Monatsarchiv: April 2012

Was WIRKLICH zwischen den Schlafphasen geschieht


Semidelirium, so heisst der Zustand, in dem nachts im Halbschlaf durch die Wohnung getorkelt wird, ein wortwörtlich fantastischer Zustand, der Ereignisse zu bescheren vermag, deren Wahrhaftigkeit sich des Morgens jeweils als weder gewiss noch überprüfbar herausstellen. Als Eltern von Schlechtschläfern kennt man diesen Zustand sehr genau. Als Hülle schwacher Blasen ebenso. Beide Dispositionen kombiniert, ergeben massiv multiples nächtliches Erwachen, während dessen sich intensivierende Wahrnehmungsverfremdungen bis hin zu Halluzinationen, die schliesslich um 5:00 im Wahnwitz zu enden, dass ein bis zwei Kinder mit Dringlichkeit nach Frühstück verlangen. „Weniger trinken!“ werden Sie jetzt schreien, und zugegeben, eine Nacht, eine ruhige, durchschlafene, ungestörte Nacht im Krankenhaus, klingt relativ verlockend, doch absichtlich herbeigeführte Dehydration, denn ich trinke ohnehin zu wenig, erscheint mir keine begrüssenswerte Lösung. Schlussendlich bleibt eh nur die Wahl zwischen dem Toilettenbesuch BEVOR das Kind wieder gen Schlaf verfrachtet wurde, allerdings mit dem Nachteil, dass das zwischenzeitliche Geschrei das zweite Kind weckt, dem Toilettenbesuch NACH Versenkung des Kindes in den Schlaf, allerdings mit dem Risiko das Kind wieder zu wecken (Wann erfindet denn eigentliche endlich jemand Schmieröl für elterliche Knackgelenke?) und dem Versuch OHNE Toilettenbesuch auszukommen und schlussendlich, aufgrund erheblicher Schmerzen und Ängsten einzunässen, überhaupt nicht schlafen.

Ich machte mich also letzte Nacht, ich hatte Glück, denn gerade schien Äm wieder tief zu schlafen und ich hatte es geschafft, mich gestreckten Beines, Gelenkeknackprävention, Sie wissen schon, aus dem Nachtlager zu erheben, in Semidielirium und Nachhemd auf, gen Badezimmer. Da stand ich dann also, nach Verrichtung des Notdürftigsten, betrachtete mich im Spiegel und spielte kurz mit dem Gedanken, mir noch schnell die Augenbrauen zu zupfen, da ich erstens nur noch eine, zweitens Zeit und drittens ein semideliriumbedingt vermindertes Schmerzempfinden hatte. „Mieche es Ihnen etwas aus, künftig ab 22:00 hier kein Licht mehr zu machen, Sie werden ja wohl die Schüssel auch ohne Licht treffen und den Wasserhahn finden!? Wenn Sie sich denn mal die Hände waschen…“ sie hatte ein unerwartet voluminöses und, trotz ihrer Dreistigkeit komme ich nicht umhin ihr das zuzugestehen, ein erstaunlich wohlklingendes Stimmorgan. „Natürlich mieche es mir etwas aus, denn eben, zum Beispiel, spielte ich mit dem Gedanken, mir die Augenbrauen zu zupfen und schlimmer als nur eine einzige, dafür lange Augenbraue zu haben, wäre es gar keine zu haben, weil ich mich, weils zu dunkel ist, verzupfe. Ich müsste mir, wie meine Flötenlehrerin in der 4. Klasse, die Braue aufmalen und ich habe ein wahrlich unruhige Hand und würde ungern ganze Tage mit notorisch erstaunt hochgezogenen Augenbrauen verbringen, das wäre durchaus nicht in jeder Situation angebracht.“

Fortsetzung folgt… (Ich danke @hb_dragons für die Fortsetzungsidee.)

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Selbstrede zum 50. Geburtstag


Vor einigen Tagen führte folgende Suchanfrage einen Verzweifelten auf mein Blog: „Selbstrede zum 50. Geburtstag, wie schreiben?“, der Ärmste wurde auf meinem Blog ganz gewiss nicht fündig, aber ich mag Leser, ganz besonders meine und deswegen, lieber verzweifelnd Suchender, eine Rede, extra für dich:

