bis nach Burgas. Immer wieder treffen wir auf riesige Storchschwärme und einmal fahren wir derart nah unter einem der imposanten Vögel vorbei, dass man die Flügel schlagen hört und man beinah meinen könnte, dass ein ausgestreckter Arm reichen würde, um ihm den Bauch zu kraulen. Bei Burgas sehen wir endlich wieder das Meer, die Schwarzmeerküste, die Kinder jubeln und würden sich am liebsten bereits in der Industriezone durch die Abwasser plantschen. Dank Kindersicherung und etwas Überzeugungsarbeit halten wir alle im Gefährten bis wir nach Sozopol gelangen. Sozopol wird in einschlägigen Reiseführern als Highlight angepriesen, ist aber einfach ein ziemlich überfülltes Touristenkaff. Auf einem Campingplatz etwas ausserhalb suchen wir uns trotzdem einen Platz, die Kinder sind fahrmüde und es ist bereits später Nachmittag. Auf einem kleinen, familienbetriebenen Platz weist man uns schliesslich ein Plätzchen, umgeben von einer bulgarischen Grossfamilie zu, die uns sofort mit offenen Armen empfängt. Acht Euro kostet uns hier die Übernachtung alles in allem und wir beschliessen hier einen Ruhetag einzulegen. Wir schaffen es erst nach Eindunkeln zum Strand, was nichts an der kindlichen Freude am Meerwiedersehen ändert. Um uns herum ist man bis spät in die Nacht in Gespräche vertieft, unsere Kinder flanieren durch das bulgarische Kleinstdorf auf rädern, werden hier bewunken, da mit Handküsschen beworfen und fallen hernach in tiefen Schlaf.
Geweckt werden wir von himmlisch süssem Duft nach Ausgebackenem, denn unsere Nachbarin frittiert gerade kleine Küchlein über einer Gasflasche. Verschlafen setzen wir uns an unseren Tisch und betrachten etwas unmotiviert unser Müsli, als die personifizierte Bulgarische Mutter und eine Teller mit den mittlerweile schokoladenbestrichenen Köstlichkeiten hinstellt und uns gestisch zum Essen auffordert. Leider habe ich nicht herausgefunden, wie die Küchlein heissen, aber sie schmecken erheblich nach Perfektion. Wir verbringen einen wunderbaren, bulgarischen Tag, zu Mittag wird uns Suppe gerreicht und auch unser Einkauf wird geführt und begleitet. Hier wird nicht ein schnöder Supermarkt besucht, man führt uns von bunkerähnlichem Gebäude zu Lagerhallen, jeder Ort führt seine spezifischen Angebote. Unser Führer, normalerweise Patrouillen-Polizist, will dabei sein und erklär uns den Unterschied zwischen seiner Arbeit und der der Verkehrspolizisten. “Korruption”, meint er, “ist ein Thema, das vorallem von Verkehrspolizisten ausgeht, aber das weiss hier jeder, man ist hier entsprechend vorsichtig.” Von Sozpol, dem Touristenort, hält er nicht viel, viel mehr ist ihm nicht über das Leben in Bulgarien zu entlocken.
Nachtrag: Kurz nach einem reichhaltigen Mahl in der nahegelegenen Gaststätte und nach dem sich die Kinder zu Bett verabschiedet haben, werden wir zum Nachbarsplatz gewunken. Man schiebt uns auf einen Stuhl, vor leere Teller und beginnt damit, diese zu füllen. Wir unterhalten uns in einer Mischung aus Gebärden und Englisch, über kulturelle Unterschiede, über die EU, über die Rolle der Frau und über nationale Essgewohnheiten, während die Damen des Tisches meine Essensverneinung in einen spezifischen Essenswunsch umzudeuten versuchen. Wir sprechen hier nicht von harmlosem Nachfragen, wir reden hier von beispielloser Hartnäckigkeit, der selbst intensive Gespräche keinen Abbruch tun. Zwischen dem Bild von Bulgarien im Ausland und ihren Schilderungen der Massnahmen, die sie brauchen, um sich daheim sicher zu fühlen (scharfe Hunde, Waffen) wird mir Wurst angeboten. Nach ihren kritischen Worten zur EU und der Ausformulierten Missbilligung der zu zukunftsgerichteten Politik, bei der das Volk von heute vergessen werde, wird mir Kartoffelsalat gereicht. Meine Frage, wie viele bulgarische Frauen außerhalb des Haushaltes arbeiten, wird lachend mit “Die, deren Männer nicht genug verdienen, also viele und lieber ein, als zwei Jobs.” beantwortet, während man mir Kabissalat schmackhaft zu machen versucht. Beim Thema Behinderung und Sonderbeschulung werden mir Früchte aufgetischt. Und als wir zum Ende des Abends hin über die Frage des Glücklichseins und dessen Voraussetzungen kommen, werde ich gar nicht mehr gefragt, ein gigantisches Stück Süssggebäck undefinierbarer Konsistenz und Inhalte wird mir mit eindeutig mimisch-gestischer Aufforderung auf den Teller gelegt. Ich kapituliere.

