Der Tod trägt Plüsch


Seit zwei Monaten ist sie nun da und liegt rum, mit ihren grossen dunkelbraunen Augen und ihrem makellos rosa Teint. Mehr tut sie nicht. Nur liegen. Ab und zu queitscht sie vielleicht. Mehr wirklich nicht. Ich möchte sie hauen, die doofe rosa Plüschsau. Und ich tu‘s auch, wenn niemand hinsieht.

Ich vermag nicht zu erahnen, was einen Menschen dazu bewegen kann, einem Neugeborenen eine rosa Plüschsau zu schenken. Nein, eigentlich fehlt mir das Verständnis fürs Verschenken von Plüschtieren gar gänzlich. Ernsthaft, liebe Plüschtierschenkgemeinde, was sollen wir mit einem überdimensionalen Plüschelchen anstellen? Niedlichfinden vielleicht? Tun wir nicht. Dafür haben wir die Kinder angefertigt. Ich will die ganze Sache ja nicht unnötig dramatisieren, aber die Viecher sind Staubfänger der perfidesten Sorte. Sie fassen jedes Stäubchen, um es nachts oder Sekunden bevor Besuch anklopft klammheimlich auszuhusten. Ja, die Schuld am Staub in unserer Wohnung, an Wollmäusen unter dem Sofa und grauen Schichten auf Büchern tragen all die Plüschviecher und damit auch Sie, die uns mit den Ungeheuern beschenkten.

Ich will Nachsicht zeigen, denn Ihnen ist vielleicht nicht bewusst, welche Gefahr solch flauschig weiche, gegebenenfalls gar mit hör- oder fühlbaren Zusatzfunktionen ausgestattete Albträume aus Plüsch bergen. Man nehme obengenannte Plüschsau vor. Geben Sies zu, auch Sie haben im ersten Moment an Äm gedacht, um nicht zu sagen, sie mit Äm verwechselt! Genau das passiert uns auch. Und nun stellen Sie sich die fatalen Folgen vor! Während Äm vor sich hin hungert, versuche ich erfolglos die quiekende Sau zu stillen, Äm wird dünner, meine Brüste platzen und die Sau bleibt Sau, mit zwei Leben auf dem Gewissen. Eine Tragödie. Wollen Sie das wirklich?

Ich weiss, dies hätte ich früher festhalten müssen, aber damit das nun wirklich und ganz sicher geklärt ist: Ich will keine rosa Plüschsau, ich will keinen tröötenden Plüschelefanten, ich will kein vibrierend schnurrendes Plüschkätzchen und ich will keine quietschenden Stoffratten. Bei Gminggmanggs herrscht ab sofort ein Plüschschenkverbot ohne Ausnahme. Appellieren sie an Ihr Gewissen und halten Sie sich daran.

Strom ohne Atom und Geschenke ohne Plüsch!

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10 Kommentare

Eingeordnet unter Äm, Elternsein, Nächstbars

10 Antworten zu “Der Tod trägt Plüsch

  1. Grossartig! Dake für das Aussprechen! Ich gehe da sehr sehr SEHR konform mit!

  2. Wo darf ich schon wieder unterschreiben? Vielleicht drucke ich diesen Artikel auch und lege ihn unseren Babykarten im Herbst bei..
    (rosa Plüschsau, ernsthaft? Ihr armen :-))

  3. Bei uns gibts auch Plüschtierschenkverbot.

  4. bauchherzklopfen

    Kein Plüsch? Wie wärs mit Wolle. Die Püppi wünscht sich regelmäßig längere Arme, um all ihre Kuschelviecher inkl. Puppi gleichzeitig rumschleppen zu können… Moment, mal durchzählen, das wären jetzt ingesamt 7 Tiere.
    Die Püppi bekam in ihrem Leben erst 4 Plüschtiere von „extern“ geschenkt, 3 davon fielen der Mama-Zensur zum Opfer und wurden in den Schrank verbannt, tja.
    Ne Freundin hat all das Geschenkeplüschzeugs an ihren Sohn dem DRK gestiftet. Kein Platz, zu viel Staub, fertig aus.

  5. Nachdem mein Schwesterherz damals bei Erbrechen des Plüschliregals fast erstickt wäre unter den Massen Geplüsch, habe ich noch vor der Geburt des Tochterkindes ein Plüschschenverbot verhängt (und ein „EsmachtOhrenschmerzen“ Verbot noch dazu mit Androhen die Krachmacher beim Schenkenden zu deponieren, damit derdiedas Kinderlein dort damit frohlockend spielen könnte)- hat super funktioniert bis auf die winzige Kleinigkeit. Den Gatten hätte ich mit irgendwas drohen sollen, denn im Moment ist er derjenige, der von irgendwelchen Sponsoren und Gewinnspielen irgendwelches Geplüsch oder andere Giveaways anschleppt ;)

  6. Kat

    Weiterschenken! Das nächste Baby kommt bestimmt!
    Und sonst gäbe es da noch die Aktion „Zweimal Weihnachten“, oder den Transport nach Dobrusch oder sonst wohin in den Osten oder wo immer auch der Pfeffer wächst.

    • Ja, da werden sie wohl enden, in der Ferne… Vielleicht werden wir auch mal noch den Flohmarkt beglücken, allerdings vermute ich ja nicht, dass tatsächlich jemand Interesse an den Viechern hat und dafür bezahlen möchte.

  7. Hahaha, sehr gelacht, danke.
    Und so wahr!!!

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