Die Hochzeitsrede


Es gibt zwei Gründe, die dafür sprechen, dass ich hier eine Hochzeitsredenvorlage veröffentlichen muss. Der erste Grund ist die Tatsache, dass meine Selbstrede zum 50. Geburtstag derart viele verzweifelt nach Inspiration suchende Suchmaschinenbedienende hierher führt (nur hierher führt, von tatsächlicher Redenschreibhilfe war keine Rede), dass ich davon ausgehe, dass auch eine Hochzeitsrede immer mal wieder Grund für Internetrecherchen sein könnte. Der zweite Grund ist ein nahendes Ereignis, dem ich als Trauzeugin bewohnen werde, schlicht damit ich etwas zu sagen hätte, würde ich denn darum gebeten.

Die Hochzeitsrede

Plingpling … Ich möchte um Ihre Aufmerksamkeit bitten. Stefanie und Reto haben mich ja darum gebeten, heute, an dem Tag, von dem sie jetzt mutmasslich noch denken, dass er der glücklichste ihres Leben sei, eine Rede zu halten. Ich freute mich sehr darüber und fühlte mich geehrt um mich gleichzeitig mit mehreren Schwierigkeiten konfrontiert zu sehen. Erlauben Sie mir, diese hier kurz zu nennen. Erstens: Jeder weiss, dass Reden durch das Schlagen eines Messers ans Weinglas angekündigt werden. Das Brautpaar aber wünschte sich die Rede vor dem Dessert, wenn also nur noch Dessertgabeln zu Glasschlagen zur Verfügung stehen. Mit dem Auftrag der Rede, erhielt ich also auch die Aufgabe, mein Messer zu hüten, auf dass es beim Dessert noch in sauberem Zustande hier liege, was wiederum zur Folge hatte, dass ich die ersten Gänge schneidewerkzeugabstinent bewältigen musste, was sich besonders bei der mundgerechten Verarbeitung des Pferdesteaks als relativ herausforderndes Ansinnen herausstellte. An dieser Stelle möchte ich mich bei der liebreizenden Anna-Lena zu meiner Linken… Ach, Anna-Marie heissen Sie? … Ich möchte mich also bei der liebreizenden Anna-Le … Scheisse! … MARIE! Anna-Marie für den vorzüglichen Fleck Portweinsauce auf ihrem Kleid entschuldigen. Und für meinen Versuch ihn wegzuwischen, was die Sache sowohl aus ästhetischer, wie auch aus zwischenmenschlicher Sicht verschlimmerte. Wie dem auch sei: Der Glas-Messer-Doppelschlag ist gelungen, Sie alle haben ihn vernommen und haben, bis auf Katharina und Susanne, Ihre Tischgespräche eingestellt, um mir zu lauschen.