„MitMesseranGlasschlag-Pling – Räusper – Liebe Freunde und Verwandte, herzlich Willkommen all jenen die als Begleitung mitgenommen wurden und ein Hallo an die, die ich eigentlich nicht einladen wollte, weil sie beispielsweise unangenehm riechen und auch sonst eher unumgänglich sind, die ich aber einladen musste, weil mir das mein vermaledeiter Anstand so vorschreibt, ich freue mich, dass ihr, und damit meine ich naheliegenderweise die Erstbegrüssten, die Zweiteren sind mir eher egal und die Letzteren, ach, ihr wisst schon, alle so zahlreich hierher gepilgert seid. Ich hoffe doch sehr, dass ihr eine kurzweilige wie vergnügliche Anfahrt hattet und euch, dank den 100 liebevoll und dekorativ drapierten, Danke an dich, liebe Annemarie, wegweisenden Ballons ohne Umwege an diesen wundervollen Ort, das Schützenhaus Zufallswil, gefunden habt, das schon so vielen historische Begebenheiten ein Dach bot, wie damals als Hansjörg Leuenberger, er ruhe in Frieden, kantonaler Tontaubenschützenmeister wurde und, ganz am Rande, das künstlerische Potential des Tontaubenschiessens wird ja gemeinhin ungemein verkannt, wie ich finde, aber ich schweife ab. Ich bin ja nun ein halbes Jahrhundert alt, wie ihr wisst. Das klingt unglaublich alt, dabei ist 50 doch gar kein Alter! Das heisst, genau genommen ist es ebenso ein Alter wie beispielsweise 9, oder 73 und zu biblischen Zeiten gar 250 und die Jahre dazwischen, ach, was ich sagen wollte ist: Mit 50 steht mir die Welt noch offen, oder? Ich meine, ich könnte noch in die Politik gehen, da wäre ich geradezu jung, also als Bundesrat, meine ich, und, ganz nebenbei, ich habe gehört Herr Burkhalter habe einen ungemein angenehmen Händedruck und ich mag gut dosierte, wohltemperierte Händedrücker… Händedrucker… Händedrucks aber lassen wir das. Zurück darauf, worauf ich eigentlich hinauswollte: Mit 50 könnte ich immer noch musizierend berühmt werden, rein hypothetisch meine ich, wenn ich tatsächlich ein Instrument beherrschen würde, also mit Ausnahme der Eierharfe, ha ha, kleiner Scherz am Rande, oder ein Buch schreiben, einen Krimi, einen Ornithologenkrimi… Ist euch schon aufgefallen, dass Protagonisten viel zu selten Ornithologen sind? Aber ich schweife ab. Oder meine Biografie! Ich hätte da Anekdoten… Wie damals, weisst du noch Hannes, als wir in Spanien total be… Wie jetzt, unangebracht? Darf ich nicht? Nein? Nein. – Räusper – Jedenfalls, wenn man es genau betrachtet, wäre eine Biografie eher unsinnig, ich meine, so auf halbem Weg. Auf weitere 50, oder? Auf weitere 50! Geniesst den Abend, Geschenke bitte auf den Tisch mit der karierten Tischdecke, da hinten bei Rolf. Rolf könntest du bitte schnell winken? Danke. Bedient euch am Buffet, es hat Apérosnacks und später Salate, bitte lasst doch die Schöpflöffel in den jeweiligen Salaten und mischt da nicht rum. Ich meine, es ist ja nicht so, dass mich alle Mischungen stören würden, zum Beispiel finde ich es gar nicht schlimm, den Randensalatlöffel in den Currysalat zu legen, oder umgekehrt, wohingegen ich es relativ unschön fände, an meinem Tomaten-Mozzarella-Salat Spuren des Cervelatsalates zu entdecken. Brrr. Schon rein farblich. Aber ich kann ja schlecht alle tolerablen Kombinationen deklarieren, deshalb gilt: Strickte Salatlöffeltrennung! Guten Appetit. Ah, und ach, ich wäre froh, wenn ihr die Zahnstocher dort in die Holzkiste neben dem Kamin werfen könntet!“

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Bern, 22.4.12


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Napfbäder oder Fettfrei in die Zukunft


Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Fettnäpfe gelegentlich und zufällig mal unfreiwillig betreten, ich lasse mich mit besten Absichten, nackt und in Erwartung eines netten Schaumbades langsam und genüsslich hineingleiten, suhle mich ein wenig, werde mir so urplötzlich meiner Lage bewusst, dass mir ein „Oh!“ des Erstaunens entfleucht, gefolgt von einem massiv unelegant erfuchtelten Selbstrettungsmanöver, bei dem die Fettwanne überschwappt und so ziemlich alles besudelt, was da bis anhin noch so unbedarft und dekorativ in nächster Umgebung rumstand, danach versuche ich das Zeug mit einem frischen Handtuch zu reinigen, rutsche aus, breche irgendwelche Glieder, werde hospitalisiert, bekomme eine nette Zimmernachbarin, mit der mich mich so lange nett unterhalte, bis ich mich nett in die nächste Fettwanne lege.  Wer Kinder hat weiss, Babyschwimmrunden, Spielplätze, Prekip- und andere ähnlich geartet einschlägige Gruppen sind Tretmienen- wahre Fettnapffelder. Fast alle Gespräche werden ziemlich schnell ziemlich persönlich, denn das Gesprächsthema erster Wahl sind meist die Kinder und damit bald auch Erziehung und damit oft ganze Lebensentwürfe. Ich weiss das und bin natürlich extra vorsichtig, was allerdings nicht dazu führt, dass ich weniger Fettnäpfe treffe, sondern dazu, dass ich meine jeweiligen Gegenüber in vorauseilendem Erklärungsgehorsam ausschweifend auf potentielle Beleidigungen hinweise, die sie ohne meine nachfolgenden Unterstreichungen gar nicht bemerkt hätten.  Kurz, die ganze Gesprächssituation ähnelt ein wenig der Situation, wenn Dinge zigmal verwechselt, korrigiert und im Versuch verinnerlicht wurden und schlussendlich erst recht nicht mehr klar ist, was nun wirklich richtig ist. Sie dürfen sich das Ganze in etwa so vorstellen:

