Berat – Kavajë (Nähe Durres) AL – Ulcinj (Nähe Albanisch-Montenegrische Grenze) MNE (Tage 54-57)


Nach einer relativ ruhigen Nacht entschlossen wir uns wieder in den Norden Albaniens zu fahren und unseren letzten vier Wochen in Kroatien und (per Fähre verschifft) SüditaIien zu verbringen. Die Fahrt in den Norden rief uns in Erinnerung, weshalb wir bei unserem letzten Albanienbesuch nicht dieselbe Begeisterung empfunden hatten wie in den letzten Tagen im Süden und so kehrten wir wieder an den Ort zurück, der uns schon vor Wochen als Stätte für einige Ruhetage gedient hatte.
Zwei Tage später fahren wir los, gen Montenegro, eine Strecke von kaum 150 km und eigentlich in einigen Stunden, Kinderverlüftungspausen eingerechnet, zu schaffen. Mit Ausnahme eines unbeabsichtigten Schlenkers fahren wir erstmals dieselbe Strecke zurück, die wir schon bei der Hinfahrt gefahren sind. Langweilig, könnte man meinen, und doch spannend die kleinen Veränderungen festzustellen bei dem was wir sehen und, nicht unwesentlich, wie wir es sehen. Zwei Kilometer vor der Grenze zu Montenegro stehen wir plötzlich im Stau, ohne Durchkommen und Ausweichsmöglichkeiten, hoffnungslos verkeilt, mit Hunderten von Heimkehrern nach Deutschland und Italien. Bachtet man, dass wir uns auch noch mit zwei Kleinkindern auf relativ engem Raum befinden, Aussteigen aufgrund gnadenloser Sonne und (Wer ahnt es?) flächendeckender Müllverschmutzung eher ungünstig ist, drohen die folgenden Stunden relativ ungemütlich zu werden. Während Äm, oh Gnade, noch schläft und Y sich noch mit der Anfertigung einer Fotoserie der Rückansicht des Fahrersitzes beschäftigt, planen und proben Herr G. und ich schon mal diverse Akrobatik- und andere Showeinlagen, legen Ohrapax und Knebel bereit und stocken das Fressablenkungsarsenal auf. Die Betreiber der Klitzekleinstläden am Strassenrand machen gerade die Geschäfte des Jahres. Ohnehin, wäre für uns Erwachsene für Unterhaltung und Beschäftigung gesorgt, beispielsweise konnten wir ins gemeinschaftliche Empörungshupen einstimmen, wenn wieder ein Ungeduldiger die ganze Autoreihe überholt. Oder wir versuchen das Rätsel rund um fahrzeugverlassende Fahrer und unbekannte Neuzusteiger, die hernach im neuen Vehikel grosszügig EU-Pässe verteilen, zu lösen. Oder wir konnten unseren Unmut hinausbrüllen, wie die Dame hinter uns: „So was wurde bei uns in Deutschland nie passieren! Niemals! Da kommt Polizei und macht Schluss!“ (Lesen Sie den letzten Satz bitte mit albanischem Akzent.). Tatsächlich zeigen sich auch die Kinder erstaunlich gebannt von dem Geschehen ringsum und obwohl wir über vier Stunden warten, kommt es zu keiner grösseren Krise. Bis auf die innerlichen Gräueltaten, die ich an all zu stoischen Grenpolizisten verübe. Nach der Grenze geht es erstaunlich schnell und auch wenn wir für die 150 km gute 10 Stunden gebraucht haben, erreichen wir unseren Platz vor dem Eindunkeln.

    Bemerknisse

  • Haben Sie keine Angst vor der albanischen Polizei, auch wenn Sie mit Blaulicht verfolgt und rausgewunken werden, wenn sich Ihnen drei grimmige Polizisten nähern und barschen Tones Anweisungen bellen, vielleicht wird auch bei Ihnen nur die Fahrertür geöffnet, ein Blick auf schlafende Kinder geworfen, das Standlich angemacht und möglichst leise, fast liebevoll, die Tür wieder geschlossen.
  • Ganz offensichtlich ist das Küstenkaff Kavajë Kleinitalien in Albanien, 50% der Autos tragen jedenfalls entsprechende Kennzeichen.
  • Wer Albanien bereist, muss mindestens einen Xhiro mitgemacht haben. Xhiro bedeutet, dass die Einwohner einer Stadt sich abend vollzählig und gleichzeitig in einer Stasse versammeln und dann versuchen diese auf und ab zu gehen. Der Unterhaltungswert ist mindestens so gross wie das Gedränge.
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    Ein Kommentar

    Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2012, Reisen mit Kindern

    Eine Antwort zu “Berat – Kavajë (Nähe Durres) AL – Ulcinj (Nähe Albanisch-Montenegrische Grenze) MNE (Tage 54-57)

    1. Hallo zäme,
      der „Urlouber“ meldet sich zu Wort….Wenn ihr in Süditalien gelandet seit so müsst ihr unbedingt!!! in meine Lieblingsgegend (Santa Maria di Leuca) fahren (egal auf welcher Seite: unbedingt die Küstenstrasse nehmen – nicht die Autobahn/-strasse). Ganz unten in der letzten Ecke des Absatzes gelegen, haben die Einheimischen auch im Herbst noch ein freundliches Lächeln und ein offenes Herz für Touris (ausser der „Capo“ im Supermercato gleich neben der Kirche…der könnte auch aus der hintersten Oberländer Ecke stammen! Ein Kloster auf dem kleinen Hügel ist die östlichste Ecke über dem Städtchen (superschöne Aussicht) und dort heisst es auch: finibus terrae – End der Welt. In San Gregorio unbedingt das Ristorante „Mimi“ besuchen und Essen: nicht das billigste, auch nicht das teuerste aber extreem lecker!!Familienbetrieb wo man noch in die Küche schauen kann , romantisch über einer kleinen Bucht gelegen wo der Fischer noch direkt nach dem Fangen abliefert. Nach Torre Vado Richtung Gallipoli (Sehr schöne Altstadt auf drei seiten umschlossen vom Meer!), dort wo die Häuser und restaurants aufhören wunderschöner, langer Sandstrand…. So fertig geschwärmt – uns jedenfalls zieht es nächstes Jahr wieder in unsere zweite “ Heimat“.
      Ich geniess jetzt meine freie Zeit und dann unsere kanalferien im Burgund, bevor ich wieder an Schule & Co denke.
      E gueti Zyt und e liebe Gruess us em üsserscht warme (!) Bärner Oberland
      Urs

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