Von Eitelkeit und Nasenklemmen


Wenn der Ypsilönchenpapa und ich zu noch ypsilönchenlosen Zeiten an Sonntagnachmittagen durch Tierparks oder auf Bergen spazierten und die zahllosen Eltern mit ihren noch zahlloseren Kindern sahen, jenseits jeder Sexy- und Coolness blickgeizig für ihr Umfeld, horizontzentriert und gesprächskonzentriert auf Tu-nicht-lass-das, Hast-du-gesehen und Willst-du-dies-und-das, sich selber etwas vernachlässigend und irgendwie unattraktiv, sagten wir uns, dass wir bestimmt nie so werden. Wenn der Ypsilönchenpapa und ich zu noch Ypsilönchenbauchzeiten an Sonntagnachmittagen durch Tierparks oder auf Bergen spazierten und die zahllosen Eltern mit ihren noch zahlloseren Kindern sahen, jenseits jeder Sexy- und Coolness blickgeizig für ihr Umfeld, horizontzentriert und gesprächskonzentriert auf Tu-nicht-lass-das, Hast-du-gesehen und Willst-du-dies-und-das, sich selber etwas vernachlässigend und (erwähnte ich schon?) eben irgendwie unattraktiv, packte uns das nackte Grauen. So also sah unsere Zukunft aus, unsere Interessen würden auf einen ypsilönchengrosses Häufchen Kreischheulsabbermensch schrumpfen sich aufs Kind beschränken, wir würden über nichts anderes mehr sprechen, uns für nichts anderes mehr begeistern, ich würde meine Nachschwangerschafswabbelwampe (die ich zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch als unerheblich betrachtete: Kind raus, Bauch weg, oder?) gleich behalten und ganz bestimmt würden wir uns nur noch Turnschuhen und bequemer Kleidung in die Öffentlichkeit begeben (Sollte das nun eitel klingen täuschen Sie sich, ich bin nicht eitel, nein, binnicht, warnie werdniesein, natürlich.), wenn wir uns nicht inbrünstig aber reflektiert mit derartigen Phänomenen selbstkritsich zusammen auseinandersetzen.

Nun ist Ypsilönchen, seit bald sechs Monaten auf der Welt, klar Mittelpunkt meines Universums. Von der ersten Ypsilönchenlebenssekunde an bin ich mütterlich verklärt, Stolz bis nahe dem Platzpunkt und produziere kaum noch ypsilönchenfreie Gedanken. Und das stört mich nicht im Geringsten. Trotzdem existieren natürliche noch Dinge hinter, unter neben Ypsilönchen, das Weltgeschehen, Politik, Literatur und, noch wichtiger, die Thematik meines Aussehens. Themen, die mir wichtig sind, mit denen ich mich auseinandersetze, die ich trotz Ypsilönchen und vielleicht im Endeffekt auch für Ypsilönchen nicht vernachlässigen will. Dachte ich. Bis mir auf dem Weg zum Babyschwimmkurs einfiel, dass ich fünfzehn cm lange Haare unter den Armen und an Beinen habe, ich wohl einen Badeanzug mitbringen musste weil auch ich ins Wasser steigen soll, Beine und Achselhöhlen also unweigerlich frei liegen und Eltern ihren Babys belehrend „Das ist ein Hippie.“ zuraunen werden. Im Therapiebad angekommen versuchte ich mich der Haare noch rasch mittels Pinzettengriff zu entledigen oder zumindest mit allerorts vorhandenem Sterilium wegzuätzen, scheiterte und verlegte mich darauf zu hoffen, dass andere Mütter sich haarsolidarisch zeigten. Leider hatte ich keine Gelegenheit dies nachzuprüfen, denn die sassen jööend und so-häärzigend und angezogen am Beckenrand, während ich mich  mit ihren Männern und Babys im Becken wiederfand. Abgesehen von muskelkaterartiganmutenden Schmerzen das vom verkrampften Babyheben und gleichzeitigen Arme-zum-Achselhöhlenhaarsichschutz-an-den-Körper-pressen herrührte, die Beine waren zum Glück immer unter Wasser und wenn ein mitbadendes Elternteil mir auf die Beinhaare stand, habe ich einfach so getan als wäre nichts geschehen, haben wir die erste Badelektion bestens überstanden. Ob Ypsilönchen bemerkt hat dass wir im Wasser waren, vermag ich nicht so richtig zu beurteilen, zu fasziniert war sie vom Anblick der mitschwimmenden Babys. Ohne Zweifel hat sie das Wasser in der nächsten Stunde bemerkt, schlug mit Armen und Hände zu einer für die ypsilönchenhaltende Person (mich) unmeschlichen Spritzerei auf die Wasseroberfläche. Ich hasse Wasser in Gesicht und insbesondere den Augen. Keiner der Väter wollte einem Babytausch zustimmen und so ergab ich mich dem Schicksal das Therapiebad diesmal zwar achselhaarlos aber mit chlorwasserroten Augen verlassen zu müssen. (Falls Sie nun schon vor Mitgefühl für mich weinen, muss ich Ihnen raten Ihre Tränen zu sparen.) Anfangs dritter Babybadestunde verkündete die Kursleiterin, dass heute getaucht würde. Vorerst fand ich das nicht weiter schlimm, denn ich kann mein Kind tauchen, da bestehen wenig Probleme, jedenfalls bis es so ungefähr fünfzehn Jahre alt ist. Als sie schliesslich erklärte, dass wir, die Kinder auf dem Arm, alle gemeinsam abtauchen werden, ertappte ich mich („Schon wieder!“ werden meine beiden treuen Leser nun denken, aber zwei Mal in sechs Monaten sollte doch drin liegen, seien Sie tolerant!) beim Gedanken Ypsilönchen irgendwie zum Weinen zu bringen, um das Bad vorzeitig verlassen zu müssen, aber die Kursleiterin begann schon zu zählen, bei drei sollten wir uns alle unter Wasser und wieder rauf begeben und da ich nun mal auf die eins-zwei-drei-Drohung getrimmt bin und Angst hatte, dass die Kursleiterin uns, wenn wir auf drei nicht gehorchen, gewaltsam unter Wasser befördern würde, sind wir abgetaucht. Ypsilönchen steckte die Taucherei wunderbarst weg, prustete etwas und belächelte die hüstelnden, weinenden anderen Babys und, äh, mich. Nach dem auch ich die Wasserreste aus Lunge und Nasenhöhle gerotzt und –hustet hatte, durften wir uns an Land begeben, Schwimmstunde und ich fertig, Ypsilönchen tatendrängelnd. Würde es nicht so jämmerlich aussehen, da ist sie wieder, die klitzekleine Eitelkeit, würde ich zur nächsten Stunde mit Nasenklemme erscheinen, aber der Babybadekursloser will ich nun auch wieder nicht sein, ich habe genug damit zu tun zu akzeptieren, dass mein Baby besser taucht als ich.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich, Ypsilönchen

5 Antworten zu “Von Eitelkeit und Nasenklemmen

  1. wie waschen sie sich?

    dann hilft nur eine coole sportschwimmbrille mit tönung, rosarot vielleicht.
    und die hoffnung, dass das ypslönchen nicht deshalb die contenance verliert.

  2. motzchueh

    Ha wäge dine Ziele einisch meh, härzhaft und lut grölet!

  3. ypsilönchenfänin

    just great! once more!

  4. Pingback: Gestockt « Gminggmangg

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