Tagesarchiv: Februar 14, 2013

Offener Frustbrief @BERNMOBIL


Sehr verehrte Kundenkontaktverantwortliche von Bernmobil, ich verstehe, dass es nicht für alle Chauffeure/eusen immer leicht ist, zu erkennen, ob die sich nahe der Haltestellen befindlichen Personen auf eins Ihrer Transportmittel warten, oder nicht. Und doch gibt es einige Merkmale und Verhaltensweisen, die den einen oder anderen Hinweis auf die Absichten der sich in Haltestelleradius befindenden Personen liefern könnten. Ich möchte hier zwei Beispiele zur Veranschaulichung liefern:

Beispiel 1

Situation: Ein Mann in hautenger Joggingkleidung, die etwas zu viel von seinen körperlichen Voraussetzungen preisgibt, worauf ich hier aber nicht näher eingehen möchte, auch wenn ich mich gerne über die scheinbaren Gegensätze Ästhetik und Sportbekleidung auslassen würde, aber die Tatsache, dass mir Federers Turnschuhe nicht gefallen, tut hier wirklich nichts zur Sache, der Mann mit kaschierten exhibitionistischen Zügen joggt  also in recht ansehlichem Tempo auf die Haltestelle zu, als er sieht, dass der Busfahrer anzuhalten gedenkt, winkt er ihn freundlich weiter.

Analyse: Der joggende, schlechtgekleidete Mann bedeutet dem Busfahrer eindeutig, dass er nicht einzusteigen gedenkt, weiter zu fahren, ohne den Mann mitzunehmen, ist hier eine adäquate Reaktion, zumal jegliches andere Tun in diesem Falle gewaltvolle Nötigung zur Mitfahrt bedürfte und hernach als Entführung ausgelegt werden könnte.

Beispiel 2

Situation: Eine junge Frau mit Kleinkind im Buggy wartet an der Bushaltestelle, als der Chauffeur den Bus anhält (Danke hierfür.) drückt sie den Türöffnungsknopf und versucht wiederholt vergeblich durch die Mitteltür einzusteigen, leider vergeblich, denn erstens befinden sich im Bus sehr viele Menschen mit sehr wenig Wille ein wenig zusammenzurücken und zweitens fehlt es der jungen Frau ganz offensichtlich sich per Amokfahren gewaltvoll Platz zu verschaffen. Sie gibt auf, stellt aber mit erstaunter Erleichterung fest, dass beim vordersten der drei Eingänge durchaus Platz für den, doch relativ handlichen, Buggy ist. Die Tür ist noch offen, sie schafft es gerade so ein Rad einzufahren, als sich die Türe schliesst. Sie zieht den Buggy wieder aus dem Bus und drückt erneut auf den Knopf, die Tür öffnet sich, wieder schafft sie es, ein Rad in den Bus zu schieben, bevor sich die Tür erneut schliesst. Wieder zieht sie den Buggy ganz raus, um ihr Kind nicht in der Tür einzuklemmen, erneut bedient sie den Türöffnungsknopf. Diesmal vergeblich, denn die Tür bleibt verschlossen. Der Buschauffer zuckt mit den Schultern und fährt von dannen.

Analyse: Wenn eine Person wiederholte Versuche unternimmt in den Bus zu gelangen, darf bedenkenlos davon ausgegangen werden, dass sie dies nicht aus Ulk und schierer Freude am Knöpfedrücken tut, sondern, dass sie Ihre Dienste, für die sie regelmässig einiges bezahlt, tatsächlich nutzen möchte. Beispielsweise um, wie im geschilderten Falle, einen Termin beim Kinderarzt rechtzeitig wahrzunehmen.

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie den Sonnenschein von Fahrer, der am 14.02.13 um 12:03 die Haltestelle der Äusseren Enge (Linie 21) bediente, die beiden Beispiele unterbreiten und ihn instruieren würden, damit auch er künftig nonverbal geäusserte Mitfahrwünsche, wie Knopfdrücken oder Einsteigeversuche, als solche erkennt und künftig möglichst wenige Kundinnen mit Kleinkindern, Frustration und Gewaltphantasien mehr in der Kälte stehen lässt.

Ihre Frau Gminggmangg

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