Mutter- und andere Feiertagsmuffel


Es ist nicht einfach als Mutter ein Feiertagsmuffel zu sein. Wo ich mich früher mit elaboriertem Vermeidungsverhalten durch die Feiertage schnödete, fällt das heute etwas schwerer. Spätestens wenn die Kinder zwei Jahre alt sind, regelmässig die KiTa besuchen und eventuell gar noch Grosseltern mit Traditionsbewusstsein und -willen haben, könnte Muttern noch so vehement darauf beharren, dass der Osterhase reine Erfindung und der Samichlous ein Hirngespinst ist, die Osterhasenanhänger und Samichlousenfreunde sind in Überzahl, das Kind mit feierlichem Gedankengut infiltriert und die mütterliche Totalverweigerung hätte mit ziemlicher Sicherheit Enttäuschung zur Folge, die hernach teuer hätte wegtherapiert werden müssen. Ich lasse die Patentante also Eier verstecken, fülle Samichlousensäcke und stelle mit Entsetzen fest, dass mich sogar ein wenig, also zumindest ansatzweise, das schlechte Gewissen plagt, weil ich so gar keine Lust verspüre unsere Wohnung mit feiertagsthematischer Dekoration zu versehen. Eigentlich müsste ich, zum Wohle meiner Kinder, schon nur wenn man beachtet, was ich mit dieser Dekoaskese in Bezug auf die späteren Dekorationsgepflogenheiten meiner Töchter, bei möglicher umgekehrter Gegenreaktion anrichten könnte, zumindest den Laptop mit entsprechendem Feiertagsbildaterial aufgeklappt rumstehen lassen, aber auch dazu fehlt mir die Muse. Meist nimmt dann Herr Gminggmangg die Sache in die Hand. Zumindest an Weihnachten. So hängen zumindest ab Dezember einzelne Weihnachtskugeln unmotiviert in der Gegen rum, bis wir sie an Ostern Eier nennen und hernach abnehmen.

Und dann ist da noch Muttertag, dessen Faulenzlizenzpotential ich vor lauter Nachdenken darüber, wie ich unabgedroschener formulieren könnte, dass ich diese punktuelle Mutterverehrung irgendwie absurd finde, weil wir doch dauerverehrt gehören, ebenso wie die Väter und Kinder. Und, ja, wahrscheinlich wird der Moment kommen, an dem ich mich darüber freue, wenn mein Kind mir voller Stolz seinen neonpinkglitzrig angemalten, mit Lieblingsplüschpferdestickern beklebten Serviettenhalter überreicht, aber bis dahin: Lassen Sie mich mäkeln.

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16 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein

16 Antworten zu “Mutter- und andere Feiertagsmuffel

  1. Diesmal kann DWM von positiven Langzeitwirkungen berichten: Nachdem sie in der Kleinkinderzeit ihres Nachwuchses vorweihnachtliches Dekorieren und Plätzchenbacken mangels einschlägigem Talent und anwesender Omas an die Au-Pairs outsourcen musste, (DWM war höchstens in der Lage, einen animierten Nikolaus auf den Monitor zu zaubern -selbstgezeichnet!), hat ihre Tochter schon recht frühzeitig die feiertagstechnischen Tätigkeiten perfektioniert. Für die ob DWMs Feiertagsverweigerung bisher betrübte Oma ergibt sich somit die erfreuliche Gewissheit, dass dieser Drang nur eine Generation übersprungen hat.

    • Aus der Tochterperspektive kann ich folgendes anmerken: Man kann Feiertage auch einfach zweckentfremden, die eigentliche Heilig-, Osterhasig- oder Heidnigkeit in die Besenkammer (oder ins Reduit, funktioniert ebenfalls) sperren und sich einen schönen Tag machen. Ob mit traditionellen Bräuchen, ohne Bräuche, erfundenen Bräuchen, ob mit einem Festmahl, mit Fastfood oder Picknick, ob mit Deko, ohne Deko oder unpassender Deko, dpielt meiner Meinung nach keine Rolle.
      Dies aus dem Munde eines Mitgliedes einer Sippe, die auch eine neue Salatschüssel feierlich (bei uns = mit einer Essorgie), mit sämtlichen Sippenmitgliedern und mit viel Tamtam einweiht.
      Liebe Grüsse,
      Änni

      • Liebe DWM, Liebe Ännu, ich gehe auch davon aus, dass irgendwann die Töchter das Ruder übernehmen und für den nötigen Feiertagsflausch sorgen werden und, wie die Frau Änni sagte, bis dahin begnügen wir uns eben mit feierthemafernen schönen Tagen.

