Hauen hilft immer


Die Schwangerschaft (und später auch irgendwie das Kleinkindhaben) scheint ein Zustand der Einladung zu grenzüberschreitendem Verhalten, hemmungslos persönlichen Fragen, unerfragten Erfahrungsberichten und anmassenden Kommentaren zu sein.

Dass ich, ohnehin nicht eben Körperkontaktfanatikerin, insbesondere Mühe mit der Bauchbetatscherei bekunde, habe ich andernorts beschrieben. Den dort gefassten Vorsatz, der unerwünschten körperlichen Nähe mit ebenso rücksichtsloser Grenzüberschreitung zu begegnen, scheiterte allerdings an meinem Unwillen mich für den erlittenen Bauchtatschübergriff auch noch mit eigeninitiierter Fremdkörpernähe zu bestrafen. Ich verlegte also die tatsächliche Rücktatschtat im Gesichtsbereich auf blosses Androhen derjenigen, was mir ,zwar etwas plump, aber auch relativ wirkungsvoll, 2x wortloses Weggehen, 2x fassungsloses Nachluftschnappen und 3x irritierten Themenwechsel bescherte. Auch die Kussthematik gewinnt in der Schwangerschaft an zusätzlicher Brisanz, zum einen weil, was vielleicht auch blosse Einbildung, man Schwangere wohl noch lieber küsst, zum anderen weil neben der Nasenkollidiergefahr beim Dreifachküssen auch noch potentielle zu vermeidende Bauchreibereien einberechnet werden müssen. Mir bleibt in dieser Zeit nur das Intensivieren der hier beschriebenen Kussvorbeugungsmassnahmen.

Ich möchte hier auch festhalten, dass ich mich, obwohl schwanger, nicht wirklich für Körperflüssigkeiten, Unterleibsverletzungen und -masse mir nur mittelbekannter Personen interessiere und auch schwanger diesbezügliche Gespräche nicht wirklich mit Vorliebe in öffentlichen Verkehrsmitteln führe. Dabei können Gespräche ganz harmlos beginnen, würden aber, wäre ich nicht schwanger, niemals Wendungen wie die unten beschriebene nehmen. „Hallo, wie geht es?“ „Gut, danke.“ „Ich bin bei der Geburt meiner Zwillinge 3cm gerissen und mein Damm musste genäht werden, es blutete, glücklicherweise hatte ich trotzdem Milcheinschuss, der mir allerdings gigantische und triefende Brüste bescherte. Sex kann ich aber noch jeden Mittwoch und Sonntag.“ Ich will das nicht wissen. Punkt. Oder sehe ich vielleicht so einsam und verzweifelt aus, als hätte ich keine ausgewählten GesprächspartnerInnen, mit denen ich tatsächlich derartiges besprechen WILL? Sehe ich aus, als wollte ich gefragt werden ob, und das ist ein Originalzitat, ich „ein gutes Milchchueli“ sei?

Auch kann ich unmöglich jeder Oma die mich kopfschüttelnd betrachtet, oder den mittelalterlichen Ehepaaren, die sich in Hörweite stellen und sich über perspektivelose Allzujungmütter entsetzen oder mir, auch tatsächlich schon vorgekommen, indirekt vorschlagen, doch lieber erst eine Ausbildung zu machen und jetzt mit dem Kinderkriegen aufzuhören, eine Visitenkarte mit Alters- und Einkommensangaben aushändigen, um drohende Atem- oder Herzschlagaussetzer abzuwenden.

Es bleibt in den verbleibenden 10 Wochen wohl nur das altbewährte Singen mit Fingern in den Ohren. Oder Hauen. Hauen hilft immer.

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12 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich, Schwangerschaft

12 Antworten zu “Hauen hilft immer

  1. Mo*

    Hihi.
    Ich war mal aktiv in einem Forum da tauschte man die Koppulierpläne zum einschätzen des besten Zeitpunkts für ein Ei aus.

    UNd man diskutierte ob es jetzt öfter oder nur einmal richtig sein soll um ein Baby zu machen.
    Diese Dialoge entstanden meist in den „Wohin schwanger in Urlaub?“ oder „Ich glaub es klappt nicht weil der Hund zuguckt“ Threads.

    Irre. Weglesen war quasi unmöglich wenn man wissen will was man da jetzt tun soll wenn der Hund press nebendran sitzt!

    Hauen Sie zu. Und richten Sie Grüße aus! ;)

  2. Ein gutes Milchchueli. Ich liege unterm Tisch vor Lachen :))
    Nein, so heftig hat es mich nie erwischt. Wehr Dich ruhig, da hast Du recht :)

  3. Ich krieg Angst!

    Das Bauchbetatschen hat ganz offensichtlich jede Schwanger schon mal mitgekriegt.
    Haben die Leute eigentlich keine Manieren mehr?

    Ich hab bisher zweimal schwangere Bäuche angefasst und das waren Freundinnen und da hab ich mindestens zweimal gefragt, ob es wirklich ok ist, wenn ich mal kurz anfasse, weil ich so neugierig bin.

    *seufz*

  4. gewalt ist *immer* eine lösung, keine schöne zwar – aber eine lösung!
    ;-)

  5. Pingback: Was ich in dieser Schwangerschaft tatsächlich anders gemacht habe « Gminggmangg

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