Tagesarchiv: Dezember 6, 2012

Ungezogenheit aus Plastik. (6.Dezember)


Ich war an einer Tupperparty. Eigentlich zunächst unwissentlich, denn ich habe zugesagt, bevor ich wusste, dass der Titel der Doodleumfrage nicht spasseshalber gewählt ward. Es war Tupperparty und ich ging trotzdem hin. Es ist anzufügen, dass die sonstigen Anreize dafür um so vielversprechender waren, bot sich doch mit dem Partybesuch die Gelegenheit die Damen Seenia, Lavendel, Rage und Argentango erstmals und die geschätzte Änni (Frau Katzenjammer) endlich wieder zu treffen.

Bereits die Anreise legte Änni und ich relativ orientierungslos zurück, warteten erst am falschen Quai auf das richtige Tram, hernach selbiges umgekehrt, um, nach der Fahrt, einem zügigen Fussmarsch in die falsche Richtung und GPS-Konsultation doch noch zu Seenia zu finden. Normalerweise bereite ich mich auf derartige Abende vor und speichere heimlich Notizen mit potentiellen Gesprächsthemen ab, an dem Abend aber fehlte mir die Zeit für Vorbereitungen und Plastikdosen mag ich, Plastikdosen hab ich und über Plastikdosen werde ich wohl auch völlig unvorbereitet sprechen können. Im schlimmsten Fall, so dachte ich, würde ich einfach mit der Geschichte der, aufgrund einer undichten Plastikdose, grosszügig verteilten Tomatensauce in der Arbeitstasche aufwarten. Nun, bereits nach zehn Minuten Tupperparty war mir klar, dass eine derartige Geschichte purer Blasphemie gleichgekommen wäre. Tupperware sind nicht Plastikdosen, der Vergleich mit anderen Produkten nicht statthaft, Tupperware rinnt nicht und Tupperware wird vererbt. Wenn andere das gute Porzellan erben, erbt die Frau von und zu Tupper Plastikdosen antike Tupperdosen. Es mag an meinem verqueren Sinn für Situationskomik liegen oder daran, dass ich nach einem langen Arbeitstag etwas übermüdet und darum unzurechnungsfähig war. In jedem Falle versuchte ich meine infantilen Kicheranfälle, wie uns das im Schwangerschaftskurs gezeigt wurde, so gut es ging zu veratmen, tonlos, zum Wohle Aller. Dafür weiss ich nun Bescheid: Tupper führt neu ein ganz neues Spätzlisieb mit schönen Löchern, Salatschleuderlöchersiebe ohne scharfe Kanten (damit der Salat nicht verletzt wird) und Schüsseln mit den stets vielversprechenden Attributen wie „mal was anderes“ und „noch frech“.

Mir fehlt das Tuppergen. Ich kann und will mich nicht über Küchenutensilien, und seien sie noch so praktisch (ich habe, der Tuppergott hat gewonnen, nämlich doch etwas bestellt), unterhalten, dafür hatten die Damen nämlich viel zu viele küchenferne Unterhaltsamkeiten zu bieten und hätten wir all die Tupperkeiten weggelassen, hätte ich noch mehr erfahren.

Liebe Seenia, liebe Frau Rage, liebe Argentango und liebe Änni, ich bin hier wieder Mal zynisch und fast so ungezogen wie die frechen Tupperschüsseln, aber auch wenn ich hier rumschnöde, der Abend mit euch war äusserst unterhaltsam und ich freue mich auf eine tupperfreie Wiederholung.

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