Monatsarchiv: Februar 2013

Besser oder (n)ich(t).


Ich habe in den letzten Tagen auf einige Artikel  und Twitterdiskussionen gelesen, in denen es mehr oder weniger explizit darum ging, wie sehr wir Eltern uns für unsere Kinder aufopfern oder, um es nicht ganz so drastisch zu formulieren, zumindest zurücknehmen.

Ich will für meine Kinder das Beste.

Ich will für mich das Beste.

Und manchmal, mit etwas Glück, ist das sogar dasselbe.

Bereits vor Kindes Geburt stellt sich die unsausweichliche Frage, ob wir als Eltern unser Leben fortan um das des Kindes herum planen, oder ob wir das Kind so gut als möglich in unser Leben einbetten. Selbstredend ist das Schwarzweissmalerei, selbstredend bedarf es Kompromisse, die Grundhaltung aber bleibt und beeinflusst unser Handeln in diese, oder die andere Richtung.

Eventuell ist es auch eine Frage der Lebensaufgabe, eine Frage der Erfüllung (als absoluter Begriff), die mir das Muttersein allein, bei aller Liebe zu meinen Kindern, einfach nicht bieten kann. Die Mutterwerdung hat mich wohl irgendwie zufriedener gemacht, ich hänge zumindest mehr am Leben und nichts vermag mit der Wichtigkeit meiner Kinder zu konkurrieren, aber ich brauche mehr. Ich brauche die Arbeit, ich brauche Reisen und ich brauche es, mich nicht zu langweilen. Diese, für mich essentiellen Bedürfnisse, kann und will ich mir trotz Kindern erfüllen, auch wenn das unter Umständen Kompromisse bedarf und damit im besten Falle gar neue Welten eröffnet. So wären wir wohl ohne Kinder weiterhin mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln verreist, wohingegen wir jetzt, den Kinder zuliebe, einen sicheren Reisehafen (den Gefährten) angeschafft und zu schätzen gelernt haben. Ob die Kinder von der Reiserei profitieren lässt sich schwerlich feststellen, fest steht allerdings, dass wir als reisbedürftige Erwachsene profitieren und mit der Möglichkeit unsere Passion auszuleben erheblich an Lebensqualität und -zufriedenheit gewinnen, was wiederum zweifellos Auswirkung auf das kindliche Wohlbefinden hat.

Nein, altruistisch bin ich nicht, auch nicht in meiner Rolle als Mutter.

Ich habe meine Kinder nicht nur gestillt, weil ich es als das Beste erachtete, sondern auch weil ich, das Kind an der Brust, die Hände frei hatte, um den Laptop zu bedienen.

Ich habe meine Kinder nicht nur getragen, wie ich es als des Beste erachtete, sondern auch weil ich, das Kind am Rücken, die Hände frei hatte, um den Laptop zu bedienen.

Ich begleite meine Kinder nicht nur in den Schlaf, weil ich es als das Beste erachte, sondern auch, weil ich dabei im Dunkeln sitzen und auf dem iPad Nachrichten lesen kann.

Kinder sind oft ziemlich witzig, klug und niedlich, aber fast ebenso oft sind sie kleine Nervenfeilen, zu laut oder einfach langweilig. Wenn Journelle hier beschreibt, warum sie nicht mit ihren Kindern spielt, kann ich das problemlos nachvollziehen. Auch ich finde die meisten Spiele meiner Kinder gelinde gesagt langweilig und ich versuche nach Möglichkeiten, mir aus den Spielsituationen Gefälliges zu ziehen, wie beispielsweise einige Liege- und Dösminuten, beim Schlafengehenspielen, oder das Kreieren eigener zwanghafter Bauten, mit dem Versuch die Hilfe der kleinen Baubanausen sich auf das Suchen benötigter Teile zu beschränken. Nun gut Letzteres ist dann eher Parallelspiel mit Kindern.

Ich mag meinen arbeitsfreien Tage, den Alltag mit den Kindern, Ärfelistunden (Kuschelstunden)auf dem Sofa, die erstaunlich tiefsinnigen Gespräche mit einer Fastvierjährigen, gemeinsames Entdecken, Erleben, ja, gemeinsam mit den Kindern macht mir manchmal sogar das Haushalten Spass, nur dieses Kinderspiel, damit können sie mir gestohlen bleiben.

Wahrlich, altruistisch bin ich nicht, auch nicht in meiner Rolle als Mutter.

