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Irgendwo bei Malisevo, irgendwo bei Pec (Kosovo) – Skopje (Mazedonien) – Sapareva Banya (Bulgarien) (Tage 12-13)


Wir reisen sehr viel schneller als eigentlich angedacht, es zieht uns, wie schon mal erwähnt, ans Meer und einer der bedeutsamsten Vorteile von viel verfügbarer (Reise-)Zeit, ist die Möglichkeit, nach dem Lustprinzip in den Tag (fahren) leben zu können. Wir tuckern also unserer Wege, unabhängig davon, was man hier und dort noch unbedingt gesehen haben müsste, in vollen Zügen geniessend, was uns zufällig begegnet, einfach weil wir es können.
Ich muss die letzten beiden Tage etwas zusammenfassen, einfach um die Berichterei wieder auf den aktuellsten Stand zu bringen, das Hinterhergehinke lässt vergessen.
Nach der Verabschiedung von Behar, der, wie ich heute herausfand, eigentlich Bleonard heisst, soviel zu meinem Gefühl für die albanische Sprache, fuhren wir Richtung Skopje. Ja, Skopje, ja, Mazedonien, Pristina liessen wir kurzerhand aus, aus obengenannten Gründen. Ich bin sicher, dass es uns wieder in den Kosovo verschlagen wird, wenn nicht auf dieser Reise, dann bei anderer Gelegenheit. Mazedonien kannte ich bisher nur rund um Ohrid und Richtung Thessaloniki, Griechenland, was ich damals aber gehen hatte, hat einen positiven Eindruck hinterlassen. Skopje liegt nahe an der kosovarischen Grenze und so bekamen wir nicht all zu viel von der Landschaft zu sehen. In Skopje stellten wir uns bereits kurz nach Mittag auf einen schmucklosen Platz, machten mal wieder ausgiebig den Haushalt, liessen die Kinder und Hund Fahrradrunden drehen und kochten Schonkost. So Reisen ist manchmal kein Urlaub, nicht für mich jedenfalls, Reisen ist wunderbar, spannend und öffnet Augen und Herz, aber Reisen, ohne zu wissen, wo die nächste Nacht verbracht wird, kann nicht als Entspannung bezeichnet werden, erst recht nicht mit zwei Kindern und Junghund. Dafür lassen sich aber immer wieder kleine Oasen finden und schlussendlich ist gerade der ungeplante, spontane Aspekt das, was ich an dieser Reiseform schätze. Was ich damit sagen wollte? Wir suchen uns gerade ein Plätzchen, an dem wir gerne einige Nächte verbringen würden. Skopje war es nicht. Der Platz hier, in der bulgarischen Pampa, in der wir uns mittlerweile befinden, ist es, wenn auch schön gelegen und mit netten Leuten bestückt. ebenfalls nicht, denn es fehlt an Schatten für Brut und Vieh, die ich bei über 33*C und wolkenlosem Himmel (Pardon, werte Schweizer), eher ungern unbeschattet raus lasse.
Die Bulgaren sind übrigens ebenso freundlich, wie die meisten Menschen, die wir bisher angetroffen haben und ich freue mich, nach etwas mehr Zeit hier, mehr über Land und Leute zu erfahren und zu schreiben. Nehmen Sie für einmal vorerst nur mit Bildmaterial Vorlieb, Bemerknisse folgen auch erst im nächsten Bericht.

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Gefährten, Gripen und Greise


