Gümüldür (Nähe Izmir) TR – Chios GR – Isthmia (Nähe Korinthos) (Tage 41-43)


Mit ein kleinwenig schwerem Herzen und nicht ohne Adressenaustausch verabschiedeten wir uns heute Morgen von unseren türkischen Bekannten und fuhren nach Çesme, wo wir an Vortag mit Hilfe eines anderen Urlaubenden einen Platz auf einer Fähre nach Chíos reserviert haben. Die Fahrt nach Çesme verlief unkompliziert, der Aufenthalt vor Fährenabfahrt ebenso und wir genossen unseren letzten Stunden in der Türkei. Davon, dass die Fährfahrt gleichzeitig auch Grenzübertritt ist, haben wir bis auf einige Warte, knuten und Identitätskartenzeigen wenig bemerkt und auch der Gefährte wurde kaum behelligt. Die Überfahrt war (abend)stimmig und entsprechend schön, allerdings waren schon von Weitem hohe, dichte Rauchwolken über Chios auszumachen, offenbar wüteten dort gerade Wüste Waldbrände, wovon wir mangels Internet oder Zeitung in den letzten Tagen nichts mitbekommen haben. In Chios angekommen, so der Plan, wollten wir uns so rasch als möglich Tickets für die Weiterfahrt besorgen, ein Bleiben auf Chios erschien uns in Anbetracht der Brände wenig angebracht, Essen gehen und danach entweder gleich am Hafen nächtigen oder schon weiterschiffen. Lassen Sie mich zusammenfassen: Wir fühlten uns bei der Ticketbeschaffung wider besseren Wissens als Pioniere in Sachen Fährfahrt mit Gefährten, denn von den Angestellten der Fährgesellschaften sprach weder jemand Englisch, noch Französisch, noch Italienisch, geschweige denn Deutsch, die Einstufung unseres Gefährts stellte die Damen und Herren vor schier unlösbare Aufgaben, uns blieben nur Deckpassagiertickets und die Kinder gingen lange nach ihrer Tageshaltbarkeitszeit schlafen.
Die Nacht verlief, bis auf den starken Wind, der durch alle Ritzen pfiff, erstaunlich ruhig und Morgens erwachten die Kinder mit Entzückunsquietschern, lagen doch direkt vor den Gefährtenfenstern mehrere Schiffe an und es herrschte reges Kommen und Gehen im Chioser Hafen. Den Tag verbrachten wir im Park und der Altstadt, beides Kurzbesuche wert und durchaus kinderprogrammtauglich. Abends konnten wir den Gefährten, dank freundlichster Hilfe einer Hafenpolizistin, schon in Position bringen und so lohnte es auch, das untere Bett herzurichten, damit zumindest die Kinder bis ein Uhr nachts, Abfahrtszeit, schon etwas Schlaf bekamen. Als das Schiff mit einiger Verspätung angelegt hatte, warteten wir erstmal, denn der Gefährte sollte seiner Grösse wegen eines der letzten einfahrenden Fahrzeuge sein, trotzdem war die Hektik plötzlich gross, wir hätten schon drin sein sollen und Herr G. schwitzte wahre Wasserfälle als er schliesslich aufgefordert wurde rückwärts in den Schiffsbauch zu fahren. Nach kleineren Schreiaus- meiner- und Nervenzusammenbrüchen seinerseits, parkten wir sicher direkt am Ausgang. Leider ward es uns untersagt im Gefährten zu nächtigen uns so zottelten wir nach einer spontanen und entsprechend unkoordinierten Packorgie gen Deck. Oder hatten es zumindest vor, denn die Garagetore waren schon fest verschlossen. Nachdem wir die kurz in Betracht gezogene Option, einfach wieder zurück zum Gefährten zu gehen aus Sicherheitsgründen verworfen hatten, drückten wir einen eigens für Zuspätkömmlinge angebrachten Knopf und warteten. Es folgte ein leicht verwirrender Auftritt abwechslingsweise vorwurfsvollerkndbegeisterter und ziemlich erheiterter Matrosen und eine zum Scheitern Verurteilte Suche nach Schlafplätzen, auf einem hoffnungslos überfüllten Schiff. Wir kapitulierten ziemlich bald, Y rollte sich irgendwo als Stolperstein am Boden zusammen und schlief bis zum nächsten Morgen, bewacht von Herr G. und Äm ward von mir kilometerweit von Bug zu Heck und wieder zurück getragen.
Wieder von Bord suchten wir uns einen möglichst grosstadt- sprich piraäusfernen, aber nicht all zu weit entfernten Platz und schliefen, oh, gnädige Kinder, die Nacht nach.

    Bemerknisse

  • Erstmals in meinem Leben habe ich ein Häfi (Töpfchen) verloren. Ja, ein Häfi (Töpfchen) im Keine-Windeln-mehr-Sinne, der Wind hat es wohl hinweg getragen und nun fristet es sein Dasein, sanft auf den Hafengewässern schaukelnd, in Chios.
  • In Piräusnähe machen die Griechen den Albanern die Erstplatzierung in Sachen Verschmutzung der Landschaft durch Müll mit Nachdruck streitig. Wir wähnten uns ungelogen zwischenzeitlich auf Abwegen in einer Mülldeponie.
  • Mit dem Grenzübertritt von der Türkei nach Griechenland wird alles sofort wieder doppelt und sogar drei-, viermal so teuer. Gut für die Linie, könnte der Sparsame vermuten, allerdings ist das griechische Essen, wie wir es bisher erlebt haben, auch ungleich fettiger.
  • Wer griechische Volksmusik nicht mag, sollte Bars und Restaurants lieber mit Gehörschutz betreten, die Beschallung ist lückenlos, laut und konsequent.
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