Marina di Camerota (Nähe Palinuro) – Cámpora San Giovanni (Nähe Amantea) – Acireale (Sizilien) (Tage 72-73)


Es scheint aufwärts zu gehen, Äm hat nur noch erhöhte Temperatur und bewegt sich wieder mehr, wenngleich auch immer in Sichtnähe zu mir. Ich wage es kaum zu vermerken, aber der Zustand leichter Angeschlagenheit birgt durchaus auch Vorteile. Äm ist eine Ausreisserin erster Güte und die Tatsache, dass sie sich heute frei, aber lieber in meiner Nähe bewegt ist herrlich entspannend.
Mit dem Ziel ungefähr die Hälfte der Strecke nach Sizilien zu bewältigen, brechen wir auf. Die Fahrt verläuft ungemein ruhig, Äm scheint die Zeit zur Regeneration zu brauchen und schläft ausdauernd. Der erste Streckenabschnitt führt weiter durch den Parco Nationale Cliento e Vallo di Diano, über seine herrlich bemärchenwaldete Hügel, in denn hie und da noch Nebelfetzen hängen, durch kleine, belebte Hügeldörfer, in denen sich das Leben offensichtlich tatsächlich noch auf der Strasse abspielt. Dicht aneinander gedrängt an die Hügel geschmiegt, stehen sie, die alten, so charaktervollen Häuser, der Gefährte kommt mir überdimensional und klobig vor und wenn ich meine Arme durchs offene Fenster Strecken würde, ich glaube ich könnte an jeder Haustüre klingeln, so eng sind die Strassen. Überall hängt Wäsche, vor den Türen stehen Tische, an denen alte, faltige Italienerinnen in geblümten Roben Gemüse schälen, während die Hausherren die Gazzette dello Sport studieren. Gepräche können problemlos von Wohnung zu Wohnung geführt werden und werden es offenkundig auch. Es ist Mitte Woche, Kinder sind hier kaum zu sehen, die werden alle in der Schule sein, aber an einem späten Spätsommersonntagnachmittag auf dem Dorfplatz muss hier das pure Leben toben.
Nach einem kurzen Mittagsrast fahren wir aus dem Park, die Gegend ist sofort massiv weniger bewaldet, die Dörfer wieder grösser und wir steuern wieder die Küste an. Offene Campingplätze sind auch hier kaum zu finden, aber neben einer kleinen Pizzeria, direkt am Meer, dürfen wir den Gefähren für eine Nacht, direkt am Strand, stehen lassen.
Kurz vor dem Abendessen heizt Äm wieder kräftig auf, scheint sich aber trotz über 39*C Fieber immer noch relativ wohl zu fühlen, spielt und isst sogar. Wir beschliessen das morgige Programm von Äms Zustand abhängig zu machen.
Am nächsten Morgen ist Äm wieder fieberfrei, wir atmen auf. Da Bleiben augrund Schattenlosigkeit an diesem Platz keine Option ist, beschliessen wir heute, wenn die Kinder mitmachen, bis nach Sizilien zu fahren. Durch sanfte, adrett frisierte Hügel erreichen wir Villa San Giovanni und den dortigen Fährhafen. Das Besorgen des Tickets ist nur insofern etwa beschwerlich, als das wir unfreiwillige und unnötige Hilfe bei der Buchung erhalten und der übermoivierte Helfer hernach dafür auch noch bezahlt werden möchte. Auf der Fähre werden wir von überaus herzlichen Sizilianern mit inselbezogenen Ratschlägen versorgt, jemand will gar den Schiffsarzt holen, als wir am Rande erwähnen, dass Äm in den letzten Tagen fieberte. Messina lässt uns schliesslich erahnen, was uns in einer Woche in Palermo, in verstärktem Masse erwarten könnte: Massen von Autos. Parkiert wird, wo immer es Patz hat, gefahren ebenso. Wir kommen in Schneckentempo voran, während die Autos von hinten, vorn und sämtlichen anden Himmelsrichtungen nur so an uns vorbeizurauschen scheinen. Endlich erreichen wir Giardini Naxos, den Ort, der uns von allen Italienern empfohlen wurde. Leider mutet der ganze Küstenabschnitt derart touristisch an, dass wir sofort weiter fahren und uns einen Platz abseits suchen. Auf einem Felsen über dem Meer, von dem aus die Bucht per Aufzug erreichbar ist, stellen wir den Gefährten auf einem Campingplatz ab, in der Absicht hier mehrere Nächte zu bleiben.
Äm hat den Tag in guter Verfassung, mehr oder weniger fieberfrei verbracht und wir legen uns, in der Hoffnung auf eine ruhige Nacht, früh schlafen. Die Hoffnung stirbt allerdings mit dem Aufkreuzen einer deutschen Schlklasse ausser Rand, Band und sich, die sich kollektiv bis zur Besinnungslosigkeit besäuft, kotzt und schliesslich schlafend grosszügig auf dem Gelände verteilt. Das ist schliesslich der Zeitpunkt den Murphy auserkoren, um Äm wieder ausgiebig fiebern zu lassen. Wir verzeichnen somit die wohl bescheidenste Nacht der Reise.

    Bemerknisse

  • Italien macht dick, während wir in den Wochen zuvor relativ viel Gewicht verloren haben, werden wir nun bei Pasta und Pizza wieder, äh, runder.
  • Wer in der Nebensaison Sandspielzeug kauft ist doof blöd tut Unnötiges: Mann gehe einfach mit den Kindern an den Strand und sammle was Brauchbar. Heute in der Ausbeute: „Öllöu Kiddi“-Eimer und Freudentänze seitens des grossen Mädchens mit Blödrosaglitzerkatzenzubehörmangel.
  • Sizilien scheint über mehr Autos als Einwohner zu verfügen.
  • Es es empfiehlt sich in Sizilien relativ strassenmittig zu fahren, denn der Sizilianer weiss: Wo ein Auto Platz hat, haben auch zwei, haben auch drei, haben auch vier (beliebig erweitern) Autos Platz.
  • 20120922-220813.jpg

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