Wahrscheinlich hätten unsere Kinder einige trennungsschmerzgeplagte Minuten weniger durchlebt, wenn ich sie nie die Eingewöhnungszeit in die KiTa mitgemacht hätten. Wahrscheinlich hätten unsere Kinder genau so sehr, von einem Sommer daheim profitiert, hätten ihre kinderfreundschaftlichen Beziehungen intensiver pflegen können, als auf einer Vierteljahresreise*. Wahrscheinlich würden sich meine Kinder noch mehr über das Spiel mit mir freuen, wenn ich einen blasenschwachen Welpen mimend, angeleint, auf allen Vieren von Ecke zu Ecke krabbeln würde.

Wahrscheinlich gäbe es pädagogisch wertvollere Wege, ein Kind zu erziehen, aber kein für mich authentischerer.

*Es existieren neue, konkrete Pläne. Bald mehr, hier.

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Serhad sammelt.


Sie ändert ihr Gesicht stets völlig unerwartet, diese Stadt, gerade noch pflügten wir uns durch Touristenströme, vorbei an Führern die farbige Schirme schwenkend ihre weissbesockte Herde im Zaum zu halten versuchen, vorbei an kichernden Westeuropäerinnen, die minimst bekleidet, verschleierte Einheimische seltsam unangebracht kontrastieren, vorbei an Mais-, Marroni- und Pilavverkäufern, vorbei an den Strassenmusikanten mit ihren tanzenden Filzhaarkindern und weit vorbei an der Grenze des Erfassbaren, versuchten wir uns eindrucktrunken ausser Reizüberflutung zu retten und taumelten, eine unscheinbare Treppe runter, mitten in ein Quartier, das so gar nichts mit dem herausgeputzten Pflaster von vorhin zu tun hatte. Es ist ruhig, bedenkt man, dass wir uns mitten in einer Millionenstadt befinden, beinah still, es herrscht kein Verkehr. Hier sind sie noch zu finden, Istanbuls alte osmanisch traditionellen Holzhäuser, windschief zwar, von Geschichte und Generationen gezeichnet, verlottert aber wunderschön und mit dem Stolz der Trotzenden. Auf der Strasse spielen Kinder mit einer offensichtlich erziehungsresistenten Jungziege, während ihre bekopftuchten Mütter uns misstrauisch betrachten. Wie grüssen freundlich und bleiben vor einem besonders zerfallenen Haus stehen. Brandspuren, ein beachtliches Loch in der Fassade, notdürftig mit einer Plastikplane bedeckt, Lebensspuren, dieses Haus hat Geschichte, unübersehbar. Wir stehen, betrachten, erdenken Umstände die zum Jetzt führten und mutmassen, ob es noch bewohnt sei, als die Plastikplane zur Seite geschoben wird. „Merhaba!“ ruft er und winkt uns zu. „Merhaba!“ rufen wir zurück, ein wenig ertappt. „Ihr sprecht Deutsch?“ fragt er und lässt sich mit für sein Alter beachtlicher Anmut durch das Loch auf die Strasse gleiten. „Ja.“ erwidere ich. „Wohnen Sie hier?“ Er heisst Serhad, erzählt von seinem Deutschlandaufenthalt (Sämtliche Türken, die wir trafen waren mal in Deutschland, Österreich oder der Schweiz oder haben dort mindestens einen Onkel.) und lädt uns auf einen Cay in seine Wohnung ein. Durch über die Mauer, durch das Loch, gelangen wir in einen, seinen einzigen bewohnbaren Raum. Es ist düster, denn Strom hat er keinen mehr, wie er erklärt, er koche auf dem alten Holzofen, das reiche und gebe in kalten Nächten erst noch warm. Er bietet uns Stühle an, die ich, mit viel Dankbarkeit um unsere bescheidenen Körpermassen, besetze, reicht uns Tee und nimmt selber dem Bettsofa Platz. Ich mag die türkischen Caygläser, sie schmiegen sich hervorragend in die Hand, Daumen und Mittelfinger reichen um gerade soviel nicht um Glases Hals, dass die Tropfen, die sich nach dem Trinken bilden, ungehindert gen Boden rinnen können. Während sich Herr G. und Serhad unterhalten, ich werde als Frau nicht direkt angesprochen, sehe ich mich um. Der Dielenboden, der, wird er begangen, jedes Gespräch durch sein Knarren unterbricht, ist übersäht mit Dingen die ich zunächst als diverse Anhäufungen zufälliger, alltäglicher Gegenstände wahrnehme. „Ich ordne.“ sagt Serhad, meinem Blick folgend. „Ich ordne, weil ich kann. Was ich kann, ist ordnen.“ Mit zunehmender Gewöhnung an die Dunkelheit, wird mir klarer, wovon er spricht. „Ich ordne und sammle, das habe ich mein Leben lang getan. Erst sammelte ich Wissen, Sprachen, um genau zu sein, dann sammelte ich Probleme, dann sammelte ich Verluste, im Ausland schliesslich ordnete ich Müll, hier ordne ich Altmetall.“ Er weist auf den hölzernen Karren, der durch die halbgeöffnete Plastikplane zu sehen ist. Die Sammler der Stadt sind allgegenwärtig, ihr Ruf nach Altmetall oder ausgedienten Elektrogeräten ebenso Teil des Istanbuler Klangbilds, wie der Ruf der Verkäufer und Muezzine. „Jetzt trenne ich das Altmetall, das ich verkaufen kann, vom Altmetall, das ich nicht wegwerfen kann. Ich sammle für Geld und mich und irgendwann wir hier kein Platz mehr sein.“ Er zeigt auf den metallbedeckten Boden. „Ich behalte was niemand will und ordne nach Farbton. Aber es wird zu viel und irgendwann wird hier kein Platz mehr sein. Für mich. Aber anders kann ich nicht. Ich glaube, der Brand hat endgültig etwas kaputt gemacht. Da oben, meine ich.“ er berührt seine Stirn. „Nicht als es passierte, ich weiss ja nicht mal, wann es passierte. Ich war weg und als ich nach Jahren wieder kam, war da ein Loch. Ein Loch in Allem.“ Wir schweigen, weil es nichts zu sagen gibt. Serhad erwartet Nichts. Nach einigen Minuten bedanken wir uns für den Tee, versprechen ein Wiederkommen bei unserem nächsten Istanbulbesuch. „Mashallah!“ sagt Sherad „Und auf Wiedersehen!“ „Mashallah!“ sagen wir, „Hoffentlich.“

