(Nicht)Glauben


Eigentlich wollte ich einen Artikel über Erziehung und Religion und meine (unseren) diesbezüglichen Ideale schrieben, die das Leben mit unseren Kindern beeinflussen, aber jeder Versuch (und es gab etliche Versuche) endete unweigerlich und unfreiwillig in autobiografischen Ausschweifungen. Ich habe nicht geplant, derart persönlich zu werden, aber ich kann das Wie und Warum meiner (nicht)religionserzieherischen Praxis nicht von den Erfahrungen in meiner Kindheit trennen.

Die Menschen die meine Kindheit prägten, hatten eine gemeinsame, sehr konkrete und eindeutige Weltanschauung, die bereits über mehrere Generationen gelebt und weitergegeben wurde. Seit frühester Kindheit war mir unmissverständlich klar, was und an wen zu glauben sei. Es gab eine einzige Wahrheit, die jeder anderen Weltanschauung ihre Berechtigung entzog und natürlich glaubte ich, was mir täglich von meinen Eltern und Nahestehenden erzählt und vorgelebt wurde. Ich kann mich an viele schöne Momente erinnern, an gemeinsames Singen, an fesselnde Geschichten, an ein Zusammengehörigkeitsgefühl und an diesen grossen Dritten, Namens Gott/Jesus, den ich wenn mir nachts zu dunkel war, schützend in meiner Nähe wähnte. Einprägsamer und vor allem nachhaltiger aber, war die unsägliche Angst, den Ansprüchen dieses Gottes nicht zu genügen, die Befürchtung die Sünde, um deren Vergebung ich gebetet habe, nicht genug zu bereuen und damit keine Vergebung zu erlangen, die Angst beim Beten um Vergebung eine Sünde vergessen zu haben, die Angst in einem schwachen Moment eine der Todsünden zu begehen, die Angst vor dem letzten Beten um Vergebung und damit in Sünde zu sterben und damit in der Hölle zu landen und vor allem die Angst bei der Rückkehr Jesu (laut Theorie wird er am jüngsten Tag auferstehen und alle die an ihn glauben und gottgefällig leben mit ins Paradies nehmen), als einziges Familienmitglied zurückgelassen zu werden. Ich kann nicht zählen, wie oft ich nachts erwachte und fürchtete, der Moment sei jetzt gekommen, in dem ich allein zurückgelassen wurde. Ich schlich jeweils in die Zimmer der anderen, um festzustellen, dass sie alle noch da sind, was mich hätte erleichtern können, mir aber hauptsächlich bestätigte, dass ich zu wenig glaubte, zu schlecht war. Denn der wahre Gläubige muss nicht an seiner Errettung zweifeln, er ist sich seines Heils gewiss. Ich aber hatte sie nie, die vielgelobte Heilsgewissheit, dafür um so mehr Angst, nicht zu genügen.

Als ich schliesslich damit begann, Bücher zu lesen, wurden mir neue Welten eröffnet. Ich las mich quer durchs Zeitgeschehen, durch Kulturen, Religionen und Ideologien und mir wurde klar, dass andere Menschen andere Dinge glauben und davon ebenso überzeugt sind, wie mein Umfeld von seinem Weltbild. Es kamen Fragen, auf die es keine Antwort gab, lange vorhandene Zweifel manifestierten sich und wuchsen zum Wissen heran, dass ich das, was mir stets als DIE Wahrheit unterbreitet wurde, nicht mehr einfach als gegeben hinnehmen konnte. Das abwertende Menschenbild, die untergeordnete Rolle der Frau, der Umgang mit dem Thema Homosexualität, die menschlichen Missstände innerhalb der religiösen Gemeinde… Auf die konkreten Auslöser einzugehen, würde jeden Rahmen sprengen, deswegen sei einfach gesagt: Es folgte ein langer, intensiver Ablösungsprozess, innerlich wie äusserlich, denn nein, ich wurde nie aktiv dazu genötigt zu glauben oder den religiösen Veranstaltungen beizuwohnen, aber es existierten bis zu diesem Moment schlicht keine anderen Optionen und so distanzierte ich mich nicht nur von einer Ideologie, sondern auch von einem Grossteil meines sozialen Umfelds.

