Punto Braccetto (Nähe Vittória) – Eraclea Minoa (Nähe Agrigento) – Mazara del Vallo (Tage 77-78)


Heute Morgen erfreut sich Äm nach wie vor bester Verfassung und wir betrachten das Krankheitsintermezzo als abgeschlossen. Heute, Sonntag, mitgezählt bleiben uns noch sieben Tage bis unsere Fähre nach Genua Palermo verlässt, das Gefühl von Schlussspurt und Abschliessen nimmt endgültig überhand. Wir waren nur drei Monate unterwegs und doch fällt der Gedanke schwer, dass wir uns wieder an das alte, gebundene Leben gewöhnen müssen, ja, trotz Äms Krankheit und dem zwischenzeitlichen Wunsch nach der beruhigenden Instanz unserer Kinderärztin, könnten wir noch lange reisend weiterleben. Natürlich gibt es auch Dinge, auf die ich mich freue, mehrheitlich sind das kleine Bequemlichkeiten des alltäglichen Lebens, wie eine warme Dusche, mehr als zwei Herdplatten oder ein ämsicheres Gartentor, aber auch auf zeitweise vergrösserte Distanz zu den Kindern und Herrn G. freue ich mich, auf Zeit alleine und auf meine neue alte Arbeitsstelle. In jedem Falle gilt es unsere letzte Reisewoche noch in vollen Zügen auszukosten, Wärme, Meer und Fremde zu geniessen.

Wir brechen heute in Richtung einer Gegend auf, die für ihren Kreidefelswände bekannt ist, die Gegend um Agrigento und Eraclea Minoa. Der erste Teil der Fahrt führt durch ein schier unendliches Meer von Gewächshäusern, deren Arbeiter, zumindest die die wir sehen, zu 80% aus Einwandern zu bestehen scheinen. Nicht selten wohnen sie unmittelbar angrenzend in sehr einfach gehaltenen Behausungen und es ist unschwer zu erahnen, dass die Entlöhnung für ihre Arbeit sie nicht eben wohlhabend werden lässt. Was die Verschmutzung durch Müll anbelangt, ist die Gegend Nordalbanien mindestens ebenbürtig, wo keine Gewächshäuser stehen, liegen unfassbare Unmengen an Müll. Wir durchfahren den Teil Siziliens trotz Hitze bei geschlossenen Fenstern, zu gross ist die olfaktorische Belastung durch die Feuer, die allenthalben mit den Gewächsabfällen und, unweigerlich, dem umliegenden Müll entfacht worden sind. Nach dem wir Ragusa hinter uns gelassen haben, ändern sich sich Land- und Ortschaften relativ unmittelbar. Es ist wieder unverpacktes Grün zu sehen und die Verschmutzung nimmt deutlich ab. Dank „unseren Deutschen“ wissen wir schon, wo wir heute Nacht übernachten wollen und landen auf einem wunderbar einfach gehaltenen Platz, direkt am Meer und mit gigantischer Aussicht auf Kreidefelsen.

Obwohl es uns hier sehr gefällt, brechen wir bereits am nächsten Morgen auf. Das Landesinnere, insbesondere Corleone, der Geburtsort des Protagonisten aus „der Pate“, lockt. Bereits nach den ersten Kilometern ins Landesinnere hat sich der Abstecher gelohnt. Über steingkarge Hügel und kleinere Berge fahren wir an riesigen Schafherden und einsamen Pferden, Eseln und Mauleseln vorbei und passieren verwitterte, überwachsene Häuser, viele davon leerstehend. Alle paar Hügelhöchstpunkte trohnen kleinere und grössere Dörfer, die von Weitem oft gar nichts mit der Lieblichkeit der beschriebenen Bergdörfern von unlängst gemein zu haben scheinen. Aber die vermeintlich lieblos hingepappten, graubeigen Häuserklumpen haben fast immer einen historischen Kern, der nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch genau die farbenfrohe Freundlich- und Lebendigkeit birgt, die mir an italienischen Kleinstädten so gefällt. Als wir in Corleone einfahren, sind wir etwas enttäuscht, die Stadt ist durchaus nett anzusehen, aber touristisch und längst nicht so voller Charme wie die diversen kleineren Dörfer, die wir auf dem Weg hierhin durchfahren haben. Trotzdem speisen wir vorzüglich und nach dem Besuch in der Gelateria machen wir uns auf den Rückweg ans Meer. weil wir schon einen relativ langen Fahrtag hinter uns haben, zögern wir nicht lang und nehmen den erstbesten, relativ schmucklosen Campingplatz und nach Abendessen und der obligaten Sielplatzerkundungsrunde begeben wir uns in mückengeplagten Nachtschlaf.

Bemerknisse

  • Eine Fähigkeit die sich Kinder bei dreimonatigen Ferien am Meer aneignen, ist das Badetuchausbreiten und sich danach genüsslich darauf legen. Auch Äm kann das nun. Auch mit Taschentüchern. Und auf dem Gehsteig.
  • Wenn Nichtschweizer uns vermeindlich standesgemäss begrüssen wollen, schmettern sie uns ein „Grüüützi.“ entgegen. Wir machen bereitwillig mit.
  • Die Mücken waren auf dieser Reise wohl die grösste Plage, wenn ich pro Nacht und Kopf fünf Mückenstiche rechne, habe ich damit eher unter- als übertrieben und wir kämen gemeinsam auf eine reiseschlussendlichen Anzahl von 1680 Stichen.

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