Die 10 Pendlertypen – ein Hilfsmittel zur Früherkennung und Pendlergewaltprävention (17.Dezember)


Seit unserer Reise pendle ich wieder wöchentlich mehrmals zum Arbeitsort und zurück. Von Haustür zu Haustür brauche ich, wenn alle Anschlüsse gegeben sind, 1 ½  Stunden, ich bin also mindestens drei Stunden arbeitstäglich in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Trotzdem ist es eine allarbeitsmorgentliche Herausforderung, einen Platz zu ergattern, der mich meine Pendlermörgen und -abenden tatsächlich so verbringen lässt, wie ich mir das wünsche, nämlich ruhig und ungestört. Andernorts  habe ich schon diverse Strategen aufgelistet, hier und heute möchte ich auf die diversen Pendlertypen, und wie sich ihre Anwesenheit auf mein pendelndes Wohlbefinden auswirkt, eingehen, auf dass es künftige Pendelanfänger dereinst leichter haben und mit diesem Hintergrundwissen Pendelstörungspräventionsmassnahmen ergreifen können.

Die Schläfer

Kurzbeschrieb: Sie betreten das Abteil, setzen sich, nesteln sich ein und befinden sich Sekundenbruchteile nach Abfahrt im Tiefschlaf.
Positivpotential: Sie schlafen und werden Sie deshalb nicht in ein Gespräch verwickeln.
Negativpotential: Es besteht die Gefahr, dass die Schläfer schnarchen, sabbern oder unabsichtlich und -bemerkt seitwärts kippen. Letzteres liesse sich durch ein Ausweichmanöver verhindern, hätte aber Verletzungen oder mindestens die Fremdbelegung des eigenen Sitzplatzes zur Folge. Desweiteren neigen gerade die Schläfer dazu, sich kurz vor Ankunft beim Zielbahnhof mit besonders fiesen Mobiltelefonklängen wecken zu lassen. Babylachen, beispielsweise, oder Möwenkreischen.
 

Die Fleissigen

Kurzbeschrieb: Sie tragen Anzug oder Deuxpiece und arbeiten die ganze Fahrt über an ihrem Laptop, blicken ab und zu genervt auf, beispielsweise wenn Sie atmen, um hernach wieder mit wichtiger Miene in die Tasten zu hauen.
Positivpotential: Auch sie würden Sie niemals in ein Gespräch verwickeln.
Negativpotential: Die Fleissigen haben einen Hang zu exzessivem Parfüm- und Aftershaveeinsatz, was das Atmen erheblich erschwert, was wahrscheinlich wiederum der Grund für die genervten Blicke darstellt. Ein wahrer Teufelskreis.
 

Die vermeintlich Fleissigen

Kurzbeschrieb: Sie sehen auf den ersten Blick aus wie die Fleissigen, benutzen den Laptop aber nicht um zu arbeiten, sondern gucken Podcasts oder spielen Solitär.
Positivpotential: Auch sie nehmen Kaum Kontakt auf, es erfolgen, im Gegensatz zu den Fleissigen, auch keine bösen Blicke, dafür sind sie zu absorbiert.
Negativpotential: Auch hier stelle ich vermehrt auffällig exzessiven Gebrauch von künstlichen Duftstoffen fest. Zusätzlich erfolgen ab und zu kleinere Lärmbelästigungen, wenn die Podcasts lustig, oder die Solitärspiele verloren werden.
 

Die Leser

Kurzbeschrieb: Sie lesen Zeitungen, Bücher und Magazine.
Positivpotential: Sie sind meist zu beschäftigt um ein Gespräch anzufangen.
Negativpotential: Zeitungsfrischlinge sind ab und zu relativ unkoordiniert beim Lesen auf engem Raum, es besteht die Gefahr von Seitenhieben. Beachten Sie, wieviel Stoff die Lesenden noch haben und ob für Nachschub gesorgt ist, die aufkommende Leere nach dem Auslesen eines Buches kann spontan zu massiver Steigerung der Gesprächsbereitschaft führen.
 

Die Esser

Kurzbeschrieb: Sie essen immer. Immer.
Positivpotential: Die Wohlerzogenen dieser Gattung werden aufgrund vollen Mundes nicht mit Ihnen sprechen.
Negativpotential: Die Schlechterzogenen werden Sie vollem Mund auf die drei Minuten Verspätung hinweisen, dabei kleinstpartikelgrosse Stücke ihres mit Spucke angereicherten Käsebrotes auf Ihnen verteilen, schmatzen und den Frass mit grosser Wahrscheinlichkeit mit geruchsintensiven Energydrinks runterspühlen.
 

