Was man sollen tun muss – Danke sagen


Seit Ypsilönchens Geburt  hatten wir wahrlich reichlich Gelegenheit uns in Danksagungen zu üben. Eigentlich schon vorher, denn geht es um einen Erdenbürger in Produktion, wird Sekunden nach der Zeugung irrwitzig früh mit der Gschenkerei begonnen. Wenn Frau sich ein erstes Mal verdoppelt hat die ersten Schwangerschaftshosen kauft, Mann langsam wieder Kapazität hat ans Atmen zu denken, etwas weniger unklare klarere Gedanken fassen kann, erhält das zukünftige Elternpaar einen Schulranzen für ihren Nachwuchs geschenkt, einen mit Tarnmuster oder einen Schmetterlingen, wahlweise auch kombiniert, jedenfalls ein unsäglich unsinniges und unansehnliches schönes, sinnvolles, nützliches Geschenk zum richtigen Zeitpunkt, das jedoch erst den Auftakt zu einem Geschenkereigen bildet, von dem in etwa ein Zehntel drei Drittel tatsächlich ansehnlich und zu gebrauchen ist. Nun zum wahren Dilemma (Herr Erikson hätte mal lieber genauer definiert was denn nun zu tun sei um moralisch hochwertig zu handeln): Wie ist auf tarnschmetterlingfarbige Schulranzen zu reagieren, ohne sich selbst den Brutus zu machen und in darauf folgenden „Auch du, ich!“Gesprächen irrwirr zu werden zu verraten oder den Beschenkenden zu kränken. Dies: „Ach, vielen Dank, ich hoffe Ypsilönchen wird dieser Transchmettrlingsranzen gefallen, das kann ich natürlich jetzt noch nicht sagen, dafür müsste ich in die Zukunft reisen und sie befragen aber wahrscheinlich würde ich sie damit zukünftig verwirren und dann müssten wir plötzlich Unmengen Geld für Psychopharmaka und psychiatrische Behandlungen ausgeben und wir würden an Existenzminimum leben und in Agglomerationsplattenbauten hausen, Ausländer doof finden und die SVP wählen und ich würde schrecklich unglücklich, meine Trauer mit Essen kompensieren und fürchterlich dick werden. Dick werden will ich nicht, darum müssen wir noch etwas auf Ypsilönchens Urteil und eventuellen Dank warten.“ wäre eine Möglichkeit, die aber unter Umständen als etwas zu ausufernd empfunden werden könnte. Ein einfaches, nicht wertendes Danke wäre definitiv eine etwas sachlichere jedoch wohl auch zu emotionsfreie und für den Schenker wenig befriedigende Reaktion, könnte aber, was nicht jedermanns Ding, per inniger Umarmung oder, wenn möglich, einigen Tränen (Die ja durchaus echt sein können, auch Tränen der Verzweiflung wollen geweint werden ob der rührenden Geste vielleicht?), unterstrichen werden. So verbliebt noch ein trockenes „Oh, sowas habe ich noch nicht, danke.“ oder, dazu tendiere ich, „Danke, ich freue mich schon auf die nächste Gelegenheit DICH zu beschenken!“, wobei innerlich herzenslustig diabolisch gekichert werden darf.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Vom Sollen und Tun

6 Antworten zu “Was man sollen tun muss – Danke sagen

  1. Broe

    Lachtränen wollen auch geweint werden :D
    Wieder mal herrlich geschrieben :)

  2. „das ist aber etwas ganz besonderes!“

  3. ich bin doch so harmoniesüchtig.

  4. Pingback: Nächstbars IIII oder „Ich versteh dich nicht, es schneit so laut.“ « Gminggmangg

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