Mir ist bewusst, dass das Geschilderte für jemanden, der nicht einem solchen Umfeld entstammt, kaum nachvollziehbar ist, aber wahrscheinlich geht es hier und heute auch gar nicht darum, sondern nur darum aufzuzeigen, weshalb ich das, was für andere wohl selbstverständlich ist, ausformuliere und betone:

Meine Kinder sollen angstfrei, offen Blickes und selbstbestimmt wählen können, woran sie (nicht) glauben wollen.

Es stellt also die Frage, wie ich das Leben mit meinen Kindern in einer klar christlich geprägten Gesellschaft gestalte. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in der Annahme, dass die Vorbildfunktion der Eltern eine essentielle Rolle spielt, bin ich auf folgende Punkte gekommen:

Ich versuche, im Rahmen meiner Fehlbar- und Möglichkeiten die Prinzipien der Gleichberechtigung, Achtsamkeit, Toleranz und Respekt vorzuleben und in Situationen in denen ich Gegenteiliges sehe, klar Stellung zu beziehen.

Ich dränge meine (nicht)religiösen und (nicht)spirituellen Ansichten nicht auf und erkläre nur, wenn ich danach gefragt werde, dann dafür altersentsprechend ausführlich und klar, in der Hoffnung, die Kinder mögen sich ich ihre Gedanken selber machen und zu für sie stimmigen Schlüssen kommen.

Fragen in Bezug auf die diversen (nicht)religiösen und (nicht)spirituellen Strömungen beantworte ich wenn möglich und so wertfrei als möglich. Es gibt mehr als nur eine Möglichkeit der Weltanschauung und jede Option (auch und gerade unser Lebensentwurf) darf und muss hinterfragt werden.

Christliche Feste und Feiertage begehen wir ohne religiösen Kontext, erklären ihn aber nach Bedarf und nehmen uns die Bräuche und Brauchteile, die wir gerne weitergeben würden.

 

Was bleibt, ist die Frage, wie ich damit umgehen soll, kann, muss, wenn meine Kinder sich für eine, explizite religiöse Weltvorstellung zu interessieren beginnt. Keine einfache Frage, wie ich finde, denn so sehr ich möchte, dass meine Kinder selbstbestimmt ihre Schlüsse ziehen können, so klar ist auch, dass ich sie nicht nicht beeinflussen kann und will. Tatsächlich gibt es Erfahrungen, von denen ich meine Kinder zu schützen gedenke, wenn ich das Gefühl habe, dass ihr Wohl ansonsten gefährdet wäre. Solange ich mit meinen Kindern noch nicht theoretisch über einen Glaubensansatz sprechen und ihn gegebenenfalls relativieren kann, werde ich mein Kind, selbst wenn es das wollte, nicht mit Freunden an religiösen Veranstaltungen teilnehmen lassen, bei denen ich davon ausgehen kann, dass meinem Kind eine Ideologie, im schlimmsten Fall mit ganz konkreten Konsequenzenandrohung bei Nichtglaube („So wie du jetzt lebst, kommst du nicht in den Himmel, aber wenn du mit Beten um Vergebung und Glauben beginnst…“), als die alleinige Wahrheit präsentiert wird. Ja, das ist absolute Bevormundung und keine Selbstbestimmung. Aber ich lasse meine Kinder auch nicht alleine über verkehrsreiche Strassen gehen, wenn ich nicht davon ausgehen kann, dass sie die Gefahr eines nahenden Autos nicht erkennen oder korrekt einschätzen können.

Und irgendwann bleibt ohnehin nur noch zu hoffen, dass unsere Kinder auch ohne uns wohlbehalten auf die andere Strassenseite kommen.

***

Ich habe nicht ausgesprochen, noch längstens nicht, aber das hier ist ein Anfang, ein erstes Kratzen an der Oberfläche, inwiefern ich in diesem Rahmen hier noch auf die Thematik eingehen werde, ist allerdings noch unklar.
Mir ist absolut bewusst, dass andere Personen, in exakt gleicher Situation und gleichem Umfeld, sehr viel mehr Positives hätten aus der Glauben, wie er in diesem Falle praktiziert wurde, ziehen können.
 
