Was WIRKLICH zwischen den Schlafphasen geschieht


Semidelirium, so heisst der Zustand, in dem nachts im Halbschlaf durch die Wohnung getorkelt wird, ein wortwörtlich fantastischer Zustand, der Ereignisse zu bescheren vermag, deren Wahrhaftigkeit sich des Morgens jeweils als weder gewiss noch überprüfbar herausstellen. Als Eltern von Schlechtschläfern kennt man diesen Zustand sehr genau. Als Hülle schwacher Blasen ebenso. Beide Dispositionen kombiniert, ergeben massiv multiples nächtliches Erwachen, während dessen sich intensivierende Wahrnehmungsverfremdungen bis hin zu Halluzinationen, die schliesslich um 5:00 im Wahnwitz zu enden, dass ein bis zwei Kinder mit Dringlichkeit nach Frühstück verlangen. „Weniger trinken!“ werden Sie jetzt schreien, und zugegeben, eine Nacht, eine ruhige, durchschlafene, ungestörte Nacht im Krankenhaus, klingt relativ verlockend, doch absichtlich herbeigeführte Dehydration, denn ich trinke ohnehin zu wenig, erscheint mir keine begrüssenswerte Lösung. Schlussendlich bleibt eh nur die Wahl zwischen dem Toilettenbesuch BEVOR das Kind wieder gen Schlaf verfrachtet wurde, allerdings mit dem Nachteil, dass das zwischenzeitliche Geschrei das zweite Kind weckt, dem Toilettenbesuch NACH Versenkung des Kindes in den Schlaf, allerdings mit dem Risiko das Kind wieder zu wecken (Wann erfindet denn eigentliche endlich jemand Schmieröl für elterliche Knackgelenke?) und dem Versuch OHNE Toilettenbesuch auszukommen und schlussendlich, aufgrund erheblicher Schmerzen und Ängsten einzunässen, überhaupt nicht schlafen.

Ich machte mich also letzte Nacht, ich hatte Glück, denn gerade schien Äm wieder tief zu schlafen und ich hatte es geschafft, mich gestreckten Beines, Gelenkeknackprävention, Sie wissen schon, aus dem Nachtlager zu erheben, in Semidielirium und Nachhemd auf, gen Badezimmer. Da stand ich dann also, nach Verrichtung des Notdürftigsten, betrachtete mich im Spiegel und spielte kurz mit dem Gedanken, mir noch schnell die Augenbrauen zu zupfen, da ich erstens nur noch eine, zweitens Zeit und drittens ein semideliriumbedingt vermindertes Schmerzempfinden hatte. „Mieche es Ihnen etwas aus, künftig ab 22:00 hier kein Licht mehr zu machen, Sie werden ja wohl die Schüssel auch ohne Licht treffen und den Wasserhahn finden!? Wenn Sie sich denn mal die Hände waschen…“ sie hatte ein unerwartet voluminöses und, trotz ihrer Dreistigkeit komme ich nicht umhin ihr das zuzugestehen, ein erstaunlich wohlklingendes Stimmorgan. „Natürlich mieche es mir etwas aus, denn eben, zum Beispiel, spielte ich mit dem Gedanken, mir die Augenbrauen zu zupfen und schlimmer als nur eine einzige, dafür lange Augenbraue zu haben, wäre es gar keine zu haben, weil ich mich, weils zu dunkel ist, verzupfe. Ich müsste mir, wie meine Flötenlehrerin in der 4. Klasse, die Braue aufmalen und ich habe ein wahrlich unruhige Hand und würde ungern ganze Tage mit notorisch erstaunt hochgezogenen Augenbrauen verbringen, das wäre durchaus nicht in jeder Situation angebracht.“

Fortsetzung folgt… (Ich danke @hb_dragons für die Fortsetzungsidee.)

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Neulich

7 Antworten zu “Was WIRKLICH zwischen den Schlafphasen geschieht

  1. jpr

    Im Dunkeln zu verbleiben kann wegen der Melatoninproduktion tatsaechlich etwas sein, dass zwar nicht im Bad hilft, aber beim hinterher einschlafen, wenn denn alle Kinder auch weiterhin ruhig sind (Ich kann dies hier fuer ein wenig Hintergrund empfehlen, auch wenn es vordergruendig um anderes geht).

    Was ich mich aber vor allem frage: trennen Sie doch die Taetigkeiten nicht. Die Kurzen werden doch im (dunklen) Bad eingesaeuselt vom leisen Plaetschern des Wassers viel schneller wieder einduseln… und Sie sparen Zeit.

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