Monatsarchiv: Mai 2010

Wabbelwampenwegwursteln


Vor einigen Tagen hat eine Bekannte mich nach meiner Nachschwangerschaftswabbelwampenwegwurstelmethode gefragt. Nach kurzem Herzschlagaussetzer und vorübergehendem Mimikkontrollverlust, wurde mir seltsam leicht… Endlich erhielt ich Beichtgelegenheit und damit endlich die Möglichkeit der Last dieses dunkeln Geheimnisses auf ewiglich verlustig zu werden. Anfänglich zögerlich, mit wohlgewählten Wortkombinationen, schliesslich schwallartig, mich auf angenehme Weise  (vergl. unangenehm) meinem Mundwerk ergebend, tat ich kund, was (fast) niemand zuvor gehört hat: Ich erzählte, wie ich, nach der gröbsten Ypsilönchenverklärungsphase, eines schönen Tages plötzlich bewusst die Bewegung meiner busfahrtbedingt erschütterten Wampe wahrnahm, wie ich hernach drei Wochen lang lustlos täglich eisern sekundenlang angebliche Bauchstraffungsübungen vollführte, mir einbildete sie zeigten Wirkung und einen Tag später, ebenfalls im Bus, nach dem Fortschritt meiner, nach einen Blick auf meinen Bauch, offensichtlichen Schwangerschaft gefragt wurde. Ich erzählte wie ich nach der niederschmetternden Busfahrt meine Fingernägel von blutigen Hautfetzen befreite die Ypsilönchentante traf, ihr mein Leiden schilderte, sie sich meiner erbarmte und entschloss mich bei eine Wabbelwampewegwurstelei zu unterstützen. Nach Verwerfen von allerlei all zu teuren Bauchwegmethoden entschlossen wir uns, nicht ohne uns vorher gräbliche Verschwiegenheit geschworen zu haben, unter äusserster Geheimhaltung zum Aquajogging, ja, Aquajogging. Als am hierfür geeignetsten und günstigsten erwies sich ein nahe gelegener kleiner See, den wir fortan mindestens viermal wöchentlich, in aller Frühe, vorzugsweise in sichterschwerender Dämmerung, zu besuchen gedachten. Unter dem Vorwand Material für Ypsilönchentantes Schwimmunterrichtsstunden zu besorgen, begaben wir uns in Fachgeschäft und erstanden, was an Utensilien für unser Vorhaben benötigt: Getönte Taucherbrillen, Aquajoggingschwimmhilfen, geeignete, der Wasserfarbe angepasste (algengrüne) Schwimmhauben und einen Burkini Schwimmkleidung. Wir liessen Gekauftes als Geschenk einpacken um, eine Entlarvung bei der Heimschaffung zu verhindern und verabredeten uns für die folgende Nacht Morgenfrühe, in der Hoffnung, dass wir zu diesem Tageszeitpunkt den See allerhöchstens mit Getier zu teilen haben. Wir irrten. Neben uns riss sich eine Horde gackernder Achtzigjähriger die Kleider vom runzligen Leib, zwängte sich in allzuenge Schwimmkluft und hupfte leichtfüssig in den See, während wir, froh ob der Sehbehinderung durch Dämmerlicht und getönten Schwimmbrillen, uns bibbern umzogen, die Aquajoggingschwimmhilfen umschnallten und uns nach ausgiebigem Zieren ins kalte, etwas zu schlammgrünliche Seewasser begaben um zu erfahren, dass Aquajogging für Ungeübte tatsächlich anstrengend ist. Während die Ergrauten von dannen aquajoggten, joggten wir irgendwie an Ort und Stelle und erreichten nur unter Zuhilfenahme herkömmlicher Schwimmtechniken, eigentlich ein Verstoss gegen den Aquajoggerehrenkodex, aber ich glaube, dass auch die (F)Alten heimlich bescheissen und mit offener Hand joggen, um schneller voran zu kommen, die Seemitte. Während die Greisinnen sich längst schon wieder auf festem Boden und in warmen Gewändern befanden, warfen wir unser Vorhaben zumindest die Rückkehr zum Ufer strikte aquajoggend zurückzulegen über Aquajoggingschwimmhilfe und schwammen. Dass wir nach Wasseraustritt mit Hühner- und Schrumpelhaut rechnen müssen, war uns klar, die Tatsache, dass wir dem Wasser eindeutig pelziger entstiegen als wir eingetaucht sind, war hingegen eher befremdlich. Nach dem Naheliegendes, wie evolutionstechnische Rückentwicklungen ausgeschlossen war, konnten wir die künstliche Arm- und Beinhaarverlängerung als anhängliche Mikroalgen entlarven und mittels Hochdruckduschen entfernen.         Trotz Altersausfluggefühlen, Anstrengung, Kälte und Arm-Bein-Extensions entbehrte unser Aquajoggingdebut nicht einer gewissen Lauschigkeit und dem Gefühl erfolgreich gegen die Wabbelwampe vorgegangen zu sein und so beschlossen wir die Übung fortan mindestens viermal wöchentlich zu wiederholen.