Als wir nach Jahren wiederkommen, steht Sherads Haus nicht mehr, es ist, wie diverse andere Holzhäuser dieses Quartiers, wohl der Stadtbildreinigung zum Opfer gefallen.

Der Sammler, der Ordner

Der Sammler, der Ordner

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Update (@Bernmobil)


Bernmobils Kundendienst hat, das muss man ihnen lassen, rasch reagiert und noch gestern angerufen. Den ersten Teil des Gespräch verbrachte der Verantwortliche am Telefon damit, seine beeindruckenden Fähigkeiten in externer Attribution zu demonstrieren: Uneinsichtige, egoistische Passagiere, die keinen Platz machen, mein Unvermögen die Signale des Chauffeurs richtig zu deuten usw. Ausserdem schien mein Telefongegenüber relativ überfordert damit, meinem zugegebenermassen nicht sehr asketischen Brief, die Grundaussage abzugewinnen und erweckte den Eindruck meine gesamten Ausführungen sehr wörtlich zu nehmen. Ich startete noch einige Versuche meinen Standpunkt zu erklären und gab, nachdem ich in einem pädagogischen Höheflug meine Kinder mit Schokolade zur Ruhe bestochen hatte, schliesslich auf und versuchte zumindest einen Beteiligten befriedigt aus dem Gespräch zu entlassen, in dem ich darauf hinwies, dass, was durchaus stimmt, die allermeisten Chauffeure und Chauffeusen von Bernmobil, ihrer offensichtlich immensen Belastung entsprechend, wunderbare Leistungen erbringen.

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Offener Frustbrief @BERNMOBIL


Sehr verehrte Kundenkontaktverantwortliche von Bernmobil, ich verstehe, dass es nicht für alle Chauffeure/eusen immer leicht ist, zu erkennen, ob die sich nahe der Haltestellen befindlichen Personen auf eins Ihrer Transportmittel warten, oder nicht. Und doch gibt es einige Merkmale und Verhaltensweisen, die den einen oder anderen Hinweis auf die Absichten der sich in Haltestelleradius befindenden Personen liefern könnten. Ich möchte hier zwei Beispiele zur Veranschaulichung liefern:

Beispiel 1

Situation: Ein Mann in hautenger Joggingkleidung, die etwas zu viel von seinen körperlichen Voraussetzungen preisgibt, worauf ich hier aber nicht näher eingehen möchte, auch wenn ich mich gerne über die scheinbaren Gegensätze Ästhetik und Sportbekleidung auslassen würde, aber die Tatsache, dass mir Federers Turnschuhe nicht gefallen, tut hier wirklich nichts zur Sache, der Mann mit kaschierten exhibitionistischen Zügen joggt  also in recht ansehlichem Tempo auf die Haltestelle zu, als er sieht, dass der Busfahrer anzuhalten gedenkt, winkt er ihn freundlich weiter.