Bemerknisse

Man mag hier in Dörfern gerne verkehrsgeschwindigkeitsreduzierende Hinternisse, wie diese künstlichen, geteerten oder gummierten Bodenwellen, auch wenn bei all den Schlaglöchern nicht entfernt an eine Geschwindigkeit über 25 zu denken ist.

Frittieren kann man alles und überall, auch auf dem Campingplatz.

Bulgarische Kinder scheinen erheblich gefährdet zu sein, spontan zu unterzuckern oder zu verhungern, Ablehnung von Essen kann auf Hungerstreiks mit suizidalen Absichten gedeutet und muss unter Einsatz aller Überzeugungs- und Bezirzungskraft verhindert werden.

Falls Sie dereinst direkt nach dem Essen, bereits völlig übersättigt, zu einem bulgarischen Tisch geladen werden und aus Interesse an der Gesellschaft zusagen, dann nehmen Sie sich um Himmelswillen folgenden Rat zu Herzen: Essen Sie das Erstbeste, was Sie gerade noch so einverleibt kriegen, denn sonst, ich zitiere, “machen die Essverantwortlichen sich den ganzen Abend über Gedanken, was Sie gerne essen wollen”, bringen immer neue Speisen, bis Sie am Ende, der Gesundheit der kurz vor Nervenzusammenbruch stehenden bulgarischen Gastgeberin zuliebe, Dinge essen, die Sie selbst mit Hunger lieber verschmäht hätten.

Wer schon länger mitliest und über ein gutes Zweijahrelangzweitgedächtnis verfügt: Erinnern sie sich an Alexandropuli und daran, dass Herr G. mich nötigte unter den Bemerknissen festzuhalten, dass er Wodka-Zitrone trinke wie ein Grieche? Ich soll Ihnen auch sagen, er trinke Raki wie ein Bulgare.

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Irgendwo bei Malisevo, irgendwo bei Pec (Kosovo) – Skopje (Mazedonien) – Sapareva Banya (Bulgarien) (Tage 12-13)


Wir reisen sehr viel schneller als eigentlich angedacht, es zieht uns, wie schon mal erwähnt, ans Meer und einer der bedeutsamsten Vorteile von viel verfügbarer (Reise-)Zeit, ist die Möglichkeit, nach dem Lustprinzip in den Tag (fahren) leben zu können. Wir tuckern also unserer Wege, unabhängig davon, was man hier und dort noch unbedingt gesehen haben müsste, in vollen Zügen geniessend, was uns zufällig begegnet, einfach weil wir es können.
Ich muss die letzten beiden Tage etwas zusammenfassen, einfach um die Berichterei wieder auf den aktuellsten Stand zu bringen, das Hinterhergehinke lässt vergessen.
Nach der Verabschiedung von Behar, der, wie ich heute herausfand, eigentlich Bleonard heisst, soviel zu meinem Gefühl für die albanische Sprache, fuhren wir Richtung Skopje. Ja, Skopje, ja, Mazedonien, Pristina liessen wir kurzerhand aus, aus obengenannten Gründen. Ich bin sicher, dass es uns wieder in den Kosovo verschlagen wird, wenn nicht auf dieser Reise, dann bei anderer Gelegenheit. Mazedonien kannte ich bisher nur rund um Ohrid und Richtung Thessaloniki, Griechenland, was ich damals aber gehen hatte, hat einen positiven Eindruck hinterlassen. Skopje liegt nahe an der kosovarischen Grenze und so bekamen wir nicht all zu viel von der Landschaft zu sehen. In Skopje stellten wir uns bereits kurz nach Mittag auf einen schmucklosen Platz, machten mal wieder ausgiebig den Haushalt, liessen die Kinder und Hund Fahrradrunden drehen und kochten Schonkost. So Reisen ist manchmal kein Urlaub, nicht für mich jedenfalls, Reisen ist wunderbar, spannend und öffnet Augen und Herz, aber Reisen, ohne zu wissen, wo die nächste Nacht verbracht wird, kann nicht als Entspannung bezeichnet werden, erst recht nicht mit zwei Kindern und Junghund. Dafür lassen sich aber immer wieder kleine Oasen finden und schlussendlich ist gerade der ungeplante, spontane Aspekt das, was ich an dieser Reiseform schätze. Was ich damit sagen wollte? Wir suchen uns gerade ein Plätzchen, an dem wir gerne einige Nächte verbringen würden. Skopje war es nicht. Der Platz hier, in der bulgarischen Pampa, in der wir uns mittlerweile befinden, ist es, wenn auch schön gelegen und mit netten Leuten bestückt. ebenfalls nicht, denn es fehlt an Schatten für Brut und Vieh, die ich bei über 33*C und wolkenlosem Himmel (Pardon, werte Schweizer), eher ungern unbeschattet raus lasse.
Die Bulgaren sind übrigens ebenso freundlich, wie die meisten Menschen, die wir bisher angetroffen haben und ich freue mich, nach etwas mehr Zeit hier, mehr über Land und Leute zu erfahren und zu schreiben. Nehmen Sie für einmal vorerst nur mit Bildmaterial Vorlieb, Bemerknisse folgen auch erst im nächsten Bericht.

