Vom Führen und Samaritern


Ungefähr mit unschuldigen 10 Jahren beschloss ich mit 18 unbedingt umgehend den Führerschein zu erwerben. An diesem Entschluss hielt ich fest bis mich die pubertäre bipolar-anarcho-öko-ich-trage-Doc-Marteens-und-meine-Fingernägel-erstrahlen-immer-in-mindestens-drei-verschiedenen-Farben-die-obligaten-schwarzen-Dreckränder-nicht-eingerechnet-Phase mit voller Wucht heimsuchte und nicht in nützlicher Frist wieder entliess. Danach bedurfte ich einiger Jahre um mich irgendwo zwischen Fanat- und Fatalismus wiederzufinden und aus den Bruchstücken ein fremdzumutbares Selbstbild zu basteln, fehlte es mir an Geld, danach an Zeit. Heute, fast 10 Jahre nach errechnetem Führerscheingeburtstermin, führt Herrn Gminggmanggs unverhoffter Führerscheinerwerb und damit verbundene Annehmlichkeiten, wie Wocheneinkäufe ohne bleibende Rückenschäden, zu erneutem Aufkeimen des Wunsches. Nach dem Erwerb des Nothelferausweises, den ich trotz meiner Weigerung Beatmungsübungen an einer nicht sterilisierten Puppe vorzunehmen sehr verdient erhielt, immerhin lauschte ich gnädig und ohne zu murren den öden Ausführungen des Prototypen eines Füdlibürgers Samariters, der keine Gelegenheit ausliess darauf hinzuweisen, dass er seinem kehlkopflosen Freund ein lebenswertes leben ermögliche, dabei erwartungsvoll in die Runde blickte, die seine barmherzige Seele undankbarerweise so gar nicht mit anerkennenden Worten zu tätscheln gedachte. Doch genug der Stichelei, das Ganze war erträglich, denn ich wurde von Herrn Gminggmanggs Schwester begleitet und lief so nie Gefahr einzuschlafen, musste ich doch, Dank sei ihr, immer mal wieder unkontrollierbarer Lachanfälle Herrin werden. Geplant wäre desweiteren gewesen, die Theorieprüfung samt Verkehrsunterricht in dickbauchigem Zustand zu absolvieren, um danach den Mutterschaftsurlaub für die Praxis nutzen zu können. Gar so dick bin ich nicht mehr, theoriegeprüft allerdings auch noch nicht und lasse damit leise kichern, wer schon bei der Schilderung meines Vorhabens nur müde lächelte. Dabei ist daran, das müssen Sie glauben, nur die Tatsache schuld, dass die Äm so pünktlich kam. Natürlich hätte ich alles geschafft, wenn sie uns, wie angenommen, erst im Juni mit ihrer Geburt beehrt hätte.

Aber ich gelobe feierlich, den Mutterschaftsurlaub zumindest für die Theorieprüfung zu nutzen, ehrlich, ich prokrastiniere nicht mehr. Und nun zum eigentlichen Grund für diesen Artikel: Sie, oh werte Leser, sind Zeugen für mein Vorhaben und werden mir, sollte ich wieder der Führerscheinprokrastination verfallen, virtuelle Allerwertestentritte verpassen.

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich, Schwangerschaft, Vom Sollen und Tun

7 Antworten zu “Vom Führen und Samaritern

  1. Ich kenne das Problem, wollte den Führerschein auch schon lange angehen – aber mir macht das Leben immer wieder Striche durch die Rechnungen… aber ich gelobe Allerwertestentritte bei Ihnen und mir ;)

  2. ypsiloenchenfaenin

    eeeehm, trotz kinderlosigkeit, joblosigkeit, 3fach-besitz von nothelferausweis, einfach-besitz von vku und mittlerweile vergangenem auto-besitz noch immer ohne ausweis. zudem 3 jahre aelter. das waere dann ich. koennten sich mich auch treten, wenn nach laengerem auslandaufenthalt ich im jahre sagen wir 2013 noch immer ausweislos tram fahre? merci!

  3. Pingback: Lebensaufgabenliste | Gminggmangg

  4. Ponder

    Ich finde das sehr spannend – das kannte ich bevor ich in eine Großstadt gezogen bin gar nicht, dass jemand >18 Jahre keinen Führerschein besitzt und könnte mir mein bisheriges und aktuelles Leben ohne Führerschein und Auto auch nur schwer vorstellen, auch wenn ich mit dem ÖPNV zur Arbeit fahre. Wie kauft man fuer vier Leute ohne Auto ein? Ein Standard-Wochenend-Einkauf umfasst bei uns (drei Leute) locker zwei bis drei volle Klappboxen.

    Sehr erstaunte Grüße,

    der Ponder

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