Monatsarchiv: Juni 2012

Noch zwei Wochen – Reisevorbereitungen


Noch zwei Wochen bis zur geplanten Abreise. Langsam wird die Zeit knapp, in Anbetracht dessen, was bis dahin alles noch erledigt werden sollte. Neben dedizierten Reisevorbereitungen, sollten auch noch Schulberichte geschrieben, Übergabe- und Elterngespräche gehalten und das nächste Schuljahr vorbereitet werden. Kurz: Es ist schlicht unheimlich viel zu tun. Wenn Sie also etwas Zeit übrig hätten, sind Sie herzlich dazu eingeladen einer der folgenden Punkte für uns zu erledigen, ehrlich, bedienen Sie sich:

  • Schulberichte schreiben
  • Übergabe- und Elterngespräche halten.
  • Reiseapotheke ergänzen – Also ausgiebig ergänzen, denn wer Murphy kennt weiss, dass die Kinder genau die Krankheit auflesen werden, gegen die kein Mittelchen eingepackt wurde, das kann im Umkehrschluss nur bedeuten, dass eben äusserst grosszügig und -flächig Platz für Medikamente geschaffen werden muss. Kennen Sie diese Dachkoffer für aufs Auto?
  • Reich beerbt werden.
  • Wohnungsgrossputz-, Entrümpelungs- und Entsorgungsaktion durchführen (das dürften Sie gerne auch NACH unserer Abreise erledigen, wir wären Ihnen wirklich gar nicht böse.)
  • Kindermatratzenproblem lösen – Noch haben wir keine befriedigende und vorallem platzsparende Variante für die Polsterung der Kinderliegefläche gefunden. (Und, ja, Leser, die ihr uns kennt, ich höre euch kichern und ja, wir nennen die „Kinderliegefläche“ TROTZ dem Wissen um die tatsächliche Schlafplatzverteilung (Kinder kleben an Eltern) so.)
  • Das grosse Geld gewinnen.
  • Campingstühle besorgen – MIR würde ja eine wasserdichte Picknickdecke genügen, aber Herr G. fürchtet, dass dreckbedingt steif wie unsere Beinkleider sein werden, wir unsere Glieder allerhöchstens noch in einem 90° Winkel knicken können und wir mangels Stühle womöglich am Ende stehend essen müssen. Memme. Aber Stühle müssen her.
  • Fotospeicherkarten besorgen – Speicherkarten mit massig Speicherplatz, denn mein elektronisches Fotoalbum sagt: 1 Woche Ferien = 980 Fotos, man rechne einfach x 12.
  • Packliste schreiben – Listen sind lieb, ich halte mich an Listen, vergesse dabei aber leider alles, was eben eventuell nicht auf besagten Listen zu finden ist. („Ja!“ brüllt Herr G. gerade jammervoll aus dem Hintergrund, seine tote Zimmerpflanze immer noch liebevoll umklammernd, die musste er nämlich zu Grabe tragen, nach dem ich sie in der Woche seiner Abwesenheit nicht gegossen habe, weil er „Blumen“ nicht aber „Pflanzen“ giessen auf die Liste geschrieben hat.) Die besondere Herausforderung, beim Schreiben dieser Packliste, wir es sein, zwar für 12 Wochen aber auch an unsere Platzverhältnisse zu denken.
  • Packen.
  • Einen Reisesponsor finden.
  • Die Koordinaten optionaler Reiseziele notieren und auf der Karte einzeichnen – eine Tätigkeit, um die Herr G. und ich uns gerne reissen, beinhaltet sie doch mehr als alle andere auch das ausgiebige Suhlen in Vorfreude. Apropos: Hat ein Mitglied der ehrenwerten Leserschaft ein, zwei Reisezieltipps für die Länder Slowenien, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland oder die Türkei für uns übrig?

Also: Was übernehmen Sie?

 

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Elterngespräche oder Pädagogen in Näpfen


