Von Irren und lichten Momenten


Y verfügt, wie an anderer Stelle schon geschrieben, über einen schon relativ beachtlichen verbalen Wortschatz dessen Inhalt quantitativ zu überblicken wir aufgegeben haben, jeden Tag scheinen neue Wörter hinzuzukommen, die sie richtig einsetzt und täglich gebraucht. Noch ist für Aussenstehenden längstens nicht alles verständlich, manchmal hilft ihr dabei die Tatsache, dass sie die wichtigsten Wörter auch gebärdet, noch drehen sich nicht situationsbezogene Gespräche mit ihr oft um die immergleichen Themen (Wer schläft wo, wer isst was und allerlei Getier) und noch sind Zwei-Dreiwortsätze rar, aber grundsätzlich scheint Y das Sprechend und Verstandenwerden zu lieben und plaudert den ganzen Tag. Wenn da nicht die Irrungen und Wirrungen rund um ihren und meinen Namen wären…

Seit langem nennt sie Herrn Gminggmangg Papa, sie nennt ihre eine Oma (M)Eme, die andere Grosle, sie nennt ihre (Paten)Tanten und den Patenonkel, die Krippenbetreuerinnen, nähere Bekannte, ja sogar den Nachbarshund beim Namen, mich aber mit Vorliebe ebenfalls Papa und sich selber gerne Mama. Mir ist dieses Phänomen unerklärlich, sie reagiert absolut zuverlässig auf ihren Rufnamen und ebenso zweifellos weiss sie von wem die Rede ist, wenn von Mama gesprochen wird, auch hatte sie ein, zwei lichte Momente, in denen sie sowohl mich als auch sich richtig benannte. Das kommt ganz bestimmt von zu langem Stillen, ehrlich, das Kind kann so ja nie eine eigene Identität bilden, viel zu symbiotisch sowas!

Es bleibt uns nur, die Bezeichnungen „Mama“ und „Ypsilönchen“ immer und immer wieder in Alltag einfliessen zu lassen, und wehmütig an lichte Momente zu denken, sind doch direkte und klärende Gespräche meist von wenig Erfolg gekrönt, denn lässt sie sich manchmal davon überzeugen, dass ich eigentlich die Mama wäre, beharrt sie mit Nachdruck darauf selber ebenso zu heissen. Es ergeben sich hierbei Konversationen wie die Folgende, die mit Inbrunst von Tippen auf die Brust der entsprechenden Person begleitet werden und endlos ausgedehnt werden können:

„Wie heissisch du?“

„Mama!“

„I bi d Mama. Du bisch d Ypsilönchen.“

„Nä, Mama.“

„Iiiii bi d Mama, du bisch d Ypsilönchen.“

„Mama. Mama.“

„I bi d Mama, du bisch d Ypsilönchen, Yiiiiiiipsilönchen!“

„Mama.“ zeigt auf mich,  „Yiiiiiiiiii…Mama!“ zeigt auf sich.

Uswusf.

 

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich, Ypsilönchen

2 Antworten zu “Von Irren und lichten Momenten

  1. susanne

    Bei Marek ist:
    Mama = Nuggi
    Mama = Er selbst
    Mama = Ich, wenn auf einem Foto und sonst in echt auch manchmal….

    Ansonsten bin ich stolz auf meinen sogenannten „late-Talker“, er kann nämlich nur „zug“ und „baum“ sagen, und das mit anderthalb, zeit für eine Therapie, oder?

    (Das gesprochene Kauderwelsch gibt mir viel interpretationsmöglichkeiten, resp. die Kommunikation ist gewichtiger als ichs mir vorstelle, wenn dannn das sprechen kommt mit all denn banalen, aber wohl schampar wichtigen Inhalten.)

  2. Therapie? Unbedingt! Ob ich Y gleich mit schicke?
    Aber ehrlich, ein wenig beruhigt es mich schon, dass auch andere Schtünggle so ein Gminggmangg machen mit dem wichtigsten aller Wörter… Mama.
    Grössenwahn? Egozentrisch? Ich? Vielleicht eine Therapiesitzung zu dritt?

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