Die „Top10-Tricks“ im Umgang mit Kleinst- und Kleinkind


Die geschätzte Frau Bauchherzklopfen fragte mich vor Tagen nach Tips im Umgang mit Kleinst- und Kleinkind: „lass mal die top10-tricks springen!“. Beflissen und um Wohlgefallen bemüht wie ich bin habe ich niedergeschrieben was verlangt. Sie Angaben sind ohne Gewähr und ihre Reihenfolge ist zufällig und impliziert keine Wirksamkeitshierarchischebotschaft.

Beschäftigung für Kind 1

Man suche mit Kind 1 eine Aktivität, die es selbständig verrichten kann und nach Möglichkeit unverhältnismässig zeitintensiv ist.

Beispiel 1: Lassen Sie das Kind Exkremente sortieren.

Beispiel 2: Reichen Sie dem Kind die Zwischenmahlzeiten niemals mehr einfach am Tisch und in netten Tellerchen, nein, verteilen sie, mit Vorteil kleinkrämiges wie Sultaninen, grosszügig in der Wohnung und lassen Sie Ihr Kind das Essen selber ersammeln.

Einbezug von Kind 1 in zu verrichtende Tätigkeiten 

Man lasse Kind 1 in die Tätigkeiten des Alltags Einfluss nehmen und beteilige es daran. Tun Sie dies sorgfältig, denn wenn Sie damit Erfolg haben, können Sie das Windelwechseln, Putzen und Kaffeekochen bald Kind 1 überlassen.

Ungestörte Tagesschläfchen des kleineren Kindes

Man sorge für eine gleichbleibend beruhigende Geräuschkulisse für Babykindes ruhigen und ausgiebigen Schlaf. Dabei gibt es drei Herangehensweisen:

Verhindern des Geschwisterlärms: Beschäftigen sie das Geschwisterkind (siehe oben)

Übertönen des Geschwisterlärms: Es eignen sich Musik, Staubsauger oder der Baulärm von draussen, aber Sie können die Gelegenheit auch für ausgiebiges lautes Verzweiflungsheulen nutzen.

Provozieren gleichmässigen Geschwisterlärms: Wenn Sies harmonisch mögen: Singen sie mit ihm. Wenn Sie gar nicht mehr mögen: Nutzen Sie seine Trotzphase, es wird gewiss nicht schwer sein durch ausgesprochene Verbote oder auch nur Andeutungen dauerhaft gleichbleibendes Gebrüll zu provozieren.

Zeitintensive Beschäftigung für Kind 2

Man hänge Kind 2 an die Brust und einfach nicht mehr ab. Mit etwas Training und Disziplin werden Sie bestimmt bald einhändig Handeln können oder Sie trainieren zusätzlich einen ihrer Füsse. Falls nicht: Stellen Sie sich nicht so an.

Drogen

Selbstreden keine ungesetzlichen Substanzen, wo denken sie hin?! Reden Sie sich Ihre Droge ein. Ich verspreche, dass Ihnen das im Zusammenspiel von Hormonen, Stilldemenz und gehörigem Schlafmangel nicht schwer fallen wird. Irgendwann wird der Punkt der totalen Übernächtigung kommen, Sie werden anders wahrnehmen, die Realitäten werden sich verschieben, es wird der Punkt kommen an dem sie rosa sehen, bestimmt.

Raus aus dem Haus

Man nutze jede Gelegenheit ausser Haus zu kommen. Es gilt dabei sinnvolle Kindertransportmöglichkeiten zu finden.

Erprobt und für gut befunden: Kind 1 zu Fuss/ im Buggy, Kind 2 im Tragetuch

Ungeeignet ist: Kind 1 zu Fuss/ auf Buggyboard und Kind 2 im Wagen, denn Kind 1 wird sich wahlweise weigern zu gehen und aufs Buggyboard zu stehen, versucht in der Folge aufs Buggyboard zu sitzen, klemmt sich Füsse oder Hände ein, will zu Kind 2 in den Wagen klettern, getragen werden oder hat allerlei andere fantasievolle Transportideen.

Noch ungeeigneter ist: Kind 1 in der Rückentrage, Kind 2 im Tragetuch, weil unmöglich, ich schreibe aus Erfahrung.

1-zu-2-Betreuungssituationen vermeiden

Man sorge dafür, dass nie als Einzelperson für die Bespassung, Beliebung und Durchfütterung gesorgt werden muss.