Ich habe schon einigen Elterngesprächen beigewohnt, einige davon waren unglaublich anstrengend und unbefriedigend, andere hätten eher als gemütliche, bereichernde Gesprächsrunde tituliert werden können. Letzten Dienstag absolvierte ich erstmalig ein Elterngespräch aus Elternperspektive. Ich habe mich auf diesen Positionswechsel gefreut und erschien zum Termin mit dem Vorsatz die ominöse déformation professionelle nicht überhand nehmen zu lassen. Nach Ankunft in der KiTa wurden wir gebeten, ins Sitzungszimmer vor zu gehen, was wir gehorsamst taten. Der Raum war abgedunkelt, in der Ecke war schemenhaft eine vermummte Person wahrzunehmen, die kniend seltsame Bewegungen vollführte. Mir ward Angst, Bang und sofort klar: Unsere übermotivierte Sozi-bio-vegi-plüschi-KiTa will die holden Eltern vor den Gesprächen mit einer pantomimisch dargestellten, pädagogischen Botschaft auf den Austausch einstimmen. Rasch schüttelte ich den Gedanken ab, wie aus Studienzeiten gewohnt in derartigen Situationen, mich, in Gesellschaft einiger sarkastischer Sticheleien, in die Verweigerungsecke zu verziehen und sprach stattdessen leise zu mir selber: „Liebe Frau Gminggmangg, du kennst sowas, du wirst in zwei Jahren 30, du bist Mutter zweier Kinder, du unterrichtest selber beruflich schutzlose, unschuldige Schüler: Benimm dich gefälligst, füge dich deinem Sozi-bio-vegi-plüschi-KiTa-Elterndasein, zeige dich halbwegs kooperativ und lass um Himmelswillen Herrn Gminggmangg reden!“ So stellte ich mich also ganz nah vor die, nach wie vor gebärdende Vermummte, die sich gerade ausdrucksstark vor mir zu Boden warf, nahm eine, wie ich fand, angemessene Körperhaltung ein und setzte einen betont beobachtenden und interessierten Gesichtsausdruck auf.

Sekunden später gelangte auch schon Ypsilönchens Bezugsbetreuerin zu uns und bediente den Lichtschalter. Mich an die plötzliche Helligkeit gewöhnend,  legte ich mir schon mal einige pädagogisch wertvolle Interpretationen zum Gesehenen zu recht, als ich der Tatsache gewahr wurde, dass die muslimische Praktikantin zu meinen Füssen ihren Teppich einrollte und hastig aus dem Sitzungszimmer verschwand.

Das Gespräch lief trotzdem gut und Fettnapfbaden kann ich ja ohnehin.

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Haushalten mit Frau Gminggmangg


„Wenn es einen Hausfraueneignungstest geben würde, würdest du ihn wahrscheinlich nicht bestehen.“ sprach Herr Gminggmangg. Ich war erst geneigt stumm und zustimmend zu nicken, denn derartige Dreistigkeiten bringen aus jeglichem Schlagfertigkeitskonzept, entschloss mich dann aber mit einer Beweisführung aufzuwarten, die ihn zu ewiglichem diesbezüglichen Schweigen verdammen würde. Wer Haushaltstipps herausgibt, ist bekanntermassen ein Haushalts-Ass und ich versorge die werte Leserschaft hiermit mit Haushaltstipps und bin somit, Sie werden es erraten haben, ein Haushaltsgenie. (Und kommen Sie mir nicht mit Ursache-Wirkungs- oder Hühner-Eier-Fragen!)

Also: Haushalten mit Frau Gminggmangg:

  • Suchen Sie sich eine(n) fleissige(n) Partner(in), heiraten Sie ihn/sie wenn möglich sobald Sie sicher sind, dass er/sie putzen, waschen und kochen kann und es auch tut. (So eine Heirat schmälert die Gefahr all zu raschen Absprungs.)
  • Fenster müssen erst geputzt werden, wenn die Stromrechnung mangels Tageslichteinfall zu hoch wird.
  • Bügelwäsche gibt es nicht. Schaffen Sie sich erst gar nie ein Bügeleisen an. Das lohnt sich ohnehin nicht, denn spätestens nach Dreissig oder mit der Elternschaft sind Sie dauerknittirg und Glattes unzulässiger Stilbruch.
  • Nacktheit ist gut: Weniger Wäsche, weniger Flecken, weniger Schwitzen, weniger Duschen, weniger Duscheputzen.
  • Abtrocknen gibt es nicht. Überhaupt lautet die allergoldenste Regel: Machen Sie nichts was von selber geschieht.
  • Mindestens eine Person kann direkt aus der Pfanne, mit dem Schöpflöffel essen und vom Wasserkrug trinken.
  • Kleinkinder können ihr Essen gerade so gut direkt von der Tischplatte zu sich nehmen und Besteck wird ohnehin verschmäht.
  • Stillen Sie ihre Kinder.
  • Stapeln hilft immer. Wenn Stapeln nicht mehr hilft, helfen Kramschubladen. Wenn Kramschubladen nicht mehr helfen, helfen Papiersäcke und ein Kramschrank. Wenn ein Kramschrank nicht mehr hilft, hilft ein Kramzimmer. Danach hilft die Müllabfuhr.
  • Wäsche wird grundsätzlich 60° gewaschen, das spart die Sortiererei. Tragen sie konsequent Batik oder nennen Sie Farbunregelmässigkeiten einfach Stil.
  • Staub den man nicht sieht, gibt es nicht.
  • Binden Sie ihre Kinder in die Hausarbeit ein. Optimalerweise gehen Sie dabei nach der Proper-Methode vor. Literaturhinweis: „Jedes Kind kann putzen lernen“
  • Essen sie möglichst oft draussen, damit sparen sie massenhaft anfallende Putzarbeiten, und denken Sie daran: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.
  • Gestehen Sie der Wäsche ihre eigene Umlaufbahn zu, sie will das so, denn, was keiner weiss, sie neigt zu Klaustrophobie und Schränke beängstigen sie: Getragen werden – Wäschekorb – Waschmaschine – Wäschekorb (langer Aufenthalt) – getragen werden – Wäschekorb – Waschmaschine – Wäschekorb (langer Aufenthalt)… ich glaube, Sie haben verstanden.
  • Befreien Sie sich vom Anspruch zwei gleiche Socken anziehen zu wollen.

