Wabbelwampenwegwursteln


Vor einigen Tagen hat eine Bekannte mich nach meiner Nachschwangerschaftswabbelwampenwegwurstelmethode gefragt. Nach kurzem Herzschlagaussetzer und vorübergehendem Mimikkontrollverlust, wurde mir seltsam leicht… Endlich erhielt ich Beichtgelegenheit und damit endlich die Möglichkeit der Last dieses dunkeln Geheimnisses auf ewiglich verlustig zu werden. Anfänglich zögerlich, mit wohlgewählten Wortkombinationen, schliesslich schwallartig, mich auf angenehme Weise  (vergl. unangenehm) meinem Mundwerk ergebend, tat ich kund, was (fast) niemand zuvor gehört hat: Ich erzählte, wie ich, nach der gröbsten Ypsilönchenverklärungsphase, eines schönen Tages plötzlich bewusst die Bewegung meiner busfahrtbedingt erschütterten Wampe wahrnahm, wie ich hernach drei Wochen lang lustlos täglich eisern sekundenlang angebliche Bauchstraffungsübungen vollführte, mir einbildete sie zeigten Wirkung und einen Tag später, ebenfalls im Bus, nach dem Fortschritt meiner, nach einen Blick auf meinen Bauch, offensichtlichen Schwangerschaft gefragt wurde. Ich erzählte wie ich nach der niederschmetternden Busfahrt meine Fingernägel von blutigen Hautfetzen befreite die Ypsilönchentante traf, ihr mein Leiden schilderte, sie sich meiner erbarmte und entschloss mich bei eine Wabbelwampewegwurstelei zu unterstützen. Nach Verwerfen von allerlei all zu teuren Bauchwegmethoden entschlossen wir uns, nicht ohne uns vorher gräbliche Verschwiegenheit geschworen zu haben, unter äusserster Geheimhaltung zum Aquajogging, ja, Aquajogging. Als am hierfür geeignetsten und günstigsten erwies sich ein nahe gelegener kleiner See, den wir fortan mindestens viermal wöchentlich, in aller Frühe, vorzugsweise in sichterschwerender Dämmerung, zu besuchen gedachten. Unter dem Vorwand Material für Ypsilönchentantes Schwimmunterrichtsstunden zu besorgen, begaben wir uns in Fachgeschäft und erstanden, was an Utensilien für unser Vorhaben benötigt: Getönte Taucherbrillen, Aquajoggingschwimmhilfen, geeignete, der Wasserfarbe angepasste (algengrüne) Schwimmhauben und einen Burkini Schwimmkleidung. Wir liessen Gekauftes als Geschenk einpacken um, eine Entlarvung bei der Heimschaffung zu verhindern und verabredeten uns für die folgende Nacht Morgenfrühe, in der Hoffnung, dass wir zu diesem Tageszeitpunkt den See allerhöchstens mit Getier zu teilen haben. Wir irrten. Neben uns riss sich eine Horde gackernder Achtzigjähriger die Kleider vom runzligen Leib, zwängte sich in allzuenge Schwimmkluft und hupfte leichtfüssig in den See, während wir, froh ob der Sehbehinderung durch Dämmerlicht und getönten Schwimmbrillen, uns bibbern umzogen, die Aquajoggingschwimmhilfen umschnallten und uns nach ausgiebigem Zieren ins kalte, etwas zu schlammgrünliche Seewasser begaben um zu erfahren, dass Aquajogging für Ungeübte tatsächlich anstrengend ist. Während die Ergrauten von dannen aquajoggten, joggten wir irgendwie an Ort und Stelle und erreichten nur unter Zuhilfenahme herkömmlicher Schwimmtechniken, eigentlich ein Verstoss gegen den Aquajoggerehrenkodex, aber ich glaube, dass auch die (F)Alten heimlich bescheissen und mit offener Hand joggen, um schneller voran zu kommen, die Seemitte. Während die Greisinnen sich längst schon wieder auf festem Boden und in warmen Gewändern befanden, warfen wir unser Vorhaben zumindest die Rückkehr zum Ufer strikte aquajoggend zurückzulegen über Aquajoggingschwimmhilfe und schwammen. Dass wir nach Wasseraustritt mit Hühner- und Schrumpelhaut rechnen müssen, war uns klar, die Tatsache, dass wir dem Wasser eindeutig pelziger entstiegen als wir eingetaucht sind, war hingegen eher befremdlich. Nach dem Naheliegendes, wie evolutionstechnische Rückentwicklungen ausgeschlossen war, konnten wir die künstliche Arm- und Beinhaarverlängerung als anhängliche Mikroalgen entlarven und mittels Hochdruckduschen entfernen.         Trotz Altersausfluggefühlen, Anstrengung, Kälte und Arm-Bein-Extensions entbehrte unser Aquajoggingdebut nicht einer gewissen Lauschigkeit und dem Gefühl erfolgreich gegen die Wabbelwampe vorgegangen zu sein und so beschlossen wir die Übung fortan mindestens viermal wöchentlich zu wiederholen.

Ob das Verschwinden des gröbsten Wabbels nun der Aquajoggerei oder schlicht guten Genen und Jugendlichkeit zuzuschreiben ist, vermag ich nicht zu beurteilen, sicher ist, dass Joggen im See zu den angenehmeren sportlichen Betätigungen gehört und zu zweit durchaus unterhaltend ist. Leider mussten wir die Aquajoggsaison mit fortschreitendem Sommer, anhaltender Hitze, dadurch entstandener Algenüberpopulation und vor allem einem Zeitungsartikel über den im See heimischen Riesenfisch und darauffolgenden vermehrt unheimlichen Fischbegegnungen schweren Herzens beenden.

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Eingeordnet unter Elternsein, Neulich, Vom Sollen und Tun

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