Ob das Verschwinden des gröbsten Wabbels nun der Aquajoggerei oder schlicht guten Genen und Jugendlichkeit zuzuschreiben ist, vermag ich nicht zu beurteilen, sicher ist, dass Joggen im See zu den angenehmeren sportlichen Betätigungen gehört und zu zweit durchaus unterhaltend ist. Leider mussten wir die Aquajoggsaison mit fortschreitendem Sommer, anhaltender Hitze, dadurch entstandener Algenüberpopulation und vor allem einem Zeitungsartikel über den im See heimischen Riesenfisch und darauffolgenden vermehrt unheimlichen Fischbegegnungen schweren Herzens beenden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich, Vom Sollen und Tun


Kondukteur: „Billetkontrolle!“

Dame streckt ihre Fahrkarte gen Kondukteur.

Kondukteur: „Sie haben kein Halbtaxabonnement!“

Dame: „Oh, nein, herrjee, ich habe nicht gewusst, dass ich eins brauche.“

Kondukteur: „Sie brauchen auch keins.“

Dame: „…“

3 Kommentare

Eingeordnet unter Konservierte Konversationen, Zügiges

Jähriges Rauschen


Bevor ich sie zu Gesicht bekam, hörte ich die Ärztin feststellen, dass das Kind gross sei und schöne Ohren habe, Sekunden danach wurde mir klar, dass sie schamlos untertrieben hat, denn vor genau einem Jahr lernte ich die 3600 phänomenalsten Gramm Kind, die fabelhaftesten 53 Centimeter Persönlichkeit, mein unersetzlich wertvolles ewigliches Anhängsel, mein Ypsilönchen kennen:

Längst über dem Termin, fürchterlich ungeduldig, befüllt mit dosenweise Ananas und literweise nach Heu schmeckendem Tee, der den irreführend wohlklingenden Namen Himbeerblättertee trägt, muskelbekatert nach Küchenputzepisoden und ausserpustig elefantös anmutenden Treppen- und Hausbergbesteigungen sowie den darauf folgenden schwerkraftkontrollierte Abstiegen, war ich schwangerschaftsübersatt. Wirklich. Sehr.
In jedes wehenähnliche Schmerzintervall interpretierte ich Startschuss und als die Abstände kleiner und die Schmerzen grösser, für mein Empfinden jedoch immer noch bestens erträglich, wurden, beschloss ich, im Wissen um mein gelinde gesagt gestörtes Schmerzempfinden (Platzblinddarm ahoi!), die Klinik zumindest telefonisch zu konsultieren. Eigentlich eher um mir versichern zu lassen, dass Wehen ohne Weiteres auch für mich als solche zu erkennen sind. Allerdings habe ich wohl die Hebamme durch meine allzu dramatische Darstellung meiner zeitweiligen Schmerzempfindungsstörungen so erschreckt, dass sie mich, von meinen nachträglichen Abschwächungsversuchen unbeeindruckt und mit dem Einwand, dass alles andere unverantwortlich von mir wäre, umgehend in die Klinik zitierte, bloss um uns nach einem CTG wieder zu entlassen. Alles andere wäre auch fatal gewesen, hatte ich doch meine Kliniktasche Daheim vergessen.
Die Geschehnisse rund um Schleimpfropfen- und tröpfchenweise Fruchtwasserverluste tatsächlich geburtsannähernde Gegebenheiten, die dazu führten, dass wir Madame Pränatallönchen per Geburtseinleitung zur Ypsilönchenwerdung zu zwingen gezwungen, erspare ich der Leserschaft, auch die darauffolgenden beiden wirkungslos wehenvollen Tage, die ich kügelchenschluckend, geburtshölzchenpressend und Kopf bis Zeh mit Nadeln versehen abwechselnd badend und treppensteigend ungeduldete. Was ich Ihnen hingegen gerne genauer beschreiben würde ist die Scrabblepartie, in der ich den Ypsilönchenpapa unter nicht unerheblichen Wehen glorreich besiegte, aber auch das würde Sie wohl käumlich interessieren. Nach dem ich unter weiterhin wirkungslosen Wehen schon stundenlang Urlaute, und zwischenzeitlich wüste Verwünschungen gen Hebamme, die sich zu Wortspielereien mit meinem Nachnamen hinreissen liess (so was wie „Denken Sie daran, sie sind eine ‚Heldin’, Frau ‚Heldin’!“), ausgestossen hatte, wurde eine eigentlich urangstweckende PDA und anschliessender Kaiserschnitt verordnet und ich empfand nichts als unermessliche Erleichterung ob der Absehbarkeit der Warterei. Unter der PDA, nach durchwachwehter Nacht, unendlich aufgekratzt und definitiv nicht mehr gänzlich bei Sinnen, galt meine ganze Aufmerksamkeit kurz vor der Geburt der Tatsache, dass meine Finger nicht flach, sondern gekrümmt lagen, ich mich aber ausser Stande sah sie zu bewegen. Hier glänzte der Ypsilönchenpapa endlich mit einer heroischen Tat und brachte meine Finger in geburtsfähige Position. Kaum geschehen, wurde auch schon an mir rumgenestelet, ich wurde erschüttert und gequetscht, die paar Minuten vebrachte ich damit abwechselnd zu fragen, ob sie denn nun schon geschnitten haben und mit der Aufforderung an den Ypsilönchenpapa, doch bitte hinter den Vorhang zu schauen und mir eine mündliche Echtzeitübertragung zu liefern, als auch schon Yspilönchens erster Schrei, und damit das allerwunderbarste Geräusch das je gehört ward, erklang und ich mich widerstandslos dem Glückshormonrausch ergab, der, so scheint mir manchmal, bis heute in Bezug auf Ypsilönchen anhält.

