Pirouetten in Krisenzeiten oder fragwürdige Erziehungsmethoden


Wer denkt der Nahe Osten sei krisengeplagt irrt und begebe sich gefälligst für einen Augenschein in die gminggmanggschen vier Wände. Dieses Kind, auch Ypsilönchen genannt, verweigert mit Ausdauer den Kleiderwechsel. Sie verweigert jeden Kleiderwechsel. Sie weigert sich den Schlafsack auszuziehen, sie weigert sich den Pyjama aus- und Tageskleidung anzuziehen, sie weigert sich die Hose zum Windelwechsel auszuziehen, sie weigert sich die Hose nach dem Windelwechsel wieder anzuziehen, sie weigert sich warme Socken oder Hausschuhe anzuziehen. sie weigert sich warme Socken oder Hausschuhe auszuziehen, sie weigert sich Jacke und Schuhe anzuziehen, sie weigert sich Jacke und Schuhe wieder auszuziehen, (Haben Sie schon verstanden worum es geht?) sie weigert sich warme Socken oder Hausschuhe anzuziehen, sie weigert sich die oberen Kleidungsschichten für den Mittagsschlaf anzuziehen, sie weigert sich den Schlafsack anzuziehen, sie weigert sich den Schlafsack auszuziehen, sie weigert sich die wärmeren Schichten wieder anzuziehen und ich erspare Ihnen den weiteren Tagesverlauf. Mit Ablenkung („Guck wie lustig ich Nilpferdpirouetten drehe!“), logischen Argumenten („Diese Hose ist nass und muss gewechselt werden.“), Wahlfreiheit („Was möchtest du anziehen, ja, diese rosa Blumenhose und der rot-orange Streifenpulli sind eine  hervorragend kombinierte Wahl.“) und Geduld (Gestern waren es 1 1/2  Stunden bis die Geiselnahme des Schlafsacks unblutig beendet wurde. Sie dürfen mich ruhig mit Frau Ausdauer oder Göttin des Verhandlungsgeschicks ansprechen.) überwinden wir die meisten der so gearteten Konflikte. Ich monologisiere ja gerne über meine (unsere) Erziehungsvorstellungen, gerne und unter anderen auch mit zentnerschweren Begriffen wie gegenseitiger Respekt, gegenseitiges Ernstnehmen und Ehrlichkeit. Jawohl. Und so erntete ich an diesem unausgeschlafenen und übellaunigen Montagmorgen vollste Zustimmung und Kooperation beim Pyjamaaus- und Tageskleidung anziehen, bemerkte Y doch nicht, dass ich den Pyjama in einer Verzweiflungstat zuvor heimlich und mit voller Absicht nass werden liess.

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10 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich, Ypsilönchen

10 Antworten zu “Pirouetten in Krisenzeiten oder fragwürdige Erziehungsmethoden

  1. Lustig – bei uns geht es auch gerade los mit dem selbst Entscheiden, was Kleidung angeht. Ich lasse sie… krabbelt sie halt den Nachmittag im Schlafsack umher bzw. trägt drei Pullis und drüber noch die Jeansjacke. Im Haus darf sie auch Schuhe tragen, wenn die nicht zu schmutzig sind, aber barfuß ist auch ok. Das erspart mir eine ganze Menge nerven.

    Nasse Kleidung würde ich aber wohl zwangsweise ausziehen. (=

    • Wann immer möglich lasse ich die Y auch selber Initiative zum Kleiderwechsel (oder eben -anbehalten) ergreifen, nur gibt es eben wirklich Situationen, in denen warme, bzw. überhaupt Kleidung, von Nöten ist. (Man versuche ein Kind im Schlafsack in den Autokindersitz zu schnallen…)

  2. mammasusanna

    Hatte was ähnliches mit den neu gekauften Regenstiefel (im Laden hatte es einen Fernseher, was wir nicht haben, und dann immer zu den Stiefeln dazu erwähnt wurde) – hab sie ihm dann ein paarmal auch angezogen aber irgendwann musste ich da schluss machen… Hab erklärt dass es draussen nass sein müsse und nun, der clevere bub: dusse nass! (dabei ists sonnig…) Stifeli Aaleleg! (Aaleleg (anziehen) eins meiner lieblingswörter nebst: Sososei (sauerei) und, wenn ich schon grad dabei bin: büsi choufe! und gestern: büsi choufe butstag (geburtstag).
    Du, freu dich dann auf die Ausziehphase!
    Grüess uf Bärn, S

    • Das scheint also ein Altersphänomen zu sein…
      Und, eben, wenn wir schon dabei sind: „aleleg“? Schtötterlet deiner auch manchmal?
      (Und Bern darf erwähnt werden, ich glaube das gar irgendwo selber erwähnt zu haben.)

  3. mammasusanna

    Ach, wieder die Anonymisierung vergessen – dies ist ja kein Briefwechsel… Mach aus „B“ B –––––––

  4. Ich würde sagen, das ist der richtige Zeitpunkt für das Müttermantra „Es ist nur eine Phase“ ;-) Sie haben meinen größten Respekt für die eineinhalb Stunden! Ich finde das Nassmachen des Schlafanzugs ein adäquates Mittel zur Krisenbewältigung (die Vorstellung ist einfach herrlich :D ).

    Liebe Grüße,
    Stjama

    • Nun, die eineinhalb Stunden waren nicht sonderlich anstrengend. Sonderlich langweilig allerdings schon, hätte ich doch ein Programm draussen vorgesehen und mir blieb nur auf Ys Entscheidung mich zu begleiten zu warten. Kaffeetrinken hilft.

  5. Nun, Frau G., was soll ich sagen?
    Es gab in unserem Haushalt Zeiten, da verbrachten wir 3 Stunden des Tages mit Kleidungswechsel. Morgens anziehen. Auswärtig anziehen (Spielgruppe, Turnen, Musik…). Dort wieder ausziehen. Dann wieder an. Zu Hause wieder aus. Dann wieder an (Spielplatz, Freunde besuchen, Sport). Dort wieder aus. Dann wieder an.

    Das gibt sich. Und Pubertisten kleiden sich wenigstens alleine 30igmal um. Das tröstet…

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