Was ich sollen tun sollte, aber nicht tun tue


Wenn ich Tätigkeiten wider besseren Wissens unterlasse, spielt die Einwirkung von aussen selten eine tragende Rolle, vielmehr geschehen diese Versäumnisse aufgrund von Faulheit, Vergesslichkeit oder Eitelkeit.

Pünktlich aufbrechen – Unterlassungsgründe: Faulheit, Vergesslichkeit

Unabhängig davon wie viel Zeit ich einkalkuliere bevor ein Aufbrechen nötig, stets sehe ich mich Minuten davor hektisch durch die Räume rennend, auf der Suche nach Portemonnaie, Schuhen, Jacke, Mobiltelefon, Babyhinternzeug, Babyesszeug, Ypsilönchen, um Gesuchtes schliesslich an offensichtlichster Stelle zu finden. (Tatsächlich ist es so, dass ich nur ordentlich war, wenn ich nicht davon ausgehe es gewesen zu sein. Suchen werden so erheblich erschwert.) Was sich auch noch auf dem Minütigen Weg zur Bushaltestelle beendigen lässt, wird erst provisorisch erledigt, ich ziehe mir den Mantel zunächst nur über einen Arm, ich schlüpfe in einen Schuh, ohne zu binden, den andern klemme ich zusammen mit den später einzupackenden Windeln unter den Arm, Ypsilönchen bekommt ihren Winteranzug vorerst nur übergeworfen, Schminke liegt einsatzbereit in meiner Hand, ebenso wie die Haarbürste, die Tasche von der ich hoffe, dass es die ist die ich Sekunden zuvor gepackt habe, wird offen umgehängt. Falls man mich, beispielsweise in meinem Nachruf, je meiner Multitaskingfähigkeit rühmen wird, wird man sich auf die  Busfängerminuten beziehen. Schuhverlustvermeidend hinkeilschlurfend, Ypsilönchen rechterhand in den Winteranzug zwängend, linkarmlupfend, Schuh auf den Boden, Windel in die geöffnete Tasche fallen lassen, im Laufschritt den liegenden Schuh nicht verfehlen, schuhverlustvermeidend weiter eilschlurfend mit nun freiem Arm samt Hand kurz per Kajal durchs Haar, mit Bürste unter die Augen gefahren per Bürste durchs Haar, mit Kajal unter die Augen gefahren, Ypsilönchen um den Hals gehängt, Schuhe gebunden, Bus bestiegen, davon gebraust, atemlos und eine Viertelstunde zu früh an Verabredungsort, kajalverklebte Haare, in der Tasche die Fernbedienung anstatt dem Mobiltelefon, im Winteranzug eine gminggmanggsche Katze anstatt Ypsilönchen.

Dinge für die Arbeit am Abend zuvor zusammenpacken – Unterlassungsgründe: Faulheit, Vergesslichkeit

Wenn ich morgens um sechs los und ich neben dem Verrichten der Morgendinge noch sämtliches Material vorbereiteter Lektionen zusammensuchen muss, endet das unweigerlich wie oben, bloss mit Ypsilönchen, die aber in dem Falle nicht hätte mitgenommen werden sollen.

Taschen- statt Rucksacktragen – Unterlassungsgrund: Eitelkeit

Ich sehe mit Rucksäcken doof oder aber zumindest zehn Jahre jünger aus. Doof aussehen will ich grundsätzlich nur ganz ungerne, hierauf vermochte auch das Muttersein noch keinen Einfluss zu nehmen, und da ich ohnehin ständig für minderjährig gehalten werde (tztz, Teenagermütter), habe ich, die zehn Rucksackjahre auch noch abgezogen, das Antlitz einer gerade mal Achtjährigen. Ich schleppe also Taschen und zehn Jahre mehr, die Alternativen betrachtend, mit Vergnügen stets rechts, bis zur Taschenskoliose.

Demnächst:

Zum ZahnArzt gehen

Bücher zur Bibliothek zurückbringen

Mit Arbeiten beginnen bevor ich unter Zeitdruck stehe

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Vom Sollen und Tun

6 Antworten zu “Was ich sollen tun sollte, aber nicht tun tue

  1. wenn man das alles weiß, kann man gleich viel reflektierter und gelassener zu spät mit etwas anfangen, das kann ich gut verstehen.

  2. Sollte man zumindest meinen.

  3. Broe

    Toll geschrieben – ich fühlte mich zugleich fürchterlich gehetzt…
    Btw: Schau lieber jünger aus als älter – ist irgendwie netter. (Normalerweise hass ichs, wenn dieser Satz zu mir gesagt wird, aber:) Ich habe am Wochenende rausgefunden, dass ich unter allen anwesenden Leuten die Älteste war. Die Personen, die ich auf mind. 30 geschätzt habe (könnte an dem einen Kind liegen was (zumindest in meinen Augen) fast in der Pubertät ist) sind erstaunlicherweise mind. 1 Jahr jünger als ich…

    • Als ich in Teenagerjahren jünger geschätzt wurde als meine drei Jahre jüngere Schwester, hat mich das oft etwas beleidigt. Betont herausfordernde und fragende „So jung und schon Mutter“-Phrasen und Ähnliches ignoriere oder belächle ich und lasse die Neugierigen im Glauben Zeugen einer Teenagermutterschaft zu sein.

  4. Guter Artikel, danke! Ich kenne das. Vor allem das „war ordentlich, habe allerdings vergessen, ordentlich gewesen zu sein und habe deshalb gesucht“ gefällt mir sehr. Sehr gut. Mehr davon! Das Leben besteht nicht aus Pünktlichkeit und Ordentlichkeit (oooh, wie philosophisch ;-)

  5. js

    Da die Familie Gminggmang zur Gewohnheit hat (chaotisch) Blitzartig aufzubrechen, kann es vorkommen, dass Dinge vergessen werden. Zum Glück gibt es (Ypsilönchen-Tante) Ypsilönchenpapas Schwester. Welche, Flasche und Versaberten- Latz auch in später- Stunde nicht vergisst. Latz und Flasche können abgeholt werden, wann immer es sie nach Bagels oder Kuchen gelüstet.. mhhhmmmmm

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