Hamsterlönchen


Ich gehöre, muss ich schamvollerweise zugestehen, zu den Müttern, die ständig den Hungertod des eigenen Kindes befürchten, das ist selbst dann etwas fragwürdig, wenn ich mich nur auf das in Ess- und Stillsituationen Einverleibte konzentriere, wenn ich Ypsilönchens Bewegungsfreude, offensichtliche Körperkraft und vor allem ungeplante Zwischenmahlzeiten beachte, wird die Furcht vollends irrational. Allerdings ist festzuhalten, dass ich mit Art und insbesondere Menge der Zwischenverpflegung nicht einverstanden bin.
Dass sich Ypsilönchen in Sekundenschnelle heimlich zum Kühlschrank begibt (der unglücklicherweise klein und auf Kleinkindhöhe, überhaupt irgendwie spielküchenhaft anmutet), ihn öffnet und zum Käse greift, kann ich sowohl nachvollziehen als auch akzeptieren, ebenso das bei Tisch für planvoll (was ich mutterstölzern irrigerweise annehme) als Notration per Schwerkraft am Boden plazierte Brot, was ich aber nur schwerlich hinnehmen kann sind Ypsilönchens Vorlieben für unverdaulichere Happen. Auch wenn ich dadurch mittlerweile den Backenquetsch-Mundzwangsöffnugs-Griff zu perfektionieren vermochte, so was kann auch babyalltagsfern eventuell von Vorteil sein, vermag ich der Gaumenkratzerei samt den daraus resultierenden Fingerquetschungen, Ohrenläuten und sabbertriefenden Eroberungen wenig abzugewinnen. In der ypsilönschen Naschhitparade finden sich Wollmäuse (die es natürlich bei uns nicht gibt, so was lernt sie kennen, wenn wir zu Besuch sind), Buchrückenstückchen (alternder, zerlesener Bücher Rücken werden schonungslos und fetzelchenweise zerlegt und verspiesen) und Korbstuhlhölzchen (Fiesolönchen lässt dem armen Stuhl eine Diät angedeihen, von der unsereins bloss träumt) in erbittertem Kampf um Beliebtheit und Ehr, wobei die Buchrückenstücken momentan klar als Favoriten gehandelt werden müssen, ferner liefen Steine, Tatamiteile und Haare (die bei uns natürlich ebenfalls niemals am Boden liegen, niemals, auch wenn ich seit der Y-Geburt von Nachschwangerschaftshaarausfall geplagt bin, die fallenden Häärchen werden natürlich vor Bodenkontakt aufgefangen und entsorgt). Seit Hamsterlönchen vor einer Woche mit dicker Backe angekrabbelt kam, ich eine gebunkerte Knoblauchzehe ergatterte, danach (glücklicherweise vergeblich) Babybauchweh und schlaflose Nächte erwartete und Ypsilönchen die Badekursstunde mit Knoblauchfahne und irritierten Nasengegenübern absolvierte, erwägen wir die Maulkorbpflicht einzuführen.
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2 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich, Ypsilönchen

2 Antworten zu “Hamsterlönchen

  1. Mo*

    Hihi, die Knobifahne hätt ich ja gern erlebt! :) (Und wahrscheinlich hätt ich über ihre Erklärung herzlich gelacht und wäre ertrunken.. oder so.)

  2. Wenn SIe es tatsächlich geschafft hätten im kaum halstiefen Wasser, das derart chlor- und uringeschwängert, dass es mit seinem Auftrieb mit dem Toten Meer konkurriert, zu ertrinken, wäre Ihnen meine Bewunderung gewiss gewesen!

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