Nasehochziehen


(aus nahe liegenden Gründen nicht zur Teilnahme versandter Beitrag zum Schreiberlingswettbewerb des kleinen Bundes)

Ich mag Tiere nicht. Ich mag Tiere ausserordentlich nicht.

Im Abteil neben mir sitzt ein älterer, gestandener, gut gekleideter, beachtet man seine Reiseliteratur anscheinend halbwegs intelligenter Mann, aus untenstehendem Grunde unerklärlicherweise verheiratet, der sich im Zehnsekundentakt die Nase hochzieht. Hätte ich ein Taschentuch, würde ich es ihm anbieten. Eigentlich habe ich mich ja in selbigem Momente ans Schreiben eines Essays für den Wettbewerb des Kleinen Bunds gemacht, aber die Nasehochzieherei krallte sich in meinen Gedanken fest, so, dass ich kaum brauchbare Sätze zustande brachte: „Ich mag Tiere. (rotz) Ich mag Tiere (schnaub) ausserordentlich nicht. (rotz)“

Ich hatte mal einen Psychologiedozenten der sowohl während seine Vorträgen, als auch in sprechfreier Zeit geräuschvoll die Luft durch seine rauch-, teer- und nikotingeschädigten Nasennebenhöhlen und -gänge sog. „Kinder (schnaub) deren Entwicklung in der (rotz) analen Phase gestört wurde (schnaub), entwickeln oftmals Zwangsstörungen (rotz) und Tics (schnaub).“ Ich danke für die eindrucksvolle Demonstration eines analen Charakters.

Eben, auch der anale Charakter der nun im Abteil neben mir sitzt, hält am Behalten seines Naseninhalts fest, mag ihn nicht hergeben. Lieber foltert er uns noch ein bisschen mit seinen eigenwilligen Klangimprovisationen.

Kindern verzeihe ich so was. Zum einen weil sie, nun ja, Kinder sind und über eine gewisse Narrenfreiheit verfügen, zum andern weil sie sich ja eventuell noch in oben genannter Phase befinden, sich also noch konkret mit den typischen Konflikten des Behalten und Hergebens beschäftigen müssen.

Da fällt mir ein, dass dies ein Grund sein könnte, Tiere doch etwas, oder wenigstens nur nicht und nicht ausserordentlich nicht, zu mögen: Tiere ziehen ihre Nase nicht hoch. Zumindest habe ich derartiges noch nie wahrgenommen (mag sein, weil ich den Kontakt zu Tieren meide). So werde ich, wenn ich denn tatsächlich noch zum Schreiben des Essays komme, um eine Nasehochzieherfahrung reicher, das Thema meiner Beziehung zu Tieren anders einleiten: „Ich mag Tiere zumindest nur nicht, denn sie ziehen, soweit ich weiss und erfahren habe, ihre Nase nicht hoch.“

(13.07.08)

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich

3 Antworten zu “Nasehochziehen

  1. Broe

    Herrlich geschrieben! Wär ich jemand, der Preise für gute Blogartikel vergibt: Du würdest hier einen erhalten :)

  2. das ist nur die nasale phase.

  3. Lieber wäre mir ja die banale Phase, klingt herrlich belanglos und unstörend.

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