Ulcinij (nahe der albanischen Grenze) MNW – Kavajë (Nähe Durrës) Tage 13-14


Wer aberglaubt wird es geahnt haben: Tag 13, unserer bis anhin erstaunlich reibungslosen Reise, war von kleineren und grösseren Katastrophen geprägt.
Begonnen hat der Tag, ganz harmlos, mit der mittlerweil recht organisierten Zusammenpackerei, der Verabschiedung von netter Bekanntschaft aus Deutschland und einer kleinen Lästerrunde mit der jungen Receptionistin, bezüglich ihres vermeintlichen Chefs, der uns spät abends zum umparken aufforderte, um Platz zu schaffen. „Männer hier sind gerne Boss und wenn sie es nicht sind, tun sie zumindest so.“ erzählte sie kichernd und wies auf ihre Lehrbücher für höhere Mathematik, den Job hier hat sie nur zum Nebenverdienst fürs Studium, „Aber ich werde dereinst sein Boss sein.“.
Wir brachen auf, zur albanischen Grenze war es nicht mehr weit, doch die Hinfahrt brauchte Zeit, denn die grösste Strasse, die von Montenegro nach Albanien führt, ist eine schmale, schlaglochintensive, allerdings naheliegenderweise vielbefahrene Strasse. Kurz vor der Grenze wurde die Strasse urplötzlich mehrspurig und, im Vergleich zu vorher, irrsinnig eben und glatt. Das Passieren der Grenze verlief rasch und ruhig und eigentlich wären wir in einer guten Stunde bereits beim anversierten Schlafplatz angelangt. In dieser Zeitrechnung hatten wir allerdings nicht einkalkuliert, dass eine schwarzfahrende Biene, sehr wahrscheinlich aufgrund des schweizer Kennzeichens und mit Asylabsichten, ausgerechnet den Allergiker unter uns als Transportmittel ihrer Wahl auserkoren hatte, kurz nach der albanischen Grenze ihren Irrtum bemerkte und in ihrer Verzweiflung und vermuteter Perspektivelosigkeit ein Selbstmordattentat verübte. Es folgte gemeinschaftliches Hyperventilieren, ein Beratungstelefon, Medikamentation, Warten auf eine mögliche Reaktion, bei über 30* und an praller Sonne, allgemeines Garheitsgefühl, anschliessend Entwarnung und Weiterfahrt.
Den Weg zum wirklich wunderschön gelegenen Camingplatz fanden wird danach glücklicherweise problemlos, oder zumindest problemloser als das Einparken in die angestrebte Position verlief. Herr Gs. Probleme blieben nicht unbemerkt und der liebenswerte polnische Nachbar, der allerdings kein Wort Englisch sprach, versuchte Herrn G. winkend und gestikulierend zu manövrieren. Herr G. warf mir immer wiedre hilfesuchende Blicke zu, ich bedeutete ihm, dass das sonicht gehen werde, der Nachbar gestikulierte und rief Polnisches, deR Gefährte nährrte sich dem Abgrund, ich ging zum Schreien über, auch der Nachbar schrie mittlerweile und der Gefährte befand sich derweil in einer misslichen Lage, ein Rad über dem Abgrund, eins aufgrund der Schwergewichtsverlagerung ohne Bodenhaftung und ich sah ihn schon samt Herrn G. purzelbäumig gen Hügelfuss rollen. Unser andere Nachbar trommelte kurzerhand eine kleine Menschenmeute zusammen und nur die vereinten Kräfte anwesender Reisender vermochten unser temporäres Daheim wieder auf stabilen Grund zu schieben.
Des Abenteuers für heute genug, so dachten wir, atmeten wir auf und durch, begannen uns einzurichten, als wir den Platten am rechten, hinteren Rad bemerkten. Es fehlte an Energie vor dem nächsten Tag zu handeln und so taten wir so humorig wie möglich und erwachten schrägheitsbedingt am nächsten Morgen als Gminggmanggklumpen in der hinteren, rechten Ecke.
Die überaus freundlichen Platzbetreiber organisierten uns am nächsten Tag Mechaniker und Rad, wir genossen den, an Kitsch grenzend, idyllischen Ort (unbedingt empfehlenswert, äusserst kinderfreundlich, Kamping Pa emer bei Kavajë) und legten zwei weitere Ruhetage ein.

    Bemerknisse

  • Seit der Schweiz habe ich nirgends mehr so viele schweizer Autokennzeichen gesichtet, wie an der albanischen Grenze.
  • Wann immer wir an Menschen vorbei fahren, wird gewunken, gepfiffen, ja, fast immer aufgestanden. Wie sich leider herausstellte tun die Albaner das nicht, weil sie sich so sehr über die Ankunft der Familie Gminggmangg freuen, sondern weil sieneiner Verwechslung anheimfallen. Taxibusse sind fast ausnahmslos weisse Mercedesbusse. Wir ignorieren die Tatsache und fühlen uns überall lautstark und freudig empfangen.
  • Was seit Kroatien bemerkenswert zunahm, nämlich unglaublich viele unfertige, aber bewohnte Häuser, manifestiert sich in Albanien. Hier sind fertige Häuser Ausnahme.
  • Wer in Reiseführern liest, dass sich auf Albaniens Schnellstrassen durchaus nicht nur Autos befinden, darf dem Glauben schenken. Bisher gesehen: Eselfurwerk, Kuhherde, Pferdegespann, Fahrräder, mit mehreren Personen beladen, auf der Gegenfahrbahn, und Fussgänger.
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    Ein Kommentar

    Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2012, Reisen mit Kindern

    Eine Antwort zu “Ulcinij (nahe der albanischen Grenze) MNW – Kavajë (Nähe Durrës) Tage 13-14

    1. Anne

      Schön, dass Ihr allen misslichen Lagen so gut entronnen seid. Ich freue mich auf jedes neue posting, ist das Lesen von Reiseberichten doch immer wie ein kleiner Urlaub im Alltag! Danke und noch viele schöne Erlebnisse Euch!

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