Analyse: Der joggende, schlechtgekleidete Mann bedeutet dem Busfahrer eindeutig, dass er nicht einzusteigen gedenkt, weiter zu fahren, ohne den Mann mitzunehmen, ist hier eine adäquate Reaktion, zumal jegliches andere Tun in diesem Falle gewaltvolle Nötigung zur Mitfahrt bedürfte und hernach als Entführung ausgelegt werden könnte.

Beispiel 2

Situation: Eine junge Frau mit Kleinkind im Buggy wartet an der Bushaltestelle, als der Chauffeur den Bus anhält (Danke hierfür.) drückt sie den Türöffnungsknopf und versucht wiederholt vergeblich durch die Mitteltür einzusteigen, leider vergeblich, denn erstens befinden sich im Bus sehr viele Menschen mit sehr wenig Wille ein wenig zusammenzurücken und zweitens fehlt es der jungen Frau ganz offensichtlich sich per Amokfahren gewaltvoll Platz zu verschaffen. Sie gibt auf, stellt aber mit erstaunter Erleichterung fest, dass beim vordersten der drei Eingänge durchaus Platz für den, doch relativ handlichen, Buggy ist. Die Tür ist noch offen, sie schafft es gerade so ein Rad einzufahren, als sich die Türe schliesst. Sie zieht den Buggy wieder aus dem Bus und drückt erneut auf den Knopf, die Tür öffnet sich, wieder schafft sie es, ein Rad in den Bus zu schieben, bevor sich die Tür erneut schliesst. Wieder zieht sie den Buggy ganz raus, um ihr Kind nicht in der Tür einzuklemmen, erneut bedient sie den Türöffnungsknopf. Diesmal vergeblich, denn die Tür bleibt verschlossen. Der Buschauffer zuckt mit den Schultern und fährt von dannen.

Analyse: Wenn eine Person wiederholte Versuche unternimmt in den Bus zu gelangen, darf bedenkenlos davon ausgegangen werden, dass sie dies nicht aus Ulk und schierer Freude am Knöpfedrücken tut, sondern, dass sie Ihre Dienste, für die sie regelmässig einiges bezahlt, tatsächlich nutzen möchte. Beispielsweise um, wie im geschilderten Falle, einen Termin beim Kinderarzt rechtzeitig wahrzunehmen.

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie den Sonnenschein von Fahrer, der am 14.02.13 um 12:03 die Haltestelle der Äusseren Enge (Linie 21) bediente, die beiden Beispiele unterbreiten und ihn instruieren würden, damit auch er künftig nonverbal geäusserte Mitfahrwünsche, wie Knopfdrücken oder Einsteigeversuche, als solche erkennt und künftig möglichst wenige Kundinnen mit Kleinkindern, Frustration und Gewaltphantasien mehr in der Kälte stehen lässt.

Ihre Frau Gminggmangg

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Montagmorgen


Morgen ist Montag. Das werden die Allermeisten wissen, trotzdem halte ich es für möglich, dass Individuen existieren, die mit einem unverhältnismässig ausgeprägten Mangel an Zeitgefühl gestraft sind. Ihnen möchte ich hier die Möglichkeit zur Orientierung  in der Woche bieten, denn dass Montagmorgen ist, lässt sich auch feststellen, wenn gerade kein Kalender zur Hand ist.

Hier also, die Erkennungsmerkmale eines Montagmorgens:

Prämontagmorgendlich

  • Sie beschliessen ihr wahnsinnig spannendes Buch nicht auszulesen, sondern packen in weiser Voraussicht Ihre Arbeitstasche und begeben sich zu Bett. Dort wälzen Sie sich, weil Sie noch gar nicht müde sind.
  • Sie stehen wieder auf, lesen doch noch weiter. Nach zwei Zeilen weint eins Ihrer Kinder, es kann nur wieder einschlafen, wenn Sie ihm auf 34,5° temperiertem, 145 mal umgerührtes Wasser, aus dem einen rosa Becher, der noch draussen beim Sandkasten steht servieren. Sollten Sie keine Kinder haben, muss Ihr durchfallgeplagter Hund raus, rein, raus, rein, raus, rein oder Ihre Katze kotzt gekonnt und grosszügig in 70% der wohniglichen Ecken.
  • Wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, stellen Sie mit einem Blick auf die Uhr fest, dass Sie sich langsam beeilen sollten, wenn Sie noch vor 24:00 im Bett liegen wollen. Beim Bestreben genau dies zu tun, fällt Ihr Blick auf die gepackte Arbeitstasche, die Sie beim Versuch dem Kinde schnellstmöglich sein Wasser zu bringen grosszügig gewässert haben. Sollte Sie keine Kinder haben, wars der durchfallgeplagte Hund oder die kotzende Katze. In jedem Falle werden Sie die Tasche ausräumen und die Tasche trockenen müssen.
  • Danach gehen sie zu Bett. Dort wälzen Sie sich, schlafen aber ein.