Ich hätte gern ein grosses, teures, modernes Gefährt mit schicker Optik. Eins mit dem wir in bis in die Mongolei fahren könnten, dem der Strassenzustand nichts ausmacht, weil es auch auf unbefestigter Strasse problemlos zurecht kommt. Ich hätte gerne ein Gefährt mit Solaranlage, integriertem Wassertank, grosszügigen Betten und einem netten Plätzchen für das Hundevieh. Nun ist es aber leider so, dass wir uns das nicht leisten wollen. Wir wollen uns kein Supergefährt leisten, weil das Geld anderswo besser aufgehoben ist. Beispielsweise in der Miete, für diesen Traum von Wohnung, oder in der geplanten Privatbeschulung unserer Kinder. Der Gefährte hat Mängel, Baustellen und Suboptimalitäten, aber er wird uns mit grosser Wahrscheinlichkeit auch auf nahender Reise wieder an Orte bringen, deren Schönheit wir auch in Komfortgefährt nicht schöner empfinden würden. Ja, eigentlich wollte ich mich hier grad über die Tatsache beklagen, dass ich, vom Leben verwöhnt, wie ich bin, etwas nicht haben kann, was ich gar nicht brauche. Und gleich danach fällt mir ein, dass ich mich, wenn es um dieselbe Entscheidung auf nationaler Ebene geht, problem- und vorbehaltlos dagegen entscheiden kann. Ich will keine Gripen. Und ich danke Herrn Maurer der DAS Argument, das der Bedrohung von Aussen, durch dümmlich-chauvinistische Sprüche, gleich selber so massgeblich entkräftete, dass dem Volk der Gedanke bedroht und von derartigen Regierungsmitgliedern befreit zu werden, gar nicht mehr so schlimm erscheint. Aber ich schreibe mich hier in Rage, wo ich doch eigentlich erstens jammern und zweitens von unseren geänderten Reiseplänen* schreiben wollte. Letztere führen uns, aus naheliegenden Gründen, nicht in die Ukraine, dafür haben andere irre Politiker gesorgt, aber das ist ein anderes Thema. An dieser Stelle möchte ich den Rentnern, die mich gestern aus dem gegenüberliegenden Abteil mit ihrer Diskussion über die Gripen-Abstimmung herrlichst unterhalten haben, herzlich danken und den unzusammenhängenden, entgleisten Artikel mit ihren Worten schliessen:

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*Mehr dazu heute später, morgen oder sonstwann.

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Reise 2014 – Die Baustellen


Noch 157 Tage bis zur Abreise. Das ist ja noch massig Zeit, könnte man denken, aber tatsächlich haben wir noch einige Baustellen zu schliessen, bevor wir uns erneut auf (fast) Vierteljahresreise machen können.

Baustelle 1: Der Gefährt(e)

Wir arbeiten an einem partiell neuen, optimierten Ausbau, beziehungsweise, eigentlich ist der schon angefertigt, leider mussten wir nach einer Testsitzung im Gefährteninnern feststellen, dass wir vergessen haben mit einzubeziehen, dass es von Vorteil wäre, wenn sich die Türe trotz Ausbau weiterhin von innen öffnen liesse, gegen das Fallengefühl und so, Sie verstehen.

Berat, AlbanienGefährte neu

Ausserdem haben wir an der Dachverkleidung einige Schimmelstellen gefunden und müssen also das Dach innerlich gänzlich neu auskleiden. Weiter fehlt dem Gefährten hier und da etwas Gemütsschnickschnack und Wohlfühlschischi. Von äusserlichen Veränderung sehen wir, trotz kurzer entsprechender Gedankenstreifung, ab, gerade das unauffällige, weisse Antlitz eines Lieferwagens hat und auf der letzten Reise einige ausserordentliche Übernachtungsmöglichkeiten eröffnet.

Baustelle 2: Die Wohnung

Um unsere Reisekasse zu füttern würden wir gerne unsere Wohnung untervermieten. Wer also gerne einen Sommer in Bern verbringen möchte, melde sich! Wir bieten 3,5 von 4,5 Zimmern, einen riesigen Garten, direkt am Waldrand (Mit etwas Glück sieht man morgens Rehe im Garten äsen. Ehrenwort!), mit zwei Balkonen und einer Terrasse, 10 Busminuten vom Hauptbahnhof entfernt (in Stosszeiten fährt er alle 6 Minuten), eine Fussminute von der Aaare (Fluss) entfernt, die hier zahlreiche Bademöglichkeiten bietet und über einen Tunnel verfügt, der fünf Minuten Marschzeit mit 15 Minuten Schwimmzeit belohnt und für den Viele sogar längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Bei Interesse und ausgiebigerem Informationsbedürfnis schrieben Sie an: gminggmangg@gmail.com

Baustelle 3: Die Arbeit

Uns wurde zwar unbezahlter Urlaub zugesprochen, aber als Lehrer und Klassenverantwortliche tut man sich keinen Gefallen, wenn man der Vertretung gänzlich freie Hand und unter Umständen Themen bearbeiten lässt, die für später vorgesehen sind. Deswegen bereite ich den Unterricht für die 7 Wochen meiner Abwesenheit so gut als möglich vor. Ausserdem fallen auf Ende Schuljahr Gespräche, Zeugnisse und diverse Berichte an, die alle relativ viel Zeit beanspruchen.