(Nicht) glauben, 2. Teil

34 Kommentare

Eingeordnet unter Elternsein, Erziehung

34 Antworten zu “(Nicht)Glauben

  1. Wortgewaltig und berührend.

  2. Miez

    Ein toller Artikel, der mir absolut verständlich klar macht, wieso du denkst und handelst, wie du es eben tust ♥ Angst gehört nicht in die Erziehung von Kindern und dabei ist egal, unter welchem Namen oder Deckmäntelchen sie daher kommt.

  3. Danke, das hier lesen zu dürfen.
    Schön für Deine Kinder, dass Du Dir zu dem Thema Gedanken machst und reflektierst.

    Ich finde es so schade, dass Deine Kindheit in punkto Religion so angstbesetzt war.

    Wie anders bin ich aufgewachsen. Auch religiös erzogen, war der Glaube für mich immer ein Ort der Sicherheit. Ob in Gedanken oder ganz konkret in meiner Gemeinde. Das hat mir schon sehr oft in großen Krisen geholfen.

    Meine Zuversicht möchte ich auch meinen Kindern weitergeben. Dabei gehe ich nicht dogmatisch vor und bin, genau wie Du, offen gegenüber ihren Fragen.

    • Mir ist bewusst, dass glaube auch positiv sein kann, und, wie du sagst, Stärke und Sicherheit bieten kann. Ich hätte gern einen solchen Glauben erlebt. Vielleicht hätte ein anderer Mensch, in der genau gleichen Situation, im genau gleichen Umfeld, auch ganz anders empfunden.

  4. Fischerkind

    Mir fehlen die Worte… Und doch sprichst du mir aus der Seele. Ich möchte meinem Kind auch die Wahl lassen, woran sie glaubt oder eben nicht. Aber einfach ist, glaube ich, ein anderer Weg.
    Vielen Dank für deine Worte.

  5. cloudette

    Schöner Artikel.
    Mir wurde ein Glück von meinen Eltern weitgehend die Wahl gelassen, weil sie selbst Religiosität als Zwang, Enge und angstbesetzt erfahren haben. Ich habe mit der Freiheit in meiner Jugend zeitweise gehadert, weil ich keinerlei Zugang zum (christlichen) Glauben fand. Im Nachhinein bin ich ihnen dankbar. Ich bin mit meinem großen Kind ähnlich umgegangen, wie du es beschreibst, und möchte das beim Kleinen ebenfalls tun.

    • Es ist davon auszugehen, dass die Kinder sich irgendwann irgendeiner Ideologie intensiver widmen, gerade auf der Suche nach der eigenen Identität. Schön, dass du diese Wahlfreiheit (im Nachhinein) als positiv empfunden hast.

  6. Ellie

    Ich bin so froh, dass ich einen -wie in deinem Blogpost beschriebenen- einschüchternden Glauben erst kennen gelernt habe, als ich mir selbst schon ein Urteil über richtig und falsch gebildet hatte. Als ich so mit 13 oder 14 erstmals mit religiösen Leuten zu tun hatte, die in etwa so denken, wie du oben beschreibst, erschien mir das instinktiv als falsch.
    In meiner Kinderkirch/Jungschar/etc.-Zeit waren die religiösen Inhalte ausschließlich positiv formuliert. Und ich denke, niemand von den Menschen, mit denen ich dort zutun hat, hat Höllenstrafen für eine Realität gehalten.
    Ich hoffe, dass deine Kinder bei ihren Kontakten mit Religion auch nur eine bestärkende&ermutigende Seite erleben.
    Und unbekannterweise bin ich wütend auf religiöse Gruppen jeglicher Art, die ihren Mitglieder ein Gefängnis aus Angst bauen.

  7. Ein wirklich toller und tiefsinniger Artikel.
    Ich finde es gut wie reflektiert du denkst und handelst.
    Das ist ein großer Punkt, der mir am Glauben nicht gefällt – dass es nur die eine Wahrheit geben soll. Meine Mutter erzählte immer, dass es bei ihr in der Kindheit genau so gewesen sei und wollte das für uns nicht. Wir sind alle getauft, aber es war nie aufgezwungen. Auch das Julimädchen haben wir taufen lassen. Ich mag vieles am Glauben, als Kind fand ich es immer gut einen „Halt“ zu haben. Aber grade heutzutage sollte man da offen in jede Richtung sein. Wenn mein Kind es also mal doof findet, dann ist das ok.
    Auf jeden Fall: Hut ab, dass du dieses Thema hier so offen ansprichst. Glaubensdinge sind ja immer schwierig zu formulieren. Du machst das super so.

