Ungezogenheit aus Plastik. (6.Dezember)


Ich war an einer Tupperparty. Eigentlich zunächst unwissentlich, denn ich habe zugesagt, bevor ich wusste, dass der Titel der Doodleumfrage nicht spasseshalber gewählt ward. Es war Tupperparty und ich ging trotzdem hin. Es ist anzufügen, dass die sonstigen Anreize dafür um so vielversprechender waren, bot sich doch mit dem Partybesuch die Gelegenheit die Damen Seenia, Lavendel, Rage und Argentango erstmals und die geschätzte Änni (Frau Katzenjammer) endlich wieder zu treffen.

Bereits die Anreise legte Änni und ich relativ orientierungslos zurück, warteten erst am falschen Quai auf das richtige Tram, hernach selbiges umgekehrt, um, nach der Fahrt, einem zügigen Fussmarsch in die falsche Richtung und GPS-Konsultation doch noch zu Seenia zu finden. Normalerweise bereite ich mich auf derartige Abende vor und speichere heimlich Notizen mit potentiellen Gesprächsthemen ab, an dem Abend aber fehlte mir die Zeit für Vorbereitungen und Plastikdosen mag ich, Plastikdosen hab ich und über Plastikdosen werde ich wohl auch völlig unvorbereitet sprechen können. Im schlimmsten Fall, so dachte ich, würde ich einfach mit der Geschichte der, aufgrund einer undichten Plastikdose, grosszügig verteilten Tomatensauce in der Arbeitstasche aufwarten. Nun, bereits nach zehn Minuten Tupperparty war mir klar, dass eine derartige Geschichte purer Blasphemie gleichgekommen wäre. Tupperware sind nicht Plastikdosen, der Vergleich mit anderen Produkten nicht statthaft, Tupperware rinnt nicht und Tupperware wird vererbt. Wenn andere das gute Porzellan erben, erbt die Frau von und zu Tupper Plastikdosen antike Tupperdosen. Es mag an meinem verqueren Sinn für Situationskomik liegen oder daran, dass ich nach einem langen Arbeitstag etwas übermüdet und darum unzurechnungsfähig war. In jedem Falle versuchte ich meine infantilen Kicheranfälle, wie uns das im Schwangerschaftskurs gezeigt wurde, so gut es ging zu veratmen, tonlos, zum Wohle Aller. Dafür weiss ich nun Bescheid: Tupper führt neu ein ganz neues Spätzlisieb mit schönen Löchern, Salatschleuderlöchersiebe ohne scharfe Kanten (damit der Salat nicht verletzt wird) und Schüsseln mit den stets vielversprechenden Attributen wie „mal was anderes“ und „noch frech“.

Mir fehlt das Tuppergen. Ich kann und will mich nicht über Küchenutensilien, und seien sie noch so praktisch (ich habe, der Tuppergott hat gewonnen, nämlich doch etwas bestellt), unterhalten, dafür hatten die Damen nämlich viel zu viele küchenferne Unterhaltsamkeiten zu bieten und hätten wir all die Tupperkeiten weggelassen, hätte ich noch mehr erfahren.

Liebe Seenia, liebe Frau Rage, liebe Argentango und liebe Änni, ich bin hier wieder Mal zynisch und fast so ungezogen wie die frechen Tupperschüsseln, aber auch wenn ich hier rumschnöde, der Abend mit euch war äusserst unterhaltsam und ich freue mich auf eine tupperfreie Wiederholung.

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11 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich

11 Antworten zu “Ungezogenheit aus Plastik. (6.Dezember)

  1. jpr

    Ich wuerde auch meinen, dass wer schon Kinder hat nicht auch noch freche Schuesseln braucht, sondern besser folgsame, aber vielleicht muss man einfach dabeigewesen sein um das zu verstehen. Und vermutlich ist das ’sooo praktisch‘ Gen ebenso selektiv, wie dasjenige fuer ’sooo suess‘.
    Aber immerhin verstecken sich die kleinen Suenden des einen besser im Schrank…

  2. :-) Da auch mir das erwähnte Gen fehlt, stelle ich weiterhin einen Glaskrug auf den Tisch anstelle einer blauen Plastikflasche für über 20 CHF, verwende ein Löcherbecken anstelle eines aus einem Guss hergestellten Abtropfsiebes mit Anti-Rutsch-Noppen, hoffe einfach, dass ich meinen Salat mit meiner wertschätzenden Haltung von selbstverletzenden Tendenzen abhalte und verhalte mich absolut systemkritisch, indem ich bewusst in Kauf nehme, dass meine Schinkengipfeli ohne Schablone durchaus nicht völlig identisch geformt sind…
    Die erwähnten Twitter-Damen zu treffen hingegen war spannend, und auch ich freue mich auf das tupperfreie Treffen!
    Grüsse aus Änniland,
    Änni

  3. diese rote schüssel, die war echt scheusslich. die machte mir augenkrebs! aber ich kann sagen, dass die behältnisse, die ich mir gekauft habe, super sind für vespereien unterwegs – weil sie im gegensatz zum orangen-m-zeugs wirklich nicht auslaufen. :-)) sag das mal deiner tomatensauce.

    aber davon abgesehen finde ich tupperparties wirklich kult. das kann ich von ganzem herzen sagen. diese dame hat leider sämtliche vergleiche mit dem küchengöttinnen-krams unterlassen, was dir noch viel mehr lacher beschert hätte… kichern hätte ich endlos können.

    war schön, dich kennen gelernt zu haben.

  4. Barbapapa

    Wankelmütig?

  5. Frau Gminggmangg, Ihr Post hat den Abend ziemlich auf den Punkt gebracht. Nächstes Mal ohne Tupper (wobei ich da auf Frau Rage verweisen möchte – das Zeugs ist zwar schweineteuer, aber tatsächlich fast unkaputtbar und _dicht_) dafür mit mehr Prosecco ;-)

  6. du hattest kicheranfälle??? aaaach wie schade, dass die nicht öfters waren. hihi :)
    bitte gerngeschehen und immer wieder mal – mit rot- und weisswein und prosecco.

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