Tagesarchiv: Dezember 2, 2012

Monster sind schlechter Umgang (2.Dezember)


Ypsilönchen schläft seit unserer Reise und der damit verbundenen Schlafnähe wieder konsequent auf einer Matratze neben unserem Bett. Das stört mich weiter nicht, aber nach dem mir beim Durchsehen unserer Kinderbücher „Molly die kleine Monsterin schläft nicht in ihrem Bett“  in die Hände gefallen ist, dachte ich, dass ein kleiner Input in Richtung selbständiger Schlaferei keinesfalls schaden würde, erst recht, wenn ihm ein liebevollst gestaltetes Bilderbuch mit gar pädagogisch einwandfreiem Inhalt zugrunde liegt. Ich las also Mollys Schlafgeschichte vor:

Molly die kleine Monsterin schläft nicht in ihrem Bett

Molly die kleine Monsterin schläft nicht in ihrem Bett

Molly kann nicht schlafen weil es zu hell ist, die Eltern erleuchten ihr Zimmer.
Molly kann nicht schlafen weil es zu dunkel ist, die Elter verdunkeln ihr Zimmer.
Molly kann nicht schlafen weil sie Hunger hat, die Eltern kochen.
Molly kann nicht schlafen weil sie durst hat, die Eltern bringen Wasser.
Molly kann nicht schlafen weil ihr Bett nass ist, die Eltern beziehen das Bett frisch.
Molly kann nicht schlafen weil sie so allein ist, die Eltern holen die Verwandtschaft herbei.
Molly kann nicht schlafen weil es so still ist, die ganze Verwandtschaft singt.
Molly kann nicht schlafen weil sie zu wenig Platz hat, die Verwandtschaft zieht ab.
Mollys Vater gibt auf, er legt sich neben ihr Bett auf den Boden und reicht ihr zum schlafen die Hand. Nacht für Nacht rücken die Eltern ein Stück weiter von Mollys Bett weg, bis Molly schliesslich alleine in ihrem Bett schläft.

Ein wunderbares Buch, Ypsilönchen lauschte völlig gefesselt und forderte sogleich eine Wiederholung, die ich ihr, in leiser Hoffnung das vermittelte Gedankengut möge haften bleiben, gerne gewährte. „Und du, Ypsilönchen,“ fragte ich abschliessend, „möchtest du auch wieder in deinem schönen, hohen Bett, in deinem Zimmer schlafen?“ „Vielleicht später. Heute aber sicher nicht.“ Nun gut, einen Versuch war es wert, dachte ich und brachte die Kinder zu Bett, in unser Schlafzimmer. Als Y mich zehn Minuten später darum bat, das Zimmer doch ein wenig zu erhellen, da es so fürchterlich dunkel sei, kam ich dem Wunsch, herrlich ahnungslos und in Vorfreude auf einen ruhigen Abend nach. Nach weiteren zehn Minuten liess Y den Wunsch nach einer Sonnenbrille verlauten, es sei zu hell. Nun gut, dachte ich, redete ihr die Brille aus und versetzte die Beleuchtungssituation im Schlafzimmer wieder in ihren nachtanfänglichen Zustand. Zur ersten Auseinandersetzung kam es zehn Minuten später, als ich mich weigerte Ypsilönchens gigantösem, urplötzlich auftretendem, aber um so intensiverem Hunger mit frisch zubereiteten „Hörndli mit Chäs und Pesto“ ein Ende zu bereiten und zum endgültigen Eklat inklusive wahnsinniger Entrüstung ob meiner Ungerechtigkeit führte der Umstand, dass ich mich weigerte meine sämtliche Verwandtschaft anzurufen und zu uns ins Bett zu ordern.

Bei aller Liebe für Molly und dieses wundervolle Kinderbuch, ich verstehe nun die wirklichen Gründe für Bücherverbrennungen.

7 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Erziehung, Neulich, Ypsilönchen