Das Rudel

Kurzbeschrieb: Sie kommen zu Mehren
Positivpotential: Sehr wahrscheinlich werden Sie nicht ins Gespräch einbezogen. Mit etwas Glück ist das Gespräch so skurril, dass Sie darüber bloggen können.
Negativpotential: Das Rudel ist laut, ausdauernd und niemals ohne Gesprächsthemen.
 

Die Verreisenden

Kurzbeschrieb: Sie befinden sich auf dem Weg gen Urlaub und führen diverse Gepäckstücke mit sich.
Positivpotential: Sie lassen Sie in Reiseerinnerungen schwelgen. Sie werden aufgrund von Reisekrankheitsbefürchtungen und dem damit Verbundenen Auswurf von Mageninhalt nichts essen. Vielleicht. Wenn sie Glück haben stapeln sie ihr Gepäck rund um Sie, die perfekte Schutzmauer.
Negativpotential: Sie erzählen mit sich vor Aufregung überschlagender Stimme von ihrem Reiseziel, wuchten die Gepäckstücke eine halbe Stunde vor Ankunft in die Gänge, aus Angst sie könnten den Ausstieg verpassen, und fragen Sie mindestens sechs Mal, ob sie wirklich im richtigen Zug sitzen.
 

Die verdächtig Unterbeschäftigten

Kurzbeschrieb: Personen im Rentenalter, tragen oft Wanderschuhe und Windjacken.
Positivpotential: Sie nehmen Ihnen nicht die raren Stromzugänge im Zug weg.
Negativpotential: Sie sind äusserst mitteilungsbedürftig, hartnäckig und gnadenlos, Gesprächsverweigerung ist zwecklos auf demonstratives Lesen oder Kopfhöreraufsetzen wird allerhöchstens mit massivem anheben der Lautstärke reagiert.
 

Die Telefonisten

Kurzbeschrieb: Sie telefonieren.
Positivpotential: Telefonnetzlöcher retten Leben, Akkus haben ein Ende.
Negativpotential: Telefonnetzlöcher werden stetig kleiner, Akkus stetig langlebiger.
 

Die Musikhörer

Kurzbeschrieb: Dauerkopfhörerträger, mutmasslich hat bereits ein Verwachen mit dem Innenohr stattgefunden.
Positivpotential: Sie reden nicht, erst recht nicht mit Ihnen.
Negativpotential: Sie müssen unter Umständen die ganze Zugfahrt über Baschi mithören. 
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9 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich, Zügiges

9 Antworten zu “Die 10 Pendlertypen – ein Hilfsmittel zur Früherkennung und Pendlergewaltprävention (17.Dezember)

  1. jpr

    Haben wir ein Glueck, habe ich Ihren letzten Satz nicht im Zug gelesen, ich waere sofort in die Kategorie der vermeintlich Fleissigen einsortiert worden (lautes Lachen). Nach den Duftbeschreibungen der Laptopnutzer (die ich im Falle der Fleissigen klar zurueckweise) hatte ich erst Sorge, sie wuerden die Energydrink-Fraktion vergessen, deren suesslich-fiesen Gerueche ich gerade morgens eher schwierig wahrzunehmen finde – von der Idee sich sowas in den Rachen zu schuetten mal abgesehen.

    Sie haben sodann noch die Jugendlichen vergessen, die sich – immer mit Essen bestueckt – haeufig, aber vor allem Nachmittags/abends mit Fastfood die Plaetze mit Tisch greifen und quer ueber den Gang Kollegen diskutieren, waehrend jeder noch nebenher (einohrig) Musik hoert und in sein Telefon schaut. Und – als Steigerung dieser Gruppe – die Horden junger Soldaten auf der Freitagabendheimreise, mit denen man wirklich alles erleben kann. Die einzigen die ich gesehen haben, die diese uebertrafen war ein halber Waggon voll norwegischer Eishockeyfans.

  2. Als ich noch regelmäßig am Wochenende zu meinen Eltern gependelt bin, hatte ich mal das Vergnügen, eine komplette Handballmanschaft in ca meinem Alter zu treffen. Wir haben kurz verhandelt (Sitzplätze um mich herum gegen Bier, fleißigsein hätte sich dann eh nicht mehr gelohnt), danach wars eine vergnügliche Zugfahrt. Highlight: Anruf von meinem Vater via Handy. Ich bin etwas naiv mit „Hallo Papa“ rangegangen, was Jubelrufe und Gegröhle zur Folge hatte.

  3. Im TGV gibts die alle auch. Und in der Regionalbahn u.U. noch „Reisende Eltern mit Kind“…

  4. treviso

    Ich lese gerne, Ihre interessanten und nützlichen Beiträge, danke.

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