Baustelle 4: Äm-Gesundheit

Äm war immer schon relativ oft und oftmals unter seltsamen Umständen und mir untypischen Symptomen kranke, aber seit Jahresbeginn hat diese Neigung zu schier unerträglicher Intensität zugenommen, ihr Immunsystem scheint derart geschwächt, dass sie jeden Infekt nimmt, der ihr so begegnet. Wir verzeichnen 1x unerklärlich hohe Entzündungswerte mit Fieber, 1x Mittelohrenentzündung, 1x Ringelröteln und 1x fiebriges Grippen in den letzten 5 (fünf!) Wochen. Wenn sie bis im Juli nicht nachhaltig gesünder wird, werden wir die Reise um mindestens zwei Jahre verschieben müssen.

Baustelle 5: Der Welpe

Bis in 157 Tagen möchten wir einen einigermassen erzogenen Hund herantrainiert haben. Ich denke, dass wir uns da auf bestem Wege befinden, die wichtigsten Kommandos kennt sie, die Charlotte, jetzt arbeiten wir noch an der unbändigen, überschwänglichen Freude, beziehungsweise den zahnlastigen Freudebekundungen, wenn Menschen (es spielt keine  Rolle wie bekannt oder fremd) ihr ihre Aufmerksamkeit widmen. Das Wort „Nein.“ Ist hier jedenfalls oft in Gebrauch, auch wenn sich der Welpe grösstenteils sehr bemüht, unter besonders strengem Blick vor lauter Beflissenheit gleich das ganze Repertoire potentiell erwünschten Verhaltens präsentiert und dabei zwischen Sitz, Platz und Pfote rotiert, bis wir Einhalt gebieten.

Warten

Baustelle 6: Die Ukraine

Ich möchte nach Odessa fahren und das ziemlich unbedingt, aber die Lage in der Ukraine ist momentan nicht nur entspannt, besonders in den Städten und mit kleinen Kindern möchte ich mich dann doch nicht in all zu konfliktgeladene Gebiete begeben. Ich wünsche mir also Entspannung für die Ukraine und, wenn wir schon dabei sind, auch gleich für den Rest der Welt. Danke.

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15. Dezember – Frau G. im Glück


Schon lange spielte ich mit dem Gedanken meine Kamera (Nikon D80) zu verkaufen und mir dafür ein Modell zu kaufen, das etwas handlicher ist. Gerade auf Reisen nervte ich mich dann und wann über Schwere und Umfang der Nikon und die nächste Reise steht doch schon in 210 Tagen und ungefähr 18 Stunden an. Ich habe mir also heute, gemeinsam mit Herrn G., mein erstes Weihnachtsgeschenk gemacht und bin dabei, relativ unerwartet, auf eine Digitalkamera umgestiegen. Neu nenne ich eine (occasion) Olympus E-M5 mein Eigentum und ich gehe stark davon aus, dass wir uns sehr mögen werden, jedenfalls lassen die wenigen Spielereien, für die ich heute Nachmittag ums Haus Zeit fand, darauf schliessen.

Neue Liebe

Neue Liebe

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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Bloggen im Jahre 2012
15. Dezember

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Gminggmanggs bei den Götebürgern – Teil 2


Teil 1

Mein erster Eindruck von Schweden entsprach ganz den gängigen Klischees: Die gar nicht so lange Fahrt vom Flughafen gen Innenstadt war geprägt von Nadelwäldern, Seen und farbenfrohen nordischen Holzhäusern. Nur die Elche fehlten. Und Nils Holgerssons Wildgänseschwärme. Die Innenstadt unterschied sich auf den ersten Blick nicht erheblich von den diversen anderen europäischen Städten, die ich bisher besucht habe. In einem von Göteborgs Universitätsvierteln quartierten wir uns, ganz in der Nähe meiner Schwester, in ein Gästezimmer des Studentenwohnhauses, ein grosses backsteinernes Gebäude umgeben von ebensolchen Klonen, ein.