Möglichkeit 1: Sorgen Sie für eine allgegenwärtige Oma, diese Option birgt allerdings die Gefahr von Toten durch per Tröpfcheninfektion multiplizierte Gluckenhormone und daraus resultierende Überdosis.

Möglichkeit 2 (nur für Wohlbetuchte): Stellen Sie ein Ganztageskindermädchen zum Putzen, Windelwechsel und Trotzanfallbetreuung zur Unterstützung ein, hier scheitern die meisten unweigerlich an der Finanzierung.

Möglichkeit 3: Doppelte Arbeitslosigkeit, zugegebenermassen keine gute Lösung, die hier mit grosser Wahrscheinlichkeit zur Scheidung oder Schlimmerem führen würde.

Möglichkeit 4: Suchen Sie sich eine kinderliebe Affäre für Zeiten der Abwesenheit Ihres Mannes/Ihrer Frau.

Jede Schlafgelegenheit nutzen

Ob unterwegs oder daheim: Man ergreife jede Möglichkeit zu schlafen. Kind 1 ist im Kinderwagen eingeschlafen, während Kind 2 schon lange im Tragtuch selig schlummert? Legen Sie sich hin, wo immer Sie sind. Tragen Sie für diesen Anlass stets ein aufblasbares Schild, oder ein entsprechendes Visitenkärtchen bei sich, das allfällig beunruhigten Passanten Ihre Situation schildert: „Lieber allfällig beunruhigter Passant, seien Sies nicht, die Kinder schlafen weil sie müde sind und ich weil ich muss. Wer mich, oder schlimmer, die Kinder weckt ist des Todes und/oder muss sie nun für die Dauer meines Schlafes beschäftigen.“

Vernachlässigung Genügsamkeit

Man nehme haushälterische und körperhygienische Pflichten nicht mehr ganz so ernst. Wollmäuse unterm Sofa, Spinnweben in jeder Ecke, Wäscheberge die mit Abwaschalpen konkurrieren, Haarpracht an unmöglichen (Körper) Orten, Rastas und strenge Körpergerüche? Alles nicht so schlimm, Sie sind dafür lieb und haben andere innere Werte. Ausserdem bringen diese Umstände die Möglichkeit eines gemeinschaftlichen geruchsbedingten Komas, also Schlaf.

Realistisch, nachsichtig und humorig bleiben

Das ist was schlussendlich bleibt: Frau kann sich weder zwei-, noch dreiteilen, gerade in der ersten Zeit wird es Momente geben, die stressig bis schlicht, äh, scheisse sind, aber Sie müssen nicht alles können, es muss nicht alles perfekt sein, erkennen und geniessen sie einfach die Momente absoluter Harmonie, die auch abends beim Zähneputzen mit Kind 1, während Kind 2 zufrieden daneben zappelt, zu finden sind, in ihrer Vollkommenheit. Oder, und dass dürfen Sie durchaus, führen Sie liebevolle Geschwistermomente, beispielsweise sekundenlanges Händchenhalten, auf ihre liebevolle Erziehung zurück und tun Sie, obwohl Sie in diesem Moment Zeit für Haushalt und ähnliche Unsinnigkeiten hätten, in diesem Moment nichts anderes, als grenzdebil im Kreis lächeln.

Für Fragen zu diesem oder anderen Themen wenden Sie sich weiterhin vertraulich an gminggmangg@gmail.com .

Advertisements

12 Kommentare

Eingeordnet unter Antwort, Elternsein, Frage, Visitenkarte

12 Antworten zu “Die „Top10-Tricks“ im Umgang mit Kleinst- und Kleinkind

  1. Ah, wunderbarst. Ich mag besonder den Schlaftipp sehr.

  2. Anniken

    gnihihihihi….

  3. Perfekt, genau das richtige für uns.
    Ich denke, wir fangen mit dem letzten Tip an und arbeiten uns dann bei Bedarf nach vorne. Spinnweben und Wäscheberge haben wir eh schon…

  4. bauchherzklopfen

    Vielleicht wäre auch so eine Art Rundumairbag praktisch, damit man sich jederzeit zum Schlaf hinreißen/umreißen lassen kann.
    Alles gebookmarked und notiert. Wertesten Dank!

  5. Gerne doch.
    Und so ein Rumdumairbag hätte bestimmt (um)reissenden Absatz.

  6. Wunderbar! Grandios gelacht und die Sehnsucht nach Kindern – insbesondere mehr als einem – auf ein Minimum geschrumpft!

Kommentariat:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s