Perimontagmorgendlich

  • Minuten später jammert das zweite Kind und schläft erst wieder ein, nach dem Sie es, selber in unnatürlicher Position liegend, zu sich genommen haben.
  • Dann bemerken Sie Ihre volle Blase. Sie versuchen sich zu befreien, aber bei jedem Versuch beginnt das Kind unruhig zu jammern. Sie geben auf und versuchen mit voller Blase zu schlafen.
  • Immer wieder dösen sie für fünf Minuten weg, um sogleich aus erschrocken aus irgendwelchen Pinkelträumen hochzuschrecken. Irgendwann schaffen Sie es sich zu befreien. Für einige, kurze schlafmangeldelirische Minuten überlegen Sie sich ernsthaft, ob sie die Houdinireinkarnation sind und begeben sich  hernach gen Klo um des Blasenproblems Herr/in zu werden.
  • Beim Rückweg gen Bett bemerken Sie, dass Ihnen nur noch zwei Stunden Schlaf bleibt. Sie überlegen kurz, ob sich das überhaupt noch lohnt. Sie legen sich trotzdem hin und schlafen sofort, diesmal richtig tief ein.
  • Sie sind so tief eingeschlafen, dass Sie die ersten beiden Weckerklingeln überhören und haben nun noch genau fünf Minuten von Bett zu Bus.
  • Die fünf Minuten brauchen Sie um sich in die erstbeste kinderrotze-, katzenkotze- und/oder hundehaufenbeschmierte Jeans und über Kindes Legohaus zu stürzen, die Tasche mit den wichtigen 50% des grossflächig verteilten Inhalts zu füllen und den Bus zu erreichen, Haare, Mantel und Hose noch offen.
  • Im Bus versuchen Sie sich zu ordnen und bemerken, dass es Ihr Portemonnaie nicht zu den vermeindlich wichtigen 50% Tascheninhalt geschafft hat. Die verwahrlost aussehende Person neben ihnen öffnet ihr gut geschütteltes Bier und bereichert Ihre Hose um einen weiteren grosszügigen Fleck. Nach dem sich der Frühbiertrinker leicht angewidert kopfschüttelnd umgesetzt hat, weil Sie Ihren Hosenstall erst nach langem Werkeln im Intimbereich zu schliessen vermögen, gelingt es Ihnen zumindest den Mantel zu schliessen.
  • Nach Durchsuchung all Ihrer Taschen finden Sie genügen Kleingeld für einen Kaffee und steuern, nach Ankunft am Hauptbahnhof, sofort den Kaffeeitaliener Ihres Vertrauens an, setzten Ihre Ellbögen gezielt und zeitgewinnbringend ein und bestellen schliesslich einen doppelten Espresso. Beim Überreichen des Geldes, fällt das Fünfrappenstück in den Nachbarskaffee, dessen Besitzer sofort lautstark nach bezahltem Ersatz verlangt.
  • Sie werfen die Restmünzen auch noch in den Nachbarskaffee, erlangen dank Wut und anschliessendem Spurt einen Adrenalinpegel der der Wirkung des Kaffees nahe kommt und erwischen den Zug, gerade noch rechtzeitig.
  • Sie finden einen Platz und endlich Zeit die diversen Stadien des Trauerns um den Kaffeeverlust zu durchleben.
  • Neben Ihnen sitzt ein Teenager mit, der Lautstärke eingestöpselter Musik nach zu beurteilen, massiver Hörbehinderung. Er öffnet sein Rödbüll, Sie fühlen sich olfaktorisch belästigt und bemerken, dass Sie sich auf einen Kaugummi gesetzt haben.
  • Nach dem sich Ihr pubertierender Sitznachbar leicht angewidert kopfschüttelnd umgesetzt hat, weil Sie den Rest der Fahrt mit Kaugummiablösungsarbeiten an Ihrem Hintern kratzend verbringen, bemerken Sie, nach Agendakonsultation, dass am Abend ein Elterngespräch ansteht.
  • Am Arbeitsort angelangt, beginnt es zu regnen, das stört Sie nicht, denn Sie hoffen, dass die Nässe katharsisch auf Ihre Hose wirkt.
  • Sie arbeiten an und mit Ihren hauchdünnen Nerven und versuchen Tote zu vermeiden, was hilft, ist der Kaffee, der schmeckt, auch wenn Sie nur den Spühldurchgang erwischt haben.

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