Störungsfreier Bahnverkehr


Lieber M. aus L., aus reiflicher Überlegung, empirischen Testreihen und Studien resultierten schliesslich folgende vier Strategien im Umgang mit störenden Mitreisenden :

1. Die Koalition

Schritt 1: Suchen Sie sich einen annehmbaren Zeitgenossen (Ha, als ob so jemand in frühen Morgenstunden überhaupt existieren würde!), von Vorteil jemanden aus Ihrem allmorgendlichen Mitfahrerkreis (Aussenstehende müssten, was etwas schwer fallen könnte, noch davon überzeugt werden die Zugstrecke jeden Morgen mit Ihnen zurückzulegen, bloss damit Sie koalitionieren können)

Schritt 2: Sorgen Sie beide dafür, dass Sie bei der Zugeinfahrt direkt vor den Türen stehen, dafür dürfen Sie ruhig über Leichen gehen ihre Ellenbogen benutzen.

Schritt 3: Stellen Sie sich geschlossen (soweit das zu zweit möglich) in ein Abteil ihrer Wahl und lassen Sie sich lange Zeit beim Taschenhinstellen, Mantelausziehen, Einrichten und vor allem Platzeinnehmen.

Schritt 4: Wenn sich diese Tätigkeiten denn nicht mehr in die Länge ziehen lassen, sollten Sie zwei beginnen sich in unüberhörbarer Lautstärke über Allzupersönliches zu unterhalten. Zugegeben, das mag nicht ganz einfach sein, aber Sie dürfen sich dabei frei ihres dichterischen Genies bedienen und müssen sich nicht zwingend an die Wahrheit halten. Wenn Sie davon ausgehen können, dass keine weiteren Passagiere zusteigen, können sie tun was immer Sie für den gelungenen Start in den Arbeitstag zu tun bedürfen. (Bei Bedarf, bzw. Zugver(w)irrten oder Zwischenhalten, lässt sich dieser Schritt beliebig Wiederholen.)

2. Die Gegenoffensive

Hierzu lässt sich bloss sagen: Spiegeln Sie was das Zeug hält! Was immer Ihr Nervenkostümparasit von Gegenüber tut, tun Sie es auch. (In der Praxis ist dies nicht immer ganz einfach auszuführen, verfügen wir doch über unterschiedliche physiologische Merkmale, auch können Sie nicht bei jeder Zugfahrt Karotten oder Bananen mit sich führen um eventuell auftauchende geräuschvolle Esser zu imitieren. Hierfür empfehle ich Ihnen das Luftkarotten- bzw. Luftbananenessen, das ich auf beliebig viele ähnliche Situationen angleichen lässt.)

Von äusserst brisanter Wirkung ist es momentan auch sich die Seele aus dem Leib zu Husten, Niesen, Grunzen, Zittern und dabei Schwitzen, unablässiges Naseputzen, sowie nasales Sprechen.

3. Früherkennung

Es gibt einige Merkmale an denen man die Zugehörigen einiger Störrisikogruppen (alphabetisch geordnet) zu erkennen vermag:

Geräuschvoll Esser:

  • Lebensmittel (naheliegenderweise)
  • ausgehungerter Blick
  • niedriger Muskeltonus ohne Neigung zu Fleischigkeit und nerdig anmutendem Aussehen (Bananenesser)
  • Rucksack, biologisch abbaubare Kleidung  (Karotten- und/oder Müsliesser, meist weiblich)
  • niedriger Muskeltonus mit Neigung zu Fettleibigkeit und nerdig anmutendem Aussehen (Sandwichesser)

Geruchsverbreiter:

  • Deux Pieces und Anzüge (Aftershave und Parfum)
  • niedriger Muskeltonus mit Neigung zu Fleischigkeit und nerdig anmutendem Aussehen (allzu intime Körperdüfte)
  • Teenietum (Redb.ulltrinker)
  • Raucher

Kontaktsucher:

  • Greise ältere Semester
  • Einsamkeit
  • all zu langer Blickkontakt

Musikhörer:

  • Teenietum
  • ausschliesslich schwarze Kleidung

Nasehochzieher/ Räusperer/ Huster/Mitfussklopfer/Ticer:

  • kränkliches Aussehen
  • Blickkontaktvermeidung

Seltenreisende:

  • Hektik
  • Unentschlossenheit bei der Abteilwahl
  • Hawaiihemden und viel Gepäck
  • Viertelstunde vor Ankunftszeit mit Gepäck beladen vor der Türe positioniert

Telefonisten:

  • Mobiltelefone (naheliegenderweise)

4. Vermeidungs- und Fluchtverhalten

Unter diesem Punkt finden Sie bloss einige von zahllosen Möglichkeiten sich der unliebsamen Situation zu entziehen, einige haben Sie selber schon vorgeschlagen, sie aber zu recht als zu drastisch betitelt. Hier noch einige Möglichkeiten, die nicht die Aufgabe Ihrer Wohn- oder Arbeitsstelle zur Folge haben:

  • Schliessen Sie sich in der Zugtoilette ein (nicht vergessen für den Herrn bzw. die Frau Schaffner kurz zu öffnen)
  • Fahren sie Trittbrett (auch hier: zur Ausweiskontrolle können Sie Ihr Abonnement einfach gen Scheibe drücken)
  • Nehmen sie einen Nebenjob an, werden Sie niedrigprozent arbeitender Zugführer!
  • Melden Sie jeden Morgen eine Gruppenreservation an (Personenanzahl sollte jeweils die Platzanzahl eines Zugwagens mindestens erreichen)

Sie sehen, mit oben genannten Strategien, die nach Belieben kombiniert werden können, besteht noch Hoffnung auf ruhigere Zugfahrten. Ich gehe doch sehr davon aus hoffe, dass ich Ihnen helfen konnte und verbleibe freundlichst grüssend,

Ihre Gminggmangg

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Antwort, Zügiges

Eine Antwort zu “Störungsfreier Bahnverkehr

  1. Broe

    Hat schon mal jemand „böse blicken“ versucht? (Eventuell gepaart mit Sonder-Kleidung (welche vor der Arbeit dann natürlich gegen die normale Arbeitskleidung getauscht werden müsste) – Nietenarmbänder oder ähnliches. Ich kann mir gut vorstellen, dass das zumindest Rentner evtl. abschreckt – wenn sie nicht schon zu sehr daran gewöhnt sind…

Kommentariat:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s