Ode an den Nächstbarn


Ich kann es nicht lassen. Er auch nicht.

Lang bevor der Erstschnee fällt,

wenn’s noch herbstet auf der Welt,

ist Herr Nächstbar kaum zu halten,

genug hat er vom Händefalten,

zur Schaufel will er endlich greifen,

er will jetzt Schnee, nicht schnödes Reifen!

Er harrt und lauscht und schnuppert still,

auf dass der Schnee nun kommen will

und eh’ die erste Flocke sachte

ihren Fall zu Ende brachte,

schaufelt er und kratzt und scharrt,

dass die Welt vor Schmerz erstarrt.

Ein Getös’ ganz ohne Gleichen,

Herr Nächstbar ist nicht zu erweichen,

mit System, so muss es sein,

muss er den Platz von Schnee befrei’n.

Bis Schneefallend, er kennt kein Rasten,

kein Schnee soll seinen Platz belasten,

kratzt und scharrt und schaufelt er,

uns bleibt keine Gegenwehr,

als die sonst geliebte Pracht,

die aus dem Winter Winter macht,

ganz leis’ und innig zu verfluchen,

um Frühlings Rückkehr zu ersuchen,

oder auch, versteckt und offen,

Globale Erwärmung zu erhoffen.

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9 Kommentare

Eingeordnet unter Gedichtetes, Nächstbars, Neulich

9 Antworten zu “Ode an den Nächstbarn

  1. Hihi. Ich erinnere mich noch an Posts aus dem letzten Jahr und war schon damals voller Bewunderung für diese Hingabe. :-)

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