Götemöve

Götemöve

Der erste Spaziergang den wir unternahmen, führte ins Viertel in dem wir auch übernachteten. Es zeigte sich rasch, weshalb Göteborg als Universitätsstadt bezeichnet wird: Wir waren mit OmaG und den Kindern gleichzeitig die ältesten und jüngsten Umherschlendernden in Sichtweite. Um weiter in die Stadt vorzudingen, benutzten wir eine in die Jahre gekommene, kinderwagenhassende Strassenbahn. Das ÖV-Netz Göteborgs scheint relativ gut ausgebaut und für etwa 150 Kronen (zu Chf ungefähr 7:1) erstanden wir ein Dreitagesticket das uns für die Fahrt auf dem gesamten Netz, inklusive einiger Schiffe berechtigte und das wir in den beiden folgen Tagen auch rege nutzten.

Götebrücken

Götebrücken

Götebürger mit Wahrnehmungsschwierigkeiten

Götebürger mit Wahrnehmungsschwierig-keiten

Göteborg ist nett, es hat seine pompösen Viertel, die etwas an Wien und Budapest erinnern, irgendwo protzt der Stadtbegründer auf einem Sockel rum, anderswo posiert, von Touristen besonders beliebt, Poseidon*, es gibt nette Strassenkunst, Kanäle, Parks und Einkaufsmeilen, aber so richtig vereinnahmen wollte sie mich nicht, diese Stadt. Jedenfalls bis ich mir im Viertel Haga, einem ehemaligen Arbeiterquartier mit pittoresken nordischen Häusern, in einem liebevollst eingerichteten, kleinen Café mir Kuchenauswahl zum niederknien, neben dem besten Kaffee seit langem, den allerköstlichsten, warmen Apfelkuchen mit Vanillesauce einverleibte. Den Kinder wurden derweil Erdbeeren und Waffeln gereicht. Nur ein wenig, nur zum probieren. Und danach nochmal. Und nochmal. Undsoweiter.

Götehimmel

Götehimmel

Und dann hat Göteborg noch das Meer. Wir fuhren mit der Strassenbahn durch die halbe Stadt zum Saltholmen-Ferry Termial, von wo aus wir mit einem der Fährboote, das die diversen kleinen Inseln mit dem Festland verbindet, eine kleine Rundfahrt machten. Bei wunderbarem Wetter tuckerten wir gemächlich, durchs grünblaue Wasser, von Haltestelle zu Haltestelle, vor den Fenstern die minimalistisch begraste Rundfelslandschaft, malerische Kleinstdörfchen und Fischerhäuschen.

Götefischerhüsli

Götefischerhüsli

Götepittoreskerie

Götepittoreskerie

Sollte es dereinst zu einem erneuten Ausflug nach Göteborg kommen, und ich, so Murphy will, zu dem Zeitpunkt nicht gerade mit zwei fiebernden Kindern gesegnet bin, würde ich die Stadt sehr gerne bei Nacht erleben. Dereinst. Vorerst verreise ich wieder wärmer.

Frau G., Ypsilönchen und ein alter Schwede.

Frau G., Ypsilönchen und ein alter Schwede.

Bemerknisse

  • Der Göteborger mit Stil trägt sein Laptop als Accessoire unterm Arm.
  • Mals Tourist gehört es offenbar, sich mit der Statue des *Poseidon abzulichten. Das kann man jetzt auch ganz bedenkenlos, obwohl der Gott des Meeres nackt posiert, denn es ist nicht viel zu sehen. Der Ärmste musste nämlich offenbar nach allseitiger Volkesentrüstung ob der Grösse seines Gemächts ein gutes Stück seines Guten Stücks lassen.
Göteprüderie

Göteprüderie

  • So unpraktisch kranke Kinder normalerweise auf reisen sind, so ausgesprochen erquicklich sind getragene Fieberkinder bei den bissigen Winden des Nordens.
  • Würde es sich bei besagtem Gepäckstück nicht um den Kinderkoffer samt wichtiger Inhalte handeln, würde ich behaupten, dass sich so ein Kofferverlierenlassen lohnt, denn anstatt vermisste Gut wie alles andere Treppen und Aufhänge hochzuschleppen, wird es am nächsten Morgen von Fluggesellschaftsmitarbeitern aufs Zimmer gebracht.
Alte Schwedin, junge Schweizerin

Alte Schwedin, junge Schweizerin

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