Nächstbars II oder Warum die Korallen sauer sind


Dass Nächstbars vielbeschäftigte Leute sind, habe ich ja schon erwähnt, noch habe ich aber nicht die ganze Vielfalt an Möglichkeiten ausgebreitet, mit der sie nachbärliche Opfer nachbarnäppen, sich kaugummiartigzähklebrig an sie kletten und nur unter Anwendung roher Wortgerwalt wieder in die Freiheit entlassen um nachbarschaftliche Zuwendung oder zumindest Aufmerksamkeit werben: Die Strasse, die zuerst an unserem Haus vorbeiführt, dann in Nächstbars und Übernächstbars Vorplätzen mündet, ist eine Sackgasse, eine schmale, wenig befahrene Strasse also. Autos können hier tatsächlich nicht kreuzen, Situationen in denen dies erforderlich wäre, kämen aber natürlicherweise auch käumlichst vor. Natürlicherweise. Es lässt dich aber ohne Weiteres und künstlichst dafür sorgen, ehrlich, für Nächstbars ist dieser Aufwand verglichen mit dem Ertrag (in Form unserer Nervenkostüme aus feiner Geduldswolle Aufmerksamkeit) verschwindend gering. Wann immer wir ein Auto sekundenlange auf der Strasse stehen lassen, um hurtig auszuladen und damit allzu weites Schleppen zu umgehen, muss der Herr Nächstbar weg, dringend und sofort, kein Aufschub kann verantwortet werden. Behände wie sonst selten und erst recht kaum ein Siebzigjähriger öffnet er das Garagentor, steigt in sein Auto, fährt raus, stellt theatralisch die Arme verwerfend fest, dass ihm ein Auto den Weg versperrt, legt die Stufen zu unserer Wohnung mit einer gazellenhaften Anmut und Altersakrobatengeschick zurück um, kaum in unserem Sichtfeld, in eine tattergreisenhafte Schwere zu verfallen, die beim Erklimmen jeder Stufe höchste Konzentration und das Schöpfen aus sämtlichen Kraftreserven verlangt.
Nächstbar (In vorwurfsvollem Ton zu lesen.): „Guten Tag. Gehört Ihnen dieses Auto, dass da unten auf der Strasse steht? Ich wollte gerade wegfahren, kam aber nicht vorbei und nun wollte ich eben wissen: Gehört Ihnen dieses Auto, dass da unten auf der Strasse steht? Wissen Sie, ich wollte gerade wegf…“
Gminggmanggodergminggmangganhang: „Ja, ich komme sofort und stelle das Auto weg.“
Nächstbar: „Ich wäre eben froh, wenn jemanden das Auto wegstellen würde, dann könnte ich wegfahren. Wie geht es Ihnen und Ypsilönchen? Wissen Sie, meine Tocher die Nächstbarstochter hat auch schon drei Kinder, die haben Sie ja bestimmt schon gesehen.“ (Wen den weiteren Verlauf dieses Gesprächs interessiert, lese hier und ersetze Briefkastensachen mit Autosachen.)
Nun ist es aber so, dass sich Obiges nicht nur zuträgt, wenn Autos im Wege stehen, um Herrn Nächstbar zu geschilderten Handlungen zu bewegen reicht der achsohandliche Kinderwagen, eine Einkaufstasche, ein Wäschekorb, ein Brillenetui oder wahlweise auch Serviettenringe (Letzteres vermute ich nur und da ich keine Serviettenringe besitze, kann ich diesbezüglich nichts zur Beweisführung beitragen), wann immer was im Wege steht, sieht Herr Nächstbar die Chance auf ein kleinwenig Monologisieren Kommunikation, die er sich dann im Namen der Wegfahrfreiheit erfolgreich erkämpft und seine Autorunde dreht, die kaum je länger als fünf Minuten dauern. Wann immer wir also unordnen, provozieren wir unnötige Autofahrten. Kinderwagen stehen lassen = mehr CO2, Einkaufstasche stehen lassen = mehr CO2, Serviettenringe liegen lassen = mehr CO2 usw..
Wenn Sie nun also die Gminggmanggs verdammen, ihnen Umweltverschmutzung unterstellen, ja, sie als die alleinigen Schuldigen an der globalen Erderwärmung bezeichnen, haben Sie recht. Wären wir mal nicht so strassenbesitzergreifend, noch würden die Gletscher nicht schmelzen, die Eisbären wären noch weiss, nicht taueisschmutzig, wir hätten hier keine Tigermoskitos, die Korallen wären nicht sauer und die Schweine nicht krank, oder so.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Nächstbars, Neulich

3 Antworten zu “Nächstbars II oder Warum die Korallen sauer sind

  1. ach sie sind das mit dem klima.

    aber gut, dass sie jetzt drüber reden können, bloggen ist ja auch immer irgendwie therapie.
    ;-)

    gut, dass hier nachbarn nicht mal wirklich sichtbar sind, (tschuldigung, aber so sieht das hier aus.)
    retten sei da klima, ziehen sie da weg und setzen sie das haus in brand

  2. Selbst als Autotherapeutin bleibt mir noch genügend kriminelle Energie um nicht das eigens bewohnte Haus in Brand zu setzen, oder ich harre der Dinge die da (bei Menschen, besonders in höherem Alter, pardon) unweigerlich kommen. Ich spreche von Umzugs- und Reiselust, natürlich!

  3. Pingback: Nächstbars III oder Ypsilönchen könnte schon gehen « Gminggmangg

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