Küssen bis zum Abwinken


Es wäre, und derartiges bleibe diesem Blog hier auch künftig fern, all zu fantastisch zu behaupten, dass ich die gängigen Begrüssungsrituale mit Inbrunst oder gar Begeisterung ausführe, gegenteilig, ich vermag der ganzen Händeschüttel- und Küsserei wenig abzugewinnen. Ich habe schlicht kein Bedürfnis meine Mitmenschen bei jeder Begegnung mit sechs Küssen (3x Hallo, 3x Adieu) zu versehen. Gerade bei der Dreiküsserei und dem damit verbundenen zweimaligen Kreuzungsmanöver mit fragwürdiger Gesichtsnähe, besteht doch die nicht unerhebliche Gefahr von Nasenkollisionen, zu genauen Hautunreinheitskontrollen und grenzüberschreitenden Mundgeruchserfahrungen, die nur mit entsprechend ausholenden Kopf-Hals-vor-zurückbewegungen verhindert werden könne, die diesem Tun wiederum ein hühnerhaft anmutendes, leicht aggressives Totpickantlitz verleihen. Mit dieser Erklärung, in sozialverträglich abgeschwächter Form wiedergegeben, gelingt es mir meist die Küsserei auf ein Minimum (1x Hallo, 1x Adieu) zu beschränken oder gar gänzlich zu vermeiden. Das gestaltet sich als gar nicht so schwierig, küssen doch meist nur Personen, die ich schon mehrere Male gesehen und mir unter Umständen klitzekleine Seltsamkeiten verzeihen. Auf grundsätzlichen Händeschüttelverzicht lässt sich hingegen nur schwer plädieren, genaue Handschüttelanleitungen eher nicht erläutern, wenn den Gegenübern nicht gleich bei Erstbegegnung das Bild eines leicht exzentrischen Menschenexemplars vermittelt werden soll. Es gilt den personenbezogen ersten Händedruck zu absolvieren um, nach Auswertung von Körpertemperatur, Hautbeschaffenheit und Druckintensität, hernach zu entscheiden, ob weiteres Händeschütteln zugelassen oder doch eher vermieden werden soll. Nicht überall empfiehlt es sich hiernach einen Händedruck per Ehrlichkeit und Schilderung der Anforderungen für gelungenes Händeschütteln angenehmer zu gestalten*,  manchmal ist es einfacher eine ansteckende Krankheit vorzutäuschen, was langsam etwas abgedroschen, doch nur scheinbar  meine bevorzugte Strategie, oder die Hände rasch durch Befüllung unschüttelbar zu machen, hierfür nehme man einfach was greifbar zur Hand, vorteilsweise quengelnde Kinder.

Irritierenderweise führen meine Aversionen bestimmten Begrüssungsformen gegenüber dazu, dass die Begrüssung mir nahen oder besonders sensibeln Personen entschieden distanzierter anmutet, als die flüchtiger Bekannter. Bis Begrüssungsmethoden wie Verbeugungen oder Zungerausstrecken hier nicht gängiger geworden sind, ist mir päpstlich erhabenes Winken ganz lieb.

*Wenn doch, wäre hie wohl die Produktion einer weiteren Visitenkarte von Nöten: Bitte schütteln Sie meine Hand mit grenzwertig festem Druck, vergewissern Sie sich, dass Ihre Hand nicht zu kalt ist, wärmen Sie sie wenn nötig auf, ohne sie zum Schwitzen zu bringen, vermeiden Sie hypoton lasche Übergeben der Hand, ohne weitere Unternehmung, verzichten sie darauf mir die Raucher-, Handcrem- oder Parfümhand zureichen, weichen Sie wenn nötig auf die Linke aus.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich, Visitenkarte

6 Antworten zu “Küssen bis zum Abwinken

  1. Mir reicht als Begrüßung ein simples hallo ;)
    Ich hasse das ewige hände schütteln oder gar umarmen…

  2. Pingback: Hauen hilft immer « Gminggmangg

  3. Pingback: Von fiesen Momenten oder Smalltalk auf Crackern | Gminggmangg

  4. Ach wie schön, meine Xeno-Knutscho-Schüttel-Phobie ist weiter verbreitet als bisher angenommen!!
    (die Sache mit dem Händeschütteln hat eine weitzurückreichende Traumatisierungsgeschichte – sobald ich die Bewegungen meiner Hände mehr oder weniger kontrollieren konnte, wurde ich dazu genötigt, irgendwelchen mehr oder weniger fremden Menschen die Hand zu schütteln. Verstehe nicht, warum man DAS von Kleinkindern verlangt)

  5. Ich trage noch das vorherige Beobachten des händischen Naseputzvorgangs ohne Nutzungs eines hierfür eigentlich erforderlichen Taschentuchs um dann mir wenige Sekunden später die Hand zu reichen. Ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren als auf die Frage, WAR DAS GERADE DIE HAND?
    Insofern versteh ich’s voll und Lanz. Äh, ganz.

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