  2. mammasusanna

    Wir begehen Feiertage auch noch eher minimalst – aber es ist auch zu sagen, dass die Kinder ja noch klein sein und denen Ostern, Fasnacht und ganz besonders Muttertag ja eigentlich noch ziemlich egal ist/sein kann… Man kann dann, wenn die Kinder ins Schulsystem eingeschleust sind, noch lang genug so Zeugs machen.
    Unser erster Weihnachtsbaum letzten Winter war aber schon eine schöne Sache…

    • Geht denn der Siebensiech nöimen nicht in die KiTa? Samichlaus, Weihnachten und Osterhasen waren jedenfalls bei uns schon sehr gross Thema. Inklusive der Frage: :“Gäu, scho gly chunnt dr Oschterhaas zu üs hei?!“, ohne, dass wir dieses Thema je angeschnitten hätten.

      • mammasusanna

        Nein, nur Anthro-Spielgruppe. Dies wird nun aber Erweitert in 1,5 tage Anthro-Kita… Fasnacht feiern die, z.B. Ja, es blieb uns manches erspart, bisher: Spiderman, blinki-Turnschuhe etc, kein Thema. Gäbig…

        • Gut sowas ist auch hier noch kein Thema, auch wenn sie das omnipräsente Büsi soooo härzig findet, hat sie noch nie nach entsprechender Kleidung verlangt. Wäre auch vergebens.

  3. hier ist es ja so – und jetzt erzähle ich mal aus meinen familieninternen erfahrungen, dass vor allem meine mum darauf besteht, dass WIR ALLE GEMEINSAM diese tage und feste feiern. sie beharrt ziemlich intensiv, laut und (für mich!) nervend darauf. was nur dazu führt, dass die tage dann nicht wirklich so super viel spass machen, sondern eher anstrengend werden (weil, stellen sie sich das mal bildlich vor, sie (also ich) komme pünktlich, meine zwei brüder wie immer zu spät. und anstatt das sich jetzt meine mutter freut, ein paar minuten mit mir ‚alleine‘ zu quatschen, nervt sie sich, weil bruder a und bruder b noch nicht da sind. dies übrigens nur ein kleiner ausschnitt von einem dieser feste, die – wie es meine mum immer wieder betont – zu feiern sind.
    und eigentlich, so glaube ich zumindest, möchte meine mum eigentlich am liebsten so viel zweit wie möglich mit uns verbringen. was ja im grunde eigentlich keine feiertage benötigt.
    und ja, die mutter, der vater, die kinder, die cousinen, die tanten und überhaupt alle menschen müssen ja keine eigenen tage haben, um geehrt und gehuldigt zu werden. man sollte ja auch sonst genug danken und dankbar sein. hach.
    ich sag ihnen eins liebe gminggmangg, lieber so wie sie – ohne grosse erwartungen und pflichten an diesen tagen – als mit vielen erwartungen und pflichten an solchen tagen.

    ups, jetzt hab ich doch n bisschen ausgeholt. ein hoch auf die familie und alles was dazugehört.

    und zu ihrem geburtstag schicke ich ihnen was neonpinkglitzrig angemaltes. (oder ich bringe es vorbei. jawohl.)

    • Geburtstag war grad, nächstes Jahr wünsche ich mir vielleicht etwas anderes. Etwas in Lila oder so.
      (Und, uh, ich Schulde noch eine Antwort wegen Gurten und so, morgen weiss ich mehr.)

