Tagesarchiv: Mai 5, 2011

Was ich in dieser Schwangerschaft tatsächlich anders gemacht habe


In etwas mehr als drei Wochen, wenn denn die Berechnungen stimmen, werden die Gminggmanggs zu viert sein. In etwas mehr als drei Wochen wird unser Leben erneut kopfgestellt. In etwas mehr als drei Wochen werde ich statt eines wunderbar straffen Bauches, eine Wabbelwampe, dafür aber zwei, drei, vier Kilo lebendes Glück mein nennen dürfen. Zeit also, mir über Erfolg und Misserfolg beim Umsetzen der schwangerschaftsbezogenen Vorsätze Gedanken zu machen.

Ich gelobte einst feierlichst…

…die pränatale Gewichtszunahme in überschaubaren Grenzen zu halten (…) und (…) auch in den späten Schwangerschaftsmonaten kein Wasser mehr einzulagern.

-> Steuerbares habe ich mit leichten Einschränkungen, nicht Abstinenz, bezüglich morgendlichen Croissons und ähnlich leichten Speisen und diversen Krankheiten ganz erstaunlich gut im Griff, bis anhin sind es um die 11 kg und um auf eine ähnlich epische Körpermasse zu kommen, müsste ich in den nächsten drei Wochen noch über 14 kg zunehmen. Etwas störend muten hier meine unzähmbaren Gelüste nach Wassermelonen und, mehr noch, Wassereis an, aber bezeichnungstechnisch derart wasserlastige Lebensmittel können unmöglich Kalorien enthalten, sondern lagern sich allerhöchstens in Form von Wasser(eis/melonen)einlagerungen ein und die entziehen sich ja nun fast völlig meiner Beeinflussung. Ich betrachte diesen Punkt als völliglichst erfolgreich erreicht.

…die postnatale Gewichtsabnahme auch tatsächlich mit etwas mehr Aufwand voran zu treiben, jawohl, ich werde mehr als dreimal sporteln gehen, die gekauften und bis anhin ungenutzten Joggingschuhe auch tatsächlich in Gebrauch nehmen und mich nicht mehr auf meine Jugendlichkeit und natürliche Körperregeneration verlassen.

->Tz, jetzt da diese Zeit so unmittelbar vor der Tür steht: Es ist ja nicht so als hätte ich gar nichts gemacht, neinein, und jung bin ich ja auch noch. Bisschenkleinwenig… Und überhaupt: Vielleicht bleibt ja nach dieser Geburt keine Wabbelwampe zurück. Das könnte doch sein oder? Und vielleicht entsprechen ja die Resultate der nächsten Abstimmung meinen gesetzten Kreuzchen? Vom Träumen.

…meine Haare unter allen Umständen zu behalten, jawohl, Haarausfall, ist keine Option, wird mit legitimen und unvernünftig unsinnigen Mitteln bekämpft. Ich bin mir nicht zu schade fürs Haubendauertragen, ich bin mit nicht zu schade für Kleister.

-> Ziel kleister- und haubenlos erreicht, allerdings wird die kritische Phase erst um die drei Monate nach der Geburt ihren Höhepunkt erreichen und meine drei spärlichen Haupthaare haben sich in den letzten neun Monaten auch nicht sichtbar vermehrt.

…potentielle Namen nicht im Voraus zu verraten, scheinen doch unsere Gegenüber nicht davon ablassen zu können, uns ihre Meinung über Schönheit und Unzumutbarkeit unserer Namensvorstellungen kundzutun, was mich zu Trotzreaktionen verleitet und dem Kind womöglich ein Leben mit einem Namen wie Patrizia oder Jennifer beschert.

-> Nicht erreicht und nein, das Kind wird trotzdem nicht Jennifer heissen. Vielleicht, wenn sie sich denn nicht als volljähriger Teenager, ihres alten Namens überdrüssig, umbenennen lässt, um uns damit dafür zu bestrafen, dass sie ein antiautoritär verzogenes Lehrerkind ist.

…ungefragte Erfahrungsberichte und Ratschläge auszublenden, jawohl, wenn mir noch eine Unbekannte kurz vor Entbindungstermin, mitten in meinen Werde-ich-Memme-eine-Geburt-überleben-Ängsten, erklärt, dass es zwar schön war, aber sie ganz fest gerissen sei, werde ich mit Fingern in den Ohren eine ohrenbetäubende „Königin der Nacht“ schmettern.

-> Ziel nicht erreicht. Heiserkeit war einziger Grund.

…nur noch mir, mir und mir Glauben zu schenken, was meine Körperfunktionen und, hier empfehle ich Zartbesaiteten wegzulesen, -flüssigkeiten anbelangt. Wenn ich Schleimpfröpfe und Fruchtgewässer verliere, verliere ich, verdammt noch mal, Schleimpfröpfe und Fruchtgewässer!

-> Ziel erreicht. Glaube ich.

…der diensthabenden Hebamme… Aber das habe ich ja schon erwähnt: Mord, Totschlag und/oder Ausschaffung bei Namensspielen.

-> Noch hatte ich keine Gelegenheit dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, habe aber  zumindest eine der Hebammen während eines CTGs schon vorsorglich vorgewarnt. Sie verstand und verschwand. Anzunehmen, dass sie zum Zeitpunkt meiner Geburt so beschäftigt sein wird, dass sie sich unmöglich mir widmen kann.

…exzessives Wehwehchen-Googeln zu unterlassen, will ich doch diese Schwangerschaft ganz gerne ohne Hypochondrie überstehen, also ab heute morgen ganz bestimmt

-> Hier nenne ich nur Stichwörter „pränatale epileptische Anfälle“, „Geburt mit gebrochener Rippe“, „pränatale Hyperaktivität“, „ausbleibende Kindsbewegungen, „fehlende Schwangerschaftsbeschwerden“, „(Beliebiges Körperteil einsetzen)-schmerzen in der Schwangerschaft“, „Schwangerschaftsbeschwerden plötzlich weg“, mehr wollen Sie, da dürfen Sie sicher sein, gar nicht wissen.

… dass ich ungefragtes Bauchantatschen ebenso ungefragt und unter Zuhilfenahmen meiner gesamten Überwindungskraft ebenso beantworten werde.

-> Eben, Hauen hilft immer.

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