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Plav (Montenegro) – Irgendwo bei Malisevo, irgendwo bei Pec (Kosovo) (Tag 11)


Nach einer verregneten Nacht und einem ebensolchen Morgen, beschlossen wir, andres als geplant, doch schon heute Richtung Kosovo zu fahren, Richtung Wärme, wie wir hofften. Von den Campbesitzern erfuhren wir, dass der Grenzübergang, den wir gerne befahren hätten, noch immer geschlossen ist, unserer zweite, geplante Option, bei Novi Pazar, das ich auch gerne besucht hätte, sei wenn möglich auch zu vermeiden uns so blieb uns der Mittelweg über Kulla und Rozaje. Um diesen Grenzübergang zu erreichen, galt es wieder viele Höhenmeter durch dichte Nadelwälder zurückzulegen, während die Dichte an Schweizer Kennzeichen stetig zunahm. Kein Wunder, der Grenzübergang bei Rosaje scheint der nördlichst passierbare Punkt zu sein, über den man den Kosovo bereisen kann, ohne von Serbien her zu kommen. Praktisch alle Kosovaren, denen wir unterwegs begegneten, betonten, dass sie Serbien wenn möglich meiden. Hinter einer dieser haarnadelenden Kurven standen wir urplötzlich vor der Grenze, ziemlich weit bevor Frau Fankhauser (GPS) uns die Grenze angezeigt hätte. Trotz einiger Heimatbesucher passierten wir den montenegrischen Grenzposten zügig und auf unsere Anfrage bezüglich der im Kosovo erforderlichen Versicherung fürs Auto (das gründe Ding gilt hier nicht), verwies man uns an den kosovarischen Grenzposten. Ich habe noch nie weiter auseinanderliegende Grenzposten befahren, erst 11 Kilometer später erreichten wir den offiziellen Eingang zum Kosovo. Allerdings konnten wir schon einige Kilometer früher einen Augenschein nehmen, als sich hinter einer Wegbiegung unerwartet ein atemberaubender Ausblick über den jüngsten Staat Europas bot. Von hier sieht der Kosovo aus, wie ein weites flaches Plateau, schützend umgeben von zwar nicht all zu hohen, aber beeindruckenden Bergen. Am Grenzposten angekommen, waren die Formalitäten, bis auf die teure Autoversicherung (77 Euro, weil der Gefährte als Lieferwagen gilt) schnell erledigt und wir fuhren gen Pec, der drittgrössten Stadt Kosovos. Der erste Eindruck vom Kosovo war durchaus positiv. Noch in den Bergen gibt es viele kleine Steinbrüche, weiter unten Landwirtschaft und allenthalben die unübersehbare Vorliebe für pompöses bauen mit einfachen Mitteln. Man liebt hier Häuser mit runden Balkonen, spiegelgläserne Fenstern und Säulen, die meisten Bauten bestehen aus rohen Backsteinen, weil das Geld, so nehme ich an, nicht für die Fassade reichte. Das (unfertige Häuser) ist so ähnlich in sämtlichen Ländern des Balkans anzutreffen, Albanien mit seinen vielen Zweitstockbauten, bei denen nur die eine Etage ausgebaut ist, ist hierfür wohl das extremste Beispiel. Bei unserer Einfahrt in Pec fühlte ich mich stark an Albanien erinnert, es ist viel los auf den Strassen, ein Feiertag, Bairam, das Ende des Ramadan. Laut unserer veralteten Strassenkarte sollte es hier einen Campingplatz geben, aber wir wurden nicht fündig. So beschlossen wir etwas nach ausserhalb zu fahren und in einer der unzähligen Imbissbuden am Strassenrand etwas zu essen. Aufgrund unserer üblichen Entscheidungsschwierigkeiten fuhren wir weit und weiter, bis wir die nächstbeste Bude ansteuerten, weil die Kinder erheblich nach Essen meckerten. Kaum aus dem Auto, wurden wir von den neben uns parkenden jungen Männern auf Deutsch begrüsst. Wir lobten Land und Landschaft und begaben uns an einen freien Tisch. Behar, so der Name des jungen Mannes, übernahm gleich die Dolmetscherrolle. Er ist seit 14 Jahren wieder im Kosovo, davor sieben Jahre in Deutschland, wo er