    • Halt ist als unbedingt positiv zu bewerten, ein Halt der sich den Bedürfnissen des Gehaltenen anpasst und nicht weit über seine Grenzen hinaus zur Enge wird. Danke!

  8. FrauPfarr

    Ich kokettiere ja mit meinem Pseudonym, denn genau das will und kann ich nicht sein: Pfarrfrau.

    Ich habe einen Mann geheiratet, der diesen Beruf, die Berufung hat. Den Glauben, die Sicherheit, all das.
    Aber wir haben vor unserem Kennenlernen viel erlebt, in der Familie, in verschiedenen Kirchen. Und heute wünschen wir uns für unsere Kinder nur eins: freie, gute Entscheidungen treffen zu können.

    Und das gilt für ihr ganzes Leben, und auf diesem Weg seid ihr. Du bist „drin“, du kennst und spürst deine Kinder. Du wirst es gut machen. Du machst es gut.

  9. jpr

    Eine sehr gute Erklaerung eines sehr nachahmenswerten Prinzips. Gar nicht mal auf den Glauben beschraenkt, sondern auf jedes beliebige Thema: Als Normalfall alle Seiten zu betrachten und dann informiert entscheiden (ich schreibe Normalfall, weil mir klar ist, dass man das nicht immer kann und auch gar nicht immer will), das ist eine ganz hervorragende Grundlage – egal, auf was man im Leben trifft.
    Ach, ich hoffe, dass Sie da draussen noch viele viele Anhaenger oder Ideengenossen haben.

  10. Ich selbst glaube nicht an den lieben Gott, sondern an einen liebenden Gott, der (ähnlich wie liebende Eltern) den freien Willen des Einzelnen schätzt und respektiert. Der sich natürlich was wünscht, aber niemals was aufzwingen wird. Genauer hab ich es mal in einem Blogpost beschrieben, das würde hier aber zu weit führen. Das ist quasi die kurze Zusammenfassung, weil ich oft gefragt werde, wie ich noch glauben kann.

    Aber eigentlich möchte ich dir einen Liedtext hier lassen (wenn das zu viel ist, lösch ihn einfach, ja?) – das Lied ist von Albert Frey:

    1. Sie hatte solche Sehnsucht, Gott persönlich zu erfahr’n.
    Sie tat, was man ihr sagte, hielt sich ganz genau daran.
    Sie sah die andern lächeln und sie spielte ihr Spiel mit.
    Sie hört von all den Wundern, doch sie hält nur mühsam Schritt.
    Je mehr die andern jubelten, desto trauriger wird sie.
    Sie fragt sich immer wieder: Warum spüre ich das nie?

    Gott ist anders als du denkst, als das, was du von ihm kennst. Menschen haben sich geirrt und dein Bild von ihm verwirrt.
    Er ist anders als du glaubst, als du dir zu fühl’n erlaubst. Wenn du ihm Vertrauen schenkst, ist Gott anders als du denkst.

    2. Er war ein Überzeugter, wusste alles ganz genau.
    So wie man es ihn lehrte, sagte er es andern auch.
    Bevor ihn jemand fragte, kannte er die Antwort schon
    und hoffte auf die Liebe seines Vaters als sein Lohn.
    Doch manchmal kamen Zweifel, bin das wirklich ich?
    Oder sind des hohle Worte, diesen Gott, den gibt es nicht.

    Gott ist anders als du denkst, als das, was du von ihm kennst. Menschen haben sich geirrt und dein Bild von ihm verwirrt.
    Er ist anders als du glaubst, als du dir zu fühl’n erlaubst. Wenn du ihm Vertrauen schenkst, ist Gott anders als du denkst.

    3. Sie gingen noch zur Kirche, irgendetwas hielt sie dort.
    Die braven Kinder wurden so erzogen an dem Ort.
    Der Pfarrer war gebildet und die Predigt war modern,
    nur auf die alten Regeln hörte man nicht gern.
    Dann kam die große Krise und ihr Schicksal war zu schwer.
    Familientraditionen halfen ihnen da nicht mehr.