Äm und ein etwa gleichaltriger Junge bekunden offensichtlich Interesse aneinander

Mutter X: „Wie alt ist denn die Kleine?“

Frau G.: Oh Gott, diese Frage! Was sage ich nun? Gebe ich nun eine genaue Altersangabe, also 10 Monate und 3 Wochen und 5 Tage? Das könnte pedantisch wirken. Ausserdem könnte die Mutter durch den Umstand, dass Äm schon sehr mobil ist in Bezug auf den Entwicklungsstand ihres Kindes verunsichert werden. Wie die Mutter letzten Monat, der ich letzten Endes erklärt habe, ich hätte mich wohl verzählt und Äm sei schon jährig. So oder so dünkt mich, dass langsamere Kinder fremdes Umfeld potentiell glücklicher machen, als schnelle. – „Quasi jährig.“

Mutter X: „KleinFlavio ist 14 Monate alt, er freut sich immer sooo über andere Kinder, er geht eben nicht in die KiTa und in unserem Freundes- und Bekanntenkreis ist er das einzige Kind.“

Frau G.: Uh, das Thema KiTa ist ein einziger Fettnapf. Ich werde mich einfach auf Äms, auch durch das Geschwisterdasein und massig Freundeskreiskinder ungebrochene Interesse an anderen Kinder beziehen. Und wenn mein Gegenüber nun seit einem Jahr erfolglos an KleinFlavio/a2 bastelt, oder gar der Mann ganz zwingend und unter Androhung der Scheidung nur ein einziges Kind will? Oder die Dame ist gar alleinerziehend und unglücklich dabei! Oder nicht, und sie und ihr Partner haben einfach nur sehr wenige und nur uralte Verwandte und praktisch keine Freunde, weil sie vielleicht einem  ganz und gar langweiligen Hobby frönen, dem Kaffeerahmdeckel-mit-Schweizerbergen-Aufdruck-Sammeln vielleicht. Oh, du garstiges Fettnapfpotential! – „Äm interessiert sich auch für andere Kinder.“ – Herrlich fettfrei!

Mutter X:“Geht sie denn auch nicht in die KiTa?“

Frau G.: Wenn ich jetzt mit „Doch, an zwei Tagen.“ antworte, klingt das zwar unverfänglich, nicht selten gehörte Erwiderungen auf diese Information sind allerdings Aussagen wie: „Ja, manchmal kann man das eben nicht anders lösen, wenn man arbeiten gehen muss.“, darauf wiederum, sähe ich mich genötigt festzuhalten, dass ich tatsächlich arbeiten gehen will und wäre damit schon beim einem der Hauptfettnäpfe (und lesen Sie hier bitte Haupt-Fettnapf, nicht Hauptfett-Napf) aller Mutterfettnäpfe (auch hier: Mutter-Fettnapf) angelangt: Wie soll ich einen derartigen Satz formulieren, ohne mein eventuell nicht auswärts arbeitendes, eventuell sehr sensibles Gegenüber nicht impliziert der Anspruchslosigkeit oder Faulheit zu bezichtigen? – „Nein.“ 

Und so weiter und so anstrengend, wie Sie mir sicherlich beipflichten werden, ich brauche dringend Hilfe. Hier und heute rufe ich deshalb hiermit die Selbsthilfegruppe für Fettnapfwahrnehmungsgestörte (kurz SHG f. FnWg) ins Leben. (Erstes Treffen: 1. Mai, 9:30, Lagerstrasse, Zürich, bitte ziehen Sie sich zur besseren Erkennung gänzlich schwarz an, gerne dürfen Sie aus Identitätsschutzgründen vermummt erscheinen.)

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Frankreich, ein Ferientagebuch in Bildern


Tag 1 – Hinfahrt, ganz in Lönchens Rhythmen und, dank rasch eintretendem Gehörschaden, bald auch relativ ruhig

Hinfahrt, ganz in Lönchens Rhythmen und, dank rasch eintretendem Gehörschaden, bald auch relativ ruhig

 

 

 

 

 

 

Tag 2 – Suchbild mit Y.

Suchbild mit Y.

 

 

 

 

 

 

Tag 3 – Bedienen von Touristenklischees in Begleitung eines Plüschzirkuspferdes von zweifelhafter Schönheit und Frankreich untergraben

Bedienen von Touristenklischees in und Begleitung eines Plüschzirkuspferdes von zweifelhafter Schönheit

 

 

 

 

 

 

Frankreich untergraben

 

 

 

 

 

 

Tag 4 – Meerbetrachtungen

Meerbetrachtung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 5 – Baguette liebkosen

Baguette liebkosen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tag 6 – Heimfahrt, wir nennen Ohrensausen jetzt liebevoll Meeresrauschen

Heimfahrt - Wir nennen das Ohrensausen jetzt liebevoll Meeresrauschen

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