offensichtlich perfekt Deutsch gelernt hat. Auf unsere Frage nach den Orten, die wir gesehen haben sollten, wandte sich Behar kurzerhand auf Albanisch an seinen Cousin, telefonierte und forderte uns auf, rasch zu warten, weil sie uns gerne hiesige Wasserfälle zeigen wollten, dafür aber das Auto eines Freundes benötigten. Wir warteten, assen die Gigantoportionen zur Hälfte auf und fragten uns auf Englisch, um die Kinder nicht zu beunruhigen, ob dass denn nun genau die Sache sei, die man nicht tun sollte: Fremden in die Pampa folgen. Wir wischten sie Zweifel mit dem Gedanken, dass dies eine der einzigartigen Gelegenheiten sei, Land und Leute wirklich kennen zu lernen, bei Seite und folgten Behar und seinen Freunden, quer durch Dörfer, Schotterpiste und am zum Schluss einem Pfad, der nur noch entfernt etwas mit einer Strasse zu tun hatte. “Das ist für dein Auto gar kein Problem.” Sagte Behar im Vorfeld. Tatsächlich bewältigte der Gefährte die Sache ganz gut, ich litt derweil unter anspannungsbedingten Muskelkrämpfen, Alpträumen von Deichselbrüchen, platten Reifen im Viererpack und kosvarischen Abschlepptraktoren. Am fünffachen Wasserfall versuchte ich dann die schnappeingeatmete Luft in humanen Dosen wieder auszuatmen, während die leicht irritierten Kinder liebevoll besorgt über Kieselsteine und Stöckchen geleitet wurden. Wir befanden uns an einer wunderbaren kleinen Oase mit abertausenden blau schillernden Libellen, verwarfen aber kurzfristig den Plan, gleich hier zu schlafen und nahmen Behars Angebot, uns bei ihm vor die Werkstatt zu stellen, dankend an. Nach einer Schotterpistenrückfahrt, die der Hinfahrt in Sachen Pulserhöhung um nichts nachstand, trafen wir uns zum Café mitten im Dorf in Bairamfeierlaune. Mit nur noch ungefähr 10 Euro in der Tasche wagten wir die scheue Frage, wie viel denn so eine Nacht, samt Führung bei ihm koste, worauf wir erstaunte Blicke ernteten. “Ihr seid euch gewöhnt, für alles zu bezahlen, hm?” meinte Behar lachend und hat recht. Über die neue “Autobahn ohne Löcher!” gelangten wir in das Dorf unserer Privatführer und verloren dabei den Rest an Orientierung, den wir noch übrig hatten. Unsere Ankunft hatte eine kleinere Menschenansammlung zur Folge, im Zuge derer wir mehrere verwandte Behars kennen lernten. “Hier sind wir alle irgendwie verwandt!”e, meinte er lachend, während er in die Runde zeigte. Den Rest des Abends verbrachten wir auf dem Schulhof, der ferienhalber geschlossenen Schule, während die Kinder Fussball spielten. Auch einige jüngere Männer spielten und eine junge Frau ebenfalls. Was in der Schweiz schon nicht ganz alltäglich, stach hier, im Dorf, in dem ich bisher noch keine Frau entdeckt hatte, sofort ins Auge. Die junge Frau, die hier mit Leichtigkeit jeden der jungen Männer fussballerisch alt aussehen liess, war Behars Schwester, wie er mit einer Mischung aus Stolz und Verlegenheit erzählte. “Die anderen Frauen sind immer drin, also daheim, im Haus.” Antwortete er, auf meine Frage nach dem Verbleib der anderen weiblichen Dorfbewohnerinnen. Nicht ermessen, welche Kraft und Stärke ein Frau hier braucht, um zu tun, was Behars Schwester tut. Sportwissenschaft studieren, Fussballspielen auf dem Dorfplatz, als einzige Frau. Mich hat das ungemein berührt und ich hoffe sehr, dass diese starke Frau ein Vorbild bleiben kann, für viele kosovarische Mädchen. Meine Bewunderung hat sie in Gänze. Während ich, zusammen mit Freund WLAN schon schreibend im Bett lag, die Kinder neben mir schlummerten, übte sich Herr G. noch lange in Völkerverständigung, tauschte hauseigene Mundartmusik gegen Behars Lieblingsmusik und Facebookadressen aus.