    Gott ist anders als du denkst, als das, was du von ihm kennst. Menschen haben sich geirrt und dein Bild von ihm verwirrt.
    Er ist anders als du glaubst, als du dir zu fühl’n erlaubst. Wenn du ihm Vertrauen schenkst, ist Gott anders als du denkst.

  11. Vielen Dank für diesen Artikel!

    Ich schrieb schon auf Twitter, das dies in etwa mein Ziel ist. Wenn ich mal Kinder habe, sollen diese offen an die Religionen herangehen können und selbst entscheiden, ob und was sie glauben.

    Das wird nicht ganz leicht, da mein Mann völlig anders an dieses Thema herangeht.

    Das würde den Rahmen hier sprengen, daher werde ich noch einen eigenen Blogpost dazu verfassen.

  12. Dieser Artikel beschreibt meine Gedanken, wie ich mein Kind erziehen würde, wenn ich eins hätte :D

  13. Ellie

    Weit weg vom Thema aber ich hab gerade diesen Familien-Reise-Blog entdeckt und musste an Deine Reiseberichte, die ich sehr gerne gelesen hab, denken.
    http://dobonsolo31.blogspot.de/

  14. Emee

    Kinder

    Sind so kleine hände
    Winzige finger dran
    Darf man nie drauf schlagen
    Die zerbrechen dann.

    Sind so kleine füsse
    Mit so kleinen zehn
    Darf man nie drauf treten
    Könn sie sonst nicht gehen.

    Sind so kleine ohren
    Scharf und ihr erlaubt
    Darf man nie zerbrüllen
    Werden davon taub.

    Kinder

    Sind so kleine hände
    Winzige finger dran
    Darf man nie drauf schlagen
    Die zerbrechen dann.

    Sind so kleine füsse
    Mit so kleinen zehn
    Darf man nie drauf treten
    Könn sie sonst nicht gehen.

    Sind so kleine ohren
    Scharf und ihr erlaubt
    Darf man nie zerbrüllen
    Werden davon taub.

    Sind so schöne münder
    Sprechen alles aus
    Darf man nie verbieten
    Kommt sonst nichts mehr raus.

    Sind so klare augen
    Die noch alles sehn
    Darf man nicht verbinden
    Können sie nichts verstehen.

    Sind so kleine seelen
    Offen und ganz frei
    Darf man niemals quälen
    Gehen kaputt dabei.

    Ist so ein kleines rückgrad
    Sieht man fast noch nicht
    Darf man niemals beugen
    Weil es sonst zerbricht.

    Grade klare menschen
    Wär ein schönes ziel
    Leute ohne rückgrad
    Haben wir schon viel. Bettina Wegner

  15. Rinjah

    Ich selbst bin recht Religiohnsfrei aufgewachsen. Ich wurde nicht getauft, musste nicht beten, durfte aber alles kennen lernen, wenn ich interesse daran hatte.
    In der Schule habe ich mehrfach zwischen Religionsunterricht und Ethik gewechselt, ich habe selbst interesse daran gehabt und mich über Religionen informiert. In der Grundschule habe ich mir eine Bibel gewünscht, sie bekommen und auch gelesen. Allerdings habe ich immer für mich entschieden, dass ich an so etwas nicht glauben kann und ich fand meine Erziehung in diese Richtung ideal und würde es so auch weiter geben wollen.
    Ich finde es toll, was du machst und kann es gut nachvollziehen.

  16. Ähnliches erlebt, ähnliches gefühlt und ähnliche Schlussfolgerungen getroffen.
    Und die freundlichen Menschen, die Dir Drohmails schicken, möchten doch bitte wieder mal Matthäus 7, 1-5 sowie Lukas 6, 37-38 lesen.

  17. Vorab: hier spricht der Mann zur Pfarr-Frau. ;)

    Als ich deinen Rückblick auf deine Kindheit gelesen habe, hats mich geschauert. Das klingt nach finsterem Mittelalter, nach den Lehren, die einen Luther in die Verzweiflung getrieben haben – und dann in die Entdeckung: Gott ist doch ganz anders! Aber leider ist es aktuell. Und ich kenne Menschen, die daran regelrecht zerbrochen sind, bis zur Aufnahme in die geschlossene Psychiatrie. Ich schreibe jetzt bewußt nicht hierher, warum ich diese Lehren für teuflische Perversion des christlichen Glaubens halte; wenn du da mehr wissen willst, frag mich gern, aber ich möchte auf keinen Fall den Anschein erwecken, missionieren zu wollen.

