Tagesarchiv: Mai 14, 2012

Mutter- und andere Feiertagsmuffel


Es ist nicht einfach als Mutter ein Feiertagsmuffel zu sein. Wo ich mich früher mit elaboriertem Vermeidungsverhalten durch die Feiertage schnödete, fällt das heute etwas schwerer. Spätestens wenn die Kinder zwei Jahre alt sind, regelmässig die KiTa besuchen und eventuell gar noch Grosseltern mit Traditionsbewusstsein und -willen haben, könnte Muttern noch so vehement darauf beharren, dass der Osterhase reine Erfindung und der Samichlous ein Hirngespinst ist, die Osterhasenanhänger und Samichlousenfreunde sind in Überzahl, das Kind mit feierlichem Gedankengut infiltriert und die mütterliche Totalverweigerung hätte mit ziemlicher Sicherheit Enttäuschung zur Folge, die hernach teuer hätte wegtherapiert werden müssen. Ich lasse die Patentante also Eier verstecken, fülle Samichlousensäcke und stelle mit Entsetzen fest, dass mich sogar ein wenig, also zumindest ansatzweise, das schlechte Gewissen plagt, weil ich so gar keine Lust verspüre unsere Wohnung mit feiertagsthematischer Dekoration zu versehen. Eigentlich müsste ich, zum Wohle meiner Kinder, schon nur wenn man beachtet, was ich mit dieser Dekoaskese in Bezug auf die späteren Dekorationsgepflogenheiten meiner Töchter, bei möglicher umgekehrter Gegenreaktion anrichten könnte, zumindest den Laptop mit entsprechendem Feiertagsbildaterial aufgeklappt rumstehen lassen, aber auch dazu fehlt mir die Muse. Meist nimmt dann Herr Gminggmangg die Sache in die Hand. Zumindest an Weihnachten. So hängen zumindest ab Dezember einzelne Weihnachtskugeln unmotiviert in der Gegen rum, bis wir sie an Ostern Eier nennen und hernach abnehmen.

Und dann ist da noch Muttertag, dessen Faulenzlizenzpotential ich vor lauter Nachdenken darüber, wie ich unabgedroschener formulieren könnte, dass ich diese punktuelle Mutterverehrung irgendwie absurd finde, weil wir doch dauerverehrt gehören, ebenso wie die Väter und Kinder. Und, ja, wahrscheinlich wird der Moment kommen, an dem ich mich darüber freue, wenn mein Kind mir voller Stolz seinen neonpinkglitzrig angemalten, mit Lieblingsplüschpferdestickern beklebten Serviettenhalter überreicht, aber bis dahin: Lassen Sie mich mäkeln.

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