Jesolo (Nähe Venedig) I – Zenna (Nähe Arezzo) (Tage 63 – 64)


Relativ zeitig verlassen wir morgens den unattraktiven Platz relativ zeitig und fahren Richtung Zenna bei Arezzo, wo Herrn G.s Grosseltern leben. Ich habe mich nicht sonderlich auf die kommenden Streckenabschnitte gefreut, ja, eigentlich habe ich innig mit dem Gedanken gehadert, unsere letzten Wochen in Italien zu verbringen, einem Land das wir schon so oft bereist haben, es zieht weiter das Fremde, gleichzeitig wollten wir aber gerne weiter am Meer und vorallem im Süden bleiben und genaugenommen ist mir Italiens Süden noch weitgehend unbekannt. Ich hadere nicht mehr lange. Wie könnte ich auch? Die Toskana wirkt, in ihrer unspektakulären Schönheit, und ebenso die tausenden wunderbar alten, so offensichtlich geschichtsträchigen, bewohnten und verlassenen Fabrikgebäude und Häuser mit ihren verwilderten Gärten, wie sie in dieser Gegend so oft zu finden sind, versöhnen mich rasch, stundenlang möchte ich sie betrachten und mir Vergangenes erdenken.
Kurz vor Arezzo wollen wir noch unsere Wasser- und andere Vorräte aufstocken, halten beim erstbesten Supermarkt an und kaufen ein. Als Herr G. bei der Rückkehr zum Gefährten den obligaten „Wir haben keine Luuuuft mehr“-Ruf trällert, lächle ich nur müde, denn derartige Witze sind nach drei zerfahrenen Pneus so ausgeleiert wie platt. Platt ist allerdings auch des Gefährten Hinterrad, Flachrad Nr. 4. Das Glück ist uns hold, denn wir stehen quasi vor einer Garage, deren Angestellten uns den Pneu prompt und billiger als in Albanien wechseln. Nicht ohne Ausrufe des Erstaunens allerdings, denn der alte Reif weist erhebliche Gebrauchsspuren auf, so das es wohl eher verwunderlich ist, dass wir es noch so weit geschafft haben.
Pünktlich zum frühen Abendessen erreichen wir schliesslich Herrn G.s Grosseltern, liebevoll „Nonnis“ genannt, die abgeschieden auf einem Hügel mit grandiosem Ausblick wohnen. Aus einem alten Steingehöft haben sie sich da oben ein kleines Paradies mit viel Umschwung erbaut, den sie zu einem grossen Teil auch noch selber bewirtschaften. Und falls ihnen, neben Pflanzengiessen, Ernten, Ernteverwerten, Jäten, Säen, Holzen, Mähen und usw. trotzdem mal langweilig wird, bauen die Leutchen mit über 80 Jahren eben den Keller aus oder Pingpong- und Billardttische und verbringen die Zeit mit Spielen. Mit wunderbarer Aussicht auf den Fluss Arno schlafen wir erschöpft ein.
Den nächsten Tag verbringen wir hauptsächlich mit Spaziergängen und damit den Gefährten innerlich und äusserlich gründlichst zu reinigen, Details erspare ich Ihnen, in der Anahme, dass Sie kein Interesse an Herstellungsprozessen von Alkohol aus Trauben in Kindersitzritzen haben.

    Bemerknisse
  • So getan und für gut befunden: Ich empfehle Ihnen von Herzen platte Reifen erst nach dem Grosseinkauf und 30 Meter vom nächsten Autoreifenhändler entfernt zu entdecken, das erspart massenhaft Stress, ehrlich.
  • Nach dem Sie Ihr Auto mit Aufwand und Anstrengung sorgfältigst innerlich und äusserlich gereinigt haben, stellen Sie das Gefährt mit Vorteil nicht unter einen Baum voller reifer Feigen.
  • Nach der Einverleibung von Kaffe aus allen Herrenländern rund um die Adria versichere ich: der Italienische ist der Beste.
  • Rotbackigkeit ist hierzulande kein sicherer Fieber- oder Zahnungsindikator, sondern kann auch an der Kinderwangenkneifbesessenheit der Italiener liegen.
  • Flachrad 4:

    20120915-103214.jpg

    Gefährte mit innerer Leere:

    20120915-103946.jpg

    (Noch immer vier Tage Berichtrückstand, man reiche mir Zeit.)

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    2 Kommentare

    Eingeordnet unter Bemerknisse, Neulich, Reise 2012, Reisen mit Kindern

    2 Antworten zu “Jesolo (Nähe Venedig) I – Zenna (Nähe Arezzo) (Tage 63 – 64)

    1. FrauPfarr

      Also was die Feigen angeht: man sollte auch nicht reintreten und dann überall hin verteilen (Haus, Auto).
      Beim Auto des Mannes ist es Holunder gewesen, mehrmals. Der Gute lernt nicht dazu…

    2. hotel Jesolo

      Sie machen eine wunderbare Arbeit. Viel Glück!

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