Foulard


Ich verbringe meine Tage momentan damit, positiv zu denken. Das fällt leichter, wenn man an Dinge denkt, die man mag. Ich mag Foulard, also nicht das Seidentuch als Objekt, vielmehr das Wort. Ich mag das Wort hauptsächlich aufgrund der oralen Reizproduktion beim Aussprechen, aber auch wegen seines Klanges. „Fulaar.“ Sagen Sie es! Sagen Sie Foulard! Sie werden sich besser fühlen. Foulard. Ehrlich. Foulard. Ich versuche, zu meiner und damit der allgemeinen Hebung der Stimmung, dieses Wort so oft als möglich im Alltag einzusetzen. Nun werde ich aber diesbezüglich vor erhebliche Probleme gestellt, denn ich bin keine Foulardträgerin, die Menschen in meiner Umgebung offensichtlich auch nicht. Ich möchte das für mich nicht ändern, bei aller Foulardliebe und mein Umfeld macht so freiwillig auch keine Anstalten, sich dem Tragen dekorativer Foulards zuzuwenden. Es bleiben also zwei Optionen: Ich suche mir foulardtragende Freunde oder mache meine Freunde zu Foulardtägern. Ersteres scheint einfacher, man denke nur an all die FlugbegleiterInnen, nichts einfacher, als FlugbegleiterInnenfoulards zu komplimentieren. Oder man setze sich, was allerdings alleinzeitmässig ein ziemliches Opfer wäre, beim Pendeln zu einer der diversen foulardtragenden Rollkofferzugpferdchen. Schwieriger ist es, beim eigenen Freundeskreis anzusetzen, ohne all zu sehr aufzufallen. Es würde mir wohl als Egoismus angekreidet, wenn ich mich nun aufs konsequente Foulardverschenken verlegen würde. Auch die Erklärung „Foulards sind die neuen Bücher. Foulard.“ Würde mir wohl nicht einfach so abgenommen. Bleiben nur als Kompliment oder Optimierungsvorschlag getarnte Suggestionen, wie: „Ja, Herr G. diese Hose steht dir wunderbar, und das Hemd, ach, wie herrlich es deine Augen betont! Das Tüpfelchen auf dem i wäre nun natürlich ein sorgfältig gewähltes, farblich passendes Foulard… Oh, wenn ich so darüber nachdenke, ich glaube ich habe sowas gerade zur Hand. Foulard. Hier! Foulard.“ Ich gebe zu, kontextfrei gelesen, mag diese hypothetische Rede etwas unnatürlich anmuten. Nun gut, vielleicht auch mit Kontext. Mist. Foulard. Ich sehe schon: Es bleibt nur, meine wehrlosen Kinder jüngere Tochter mit Foulards einzukleiden. Foulard.

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13 Kommentare

Eingeordnet unter Neulich

13 Antworten zu “Foulard

  1. Wie wärs mit einem neuen stimmungsaufhellenden Wort? Mein Lieblingswort “ farfalla“. Viel alltagstauglicher. „Ja meine Lieben, heute gibt es wieder Farfalla-Nudeln…… Ja schon eine ganze Woche in folge gibts „Farfallas“. Leckere „Farfallas“, gell….mmmh!“

  2. Ich trage zur Zeit sehr gerne Foulard’s! Aber eher ähm rockig, also so im Vergleich mit der Flugbegleiterin! 😄

  3. Ich habe ganz viele davon. Also drei. Und dann noch ganz viele hässliche. Aber die habe ich Kurzem geschenkt, um sich zu verkleiden. Magst Du sie haben?

  4. jpr

    Ich bin nun schon laenger am ueberlegen, wie ich meine Mutmassung (leichtes Foulardette-Syndrom) in Worte kleide, die nicht vorwuerfig klingen, sondern diesen Umstand halt eben als moegliche Loesung vorschlagen. Ich glaube es gibt aber nur einen einzigen Weg das zu tun: Foulard!

  5. mit einer leichten abwandlung gäbe es in soziolog*innenkreisen immerhin die vortreffliche möglichkeit das wort „foucault“ ziemlich unbegrenzt und unauffällig zu benutzen!

    • Ein Wort wie Foulard kann nicht ersetzt werden, so sehr ich Ihren konstruktiven Vorschlag schätze, es gälte wohl viel mehr einen offiziellen, dudengenehmigten Bedeutungstausch mit einem anderen Wort vorzunehmen. Mögliche diesbezügliche Anwärter sähe ich in „Hallo“, „Danke“ und „und“.

  6. ob grad der olle duden diese ordnung der dinge antastet, sehe ich noch etwas skeptisch…
    dann foulardisieren sie halt vorerst privat.

  7. Justine Osborn

    Achtung! Dies ist eigentlich ein Spamkommentar, aber das Wort Foulard kommt vor. Jawoll!
    Frau Gminggmangg

    Jede Kleidervorschrift hat etwas Aggressives. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde mir in Berlin von einer unerbittlichen Türsteherin der Eintritt in die Disco verweigert, weil ich einen Minijupe trug. Ich musste aus der Reihe derjenigen, die eingelassen wurden, heraustreten und stand daneben wie ein begossener Pudel. Ob es nun wirklich wegen des Minijupes war, habe ich nie herausgefunden. Meine beiden Begleiterinnen (in Jeans) äusserten diesen Verdacht. Vor ein paar Jahren nahm ich in Casablanca an einem Abendessen auf einer Dachterrasse teil. Als Selbstversuch hatte ich mir zuvor ein Foulard als lockeres Kopftuch umgebunden und wartete nun auf die Kommentare meiner marokkanischen und europäischen Freunde. Bei einigen spürte ich deutlich, dass sie befremdet waren, jedoch erst einmal abwarten wollten, ob mein Kopftuchtragen zur Gewohnheit werde. Niemand sagte etwas – den ganzen Abend lang. Auf Dachterrassen weht immer ein Lüftchen, und man konnte vorerst mein Kopftuch mit meiner Durchzugsempfindlichkeit erklären.

  8. Pingback: Klumpen (1.Dezember) | Gminggmangg

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