Dass Sie diese Tipps befolgt haben, merken Sie, wenn Ihr Kind Sie regelmässig beim Aufräumen und Putzen fragt, wer denn heute zu Besuch komme.

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Eingeordnet unter Neulich, Vom Sollen und Tun

Politur


„Gestern im Ausgang wurde ich wieder huere aagfigget. Es ist jeden Scheisssamstag das selbe. Es ist ja erwiesen, also ich habe glaub mal so eine Studie gesehen, im Blick oder so, dass Ausländer gewaltbereiter sind, als wir Schweizer.“

„Ey, wenn die dir doof kommen, ehrlich Mann, musste denen einfach mal die Fresse polieren.“

(Passend dazu auch das hier, Realsatire für jene, die Schweizerdeutsch verstehen: Wienacht im Kampf )

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Eingeordnet unter Neulich, Zügiges

Ich wünsche (überarbeitete Version)


Bevor meine Tochter geboren wurde, ja, bevor ich mich überhaupt mit dem Gedanken trug schwanger zu werden, beschäftigte mich die Frage, was einem Menschen, neben den erfüllten Menschenrechten, in keinem Falle fehlen sollte, eine Thematik deren Prägnanz sich mit dem Wissen um das Heranwachsen meiner Tochter verstärkte. Obwohl die Anzahl Wünsche, die ich für meine Tochter hege, unzählbar ist, gibt es doch mir besonders wichtige drei Punkte:

Urvertrauen: Meine Tochter möge sich Gehalten- und Getragenwerden (in wortwörtlichem und übertragenem Sinne) wissen, sie möge ein Grundgefühl des tiefen Geliebtwerdens in sich tragen, dadurch die Stärke erlangen dem zu trotzen, was ihr in ihrem Leben begegnen wird.

Interesse: Meine Tochter möge sich interessieren, wach und wissensdurstig für ihr Umfeld und die Menschen darin durch ihr Leben gehen, die Augen nicht verschliessen, lernen wollen.

Entfaltung: Meine Tochter möge sich im Wissen darum, dass wir sie loslassen, aber halten, wenn sie fällt, entfalten und ausschöpfen können, was sie an Wünschen und Können in sich birgt.“

Ich habe diese Punkte vor gut 2,5 Jahren notiert, zu einem Zeitpunkt also, an dem ich ein gerade mal 8 Monate altes Kind hatte und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich damals noch in Erziehungskinderschuhen steckte. Trotzdem hat sich an diesen Wünschen wenig verändert. Und doch wurde ich, als ich vor Tagen in den unter „Erziehung“ eingeordneten Artikeln stöberte, der Tatsache gewahr, dass ein wichtiger Punkt fehlt: Respekt. Ich habe diesen Ausdruck mit Bedacht und trotz der meines Erachtens negativen Konnotationen gewählt und meine damit durchaus nicht, die in stark autoritär geprägtem Umfeld gebräuchliche Bedeutung, die oft vor allem auch Angst, Unterordnung und eindeutig einseitige Machtgefälle impliziert. Ich spreche von Achtsamkeit im Umgang mit Mitmenschen und ihren Gefühlen, vom Respektieren der Grenzen anderer und von Toleranz.

Es bleibt uns nichts, als intensives Vorleben.

 

Ich füge also an:

Respekt: Mögen meine Töchter achtsam- und behutsam mit Mensch, Tier und Natur umgehen, mögen sie sich in Nachsicht und Toleranz üben, Grenzen Anderer erkennen und respektieren und mögen sie verzeihen. 

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Eingeordnet unter Elternsein, Erziehung