Reto… Stefanie… Ich erinnere mich noch sehr genau, an damals, als ihr euch, am Bar- und Strassenfest in Niederhünigen, kennen gelernt und sofort verstanden habt. Es war glückliche Fügung, könnte man sagen, jedenfalls für einige von uns. Ich will damit sagen: Für andere weniger. Also für mich. Aber es wäre wohl nicht angebracht, hier auf meine tragische, ebenfalls partiell in diesem Moment entsprungene Liebesgeschichte mit Laura einzugehen. Jedenfalls habe ich das Lied gesucht und gefunden, das gespielt wurde, als ihr erstmals zusammen getanzt habt. Andreas, könntest du bitte!? … Andreas! … Lieber eher als nachher. … Ja, ich meine sofort, du musst nur die Playtaste betätigen. … Nein, die mit dem gleichschenkligen Dreieck, das seltsamerweise auf seiner rechten unteren Ecke blanaciert, anstatt artgerecht auf seiner Grundgeraden zu stehen. … Grün, das gleichschenklige Dreieck ist grün! … Ja, etwas nach Rechts. … Stopp! Die ist es! … (Die Stereoanlage spielt Macarena) … Einige der Bewegungen von damals kann ich sogar noch, schaut her!… (Musik spielt weiter.) … Jetzt Stopp drücken, Andreas! … Die Taste mit dem feuerwehrroten Quadrat, ich habe sie dir gezeigt! … (Stereoanlage: „Ein Fluch in Versform: Ich verfluche diese Stunden, als ich dich oh Laura traf,) … Andreas! Jetzt drück die verdammte Stopp-Taste! … (Stereoanlage: „so verletzt, zerstört, geschunden, wie ein Massenmetzgerschaf. Meine Eingeweide hast…“Stille. ) … Himmelherrgott, danke, Andreas! Das ist mir nun etwas, ähm, unangenehm, ich bitte Sie über die kleine technische Störung hinweg zu sehen. Liebes Brautpaar, seit diesem Abend seid ihr unzertrennlich, wortwörtlich, darf angefügt werden. Hand hoch, wer die beiden noch nie ihre Zahnspangen hat verheddern sehen! Haha, kleiner Scherz am Rande. Tatsache ist, dass die beiden sich immer ähnlicher werden und das liegt nicht nur an den identischen Trainingsanzüge, in denen sie jeweils bei Plauschtennisrunden erscheinen oder an den, ebenfalls identischen, frechen Heimpantoffeln, die sie bei Einladungen gern gleich selber mitbringen, um zu Besuch keine kalten Füsse zu kriegen. Kalte Füsse kriegte heute offensichtlich auch niemand ihr seid beide noch da und habt euch heute mutig Lebenslänglichkeit versprochen. Lebenslänglich! Das muss sich einer erstmal vorzustellen versuchen! Le-bens-läng-lich! Das ist wirklich relativ lang, für uns ungebundenen Müssiggänger gar unerträglich lang. Ehrlich, ich wollte nicht sollen müssen, was natürlich nicht heisst, das ich es euch nicht gönne, denn seit Retos mörderischen Intermezzos mit meiner Wasserschneckenzucht gönne ich ihm Einiges. Aber das ist eine andere Geschichte und selbstredend nur ein weiterer kleiner Scherz. Im Grunde möchte ich euch nur meinen Respekt für die Entscheidung aussprechen, euch in ewiglichen Absichten zu binden, obwohl ihr doch gar nicht wisst, ob da nicht noch Besseres des Weges kommt. Bestimmt ist es, damit niemand von euch all zu sehr hinter fremde Zäune linsen muss, von Nöten, an euerer Beziehung zu arbeiten, wie, hm… Genau! So wie mein Laptop, den ich eben immer mal wieder updaten muss, denn sonst funktioniert er nicht einwandfrei. Nun gut, der wird, wie alle diese Geräte, wohl in einigen Jahren derart überholt sein, dass ich ihn wegwerfen und einen neuen besorgen muss, weil das Arbeiten daran so schlicht keinen Sinn mehr ergibt und wer will schon so ein altes Teil, wenn Klügeres, Besseres, Ästhetischeres erwerblich würde. Das klang bei meiner gestrigen Übungsrede vor Spiegel und Wasserschnecken eindeutig schlüssiger, man verzeihe mir. Was wir, als die Personen die ihr geladen habt, diesen Tag mit euch zu feiert, wohl alle am liebsten wollen, ist, neben einem Stück von der ebenso kalorienreich wie köstlich anmutenden Torte, euch das Beste und Schönste zu wünschen. Viele Kinder, beispielsweise, wenn ihr sowas überhaupt mögt, was ich bei derartigen genetischen Voraussetzungen natürlich begrüssen würde. Aber ich will nicht vorgreifen und mit den weisen Worten schliessen, die mir ein Freund in der zweiten Klasse einst ins Freundebuch schrieb: Lebe glücklich, lebe froh wie die Maus im Haferstroh!

Und, bevor ich gänzlich schliesse, noch mal: Entschuldige Anna-Lisa, ich hoffe du bringst die wirklich vorzüglichen Flecken, an dieser Stelle sei der Küche gedankt, wieder aus deinem Kleid. Das Dessertbuffet ist eröffnet! … Wie? … Oh! Entschuldigt, das Buffet ist NICHT eröffnet. Das Brautpaar möchte das selber tun. … Andreas, bitte tu das Zuckerbrautpaar zurück auf die Torte! … Andreas, STELLEN NICHT LEGEN!

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich

2 Antworten zu “Die Hochzeitsrede

  1. jpr

    Wenn mit diesem Beitrag die sicherlich unzaehlig eintreffenden Suchmaschinisten nicht gluecklich werden – ich glaube dann ist auch keine Hilfe mehr in den anderen Weiten des Internets zu finden.

    (Dass das Brautpaarabbild hingegen gleich dem gleichschenkligen Dreieck nun mal auf der unteren Spitze balanciert werden muss, erscheint mir hingegen sowohl klar, wie auch bestechend logisch)

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