Ioannina GR – Himarë (Nähe Vlorë) (Tage 51-52)


Vor über einem Monat schieb ich:

    „Sie werden es bemerkt haben, wir wurden nicht warm mit Albanien, auch wenn die Albaner äusserst wahrmherzig sind, es alleweil ungemein spannend war und mein Reiseherz ob all der Andersartigkeit und den Gegensätzen in Ursprünglichem und Modernstem (Eselgespann und BMW) höher schlug, mit einem Kind ohne Verständnis für die Differenzierung in Abfall und Bespielbarkeiten, erschien uns dieses anscheinend fast lücken- aber ganz sicher gnadenlos zugemüllte Land nicht der richtige Ort. Ich befürchte, nein hoffe, dass es uns nur in die falschen Landesteile verschlagen hat.“

Wir wollten es erneut versuchen, uns dem Land, auf das ich mich im Vorfeld unserer Reise mit derart grosser Spannung gefreut hatte, mit nicht mehr ganz so hohen Erwartungen, aber um so grösserer Hoffnung noch einmal nähern, diesmal hauptsächlich dem südlicheren Landesteil. Wir verabschiedeten uns von userem lauschigen Plätzchen am See in Ioannina, betankten den Gefährten nochmal auf Griechisch und brachen gen Grenze auf. An einem der wohl schönsten Orte an denen wir bisher Landesgrenzen überschritten hatten, in bergigem Gebiet, fielen fuhren wir erneut in Albanien ein. Einmal mehr war es erstaunlich, wie rasch sich Land- und Ortschaften auch Grenzen zu verändern vermögen. Waren die Berge auf Griechenlands Seite noch ziemlich bewaldet und wirkten Täler relativ fruchtbar, wurde die Landschaft in Albanien mit einem Schlag karger und dürrer, allerdings nicht minder eindrücklich und schön. In der Absicht einen Stellplatz am Meer aufzusuchen, den wir im Internet gefunden haben, jagten wir den Gefährten weiter hoch, in die albanischen Berge, die uns noch von der Küste trennten. Es war eine atemberaubende Fahrt auf ziemlich guten Stassen, den kahlen, kargen, steinigen, kaum besiedelten Berg hoch, an Ziegenherden und völlig stressfrei im Weg einhertrottenden Eseln vorbei und schliesslich direkt in einen, für albanische Verhältnisse relativ touristischen Vorort von Sarandë, ans Meer. Nach einer kleinen Irrfahrt durch Sarandë, aufgrund erhöhter Schlaglochkonzentration hatten wir die abführende Hauptstrasse nicht als solche erkannt, fanden wir doch noch den angestrebten Weg, der parallel zur Küste, im Landesinnern weiter durch die Berge führte. Bis Berges Höhepunkt präsentierte sich die Landschaft bekannt bergig, karg, mit gigantös wunderbaren Ausblicken aufs Meer. Die Abfahrt führte, weiter im Landesinnern, durch eine urplötzlich ungemein grüne, bewaldete Schlucht, einem kleinen Camperparadies mit vielen Stellplätzen und ebensokleinen Restaurants und schliesslich noch einen kürzeren Streckenabschnitt dem Meer entlang durch etliche schöne, alte Käffer mit dem Antlitz von alten, staubigen, verschlafenen Bergdörfern und grandiosem Ausblick aufs Meer. Ab und zu führen wir gemächlich hinter einem Mauleselgespann her oder musten warten bis die Kuh auf der Strasse ihr Kalb fertig gesäugt hatte, oder bis die entgegenkommenden Säue sich so in eine Reihe bequemten, dass die Strasse für uns passierbar wurde.
Hinter einem kleinen Restaurant, unter Oliven- und Orangenbäumen, fanden wir schliesslich ein Plätzchen für eine Nacht, ziemlich in Hochstimmung, muss gesagt werden, denn, man erinnere sich an die Einleitung, alleine für diesen Tag hat sich die Rückkehr nach Albanien gelohnt.

    Bemerknisse

  • Das Verstehen des Phänomens derart teurer Autos (NICHT Geländerfahrzeuge) bei derart schlechten Strassenverhältnissen bleibt mir wohl ewiglich verwehrt.
  • Sie planen für Ihr Kind eine Karriere bei der Verkehrspolizei? Reisen Sie mit Gefährten und ähnlichen Fahrzeugen. Unser 15 Monate altes Kind beherrscht die Kunst des lautstarken Einweisens, inklusive gewichtiger Miene und ausdrucksstarken Gebärden.
  • Dass der Albanien(Griechenland-, Türkei-)gewöhnungsprozess eingesetzt hat merken Sie daran, dass sie nicht mehr jede auf Strassen daherbringende Kuh, oder schweinische Weglagerer ablichten.
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