Tagesarchiv: August 28, 2012

Finikoundas – Messologi – Ioannina (49-50)


Die Strecke von Finikoundas bis Patras ist eher eintönig, die Dörfer die wir durchfahren scheinen hauptsächlich genau den Zweck zu erfüllen, nämlich durchfahren zu werden und den Reisenden hie und da Benzin, Verpflegung und eine Toilette zu bieten. Kurz: Wenig Leben, viel Industrie, dazwischen riesige Felder, Plantagen und Gewächshäuser. In Patras befahren wir schliesslich die fürchterlich teure aber schicke Brücke und hegen eigentlich das Ansinnen, ziemlich rasch einen Stellplatz zu suchen um den Kindern noch etwas Auslauf zu gönnen, hatten wir doch unser Maximum an Kilometern pro Tag längst überschritten (<;;300 km, in der Regel +/- 150 km und nie mehr als drei Fahrtage hintereinander), werden aber nicht fündig und fahren weiter, bis wir schliesslich nach Messologi gelangen, einen der erstaunlichsten Orte, die ich je besucht habe. Wir fahren, Campingplatzschildern folgend, über Umwege und die Ufpromenade in den Ort ein. Was nach Leben uns steppenden Touristentanzbären klingt, war es vielleicht einst auch, jedenfalls lassen grosszügig positionierte Bänke und elegante Promenadenbeleuchtung darauf schliessen, heute arbeitet die Natur an der Rückeroberung, das Ganze erinnert an apokalyptische Filmszenen. Nicht dass wir nur verschlossene Türen vorfänden, nein, hier und da hat ein Laden seine Türen offen, oder eine Taverne Tische und Stühle gedeckt und draussen, aber anstatt das Gefügl von Leben zunvermitteln, verstärken sie nur den Eindruck, dass hier die "besseren Zeiten" länger schon Vergangenheit sind. Die Meerseite zeigt sich ebenso ungewöhnlich, wirkt sumpfig seicht und ist eine olfaktorische Katastrophe, vereinzelt stehen Pfahlbauten. Unvorstellbar, wie ein Ort so viel Trostlosig- und Verlassenheit ausstrahlen und trotzdem so eigentümlich schön wirken kann. Kurz nach dem Hafen führt eine Strasse urplötzlich ins Meer hinaus, wir folgen ihr gebannt, kösnnten gar nicht anders und fahren gut zwei Kilometer auf dem Damm meereinwärts. Am Ende finden wir eine kleine Pfahlbautensiedlung, einen Strand, eine Taverne, griechische Sonnenanbeter, Fischer und erstmals etwas Leben und beschliessen spontan hier zu bleiben.
Am nächsten Morgen brechen wir früh auf, es zieht uns zurück nach Albanien. Ich will dem Land unbedingt noch eine zweite Chance geben. Die Strecke zur Grenze ist Latin unspktakulär. In Ioannina übernachten wir, auf dem Gelände eines Ruderclubs, letztmalig auf griechischem Boden.

    Bemerknisse

  • In den Filialen der IKEA merkt man nicht in welchem Land man sich befindet. (Eigentlich wollte ich DIESEN Verstoss gegen alle (Reise)Regeln ja verschweigen…)
  • Ich habe eine zweispaltige Liste angefertigt auf der gegfundene wie verlorene Gegenstände der Reise aufgelistet werden. Die Spalte mit den Verlusten ist unverhältnismässig länger und mein iPhone steht seit heute auch drauf.
  • Wer Griechisch lesen kann ist in Griechenland klar im Vorteil, insbesondere als Kartenleserin. Wer es nicht kann gewinnt ziemlich rasch an Fähigkeiten, die hauptsächlichen in Disziplinen wie Hochgeschwindigkeits-Finde-die-10-Unterschiede-Spielen dienlich sind.
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    Mystra (Nähe Sparta) – Finikoundas (47-49)


    Unsere Route führte uns weiter über bergiges Gebiet, allerdings unterschied sich die Landschaft doch erheblich von unserem letzten Streckenabschnitt und erstmals seit sehr langem, durchquerten wir wieder dichte Nadelbaumwälder, die nicht aus Pinien bestanden. Der Gefährte meistert derartige Strecken nach wie vor erstaunlich gut und so können wir uns jeweils relativ sorgenfrei auf unsere Umgebung konzentrieren. Mit der Annäherung an die Küste und Kalamata änderten sich Dörfer, von klitzekleinen solide anmutenden Steinhaussiedlungen mit klarem und einzigem Ortskern- bzw. Platz und obligater Riesenkirche zu ausufernderen Kleinstädten, zunehmend bestehend aus Betonbauten, und zum Meer inklusive den typischen Bausünden im Dienste des Tourismus. Jawoll, aus war die Einsamkeit unserer bisherigen Reise auf dem Peleponnes, Messinien ist touristischer (hauptsächlich Touristen aus Deutschland und Italien) als jede Gegend, die wir seit Kroatien befahren haben und erstmal auf unserer ganzen Reise, wurden wir von einem Campingplatz weggeschickt, weil er restlos ausgebucht war. Trotzdem fanden wir in Finikoundas ein nettes Plätzchen und verleibten uns in einer Taverna im Städchen die allerbeste Mahlzeit seit unserem Eintreffen in Griechenland ein. Von irgendwelchen finanziellen Krisen, so der wohlgenährte Tavernenpatrone, der gerne voller Besitzerstolz am Tischchen an vordester Front trohnt, raucht und seine Tochter mit liebevoller Rüppelhaftigkeit durch die Räume scheucht, spüre man hier wenig, sein Geschäft wachse nach wie vor und er freue sich auf die Wiedeinführung der Drachmen. Als wir uns bei den beiden beim Abschied für die vielen kleinen und liebevollen Aufmerksamkeiten (frittierte Zucchini und Auberginen, geschnittenes Obst als Dessert für die Kinder, ein Raki für uns Erwachsenen, unaufgefordert, kostenlos) bedanken und das vorzügliche Essen loben, klopft sich die Tochter nur seufzend auf den Runden Bauch. Sie weiss. (Taverna to Kyma, ortsmittig, wahnsinnig liebevolle Besitzer, sehr geeignet mit Kindern, da direkt am Strand (Sandel- und Plantschmöglichkeit für Kinder = ruhiges Essen für Eltern)).

      Bemerknisse

  • Nach gut der Hälfte unserer Reise hüstelt der Gefährte langsam nach einer Rundumrestaurierung, noch fallen keine ernsthaften und teuren Reparaturen an, aber einige Keinigkeiten sollten wir wohl bei Gelegenheit mal angehen.
  • In Messinia versuchen wir es beim Sprachendurchprobieren erstmals erst im zweiten Durchgang auf Englisch, besser bedient ist man hier nämlich mit Deutsch.
  • Seit Istanbul hatten wir nie mehr auch nur einen Tropfen Regen.
  • Wenn Sie etwas von einem Griechen wollen, sagen Sie einfach erst etwas Nettes über das Land, Landschaft oder Einheimische, ich verspreche, Sie können damit nicht nur Wohlwollen sondern auch Tempo des Gegenübers erheblich positiv beeinflussen.
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