Tagesarchiv: Dezember 10, 2012

Apfelwein und humorvolle Götter (10.Dezember)


Es ist so weit: Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem ich mich plötzlich unverhältnismässig innig darüber freute, als ich beim Kauf von Apfelwein an der Kasse um den Ausweis gebeten wurde. Ich altere. Ein Gedanke, der mich manchmal urplötzlich befällt, ohne Vorwarnung. Sie können sich das in etwa so vorstellen: Frau Gminggmangg, also ich, sitze nur so rum, mit grosser Wahrscheinlichkeit in irgendeinem öffentlichen Verkehrsmittel und ziemlich sicher ohne Kinder. (Wie sonst, könnte ich „nur so rum sitzen“?). Es sind diese Momente, meist wenn ich allein unterwegs bin, in denen ich versunken die Umgebung betrachte, ein wenig über die Menschen um mich herum sinniere, Senioren freundlich grüsse, nicht weil ich gut erzogen wäre oder gar aus altruistischen Gründen, neinein, ich will bloss keine Schuld tragen, wenn sie meinetwegen traurig sterben, Teenager milde belächle und sie ein wenig um ihre Unbedarftheit beneide, die Mittelalterlichen mit Kindern sehe, wie sie ihre Brut im Zaum zu halten versuchen und dabei unverhältnismässig alt aussehen, mir dabei denke, dass Kinderhaben schon irgendwie anstrengend anmutet und mich Sekunden später in Schockstarre wieder finde, weil mir eingefallen ist, dass ich ja selber Mutter bin, ja, sogar zwei Kinder habe, Heilpädagogin bin, in zwei Jahren Dreissig werde und, man stelle sich erst das vor, tatsächlich alleine wohne, die Mitverantwortung für einen ganzen Haushalt trage und sogar manchmal koche. Gestern war doch alles noch anders, oder? Irgend ein humoristisch minderbegabter Gott muss mich aus Ulk in ein fremdes Leben verpflanzt haben.

Sie enden meist so unerwartet wie sie begonnen haben, diese Episoden. Kaltes Wasser hilft. Oder Schlaf. Oder kindliche Kuscheleinheiten.

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