    Ich find’s gut, daß du deinen Kindern von vielen Weltanschauungen und Glaubensrichtungen erzählst. Zwei Gedanken habe ich dazu:
    1° „ergebnisoffen“ ist schwer durchzuhalten, sobald man selbst berührt ist. In einer Folge „Neues aus Stenkelfeld“ heißt es sinngemäß: „die Bundesregierung hat die Atomindustrie endlich überzeugt, Gespräche über den Atomausstieg aufzunehmen. Auf Drängen der Industrie wurden die Gespräche ausdrücklich als ergebnisoffen festgelegt.“ Der Respekt auch vor deinen Kindern erfordert eigentlich, daß du es auch hinnimmst, wenn sie mit Ansichten konfrontiert werden, die für den sie vertretenden die absolute und unumstößliche Wahrheit sind. Die Grenze ist zu ziehen, wo Menschen, die nicht dieselben Ansichten teilen, herabgesetzt werden.
    („Grundwahren“ Ansichten sind sie letztendlich andauernd ausgesetzt, in der Schule, in den Medien… und ehrlich gesagt, ich mißtraue Leuten, die sagen, sie haben für sich keine Grundwahrheiten. Die hängen doch wie ein weggeflogener Luftballon im Strom der Winde.)
    2° Sei darauf gefaßt, daß sie dich fragen: und was glaubst du, Mama? Was ist für dich wichtig? Was sind deine grundlegenden Werte, an die du dich hältst und die dich halten? Denn Kinder wollen, daß ihre Eltern für sie Autorität sind. Sie brauchen es, sich auf dich verlassen zu können, und eines Tages eben auch, deine Fundamente zu hinterfragen, sich dagegen aufzulehnen.

  18. Christina

    Was mich immer wieder wundert, sind solche Aussagen wie, „dass wir in einer klar christlich geprägten Gesellschaft “ leben würden. Das ist mir ehrlich gesagt noch nicht aufgefallen. Menschen, die an Gott glauben werden doch in ihrem Umfeld eher von anderen belächelt. Ich weiß nicht, vielleicht liegt es ja daran, dass ihr möglicherweise alle im erzkonservativen Bayern o. ä. beheimatet seid und ich aus den neuen Bundesländern stamme? Da kenne ich die Gegebenheiten nicht so. Dann kann ich natürlich nicht mitreden. Ich kann es mir nicht anders erklären. Jedenfalls „christlich geprägte Gesellschaft“, darunter würde ich was anderes verstehen (z. B. keine Unehrlichkeit, Profitstreben, Steuerhinterziehung und Bankenkrise ….um nur mal ein paar Beispiele zu nennen).

    Ansonsten finde ich es traurig, was du erlebt hast. Konntest du mit deinen Eltern denn nicht über deine Ängste reden? Vielleicht hast du da ja auch einiges mißverstanden. Soch ein Hängen an „Werkegerechtigkeit“ kenne ich eigentlich nur aus katholischer Ecke oder von irgendwelchen Sekten.

  19. Pingback: (Nicht) Glauben, 2. Teil | Gminggmangg

  20. frau nörgeli

    @christina
    dien beitrag wurde nicht kommentiert, warscheinlich weil er kopfschütteln hervorruft…
    natürlich sind wir klar christlich geprägt in unserer gesellschaft: unser kalender, unsere feiertage, die monogamie um nur drei essentielle punkte zu nennen die uns wesentlich beeiflussen und dem christentum entspringen.

    • Der Kalender ist persisch, die Feiertage keltisch/germanisch (nur umbenannt und mit anderem Inhalt gefüllt) und die Monogamie jüdisch-griechisch-römisch-keltisch-germanisch.
      Nächster Versuch?

  21. Pingback: Übers Ziel hinaus | Gminggmangg

  22. Pingback: Gelebte Besinnlichkeit (15. Dezember) | Gminggmangg

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