Bemerknisse
Dem Einfluss von Begegnungen kann gar nicht genug Bedeutung beigemessen werden, wenn es darum geht den/unseren Eindruck von Land und Kultur in der Fremde zu erfassen.

Wenn Sie Kosovaren mal so richtig zum lachen bringen wollen, dann heben sie die Hinterlassenschaften ihres Hundes mit mitgebrachten Kotbeuteln aus der Schweiz auf und bringen Sie sie zur Abfalltonne.

Sollten Sie mal bei Kosovaren zu Gast sein und möchten gerne etwas kaufen, zum Beispiel Milch für die Kinder, dann müssen Sie das heimlich tun, zumindest wenn Sie gerne selber bezahlen möchten.

Wer Gastfreundschaft erleben möchte, reise in den Kosovo, nette Landschaft gibts gratis dazu.

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Kolašin (Montenegro) – Plav (Montenegro) (Tag 10)


Wir lernen ja nun jeweils, für mindestens einige Stunden, recht gut aus unseren Fehlern. Für heute nahmen wir uns ungefähr 40 Kilometer vor, mit dem Ziel, hier einen der wenigen offiziellen Campingplätze, direkt am See bei Plav anzufahren und uns dort über die Grenzsituation zum und den Kosovo zu informieren. Was wir nicht wussten ist, dass die 40 Kilometer raus ins Niemandsland, über einen Pass führen, aber frisch betankt, gut essbestückt und ausgeruht fuhr sich die Strecke im Nu. Auf engen, durchlöcherten Strassen, auf denen ich mir keine Kreuzung mit einem grösseren Fahrzeug hätte vorstellen mögen, serpentinten wir uns gen Pass, wurden allenthalben bestaunt und freundlich gegrüsst und oben angekommen zum Schnaps eingeladen, den wir zum Wohle aller dankend ablehnten. Nach wie vor mutet die Landschaft in den Bergen Montenegros so Schweizerisch an, dass selbst Heidi, gekidnappt und hier ausgesetzt, sich sofort heimisch gefühlt hätte. Die Häuser sind meist hübsche quadratische Bauten mit pyramidenförmigem Ziegeldach, haben grosszügigen Umschwung und wirken so warm und einladend, wie die Menschen, die wir hier antreffen. Im Talboden, umgeben von Bergen, finden wir problemlos zum See und dem Platz, der seinem Namen, Lakeview, alle Ehre macht. Zusammen mit zwei 70 jährigen Italienern und deutschen Motorradfahrern, teilen wir uns die grosszügige Wiese, haben die Gelegenheit Hund und Kinder eine Runde toben zu lassen und recherchieren unsere morgige Route.

Bemerknisse
Keine montenegrische oder bosnische Hochzeit ohne Hupkonvois und Flaggenschwung.

Trotz in Reiseführern allenthalben betonter Kriminalitätsstatistik, ist von Misstrauen im Hinterland des Balkans wenig zu merken. Wo an der Küste gleich bei Platzankunft alle Papiere eingesammelt und bis zur Abreise behalten werden, kümmert sich hier niemand um Vorzahlung oder Registrierung, ehe nicht abgereist wird.

Wenn jemand die Kunst des Highheelstragens beherrscht, dann wohl die Bewohnerinnen des Balkans, die scheinbar mühelos perfekt gestylt über die Felder zur Bushaltestelle rennen.

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