  4. FrauLöwe

    Ich war schon immer Weihnachts-Fan. Ich feiere gerne, ich esse gerne, ich koche gerne – setz‘ mich in eine Großfamilie (die auch aus Freunden bestehen kann) unter den Weihnachtsbaum und ich bin glücklich. Alle anderen Feiertage sind mir relativ egal. Jetzt, mit dem nicht mehr kleinen Kind, werden Briefe an Weihnachtsmann und den Osterhasen geschrieben und die Antwort mit leuchtenden Augen in Empfang genommen. Es wird dekoriert (naja, ein bisschen) und ich finde das schön.
    So schön, dass unser Weihnachtsstern an der Haustür immer noch dort hängt. Und ja, auch der Osterbaum steht noch… Ich bin ein nur nur ein Dekorationsmuffel, sondern auch ein Anti-Dekorationsmuffel.

    Seit das Kind in der Schule ist, gibt es allerdings auch vor allen anderen Feiertagen kein Entrinnen mehr. Denn dort unterrichtet man mit einer Inbrunst Religion (die Intensität veranlasste mich dazu noch einmal nachzufragen, ob wir nicht doch auf einer konfessionellen Schule gelandet seien, versehentlich), die mir nicht nur christliche Lieder ins Haus brachte („Hernie, wir danken Dir“, „Halleluja. Sag mal, Mama, wer ist eigentlich Julia und wieso sagen wir Hallo zu ihr? Kennen wir die?“), sondern auch Basteleien jeder Art. Unter anderem auch zum von mir bislang tapfer ignorierten Muttertag.
    Wer will schon ein Kind enttäuschen, das mit vor Glück strahlenden Augen eine selbsgebastelte Karte überreicht, auf der geschrieben steht:
    „Danke für das Essen“?

    Was hier allerdings noch inbrünstiger gefeiert wird als jeder der drei K-Feiertage ist der Wunschtag. Den gibt es wechselseitig einmal im Monat.
    Das ist ein Fest. Ein wahres.

  5. Mi geht es nicht ganz so schlimm und durch die Kinder hat sich mein Feiertagsverhalten auch ein wenig verbessert, aber dennoch, … ich fühlte bei deinem Text mit dir!
    Was ist denn aber bitte der Samichlous???

  6. Pingback: Zehn Fragen | Gminggmangg

  7. PippiLangstrumpf

    Gestern war Ostersonntag und ich saß aus Feiertags-verweigerungs-Gründen wider besseren Wissens trotzdem unterschwellig Schuldgefühl-geplagt und deshalb nur semi-gemütlich allein zuhaus, als ich „Feiertagsmuffel“ eingab um zu sehen, welche Höchststrafen dafür ausgesprochen werden könnten oder ob es nicht statt dessen vielleicht sogar ein paar Gleichgesinnte in der WeitenWunderWelt gäbe – da stieß ich auf Gminggmangg, kicherte, las mehr, las mich fest, grinste, fühlte mich nicht mehr allein mit meinem nicht auszurottenden ich-hab-keine-Lust-auf-wir-sind-eine-glückliche-Familie-und-haben-deshalb-heute-alle-gute-Laune-weil-heute-Ostern-Weihnachten-sonstwas-ist. Meine M&Ms sind erwachsen, als sie klein waren hab ich mich nach Kräften bemüht mich in die allgemeingültigen Feiertagsgepflogenheiten einzugliedern, hab mich manchmal verrenkt bis mir die eingegliederten Glieder wehtaten, hab das tapfer, schuldbewußt weil es mich immer noch nicht freute, bis zur Pubertät der M&Ms durchgezogen, dann hatten wir ein ernsthaftes Gespräch über Sinn und Unsinn der Feierlichheidnischen aber jetzt Christlichen, seitdem verweigern wir, es ist UNSERE Feiertagstradition sie nicht zu feiern. Dennoch ist es nach wie vor echt anstrengend, gegen den breiten FeiertagfeierndenStrom zu schwimmen,
    „… und was machst DU Ostern??!!“
    „äääähm… gar nichts!?“
    was verwirrt enttäuscht besorgte Gesichter zur Folge hat, Erklärung wird erwartet, kommt nicht weil keine Lust, meine Sicherheit es machen zu können wie ich es will wankt bedrohlich, kleines-Schiffchen-auf-hoher-See-Gefühl, FeierlichkeitsSee, keinBockdraufSchiffchen.
    Danke Frau Gminggmangg, heute ist Ostermontag und ich fühl mich gut.

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