8 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Ypsilönchen

Zitronenfalter und Sentimentalitäten


Gestern las ich in den Weiten des weltweiten Netzes „Wer glaubt, dass Sozialarbeiter sozial arbeiten, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.“, wie ich heute nach klammheimlichem Gekicher und umgehender Weitergabe im Glauben Witziges kund zu tun ernüchtert erfahren, ein uralter Schenkelklopfer, der eigentlich schon vor einer ganzen Weile genüge getan. Überhaupt war heute was wohl mit der Suchanfrage „ein Tag der nicht dein Freund“ gemeint war. Herzlichtens Dank, liebe® Suchanfragende® (Ha, schon wieder, anstatt ein r in Klammer ein r im Kreis! Oh Schicksal mein, gar schlecht meinst du es heut mit mir!), dass Sie mir meine offensichtliche Feindschaft mit dem heutigen Tage so undiskret unter die Nase reiben, solche Leute wie Sie werden gemeinhin als unsensibel bezeichnet, jawohl. Ich will die werte Leserschaft nun nicht mit allzupersönlichen Details meines miserablen Tages belasten, ABER…

…Ich sass mit einer dezibelmächtig kauenden, atemwegeverätzend parfümtragenden Mitreisen im selben Abteil, in überquellend voller Bahn, Platzwechsel ausgeschlossen.

Nun stellen Sie sich eine manigfaltige Multiplikation derartiger Gegebenheiten vor und bemitleiden Sie mich innig. Danke.

Meiner Laune ebenfalls wenig zuträglich ist die Tatsache, dass morgen den ganzen Tag arbeite, während Ypsilönchen eigentlich den ganzen Tag befeiert, verehrt und beschenkt werden müsste, denn sie wird ein Jahr alt. Ja, sie konsultiert ihre Agenda tatsächlich relativ selten und ja, sie würde ihren eigenen Geburtstag ohne unser Zutun käumlichst bemerken und ja, wir werden das einjährige Ypsilönchendasein am Samstag ausgelassen und hemmungslos wild feiern, unser Wunderlönchen mit Küssen, Geschenken und Freudentränen überschütten, aber der Mutter-Teil meines Herzen, der verklärte, der gluckt und stets stölzert und vor allen Dingen unermesslich sentimental ist, lässt sich nicht täuschen und wird mich, so schwant mir, morgen zu einer dauerberührten Beinahheulsuse machen. Es bleibt wohl nur Bindenhautentzündungsvortäuschung.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich, Ypsilönchen, Zügiges

Fehlzeit


Tatsächlich scheine ich während der unterrichtsfreien Zeit ungleich weniger Zeit für mich zu finden: Das in einer Woche einjährige Ypsilönchen bespassen, die kleine Schwester verheiraten, Frühjahrsputzen und, hier gebührt meiner schlagkräftigen Aura offensichtlich Dank, eine neue Stelle suchen und gefunden haben bedarf all meiner Wachminuten. Neues aus gminggmanggschem Irrwirren folgt nächste Woche, wenn ich endlich wieder weniger Freizeit habe.

6 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich