Selbstrede zum 50. Geburtstag


Vor einigen Tagen führte folgende Suchanfrage einen Verzweifelten auf mein Blog: „Selbstrede zum 50. Geburtstag, wie schreiben?“, der Ärmste wurde auf meinem Blog ganz gewiss nicht fündig, aber ich mag Leser, ganz besonders meine und deswegen, lieber verzweifelnd Suchender, eine Rede, extra für dich:

„MitMesseranGlasschlag-Pling – Räusper – Liebe Freunde und Verwandte, herzlich Willkommen all jenen die als Begleitung mitgenommen wurden und ein Hallo an die, die ich eigentlich nicht einladen wollte, weil sie beispielsweise unangenehm riechen und auch sonst eher unumgänglich sind, die ich aber einladen musste, weil mir das mein vermaledeiter Anstand so vorschreibt, ich freue mich, dass ihr, und damit meine ich naheliegenderweise die Erstbegrüssten, die Zweiteren sind mir eher egal und die Letzteren, ach, ihr wisst schon, alle so zahlreich hierher gepilgert seid. Ich hoffe doch sehr, dass ihr eine kurzweilige wie vergnügliche Anfahrt hattet und euch, dank den 100 liebevoll und dekorativ drapierten, Danke an dich, liebe Annemarie, wegweisenden Ballons ohne Umwege an diesen wundervollen Ort, das Schützenhaus Zufallswil, gefunden habt, das schon so vielen historische Begebenheiten ein Dach bot, wie damals als Hansjörg Leuenberger, er ruhe in Frieden, kantonaler Tontaubenschützenmeister wurde und, ganz am Rande, das künstlerische Potential des Tontaubenschiessens wird ja gemeinhin ungemein verkannt, wie ich finde, aber ich schweife ab. Ich bin ja nun ein halbes Jahrhundert alt, wie ihr wisst. Das klingt unglaublich alt, dabei ist 50 doch gar kein Alter! Das heisst, genau genommen ist es ebenso ein Alter wie beispielsweise 9, oder 73 und zu biblischen Zeiten gar 250 und die Jahre dazwischen, ach, was ich sagen wollte ist: Mit 50 steht mir die Welt noch offen, oder? Ich meine, ich könnte noch in die Politik gehen, da wäre ich geradezu jung, also als Bundesrat, meine ich, und, ganz nebenbei, ich habe gehört Herr Burkhalter habe einen ungemein angenehmen Händedruck und ich mag gut dosierte, wohltemperierte Händedrücker… Händedrucker… Händedrucks aber lassen wir das. Zurück darauf, worauf ich eigentlich hinauswollte: Mit 50 könnte ich immer noch musizierend berühmt werden, rein hypothetisch meine ich, wenn ich tatsächlich ein Instrument beherrschen würde, also mit Ausnahme der Eierharfe, ha ha, kleiner Scherz am Rande, oder ein Buch schreiben, einen Krimi, einen Ornithologenkrimi… Ist euch schon aufgefallen, dass Protagonisten viel zu selten Ornithologen sind? Aber ich schweife ab. Oder meine Biografie! Ich hätte da Anekdoten… Wie damals, weisst du noch Hannes, als wir in Spanien total be… Wie jetzt, unangebracht? Darf ich nicht? Nein? Nein. – Räusper – Jedenfalls, wenn man es genau betrachtet, wäre eine Biografie eher unsinnig, ich meine, so auf halbem Weg. Auf weitere 50, oder? Auf weitere 50! Geniesst den Abend, Geschenke bitte auf den Tisch mit der karierten Tischdecke, da hinten bei Rolf. Rolf könntest du bitte schnell winken? Danke. Bedient euch am Buffet, es hat Apérosnacks und später Salate, bitte lasst doch die Schöpflöffel in den jeweiligen Salaten und mischt da nicht rum. Ich meine, es ist ja nicht so, dass mich alle Mischungen stören würden, zum Beispiel finde ich es gar nicht schlimm, den Randensalatlöffel in den Currysalat zu legen, oder umgekehrt, wohingegen ich es relativ unschön fände, an meinem Tomaten-Mozzarella-Salat Spuren des Cervelatsalates zu entdecken. Brrr. Schon rein farblich. Aber ich kann ja schlecht alle tolerablen Kombinationen deklarieren, deshalb gilt: Strickte Salatlöffeltrennung! Guten Appetit. Ah, und ach, ich wäre froh, wenn ihr die Zahnstocher dort in die Holzkiste neben dem Kamin werfen könntet!“

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14 Kommentare

Eingeordnet unter Antwort, Suchanfragen

14 Antworten zu “Selbstrede zum 50. Geburtstag

  1. Wahaha… sollte ich je 50 werden, mögest du bitte meine Rede ghostwriten!
    (Übrigens: mein bisheriges Suchmaschinen-Highlight: Strassenstrich Olten)
    Hochachtungsvoll,
    Änni von und zu on Tour

  2. jpr

    Ich habe waehrend des Lesens an diese Rede denken muessen, finde die Ihre aber schoener, weil sie ohne die Platitueden auskommt.

  3. FrauLöwe

    Möchten Sie in – ähem – anderthalb Jahren meine Ghostwriterin sein?

  4. FrauLöwe

    Ich komme darauf zurück. Sehr gerne sogar :-)

  5. Ich habe mich krummgelacht!! Das ist dir mega gelungen, wie alle Deine Texte – sie sind so erfrischend und witzig!

  6. Pingback: Die Hochzeitsrede | Gminggmangg

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